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Fragen an Michael Marcus Thurner und Marlene von Hagen zu Band 3026

Der Roman 3026 wartet mit einer Besonderheit auf. Aufgrund von Zeitmangel holte sich Michael Marcus Thurner Unterstützung von der Autorin Marlene von Hagen. Im Interview verrät Michael, welcher Unsterbliche  zuletzt am Grabe aller anderen steht und Marlene, wie sie als Fantasy-Autorin RHODAN erlebt hat.

Michi, im Interview zu Band 3023 »On-Pirat« hast du dich selbstkritisch über deine eigene Dramaturgie des Romans geäußert. Wie zufrieden bist du mit 3026?

MMT: Stellenweise sehr zufrieden, weil der Roman durch die Zusammenarbeit andere Probleme als sonst bot – und ich finde, dass Marlene und ich das Thema gut gelöst haben. Ich möcht hier nochmals betonen: Ich find grad Marlenes Teil richtig, richtig gut. Der hebt den Roman deutlich empor.
(Anmerkung: Dann solltest du immer mit ihr zusammenarbeiten … *duckundrenn*)

Klaus N. Frick schreibt auf der Homepage, dass Atlan vermutlich die beliebteste Figur des Perryversums ist. Wie siehst du das?

MMT: Siehe weiter unten im Interview-Text.

MvH: Ich würde es verstehen. 😉

Im selben Artikel meint KNF, dass das von Marlene beschriebene Volk mit den heutigen mitteleuropäischen Werten nicht übereinstimmt. Marlene, wie viel Überwindung hat dich die Beschreibung dieser Kultur gekostet?

MvH: Ich empfand es eher als spannend, herauszufinden, warum die Nukazani diese Art der Kultur haben. Es war mir wichtig, mich in ihre Denkstrukturen hineinzuversetzen und die Motivation für ihr Verhalten kennenzulernen. In ihrer Gesellschaft ist es normal, die eigenen Nachkommen zu versklaven. Auf eine andere Idee käme ein Nukazan gar nicht. Interessant wäre natürlich, ob es einzelne Nukazani gibt, die gegen diesen Umgang mit dem eigenen Volk rebellieren. Vielleicht lesen wir ja eines Tages darüber.

Lasst uns einen Blick über den RHODAN-Tellerrand werfen. Wie tolerant sollten wir als Gesellschaft sein? Wo ist für dich die Grenze, bei der du einschreitest?

MMT: Die Standardantwort wäre: Dort, wo der Vorteil des Einen zum Schaden des Anderen wird, sollten Grenzen gezogen werden.

In dieser Geschichte denken wir – also vor allem die Marlene – darüber nach, wie es wäre, wenn der Gedanke der Sklavenhaltung fix in der Gesellschaft verankert wäre und auch vollends akzeptiert wäre. Das ist ein facettenreiches Thema, in dem es um Moral und Ethik geht. Darauf kann ein Heftroman mit seiner eingeschränkten Länge gewiss keine Antwort geben. Aber ich denke, dass es Aufgabe der SF ist, auch über solche Dinge zu schreiben und zum Nachdenken anzuregen.

MvH: Kinderzwangsehen und Kinderprostitution. Das geht für mich gar nicht.

Marlene von Hagen

Perry nennt Bully »Reg«. Das ist ungewöhnlich für die EA und passt besser zu NEO. Ist das durchgerutscht oder war das Absicht?

MMT: Absicht.

Atlan sagt zu Bully, dass dieser alle Unsterblichen überlebt. Wer würde wirklich als letzter an den Gräbern stehen. (Und Perry als Antwort gilt nicht).

MMT: Von der Physis und den geistigen Fähigkeiten her: Icho Tolot
Von der Beharrlichkeit her: Perry Rhodan
Von der Raffinesse her und der Fähigkeit, sich aus Schwierigkeiten rauszuhalten: Homer G. Adams
Von der Zähigkeit her: Monkey
Von seiner fast lebenslangen Pechsträhne her: Gucky (ich halte ihn aufgrund des Verlusts seiner Sippe und den Hinweisen auf überlebende Ilts, die immer wieder zu lesen sind und die sich nie als substanziell herausstellen, für ein sehr, sehr unglückliches Wesen)
Von ihren Verbindungen zu höheren und ihnen wohlgesonnenen Mächten her: Julian Tifflor und Alaska Saedelaere
Von seiner Schlitzohrigkeit her: Reginald Bull
Von seinen taktischen Fähigkeiten und seiner Durchsetzungskraft her: Atlan
Von seiner Fähigkeit her, sich Hunderte Hefte lang aus allen
Gefahren rauszuhalten: Michael Rhodan
Aus sentimentalen Gründen, nachdem ich die Figur erfunden habe und auch weiß, dass sie noch lebt: Trilith Okt
Um die Ronald Tekener-Fans unter den Lesern ein wenig zu verwirrren und zu ärgern: Ronald Tekener
Doch meine eigentliche Favoritin ist Dao-Lin-H’ay. Katzen haben bekannterweise neun Leben.

Michi, du hast mir am letzten PR-Stammