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Dunkelwelten-Trilogie Band 1 »Schwarze Saat« – Das Interview mit Michael Marcus Thurner

Michael Marcus Thurner stellt sich den Fragen von Roman Schleifer. Unter anderem verrät er, welches Ziel er bei dem Roman verfolgt hat und warum Homer G. Adams im Buch vorkommt.

Michael, das Konzept zur Dunkelwelten-Trilogie stammt von Robert Corvus, wurde von dir gemeinsam mit ihm überarbeitet, bevor Klaus N. Frick wiederum bei Teilbereichen Änderungen eingefordert hat. Jetzt kenne ich dich eher als Freigeist. Wie froh bist du dennoch über Korrekturen vonseiten der Reaktion?

Bei diesem Projekt war viel »work in progress« mit dabei, ich habe bei den einzelnen Handlungssträngen immer wieder die Stoßrichtung geändert. Da war ich schon froh, dass Klaus – vor allem in der ersten Hälfte des Manuskripts – korrigierend eingegriffen hat.

Wie viel Freiraum hattest du bei Band 1 »Schwarze Saat« dann wirklich?

Viel.

Du hast drei Monate an dem Band gearbeitet. Wie behält man da die Übersicht?

Puha. Es war halt zum Ende hin viel Arbeit, um die Handlungsfäden zusammenzuführen.

»Schwarze Saat« verwebt wirtschaftliche Verhandlungen, ethnische Konflikte und einen alten Mythos mit einander. Mitten darin Perry Rhodan, der um sein Leben und das seiner Gefährten kämpft und das Geheimnis des Mythos auflösen will. Gehört der Bezug zur Vergangenheit zu einem guten RHODAN-Roman? Ist er unabdingbar?

Nein, natürlich nicht.
Mein großes Ziel war, zwei Völkern jenen Raum zu geben, den sie meiner Meinung nach verdienen und den sie in der Erstauflage nicht so richtig bekommen haben. In den Heftromanen spricht das strikt genormte Format gegen ausführliche Charakterisierungen.

Du hast Homer G. Adams als einer der Helden gewählt, eine Figur, die eigentlich nur im Cantaro-Zyklus als Chef der WIDDER temporär im Mittelpunkt stand. War er als Figur vorgegeben oder hast du ihn ausgewählt? Was war der Grund, dass du ihn ausgewählt hast?

Adams war meine Idee. Du sprichst es eh an: Ich wollte diese Figur wieder mal in Erinnerung rufen. Dass er in Andreas Eschbachs Roman »Perry Rhodan – das größte Abenteuer« ebenfalls eine Rolle spielen würde, wusste ich übrigens nicht.

Denkst du, dass man auf Adams als Figur in der EA verzichten könnte, da Er ja ohnehin fast nie vorkommt? (Gut, in der Erstauflage hält er auf Terra derzeit die Stellung, wo immer es auch sein mag, aber eigentlich Kam er in der Vergangenheit noch seltener als Julian vor?)

Für mich ist Adams eine völlig unterschätzte Figur, die noch lange nicht auserzählt ist. Deshalb hätte ich sie gerne weiter in der Handlung. So klein Adams‘ Rolle auch sein mag – irgendwann wird sich wieder ein Autor seiner annehmen und mehr über ihn verraten.

Adams sagt zu Perry, dass er zwar ein unverbesserlicher Optimist, aber kein Messias ist. Wieso glaubt Adams, dass Perry sich als Messias sieht?

Ach, das war ja bloß im Rahmen einer Unterhaltung unter uralten Freunden dahingesagt, wenn ich mich recht erinnere. Ich würde nicht allzu viel drauf geben, was da einer zum anderen spricht.

 

MMT am Austria Con 2016 copyright Martin Steiner

Es gibt eine Szene, die durch den Anstich beim Oktoberfest inspiriert worden sein könnte, in der Perry Rhodan nicht gut wegkommt. Gib’s zu, es hat dir eine diebische Freude bereitet, Rhodan bei einer »alltäglichen« Situation scheitern zu lassen.

Es ist doch so: Perry ist eine erhöhte Figur, mit der man sich schwer identifizieren kann. Rhodan hat meist das große Ganze im Auge. Da hilft es, ihm durch die eine oder andere Schwäche ein wenig mehr Bodenhaftung zu geben. Das macht ihn greifbarer, geerdeter, sympathischer.

Wie ernst nimmt sich deiner Meinung nach Perry Rhodan selbst?

In seiner Rolle als der Vertreter der Menschheit nimmt er sich total ernst. Der private Rhodan ist ein ganz anderer Mensch.

Denkst du, könnte RHODAN mehr Humor vertragen?

Aus redaktioneller Sicht ganz gewiss nicht. Humor kann schrecklich schiefgehen. Ein einziger schlechter Witz (man denke an den Ennox-Scherz) kann einen ganzen Roman zerstören. Aus Sicht des Autors freu ich mich natürlich, wenn ich da und dort ein Scherzchen einstreuen kann. Wenn’s nicht passt, bekomm ich eh von Rastatt eine auf den Deckel.

Du konntest dich bei den Anuupi austoben, da in der Erstauflage nicht allzu viele Details über sie beschrieben wurde. Dieser Freiraum gefällt dir besser als ein enges Korsett. Was steckt dahinter?

Warum ich meinen Freiraum brauche? – Ich tu mir halt beim Schreiben leichter, wenn ich möglichst viel selbst erfinden kann. Ich mag offene schriftstellerische Räume, die ich dann anfüllen kann. Kollegen im Team brauchen mehr Sicherheit und Richtlinien. Menschen und Autoren sind nun mal unterschiedlich.

Du schilderst den Dialog zwischen zwei Onryonen, bei dem sie an den Terranern kein gutes Haar lassen, sie als Mördergesindel bezeichnen und rassistische Kommentar über die Terraner von sich geben. Überhaupt beschäftigt sich der Roman mit dem Thema Migration, ein Thema, das in Der Realität seit ein paar Jahren präsent ist. Hast du es mit dem Buch zu verarbeiten versucht?

»Verarbeiten« wäre zu viel gesagt. Hier hab ich bloß mal den Blickwinkel verändert. Und ich habe die eine oder andere sanfte Kritik untergebracht, die halt meine Meinung widerspiegelt.

Rhodan ist in deinem Band über genetische Optimierung entsetzt. In Band 2 von Robert Corvus »Schwarze Frucht« wird er dafür von einer Figur als Reaktionär beschimpft, der den Fortschritt aufhalten will. Hemmt Rhodan durch die Moralvorstellungen aus dem 20. Jahrhundert den Fortschritt? Hat er sich moralisch nach 3500 Jahren nicht weiterentwickelt? Und wie ist deine Meinung zum Thema genetische Optimierung?

Sie wird kommen. In Formen, die wir uns jetzt noch nicht so richtig vorstellen können. Der Mensch verschiebt stets seine Grenzen, so weit es die jeweiligen Möglichkeiten erlauben. Und »Optimierung« ist sowieso ein großes Thema unserer Zeit. Wenn ich bloß an all diese Zombies denke, die sich die ärgsten Schönheitsoperationen angedeihen lassen …
Ich bin zu alt, um das Zeitalter der genetischen Verbesserung noch mitzuerleben. Und da bin ich froh drüber. Ich wollte in dieser Welt nicht mehr leben. Was das fiktive Perryversum betrifft: Da bin ich voll auf Rhodans Seite.

Robert Corvus hat eine Leserunde zu seinem Roman gemacht. Was war der Grund, dass du keine gemacht hast?

Ich ziehe mich ein Stück weit aus dem Online-Leben zurück. Es schadet mir enorm.

Die Rezensionen sind überwiegend positiv. Googelst du nach ihnen? Wie sehr freust du ich über positive Reaktionen?

Ja, ich bekomme mit, dass der Roman gefällt. Kritische Stimmen sind natürlich auch wichtig für mich. Sie helfen mir, die Bodenhaftung zu wahren.

Ein Leser im GalFor hat über Band 1 geschrieben, dass Rhodan wie eine Art Indiana Jones agiert. Wie siehst du das? Ist Perry eine Art Indiana Jones in Band 1?

Finde ich nicht. Seine Situation zwingt ihn zum aktiven Handeln. Das ist ja eine von Rhodans Stärken: in den unterschiedlichsten Situationen bestehen zu können.

Was trägt den Roman? Die ausführliche Schilderung der Welt oder die Figuren?

In diesem Roman kann man das Eine nicht vom Anderen trennen, finde ich.

Eine Anspielung des Fans des Fußballklubs »Rapid Wien« auf den Stadtrivalen »Austria Wien« habe ich entdeckt. »Der Onyrone roch sonderbar, nach einer Mischung aus Pferdedung und Veilchen.« (Anmerkung: Austria Wien hat als Klubfarbe violett und daher werden die Spieler auch nach der Blume »Veilchen« genannt). Welche Anspielungen verstecken sich noch?

Du, ich weiß es wirklich nicht. Das mit den Austrianern hab ich schon längst wieder vergessen gehabt. Ich arbeite ja nicht auf irgendeinen Schmäh oder einen gesellschaftskritischen Satz hin. Das passiert fließend während der Schreibarbeit.

Michael, danke für deine Zeit.

Hintergrundinfo gibt es auf:
https://mmthurner.wordpress.com/2019/05/12/ein-paar-worte-zu-dunkelwelten-schwarze-saat/

Homepage des Autors: http://mmthurner.wordpress.com

Hier gehts zum ebook:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9783845351001/dunkelwelten-1-schwarze-saat-von-michael-marcus-thurner-e-book-epub

Und hier zum Buch:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9783404209422/perry-rhodan-schwarze-saat-von-michael-marcus-thurner-kartoniertes-buch

 

Neun Fragen an Michelle Stern zu ihrem PR-Band 3020

Band 3020 von Michelle Stern endet mit einem Paukenschlag. Im Interview mit Roman Schleifer verrät sie ihre Reaktionen auf Expos und ob sich Anspielungen im Band finden.

 

Du schreibst den vierten Band auf Ilya, Rhodan und sein Team reisen zu Fuß, per Bahn und im Luftschiff über den Planeten und es gibt das Monster of the week in unterschiedlichen Variationen (Pflanzen, Seeungeheuer, fliegende Tiere, Erdtiere). Sofern das nicht alles Expo-Vorgaben sind. Wie stimmen sich die Autoren ab, damit es nicht zu wiederholungen kommt?

Tatsächlich war hier viel Expovorgabe und ansonsten haben wir uns E-Mails geschrieben und uns ausgetauscht. Soweit die Texte vorher schon fertig waren, konnte ich sie auch in der Rohfassung lesen, vor der Überarbeitung.

Ich hatte den Eindruck, dass dein Band dazu diente, die Handlung noch ein Heft zu verzögern, um Leos Band 3021 vorzubereiten. Vermutlich hast du für ihn ein paar Verschränkungen eingebaut. Wie intensiv hast du dich mit Leo abgestimmt?

Ich habe mit Leo einige Mails gewechselt und hatte die Rohfassung seines Anfangs vorab.

Michelle Stern am Austria Con 2010
copyright Martin Steiner

Wie geht es dir, wenn du das jeweilige Expo öffnest? Nervös? Gespannt? Angst?

Ganz verschieden. Idealerweise ruhig und gelassen. Immerhin weiß ich inzwischen, dass meine Erstreaktion nicht unbedingt ausschlaggebend ist. Manchmal sagt mir ein Expo zu, manchmal nicht – aber im Laufe des Prozesses wird es ohnehin meine eigene Geschichte. Das kann leicht oder schwer von der Hand gehen.

Was war am schwierigsten vom Expo 3020 umsetzbar?

Es stand eine Vorgabe darin, die mir so eben nicht logisch vorkam. Das Schwierigste ist, mir dann nicht selbst im Weg herumzustehen. Egal ob die Vorgabe nun logisch ist oder nicht – ich muss sie umsetzen. Wenn ich etwas schreibe, das für mich nicht logisch ist, merke ich das meinem Text an. Da quillt die Unsicherheit aus jedem Adjektiv. Deshalb schreibe ich einfach nichts mehr, was für mich nicht logisch ist. Die Exposés geben immer auch eine gewisse Freiheit Dinge eben nicht zu schreiben oder anders zu lösen. Genau das ist in dem Fall meine Aufgabe.

Hartmut hat in Osnabrück gesagt. »Ob ein Expo umsetzbar ist, merkt man erst beim Schreiben.«
Gab es schon mal ein Expo, dass du gar nicht schreiben konntest und zurückgeschickt hast?

Nein. Aber es gab Expos, die ich stark geändert habe. Wobei ich schon dankbar bin, wenn ich merke, mit diesem Exposé komme ich gut zurecht. Dann dauert der ganze Schreibprozess deutlich kürzer und ich habe mehr Zeit für andere Dinge. Das muss auch in dem Sinn nicht am Expo liegen.
Gerade schreibe ich einen halben NEO und habe Ewigkeiten gebraucht, bis ich wusste was ich schreiben will. Das Expo war logisch und gut, keine Frage. Es ging mehr darum, wie kann ich diese Geschichte spannend gestalten und was möchte ich schreiben.

Uwe hat Karl May und Formel-1 in 3019 eingebaut, ersteres offensichtlich, letzteres ziemlich versteckt. Welche Anspielungen finden wir in deinem Band?

Ich kann mich nicht erinnern in diesem Band speziell etwas eingebaut zu haben. Neulich habe ich Freunde von früher getroffen, die mich auf das Pylonenfußball angesprochen haben, das wir gemeinsam gespielt haben und das in Band 3007 »Zeuge der Jahrhunderte« vorkommt. Aber ich mache das auch nicht immer. Eben so wie es kommt. Oft spontan.

Siad vermisst die Bewunderung, die Tenga entgegengebracht wird. Was ist der Grund, dass sie bewundert werden will?

Ich hätte Siad in dem Roman gern mehr Raum gegeben, leider hat das so nicht hingehauen. Hier hätte ich gern mehr ausgearbeitet – das habe ich dann aber eben aus Platzgründen nicht.
Dass man es allgemein auch einmal mögen oder genießen kann, von anderen bewundert zu werden – braucht es da einen ganz speziellen Grund?
Tenga stand eben im Rampenlicht und Siad hätte sich das für sich auch einmal gewünscht – sich mehr in den Vordergrund zu spielen. Gleichzeitig hat sie dieses Verhalten aber abgelehnt. Was wir uns selbst verbieten, bekämpfen wir manchmal in anderen, die uns dann entsprechend unsympathisch sind – weil das eine Seite von uns ist, mit der wir nicht im Reinen sind.
Wie geschrieben, ich wäre hier gern ein wenig tiefer gegangen, doch in dem Roman hat das letztlich nicht gepasst.

Perry Rhodan taucht auf und Bull gelingt mit ihm als »Druckmittel« der Einflug ins Solsystem. Perry Rhodan ist auf Ilya und prompt verlangen die Cairaner ein Treffen mit dem Orakel. Alles Zufall? 

Das ist die große Frage. Sicher nicht. Aber wie genau hängt es zusammen? Hat allein Bulls Vorstoß dafür gesorgt, dass die Cairaner eine engere Bindung oder besser Kontrolle wollten?
Im Expo stand es nicht explizit drin, wie das zusammenhängt.

Bei dir kommt der Begriff »Sternenrad« zum ersten Mal vor, den Hartmut am Osnabrücker Con unfreiwillig gespoilert hat. Erzähl uns mehr darüber.

Ha, ha! Soll heißen: Nö, sorry. Mache ich nicht. Frag Hartmut.

 

 

 

 

 

21 Antworten von Hartmut Kasper zum PR-Zyklus »MYTHOS«

Expo-Autor Hartmut Kasper stellte sich den Fragen von Roman Schleifer und spricht unter anderem darüber, ob Perry Rhodan eine schwierige Figur ist und wie Monkey seine Zeit verbringt.

 

Hartmut Kasper auf den 3. PR-Tagen Osnabrück 2019
copyright Jörg Ritter

Hartmut, der Zyklus begann nicht mit einem Paukenschlag, sondern der Leser ist mit Perry Rhodan langsam in die neue Situation in der Milchstraße hineingeglitten. Was waren eure Beweggründe, den Zyklus langsam anzugehen?

Rhodan findet sich in einer neuen Situation, in der, wie er herausfindet, alte Sicherheiten nicht mehr gelten und nichts und niemand vertrauenswürdig sein muss – wie Atlan deutlich mahnt, eine Mahnung, die Rhodan beherzigt.
Also beginnt Rhodan damit, sich selbst ein Bild zu machen, ohne die Sicherheit seiner Leute und seines Schiffes zu gefährden. Das tut er, ohne zu zögern, aber auch nicht vertrauensselig. Wenn sich neue Aspekte ergeben, korrigiert er seine Pläne. Rhodan übereilt nichts, da ja auch nichts drängt: Offenbar befindet sich die Milchstraße in einem zwar labilen, aber nicht ihre Existenz gefährdenden Gleichgewicht – so muss es ihm wenigstens nach Auswertung der vorliegenden Daten erscheinen.
Also handelt er ebenso vernünftig wie zielbewusst.

Gefühlt haben viele Leser mit Band 3000 und dem Zyklus große Erwartungen an die Handlung gehabt. Kann man solchen Erwartungen überhaupt gerecht werden?

Da Leserinnen und Leser durchaus sehr verschiedene Erwartungen haben, lässt sich das pauschal nicht beantworten.

Ein Fünftel des Mythos-Zyklus ist vorbei. Nachträglich betrachtet: Was würdet ihr nun anders machen?

Selbstverständlich kann man immer einiges anders machen, ob es dann besser wäre, bleibt spekulativ, weil unerfindlich.

Es gibt ja drei Arten von Heldenentwicklungen. Der Held verändert sich zum positiven, der Held verändert sich zum negativen und dann gibt es noch jene Kategorie Heldenentwicklung, in die Perry Rhodan fällt. Der Held hat die Wahrheit bereits »gepachtet«, verändert sich also nicht, besteht durch seine innere Wahrheit jeden äußerlichen Test und verändert am Ende sein Umfeld. Wie schwierig ist aus Exposicht die Figur Perry Rhodan für die Entwicklung der Handlung?

Gar nicht schwierig. Rhodan ist eine großartige Figur, die die Handlung mal vorantreibt, die aber auch mal innehält und reflektiert. Auch Rhodan verändert sich, wie jeder von uns; schließlich ist er, was jeder von uns ist oder doch sein möchte: ein offener, auf- und unabgeschlossener Mensch.

Hartmut, du hast am Osnabrücker PR-Con gesagt, dass in jedem Roman etwas Wichtiges stehen muss – habt ihr das bislang konsequent umgesetzt?

Das will ich doch hoffen.

Bei der Umsetzung der Expos in die Romane kann es bekanntlich zu Abweichungen kommen. Wie erstaunt seid ihr, wenn ihr dann den Roman liest und der Autor hat einen anderen Zugang zum Expo gefunden, als ihr gedacht habt?

Nicht sehr erstaunt. Wir sind ja selbst Autoren und müssen bei jedem selbst Expo den wieder neuen Zugang zum Exposee finden. Dass wir die Exposees schreiben, ändert daran beklagenswerter Weise nichts. Das ist übrigens auch zu Zeiten der Kollegen Scheer, Voltz, Feldhoff und so weiter nicht anders gewesen und bei Scheer manchmal besonders eklatant, wenn sein Roman – zum Beispiel der 50er – die Hauptfigur (in diesem Fall Atlan) ganz anders entwickelt, als er selbst sie im Expo angelegt hat.
(Anmerkung: Wie K.H. Scheer das Expo zu Band 50 angelegt hat, kann man unter anderem im Audiofile von Con in Osnabrück nachhören.
https://soundcloud.com/user-10236976-685170665/osnabruck-2019-hartmut-klaus)

Und welcher Roman hat euch am meisten überrascht?

Michaels pralinenkundiger Tenga-Roman.

Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Handlung (Perry sucht auf der Station Bully in drei Heften, Perry wandert fünf Hefte lang über Ilya) in die Länge gezogen wurde. Was waren eure Überlegungen für diese Art der Aufteilung?

Gute Geschichten brauchen ihre angemessene Zeit, und wir schreiben Geschichten für Leser, die gute Geschichten lesen wollen. Ich bin davon überzeugt, dass gute Geschichten gründlich erzählt werden müssen. Für »Reader´s Digest“-Best-of-and-as short as-possible-Ansätze« habe ich nie Verständnis gehabt. Man geht doch auch nicht im Gebirge wandern, um Abkürzungen zu finden.

Die Ladhonen sind in den Bänden 3001-3003 ausführlich beschrieben worden, nun sind sie in den Hintergrund getreten. Jetzt habe ich von Band 2700 und dem Techno-Madhi gelernt, dass manche Figuren erst später so richtig relevant werden. Gehören die Ladhonen zu der Macht des Bösen, dem Perry noch gegenüberstehen wird?
(Dass sie nur Piraten sind, kann ich gar nicht glauben, da ihr ihnen immerhin drei Romane gewidmet habt.)

Die Ladhonen werden so ausführlich beschrieben, weil sie von Bedeutung sind. Im Hintergrund sehe ich sie nicht.

Das Zain-Konstrukt ist so etwas wie die mysteriöse Figur, von der die anderen immer nur erzählen, d.h. ihr betreibt bislang Foreshadowing. Was kommt da auf Rhodan zu?

Einiges. Und zwar aus vielen Richtungen.

Die Cairaner sammeln Lebensenergie, auch in den ausweglosen Straßen. Wie viele davon gibt es? Und wie vertragen sich diese Straßen mit ihrem Friedensmotto?

»Die« Cairaner gibt es ebenso wenig wie »die« Akonen oder »die« Menschen. Sie sind eine reiche, komplexe Kultur.
In den Augen der Cairaner, die die Straßen betrieben, vertragen sich diese Institutionen offenbar bestens mit ihrem Friedensmotto.
Übrigens sollen selbst auf unserem beengten Planeten mit seinen wenigen Milliarden Einwohnern Staaten existieren, die sich durchaus als landfriedensorientiert und zivilisiert betrachten, und doch die Todesstrafe praktizieren.
Und es sollen selbst bei uns in Europa hin und wieder Menschen geben, die Todesstrafe und Folter unter bestimmten Bedingungen für akzeptabel halten und befürworten.
Ich erinnere mal daran, dass die Todesstrafe in Hessen im Jahr 2018 aus der Landesverfassung gestrichen worden ist. So lange her ist das nicht.
In diesem Fall würde ich deswegen differenzieren, übrigens von einer durchaus fremdartigen Kultur auch nicht erwarten, dass sie sich in ihren Vorstellungen von Frieden und Recht nach den europäischen Standards des frühen 21. Jahrhundert richtet. Schärfer formuliert: ich fände eine solche Identität der cairanischen Vorstellungen mit den hierzulande gegenwärtigen befremdlich und unglaubwürdig.

Bislang kennen wir als »Gegner« nur die Cairaner. Nach den bisherigen Informationen muss es mindestens noch eine weitere Macht geben, nämlich jene, die die Erde und Luna versetzt hat. Wann tritt diese Macht auf?

Zu gegebener Zeit. Wenn es sie denn gibt.

Und war Saessbekker schon ein Vorbote dieser Macht?

No spoiler, please.

KNF hat angedeutet, dass Rhodan in eine ferne Galaxis aufbricht – ist es das Geviert der Cairaner oder der Ort, an dem Terra versetzt wurde?

Warum ein »oder«?

Seit mehreren Bänden trägt Perry unfreiwillig ein Organoid in sich.
Wieso hat er es noch nicht entfernen lassen?

Wo steht, dass er es sich nicht hat entfernen lassen?

In Band 3014 wimmelt es in der THORA vor Personen, die ein Organoid tragen und somit die THORA unterwandert haben. Was sagt das über die Sicherheit in Bulls Raumschiff aus?

Es sagt aus, dass es, wie überall in diesem Universum, keine absolute Sicherheit gibt. Es sei denn in Märchen, wo man am Ende eine unerschütterliche Idylle erreicht hat.
Wo aber Sicherheitsgaranten und Sicherheitsgefährder dieselbe hohe Kompetenz zeigen, werden mal die einen, mal die anderen die Oberhand haben.
Man stelle sich außerdem vor, die Arkoniden und ihr Robotregent, die Topsider, die Posbis, die Meister der Insel, der cappinsche Sonnensatellit und so immer weiter wäre von unüberwindbaren Sicherheitssystemen geschützt gewesen – Rhodan hätte dann keine Chance gehabt: Ende der Geschichte irgendwo deutlich vor Heftroman 50.
Und nur die Terraner in den Zustand paradiesischer Unangreifbarkeit zu setzen, wäre ersten unrealistisch (man rufe sich mal in Erinnerung, wie viele vermeintlich absolut sichere Systeme jeden Tag in unserer Realität versagen), und zweitens wäre es erzählerisch unfair.

Auch an euch die Frage, die ich schon Uwe Anton zu Band 3013 gestellt habe.
Rhodans Ansprache an Bord der THORA verrät den Verlauf des Zyklus … können wir uns jetzt eigentlich die Hefte sparen, denn eines Tages werdet ihr die Erde wiedersehen und dann auch ins Solsystem zurücktransferieren. Wie halten die Autoren im Zyklus die Spannung aufrecht, obwohl jedem Leser das Ende klar ist?

So gesehen, könnte man sich (fast) jeden Krimi sparen: Der Täter wird gefasst. Schließlich könnte man sich sogar das ganze Leben sparen: Der Held der eigenen Geschichte stirbt.
Aber wer wollte das und warum sollte er es tun, warum sparsam sein?
Leben und Literatur stehen nicht unter Sparzwang und sie verfolgen solche Sparkonzepte nicht. Bleiben wir verschwenderisch und gespannt auf das Was, Wann, Warum, Wer, Wie, Wozu, mit welchen Mitteln!


Daran gleich anknüpfend zitiere ich Christoph aus dem Interview zu seinem Band 3004 zitieren:
»Die Ausgangssituation von PR 3000 vermischt diese Motive (Anmerkung: Mahlstrom und Cantaro-Zyklus): Fügt schon in der Ausgangssituation Neues dazu … und dann ist alles völlig anders als damals. Finde ich schon — echt alles.« Provokante Frage: Perry findet die Erde, will sie mit Ilya tauschen und die Erdbevölkerung wehrt sich dagegen?

Schaun wir mal.

Ich gehe davon aus, dass die Erde sich irgendwann wieder im Solsystem befindet – würde Perry die Ayees dafür opfern?

Ich gehe davon aus, dass Rhodan keine Person ist, die andere Lebewesen für die eigenen Ziele opfert.

Wo ist eigentlich Monkey? Und wie verbringt er so seine Zeit?

Monkey spielt eine zentrale Rolle im Zyklus. Expos liegen längst vor; Romane folgen.

Und zum Abschluss. Die Interviewserie ist in dieser Form ja neu im Perryversum. Gab es für euch beim Lesen der Autorenantworten schon Aha-Erlebnisse? Und falls ja, welche?

Ich fand alle diese Interviews bisher spannend, die Fragen wie die Antworten aufschlussreich. Ich möchte keine davon hervorheben und dadurch die anderen herabsetzen. Mir gefällt dieses Format sehr, danke Dir.

Hartmut, ich danke dir für deine Zeit und freue mich schon auf die nächsten Hefte.

Dreizehn Fragen an Uwe Anton zu seinem Roman 3019

Uwe Anton schildert mit Band 3019 den Abschluss von Perry Rhodans Reise über Ilya. Im Interview mit Roman Schleifer verrät er, warum ein Interview mit Roman Schleifer gefährlich ist und was die Formel 1 mit dem Band zu tun hat.

Uwe, Titel, Untertitel und Kapitelnamen in Band 3019 kommen mir bekannt vor. Wo hast du abgeschrieben?

Nirgendwo. Ich habe mich zwar sehr stark beeinflussen lassen und Titel eines bestimmten, schon lange allgemeinfreien Autors zum Vorbild genommen, aber den Titel und Untertitel sowie alle Kapitelnamen deutlich abgewandelt. Die Werke dieses Schriftstellers unterliegen nicht mehr dem Copyright. Dabei habe ich allerdings darauf geachtet, dass Leser, die diesen Autor früher einmal gelesen haben, die Anspielungen erkennen. Den Namen des Autors nenne ich bewusst nicht. Ich glaube, es macht Spaß, selbst herauszufinden, um wen es sich handelt. Die Suche nach passenden Titeln, die ich für meine Kapitel abwandeln konnte, war übrigens wesentlich zeitintensiver, als hätte ich mir eigene Kapitelüberschriften ausgedacht. Und wie gesagt, all diese Titel sind deutlich abgewandelt.

Was ist der Hintergrund für diese Anspielungen?

PERRY RHODAN 3019 ist in meinen Augen ein Abenteuerroman in der Tradition vieler Romane, die besagter Autor geschrieben hat, sozusagen ein Reiseroman. Es geht von A nach B. Ich habe diesen Autor als Kind sehr gern gelesen und mir als Erwachsener noch einmal viele seiner Romane in der ungekürzten und unveränderten Originalfassung besorgt. Ich sehe »Das Rätsel von Pescha« als Hommage an diesen Autoren.

Der Okrill verhält sich gegenüber Zemina Paath zutraulich und einwandfrei, also im Prinzip wie Perry Rhodan auch. Beeinflusst sie die beiden?

Keine Ahnung. Das wird die Zukunft erweisen. Vielleicht ist Zemina auch nur eine sehr gute Tierpsychologin, eine »Okrillflüsterin« sozusagen. 🙂
Und Perry Rhodan ist ihr gegenüber doch nicht zutraulich! Er lässt sie den gesamten Roman über überwachen.

Rhodan fühlt Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit – denkst du, war er jemals verzweifelter? Immerhin wurden ihm seine Wurzeln genommen …

Das kann schon sein. Es freut mich, dass diese Verzweiflung bei dir angekommen ist. Über das Ausmaß möchte ich keine Aussage treffen. Schließlich hat er ja auch schon einige Ehefrauen verloren …

In deinem Roman sind wir zum ersten Mal in der Innensicht eines Cairaners. Wie schwer war für dich diese Gedankenwelt?

Herausfordernd. Ich musste mich natürlich an die Vorgaben halten, habe mich aber gefreut, dass ich als erster Autor in die Innensicht eines Cairaners gehen durfte. Das bringt uns die Cairaner doch ein wenig näher, und es sind sehr viele wichtige Hinweise im Text verborgen, die der Leser jetzt allerdings noch nicht erkennen kann. Wenn er später einmal sagt: »Ah ja, das habe ich ja schon in 3019 gelesen!«, bin ich zufrieden.

Paiahudse Spepher hat zwei (!) Lebensgefährtinnen. Der Roman spielt im 6. Jahrtausend, schon klar. Aber dennoch wurde er im 21. Jahrhundert geschrieben, in dem politische Korrektheit, Gender und Gleichberechtigung großgeschrieben werden. Wieso entscheidet ihr euch da ausgerechnet für ein Volk, bei dem ein Mann zeitgleich zwei Lebensgefährtinnen hat?

Ich habe zur Abgrenzung ausdrücklich durchgehend von »Lebenspartnerin« und nicht dem heute gebräuchlichen »Lebensgefährtin« geschrieben. Dieser Begriff taucht aus stilistischen Gründen im gesamten Roman ein einziges Mal auf!

Wie du gerade gesagt hast, der Roman spielt im 6. Jahrtausend und in einer völlig fremden Kultur. Und was hat der Umstand, dass jemand zwei Lebenspartner/Innen hat, mit political correctness, Genderbeziehungen und Gleichberechtigung zu tun?
Hier wird ein Gesellschaftsbild entworfen, das keinem irdischen entspricht. Du lässt dich von politischer Korrektheit doch nicht zu kleingeistigem Denken treiben, oder? 😉
Außerdem wissen wir noch viel zu wenig von der Gesellschaft der Cairaner, um endgültige Aussagen treffen zu können. Wer weiß, vielleicht ist es bei ihnen ganz normal, dass auch eine Cairanerin zwei Lebenspartner hat?

Spepher denkt, dass die Ayees Zeit benötigen, um zu einem Volk zu werden, die die Geschichte der Milchstraße bestimmen kann. Jetzt sind die Ayees gerade mal auf dem Niveau des frühen 20. Jahrhunderts. In welchen Zeiträumen rechnen die Cairanern? Wie lange werden sie auf die Ayees aufpassen, bevor sie zu einem raumfahrenden Volk werden, die die Milchstraße bestimmt? Und … heißt das, die Cairaner bleiben mehrere Generationen in der Milchstraße, weil ihr eigener Plan so lang dauert?

Interviews mit dir sind so gefährlich, weil du es hervorragend verstehst, Spoiler aus einem herauszulocken. Wir werden spätestens in 3099 erfahren, was es mit den Cairanern auf sich hat, vielleicht auch schon früher. Außerdem sind sie schon eine ganze Weile in der Milchstraße, oder?

Spepher denkt über die Existenz Terras (Zitat): »Spepher schloss dessen Existenz nicht grundsätzlich aus. Vieles war möglich.« Die Cairaner wissen also selbst nicht, ob Terra existiert? Damit waren sie es nicht, die die Erde entführt haben, sondern nutzen die Situation in der Galaxis für eigene Zwecke?

Tja, vieles ist möglich. Ich möchte in diesem Zusammenhang weder etwas grundsätzlich ausschließen noch bestätigen.

Zitat Perry Rhodan: »Das war das Problem, seit es Menschen gab. Sie dachten in den entscheidenden Augenblicken einfach nicht nach.« Ganz schön arrogant, der Herr Rhodan, meinst du nicht auch?

Tut mir leid, falls das so rüberkommt. Da spricht natürlich der Autor, und der und Herr Rhodan meinen garantiert nicht sämtliche Menschen. Aber einige schon.

Uwe Anton am Austria Con 2016 im Gespräch mit Roman Schleifer

Du schilderst eindrücklich, was Spepher für eine seiner Gefährtinnen fühlt. Hast du dich auch verliebt in sie?

Sagen wir so, sie ist mir ans Herz gewachsen. Zum Verlieben ist sie mir zu groß; sie stellt Dinge mit den Händen an, die mir fremd sind, und mit Bruttaschen kann ich auch nicht viel anfangen. Aber sie riecht sehr gut.

Auf seiner Wanderung kommt Rhodans Gruppe zu einer Stelle, bei dem der Weg einen Kreis bildet. Plötzlich rast ein rotes bolidenartiges Geschöpf, gefolgt von einem weiteren roten und einem mit hellen Silberton über diesen kreisförmigen Weg entlang. Zeitgleich sind sie in der Nähe von Baku. Hast du bei der Formel 1 Anleihe genommen?

Ein guter Freund von mir ist begeisterter Formel 1-Fan, und als ich den Roman schrieb, fand tatsächlich gerade das Rennen von Baku statt. Ich habe es also eingebaut. Was nicht in dem Roman steht: Das silberne Geschöpf hat die roten schon einmal überrundet …

Durch deinen Roman ist offiziell, dass die Ladhonen und die Cairaner keine Verbündeten sind. Gehören die Ladhonen zu der Macht, die Terra und Luna entführt haben? Und haben sie die Erde vielleicht sogar beschützt vor dem, was die Cairaner vorhaben? Die Cairaner haben in der Milchstraße Ordnung geschaffen, weil das Trajekt bei einer Galaxis im Chaos unerschließbar wäre. Ist das eine Anspielung auf die Chaotarchen? Ist das Trajekt das Sternenrad, von dem Hartmut auf dem Con in Osnabrück gesprochen hat?

Vielleicht. Vielleicht. Nein, das ist keine Anspielung auf die Chaotarchen. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Nachdem alle Cairaner Datenmanipulation zutiefst verabscheuen, steht fest, dass die Cairaner mit dem Posizid nichts zu tun gehabt haben. Wieso haben sie nicht versucht, die wirkliche Geschichte zu rekonstruieren, wenn ihnen das so verhasst ist? Immerhin ist das ja auch eine Form des Chaos …?

Viel wichtiger als diese Fragen finde ich den Umstand, dass die Cairaner Datenmanipulationen zutiefst verabscheuen. Das ist natürlich ein Schlüsselsatz des Romans. Schön, dass du ihn erkannt hast! Die Leser haben jetzt jede Menge Stoff für Spekulationen. Danke für die Fragen, und bitte hab Verständnis, wenn ich manche nur ausweichend beantworte. Aber ich will den Lesern nicht den Spaß nehmen.

Uwe, danke für deine Zeit.

Sechs Fragen an Uschi Zietsch zu ihrem Roman 3018

In Bande 3018 von Uschi Zietsch zieht Perry Rhodan und sein Team weiter über einen Planeten, der der Erde ähnelt. Im Interview verrät sie, ob Perry Rhodan schimpft und was sie von den Entführern Terras und Lunas hält.

 

Perry Rhodan hat zum ersten Mal den Verdacht, dass eine andere Macht als die Cairaner die Erde und Luna entführt haben könnten. Angenommen er hat recht – wieso ist diese Macht bislang nicht in Erscheinung getreten?

Woher willst du denn wissen, dass sie das nicht ist? Sie hat sich uns nicht persönlich vorgestellt, aber ich bin sicher, hier und da gibt es schon Hinweise darauf, dass noch mehr hinter alldem stecken muss. Dass es da jemanden gibt, der die Fäden zieht. Das wissen wir eigentlich schon seit 3015, Raptus Terrae, denn für das Verschwinden von Terra und Luna sind die Cairaner meiner Ansicht nach nicht verantwortlich. Das passt nicht zu ihrem Verhalten. Sonst hätten sie auf Iya wahrscheinlich auch keine Forschungsstationen (wenn man was absichtlich tauscht, kennt man das Eingetauschte normalerweise), und nachdem sie ja in 3017 etwas über ihre Motivation preisgegeben haben – sie haben Unterdrückung erlebt und jetzt das Sendungsbewusstsein, das Missionarssyndrom entwickelt, dass sich das woanders nicht wiederholt -, würde der durch sie durchgeführte Raptus keinen richtigen Sinn ergeben. Da steckt meiner Meinung nach jemand dahinter und es ist irgendeine gewaltige Schweinerei im Gange.
 

Das Muster der Desinformation in der Milchstraße wiederholt sich auf Iya. Bei Terra kann ich das noch nachvollziehen. Es soll aus dem Gedächtnis der Völker gelöscht werden. Welchen Sinn hat es bei Iya?

Nun, Iya wird ja nicht geheimgehalten, sondern lediglich abgeriegelt, damit die Ayees in ihrer Entwicklung nicht gestört werden. Und das Gebiet des Clausum ist ziemlich groß, also muss es da schon etwas Besonderes geben, das man – entweder die Cairaner, oder, vielleicht ohne ihr Wissen, dass sie benutzt werden, jemand anderer – schützen, verstecken … vielleicht sogar erst herstellen will? Letztendlich interessieren sich ja nur noch die Unsterblichen für dieses Gebiet, alle anderen Terraner kennen das ursprüngliche Solsystem seit Generationen nicht mehr – plus der gezielten Mystifizierung. Es handelt sich hierbei also nicht um eine bewusste Desinformation, sondern lediglich darum, zu verdeutlichen: »hier wir, du nix.« Und Bull möchte gern wissen, warum das so ist.

Perry denkt über sich selbst, dass er mit seinem Kontrollzwang aufhören sollte und daran, dass  Bull die Liga 500 Jahre lang ohne ihn geschupft hat. Glaubst du, denkt Rhodan nur er weiß, was wirklich das richtige ist?

Er hofft, das Richtige zu tun und weiß, dass er dabei auch schon mal übers Ziel hinausschießt. Eben dadurch, dass er ein extremes Verantwortungsbewusstsein hat und alles und jeden beschützen will. Sein Gefüge dürfte ordentlich ins Wanken geraten sein, weil er so viel Zeit verloren hat und das Projekt von San derzeit auf Eis gelegt ist. Es ist nach dem Weltenbrand alles auf Anfang gestellt worden, nur für ihn eben 500 verlorene Jahre später. Perry verfolgt sein Ziel, ohne jemals aufzugeben, aber er ist dabei nicht nur stur oder mit Tunnelblick versehen, sondern durchaus selbstkritisch und anpassungsfähig, wenn sich die äußeren Umstände ändern.


 Perry Rhodan vertraut Zemina Paath. Mit welchem Schimpfwort würde er sich belegen, falls sich herausstellt, dass sie doch eine von den Bösen ist?

Ich bitte dich. So etwas benutzt Perry doch nicht. Abgesehen davon wäre er nicht wütend, sondern zutiefst enttäuscht, sein Vertrauen abgestraft zu bekommen. Man muss dabei aber auch beachten, dass er ja nicht vorbehaltlos vertraut. Die Thesan steht unter Beobachtung und darf sich nicht frei bewegen.
 

Die Cairaner bauen auf Iya Diamanten ab, die sie den Ayees schenken. Wieso kommen sich die Ayee nicht verarscht vor, wenn ihnen etwas von ihrem eigenen Planeten geschenkt wird?

Ich weiß jetzt nicht, ob das im gedruckten Heft drin ist, aber jedenfalls wäre der Abbau, vor allem in dieser Menge, für sie zu aufwendig und zu teuer. Das wurde an irgendeiner Stelle ausgesagt. Die Diamanten sind für sie eine Art Bezahlung dafür, dass sie die Anwesenheit der Cairaner dulden. -Wobei sie sich natürlich im klaren darüber sind, dass sie das nicht verhindern könnten, diese Geschenke sind deshalb ein kleiner Ausgleich.

Ich darf zitieren: »Mit der Bahn! Immer pünktlich und zuverlässig und immer voll besetzt.«
War das eine Anspielung?

Neiiiiin. Niiiiiemals. Wie kommst du nur darauf? * unschuldig guck *

Uschi, danke für deine Zeit.

 

 



Neun Fragen an Susan Schwartz zu Band 3017

In Band 3017 gelangt Perry Rhodan endlich ins Solsystem. Susan Schwartz erzählt im Interview, wieso die Cairaner die THORA samt Bull mit ihrer Flotte nicht einfach festsetzen und wieso Perry Rhodan ein Chaosbringer ist.

Uschi, seit Band 3015 wissen wir, dass die Zweifel an der Existenz von Terra durch eine Strahlung entsteht, die aus dem Solsystem kommt. Wieso wirkt diese sechsdimensionale Strahlung nicht auf die Besatzung der RAS TSCHUBAI?

Wahrscheinlich wirkt sie, aber nicht sofort. Das wird nicht wie bei einem Lichtschalter funktionieren, der angeschaltet wird und dann ist es sofort hell. Es wird ein schleichender Vorgang sein. Das ist kein Thema meines Romans gewesen, deswegen kann ich dazu nicht mehr sagen.


Und wieso hat die THORA diese Strahlung im Solsystem nicht angemessen?

Hat sie vielleicht sogar, aber auch das war nicht Thema meines Romans.


Die Cairaner machen Jagd auf Unsterbliche, vermutlich auch wegen ihrer Vitalenergie. Wieso rotten sich die Cairaner nicht zusammen, als sie die THORA vor dem Solsystem orten und nehmen Bull gefangen? Genügend Raumschiffe wären vor Ort.

Das schon, aber wenn sie einen offenen Konflikt mit der LFG wollten, hätten sie den schon lange, bzw. ab Zeitpunkt der Invasion, haben können. Bei früheren Gelegenheiten haben sie ja auch nichts gegen Bull unternommen. Es macht zu diesem Zeitpunkt keinen guten Eindruck auf das gesamte »Friedensgefüge« der Galaxis, auch außerhalb des LFG-Bereichs, wenn das Flaggschiff der LFG aufgebracht und der Resident verhaftet wird.
Weswegen denn?
Womit wollen die Cairaner sich vor der Öffentlichkeit rechtfertigen?
Natürlich »müssen« sie das nicht, aber sie müssen mit Unzufriedenheit, Fragen, Widerstand rechnen. Sobald das beginnt, beginnt auch der Kontrollverlust.
Vermutlich haben sie mit Bull etwas ganz anderes vor, erkennen ihn als Staatschef an und wollen auf politische Weise mit ihm verhandeln und ihn ruhigstellen.

Bull hatte 400 Jahre Zeit von den Cairanern den Einflug ins Solsystem zu fordern. Wieso braucht er dazu ausgerechnet die »Drohung«, dass Rhodan ihm seinen Job abspenstig machen möchte? Ist ihm in den letzten 400 Jahren nichts gescheites eingefallen?

Offenbar nichts, mit dem er Erfolg hatte. Aber die Drohung mit Perry ist ja nicht aus der Luft gegriffen, sondern sehr akut. Er hat ein mächtiges Schiff und Bull hat deutlich gemacht, dass Perry als alter Staatsmann in der Lage ist, die Massen zu begeistern und auf seine Seite zu ziehen – ob nun die Vergangenheit ausgelöscht ist oder nicht. Er kann Zwietracht und Zweifel säen und das Gleichgewicht empfindlich stören. Der cairanische Frieden ist durch Perry eindeutig in Gefahr.
Diese Argumente ziehen sehr wohl – wohingegen in den vorherigen 400 Jahren Bull nur auf sich als Drohung verweisen konnte, und seine unsterblichen Gefährten. Da ihm aber nicht am Krieg gelegen war, wie auch den anderen Unsterblichen, herrscht ein Patt, sodass er auf den Goodwill der Cairaner angewiesen war, die ohne nachvollziehbare Gründe den Teufel getan haben, seinen Wunsch zu erfüllen. Durch Perrys Rückkehr haben sich die Verhältnisse aber extrem verschoben und Bulls Seite hat eindeutig an Gewicht gewonnen.

Im Prinzip wirft Bully seinem Kumpel Perry vor, dass er mit seinem Auftauchen und seinen zukünftigen Handlungen einen Trümmerhaufen hinterlassen kann. Perry, der Chaosbringer?

Ja klar. Das ist doch eine superspannende Konstellation: Perry kommt nach Hause und will weitermachen wie bisher, und selbst sein bester Freund sagt zu ihm, dass die Dinge inzwischen anders laufen. Das ist ein Riesenkonflikt, der letztendlich sogar diese Freundschaft zerstören könnte. Vielleicht nicht auf Dauer, aber für eine Weile. Denn Perry kann und wird das nicht einsehen und alles unternehmen, dass wieder alles wie früher wird – ohne die Friedensdiktatur einer außergalaktischen Spezies.
Perry wird zudem niemals akzeptieren, dass die Erde nicht mehr da ist und per Fremdbeeinflussung als Mythos dargestellt wird. Er wird die Lüge aufdecken und er wird Terra zurückholen. Das kann nicht auf sanftem und friedlichem Wege geschehen, da er dazu die Cairaner in ihre Schranken weisen muss. Das haben sie bereits erkannt und ihn zur persona non grata, wenn nicht zum Feind, deklariert. Chaos wird die Folge sein.
 

Bull wirkt entschlossen, seine Bemühungen auch gegen Perrys Ansichten durchzuboxen – nötigenfalls auch mit dem Bruch der Freundschaft?

So wie ich ihn kenne, ja. Er wird die Interessen der LFG, wenn nicht der Galaxis, über die Freundschaft stellen. Genau wie Perry auch geht ihm der Frieden und die Freiheit über alles, aber er hat durch die 500 Jahre eine andere Perspektive als sein Freund.

Gibt uns einen Appetithappen auf Band 3018 »Welt der fünf Augen«.

Die KYNAYASH hatte keinerlei Chance auszuweichen. Die Gondel des verunglückten Luftschiffes donnerte mit voller Wucht in sie hinein, und diesmal barst die Glaskuppel, wurde in tausende Teile zersprengt, während unterschiedlich große Metallteile durch das Deck flogen und in die Kommandobrücke einschlugen.

Hartmut als auch Monti haben gesagt, der Zyklus könnte anders ausgehen, als die Leser es vermuten oder erwarten. Wird die Erde vielleicht gar nicht gefunden?

Wer weiß? Ich jedenfalls nicht. Ich halte alles für möglich.

Du beschreibst die Fauna und Flora der Erde ausführlich – im Laufe deiner 27 Jahre, die du für PR schreibst, welches wissenschaftliche Thema hat dich in den Heften am meisten fasziniert?

Stets das Leben von Fremdvölkern auf Fremdwelten. Ganz ausführlich durfte ich die Aarus beschreiben (ich weiß, ich überstrapaziere das, aber auch die Herreach waren nicht so ausführlich), das war toll.

Danke für deine Zeit.

Uschis Homepage: https://www.uschizietsch.de/

Fragen an Michael Marcus Thurner zu Band 3016

In Band 3016 von Michael Marcus Thurner trifft Perry Rhodan auf seinen alten Weggefährten Icho Tolot. Michael erzählt im Interview,  von einem der typischen RHODAN-Problemen und wie eines der tiefgreifendsten Problemen der Jetzt-Zeit in seinen Roman eingeflossen ist.

 

Nachdem in den Heften 3013-3015 Perry Rhodan seinen ältesten Kumpel Reginald Bull wieder vertraut hat, säst du zu Beginn erneut Zweifel. Übertreibt ihr da nicht etwas?

Nun, ich denke, diese Zweifel sind durchaus berechtigt. Ich mag dieses Spiel mit den Unsicherheiten.

Bully gesteht, dass er auf Perry wütend war, weil er sich vor 500 Jahren im Stich gelassen fühlte.
Äh … Perry ist ja ausgezogen, um den Weltenbrand zu beenden und Bully musste doch annehmen, dass Perry samt der Besatzung der RAS TSCHUBAI bei dieser Rettungsmission gestorben ist. Wie kann er da denken, dass Perry ihn im Stich gelassen hat?

Antwort 1:  Man kann sich sehr wohl im Stich gelassen fühlen, bloß, weil jemand nicht da ist. Das mag ungerecht sein und ein rein subjektives Gefühl – aber so ist es nun mal.

Antwort 2:  Was weiß Bully denn eigentlich noch? Sind seine Erinnerungen real? Weißt Du nach 30 Jahren, aus welchem Grund Du Dich dazumals mit Deiner großen Liebe zerstritten hattest, kannst Du diesen Erinnerungen denn auch trauen?
In der heutigen Medienlandschaft wird mehr denn je bewiesen, was die Realität wert ist: nämlich gar nix. Objektive Informationen werden von Spin-Doktoren so umgedeutet, wie sie gerade gebraucht werden.
Wir befinden uns im Perryversum in einer Zeit, in der Daten sowie Nachrichten galaxisweit und nachhaltig zerstört wurden. Was sind da die Erinnerungen eines Menschen denn noch wert?

In 3014 erfahren wir, dass Perry schnarcht, in 3016 beschwert sich Bully, dass Perry wie immer unpünktlich ist. Wird das der Zyklus der großen Enthüllungen?

Grad diese kleinen Dinge machen eine Persönlichkeit interessant. Ein idealisierter Rhodan, völlig frei von Makel, der wäre schrecklich langweilig.

Ich war erstaunt, dass Bully Schnupfen hat. Schnupfenviren müssten für seinen ZAC doch kein Problem sein?

Da hast du offenbar was falsch verstanden. Bully ist wegen des Wiedersehens von Perry, Tolot und ihm gerührt und hat feuchte Augen sowie eine rinnende Nase. Um das in seiner brummeligen Art nicht zugeben zu müssen, redet er sich auf einen Schnupfen aus. Jeder der drei Beteiligten weiß natürlich, dass eine Erkrankung unmöglich ist.

In seiner Parlamentsrede verspricht Perry, dass alle Terraner eines Tages wieder auf ihren Heimatplaneten zurückkehren werden.
Bis auf die Unsterblichen ist keiner der Lebenden auf Terra geboren. Zusätzlich gibt es diese sechsdimensionale Strahlung, die mehr oder weniger verhindert, dass man an Terra überhaupt denkt. Wie groß ist das Interesse dieser »Terraner« auf einen ihnen fremden Planeten »zurückzukehren«?

Ich denke mir, dass dieses Interesse von allen Entscheidungsträgern auf Rudyn hochgehalten wird. Ich möchte nicht von Hurra-Patriotismus sprechen, aber die Erinnerung auf die Ur-Heimat wird sicherlich hochgehalten werden.


Michael Marcus Thurner am Austria Con 2016
Copyright. Martin Steiner

Zitat Icho Tolot. »Manche von uns sind der Meinung, dass es ein Segen für die Milchstraße wäre, wenn wir ausstürben.«
Seit du damals Ronald Tekener ermordest hast, bin ich bei deinen Romanen immer vorsichtig, ob auch alle meine Lieblingsfiguren überleben. Das ist jetzt nicht euer ernst, dass ihr vielleicht die Haluter austilgt.

Es gibt bekannterweise die fünf Säulenheiligen in der Serie: Perry Rhodan, Reginald Bull, Gucky, Icho Tolot, Atlan. Denen darf nix geschehen.
Sagt die Redaktion. Ich bin anderer Meinung. 

Zitat Perry Rhodan. »Wo immer ich hinkomme, sterben Wesen.«
Ich finde das Wort »Wesen« sehr unpersönlich. Braucht er bei all den Toten diesen Abstand, um nicht in Schuldgefühlen zu ertränken?

Nein, das ist eines dieser typischen PERRY-Probleme beim Schreiben. Das mit den Begrifflichkeiten ist manchmal recht kompliziert. Sag ich »Terraner« oder »Menschen«, ist es falsch bzw. einschränkend. Sag ich »Geschöpfe«, klingt es total abgehoben. Ich bin mit »Wesen« auch nicht zufrieden, aber es trifft den Kern der Sache wohl noch am besten.

Thosen Musay, der tragische Held der Story ist auf der Suche nach der Ahnenhaube, einer Art Wikipedia auf Familienbasis. Wäre das etwas für dich? Würdest du gern wissen, was deine Vorfahren gedacht haben?

Es wäre natürlich interessant. Ich beschäftige mich grad ein bißl mit Genealogie. Da kommt eine Sammlung von alten Informationen zusammen (die vermutlich nicht ganz korrekt ist). Sie zeichnet ein bestimmtes Bild von der Vergangenheit, sagt aber nix über die Menschen selbst aus, die früher gelebt haben.

Eben dieser Musay ist sich während des ganzen Romans unsicher, was Realität ist und was nicht. Wenn man sich auf der Welt so umsieht, geht es dir da manchmal auch so?

Ich hab es weiter oben eh schon gesagt: Es ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit und wird uns in Zukunft in noch viel tiefgreifender Form beschäftigen, als es heute schon der Fall ist. Die Manipulationen von Nachrichten sind erschreckend weitreichend und sorgen für Unsicherheiten in bisher ungekanntem Ausmaß. Unsichere Menschen sind offen für alle möglichen »alternative facts«. Weil die Wahrheit manchmal einfach nur langweilig ist und wir lieber eine gute, spannende Geschichte schätzen, die uns von Verschwörungstheoretikern, Predigern, Politikern etc. frei Haus geliefert wird. 

Am Ende taucht ein neuer Bösewicht auf, den ich noch nicht zuordnen kann. Wann erfahren wir mehr von ihm? Und gehört er zu einer neuen, dem Leser bislang noch unbekannten Macht?

Du meinst Saessbekker? – Nun, lass Dich überrraschen. 

In Band 3004 stammte ein witziger Dialog vom Lektor. Was hat der Lektor diesmal hinein lektoriert? 

Ich lese mir die lektorierten Romane nur dann durch, wenn die Zeit dazu da ist. In letzter Zeit war das eher selten der Fall. Ich weiß es also nicht. 

In deinem Blog hast du Hintergrundgedanken zum Roman, unter anderem auch zum Titelbild von Dirk Schulz, das du als große Kunst bezeichnet hast. Wann wäre für dich einer deiner Romane große Kunst?

Darüber zerbreche ich mir wirklich nicht den Kopf. Ich kann die Werke anderer Künstler beurteilen und sagen, was mir gefällt und was mich besonders anspricht. Aber das, was ich selbst schreib, das sollen andere Leute beurteilen und einschätzen

Danke für deine Zeit.

Homepage Michael Marcus Thurner: http://www.mmthurner.at/

 

 

 

 

Acht Fragen an Leo Lukas zu Band 3015

Leo Lukas bringt mit seinem Roman »Raptus Terrae« Licht ins Dunkel zum Raub der Erde und des Mondes. Im Interview mit Roman Schleifer verrät er unter anderem, ob er wie Bull seine Tochter samt Frau hätte ziehen lassen und welche Schwierigkeiten er bei der Umsetzung des Expos meistern musste.

Leo, mit Band 3015 schreibst du den ersten Schlüsselroman des Zyklus. Was war das schwierigste bei der Umsetzung des Expos?

Das Schwierigste, und zugleich meine »Spezial-Herausforderung« bei diesem Band, waren die vielen Erzählebenen. Einmal erzählt Bull, dass ihm Ganud erzählt hat, dass ihm Shinae erzählt hat, dass ihr Ezenzer erzählt hat … Ich glaube, du weißt, was ich meine. All die Infos so zu verteilen, dass das nicht langweilig oder vollkommen unübersichtlich wird, hat mich ganz schön viel Planung gekostet.

Hättest du gern einen Doppelroman daraus gemacht, um die Zeit rund um den Raptus dramaturgischer zu schildern?

Ja und nein. Ja, weil ich dann mehr hätte »zeigen« können. Nein, weil ich mich dazu noch wesentlich mehr und intensiver mit den Exposé-Autoren hätte austauschen müssen, als das ohnehin passiert ist. Ich hätte noch unzählige weitere Details abchecken müssen, um auszuschließen, dass ich durch meine Ausschmückungen unabsichtlich etwas postuliere, das im Widerspruch zur Gesamtplanung steht.

Im Forum wird mehrfach der alte Grundsatz »show, don’t tell« eingemahnt …

Durchaus zu Recht, einerseits. Andererseits ist auch diese Regel dazu da, gebrochen zu werden … Ich halte dagegen, dass ich das Gespräch der beiden uralten Freunde in den Mittelpunkt stellen wollte, und mir außerdem wichtig war, Bullys subjektive Sicht hervorzuheben. Das wäre auch mit Rückblende-Kapiteln in »Ich-Form« gegangen; aber die ist für mich so stark mit Atlan verknüpft, dass ich Sorge hatte, zu sehr in dessen Erzählstil zu verfallen.

Zitat. »Du wirst staunen, was alles möglich war.«
Wieso kommt mir als Östereicher dieser Satz so bekannt vor …?

Ich habe nicht die geringste Ahnung.

Hulio kämpft mit seiner Abschlussarbeit »Quintadim-Topologie nach Nemo Partijan«, ihm schwirrt regelrecht der Kopf. Ich bin verwundert, gibt es doch Hypnoschulungen.

Ich verstehe das so, dass man zwar die Fakten, Formeln etc. quasi im Schlaf eingepflanzt bekommt. Verstehen lernen muss man das Ganze aber trotzdem weitgehend selber, schon gar bei einer so schwierigen Thematik.

Hulios Mutter deutet an, dass sein biologischer Vater ein Hohes Tier war. Wird das noch aufgeklärt?

(singt:) „Eventuell, e-ven-tu-ell …“

Vor dem Raptus tauchte ein DREYER-Sonde aus der Zukunft auf. Könnten Terra und Luna nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit versetzt worden sein?

Siehe vorige Antwort.

Reginald Bull hat sich für Terra und gegen seine Tochter entschieden. Ja, er weiß sie in Sicherheit, hätte sie aber sicher auch gern weiter im Leben begleitet. Du bist selbst Vater dreier Kinder – wie hättest du dich an seiner Stelle entschieden?

Ich bin sehr froh, nicht vor eine derartige Entscheidung gestellt zu werden. Aber an seiner Stelle hätte ich, glaube ich, letztendlich ebenfalls so gehandelt wie Bull.

Leo, danke für deine Zeit.

 

 

 

Acht Fragen an Michelle Stern zu ihrem Band 3014

Mit Band 3014 liefert Michelle Stern ihren zweiten Roman zum Zyklus ab. Im Interview mit Roman Schleifer verrät sie unter anderem, ob die Cairaner der wirkliche Gegenspieler der Terraner sind und wie sie mit den Postings im Galaktischen Forum umgeht.

Michelle, bei dir spitzt sich die Lage rund um die Kopfgeldjäger Dancer und Schlafner zu. Ich stelle mir die Frage, mit welcher Technologie sie den Schirm der THORA geknackt haben. Wieso wurde diese Technologie ausgerechnet von den Kopfgejägern  und nicht zB von den Cairanern angewendet?

Wie genau diese Technologie funktioniert, wüsste ich auch gern, um ein Patent anzumelden. Man kann davon ausgehen, dass es eben nicht rein Dancer und Schlafner waren, die hier gewirkt haben. Es ging ja ein Angriff auf die RAS TSCHUBAI voraus. Die spannendere Frage ist eher, wer stellt hier wem welche Technologie zur Verfügung? Wer arbeitet wie zusammen?

Zu deiner Frage, warum die Cairaner ihre Technologie nichtanwenden, habe ich eine Gegenfrage: Warum wenden die Länder dieser Erde – glücklicherweise –  nicht all ihre Mittel an, wenn sie etwas vom anderen wollen und ein Interessenkonflikt vorliegt? Die Cairaner und die Liga Freier Galaktiker sind nicht im offenen Krieg. Offensichtlich wollen sie diesen momentan auch nicht.

Aluna Meghendi ist bereits Sicherheitschefin auf dem Flaggschiff der LFG – zeitgleich denkt sie daran, dass es ein phatastisches Aushängeschild ihrer Karriere ist, sollte sie Dancer und Schlafner fangen. Was ist für sie die nächste Karrierestufe?

Zum Beispiel Sicherheitschefin der LFG – allerdings gibt es da sicher noch die eine oder andere Zwischenstufe. 

Rhodan ist von Bullys Selbstvorwürfen überrascht, dass Bully den Raub der Erde nicht verhindert konnte. Wie kann Perry mit seiner Lebenserfahrung das im Vorfeld nicht zumindest andenken und stattdessen fürchten, dass Bully negativ verändert sein wird?

Möglicherweise habe ich das ein wenig verkürzt dargestellt. Es ist ja immer die Frage wieviel Raum ich mir in einem Roman für eine Charakterdarstellung lasse. Sicher hat Perry da Bedenken, und er hat auch einiges befürchtet und erwartet – ich dachte, das wäre auch schon in anderen Romanen genügend thematisiert worden und wollte hier nicht zu ausufernd darauf eingehen. Was – wie ich finde – dennoch überraschen kann, ist ein Reginald Bull, der weniger Tatkraft ausstrahlt als sonst. Auch wenn Perry sich all diese Gedanken gemacht hat, ist für ihn doch kaum Zeit vergangen, und er hofft natürlich dem alten Freund gegenüberzustehen, der sich nun einmal gerade durch Tatkraft auszeichnet, wenn auch nicht immer für Optimismus.

Der TARA-Psi hat mich überrascht. Erzähl uns mehr über ihn.

Ha! Nein. Der kommt, soweit ich weiß, noch im einen oder anderen Roman vor. Er darf ruhig ein wenig rätselhaft bleiben. 

Bully berichtet davon, dass ihn diese Situation überfordert, denn meist hatten die Terraner einen eindeutigen Feind, eine klare Front, die Freund und Feind trennt. Wir sind bei Hefte 3014 – wann kommt der Feind?

Womöglich ist er längst da. Es geht ja gerade darum, dass es eben nicht so schwarzweiß zu sehen ist. Was genau hinter allem steckt, wird sich wohl nach und nach erschließen.

Bully meint, die Cairaner wirken nicht wie Siedler, Zerstörer oder Herrscher, um der Macht allein willen. Sie räumen eher Hindernisse aus dem Weg. Sind die Cairaner vielleicht gar keine Feinde?

Eben das ist eine Frage. Trotzdem will Perry natürlich wissen, was mit der Erde samt Homer G. Adams geschehen ist. Wie hängt das alles zusammen?

Zitat aus 3014: »Was würde passieren, wenn du einfach akzeptierst, dass du eben nicht weißt, was als Nächstes passiert? Dass du keine Kontrolle hast und auch keine brauchst? Ich sage es dir. Du würdest frei werden! «
Diesen Satz könntest du auch an manche User im Galaktischen Forum adressiert haben. Liest du das Forum? Wie gehst du mit den kritischen Stimmen dort um?

Ich lese nur selten im Forum, nehme es mir immer mal wieder vor und tue es dann doch nicht. Wenn da konstruktive Kritik steht, nehme ich sie ernst. Wenn jemand sich in seinen persönlichen Werturteilen suhlen will, um sich als besonders intellektuell oder sonst etwas darzustellen, dann lasse ich ihn sich suhlen. Das betrifft mich nicht wirklich und meine Romane auch nicht. Das nehme ich nicht persönlich.

Der obige Satz steht fast genauso im Buch »Letting go« von Christopher Curtis, einem Sensei achter Dan im Ki-Aikido, bei dem ich gerade auf drei Wochenend-Seminaren war. Ich denke, der gilt für jeden Menschen, egal ob Forum oder nicht. Wir wollen die Dinge gern kontrollieren – und verlieren deshalb unsere Natürlichkeit und Stabilität. Es ist vollkommen Okay nicht zu wissen, was als nächstes passiert. Gerade im »Kampf« – wenn dich jemand angreift, kannst du das nicht wissen. Aber auch im Alltag meinst du oft nur, dass du es weißt. Du läufst dann auf Autopilot, gehst gar nicht wirklich mit der Situation um und dem, was ist. Dadurch verschenken wir viele Möglichkeiten – und büßen Freiheit ein.

Zitat aus 3014: »Was half es, im Kampf schon die Faust zur Abwehr zu heben, wenn ein Fußtritt gegen das Schienbein kam. Man musste auf das reagieren, was war, nicht auf das, was man sich vorstellte. Je mehr man das Jezt annahm, umso leichter wurde das.«
Michelle, wie hilft dir die Philosophie deines Kampfsports im Leben und beim Schreiben.

Ich habe das Wort »Kampf« oben in Anführungszeichen geschrieben, weil ich keinen Kampfsport mehr mache. Ki-Aikido ist nicht das Aikido, das viele im Kopf haben, wenn sie das Wort hören. Es geht gar nicht um Kampf. Daran muss ich mich noch selbst immer wieder erinnern, denn ich komme aus der Kampkunst und setze noch immer zu viel Kraft und Anspannung ein – was aus der Welt der Beurteilungen und Vorurteile kommt. Wenn ich einen Mann wie dich auf der Matte vor mir sehe, denke ich möglicherweise, da wäre ein Hindernis – das ist aber gar nicht so. Das Hindernis ist in meinem Kopf. Wenn ich das wegräume, können wir ganz entspannt zusammen bewegen, und ich brauch dich nicht anders berühren, wie ich ein Baby halten oder dir als Freund die Hand geben würde.

Zu deiner Frage: Sie hilft mir mehr und mehr Freiheitsgrade zu entdecken. Zu erkennen, was natürlich, was wesentlich ist und was nicht. Früher habe ich mich in schwierigen Situationen oft zurückgezogen. Das mache ich heute nicht mehr. Das Leben will jetzt gelebt werden.

Michelle, danke für deine Zeit.

 

Zehn Fragen an Uwe Anton zu Band 3013

Uwe Anton schreibt mit Band 3013 seinen zweiten Roman für den Zyklus. Im Interview verrät er Roman Schleifer unter anderem, wie die Autoren die Spannung im Zyklus halten wollen und ob Icho Tolot noch ein Haluter ist.

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»Ich hatte mich nicht unter Kontrolle und zitterte heftig.«

Band 3013 beginnt mit dieser Reaktion von Perry Rhodan, als er endlich Reginald Bull gegenübersteht. In den vergangenen Heften hat Perry regelrecht Panik geschoben, dass Bully sich in den fünfhundert Jahren negativ verändert hat. Wieso traut er seinem ältesten Gefährten so etwas überhaupt zu? Und wieso hat er das Gefühl am Ende des Heftes immer noch?

Reginald Bull hat bekanntlich einen Zellaktivator chaotarchischer Herstellung, und niemand weiß, was diese kleinen Dinger mit ihrem Träger so anstellen. Fünfhundert Jahre sind eine lange Zeit, um etwas anzustellen. Allerdings interpretierst du hier falsch. Nach fünfhundert Jahren verliert Perry ganz einfach vor Freude/Spannung/Erwartung ein wenig die Kontrolle, als er seinem ältesten Freund gegenübersteht. Du hast diese Erfahrung doch bestimmt auch schon mal bei einer Begegnung nach fünfhundert Jahren gemacht, Roman!

Nach elf Romanen mit Einzelabenteuern und einem Band mit einer Lebensgeschichte werden viele Leser deinen Band 3013 als ersten Schlüsselroman werten. Endlich erfährt man etwas über die Vergangenheit. Was war für dich bei der Vorbereitung neben dem Treffen zwischen Bully und Perry der zentrale Punkt im Expo?

Die Aufhellung der Vergangenheit in homöopathischen Dosen.

Cecelia Mulholland, die Mutter von Buatier Mulholland, dem Chef der Station Gongolis, hat bei dir einen Kurzaufritt. So wie Rhodan rätsle ich noch immer nach dem Beweggrund und der Beziehung … Klär mich auf!

Also, Roman, es gibt Blumen und Bienen. Und die Bienen fliegen zu den Blumen und … Ach, das meinst du wohl anders. Na schön: Das hättest du wohl gern. Das bleibt natürlich späteren Bänden vorbehalten.

Geflachse vor den Panels, Rüdiger Schäfer und Uwe Anton

Terra wurde vor 400 Jahren geraubt … viele sprechen von einem Mythos, selbst die Terraner. Wieso nennen sich die Menschen Terraner, wenn es gar kein Terra mehr gibt, sie selbst nicht daran glauben und seit Jahrhunderten woanders geboren werden?

Weil die Macht der Gewohnheit genauso stark ist wie jene Macht, die in einem anderen Universum in dem jungen Luke Skywalker wohnt.

Icho Tolot ist nun offizieller Bürger der LFG, sonst hätte er nicht als Bewacher fungieren können. Sind die Menschen im 5. Jahrtausend immer noch so kleinkariert bürokratisch? Und sehen die halutischen Gesetze eine Doppelstaatsbürgerschaft vor?

Manche Dinge ändern sich nie. Etwa die Bürokratie, die sich selbst erhalten muss, oder das gute Wiener Schnitzel. Was den zweiten Teil der Frage betrifft, werde ich mich bei der nächsten Autorenkonferenz bei Prof. Dr. Sankt Spekulatius erkundigen, unserem Experten für alle Fragen der Gesetzgebung der Haluter und Asporcos, den wir bei Bedarf immer aus Hallstatt-Dachstein im Salzkammergut einfliegen lassen.

Vetris Molaud, die Akonen und ein paar andere Völker arbeiten zusammen. Der äußere Feind, die Cairaner hat also die Milchstraße mal wieder geeint. Brauchen die Milchstraßenbewohner den äußeren Feind wirklich immer für »inneren Frieden«?

Das war schon in einem kleinen gallischen Dorf so, in dem z.B. Fischhändler Verleihnix und Schmied Automatix ihre Zwistigkeiten über die Frische der anrüchigen Ware des Fischhändlers sofort vergessen, wenn die Römer anrücken.

Durch die Anspielung im Roman auf das Dorf Scheernsting sehe ich, dass du den Eschbach gelesen hast. Wie fandest du ihn?

Nach kurzem Suchen auf der Seite eines weltweit tätigen Internet-Händlers. Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Die Lektüre lohnt sich wirklich.

Was mich irritiert: Rhodan trägt seit Band 3011 von Dancer und Schlafner ein Nanoimplantat im Körper – müsste er das nicht schleunigst loswerden wollen? Wieso wird das nicht erwähnt?

Weil Rhodan in Band 3013 einfach zu viel um die Ohren hat, um auch nur einmal an dieses Ding zu denken.

Du erwähnst Palatschinken, und dass es ein Restaurant geben sollte, in dem nur Palatschinken serviert werden, in Hunderten von Variationen, mit verschiedenen Marmeladen oder einfach nur braunem Zucker. Ich sehe schon, ein Wienbesuch ist fällig. Wann darf ich dich in Wien zur Palatschinkenkuchl entführen?

Wenn es nach mir ginge, sobald du von deiner Reise aus Ägypten zurück bist. Dem Foto nach, das du mir geschickt hast, wandelst du offenbar erfolgreich auf den Spuren der Loower auf ihrer Suche nach Laires Auge …

Aber leider muss ich dann sowohl nach Osnabrück als auch einen RHODAN-Doppelband schreiben. Das besagte Restaurant hat mich natürlich zu dieser Erwähnung inspiriert.

Rhodans Ansprache an Bord der THORA verrät den Verlauf des Zyklus … können wir uns jetzt eigentlich die Hefte sparen, denn eines Tages werdet ihr die Erde wiedersehen und dann auch ins Solsystem zurücktransferieren. Wie halten die Autoren im Zyklus die Spannung aufrecht, obwohl jedem Leser das Ende klar ist?

Das ist das Geheimnis unseres Erfolges, das wir natürlich niemandem verraten. Nicht einmal im Palatschinkenkuchl nach dem Genuss drei verschiedener Palatschinken-Variationen!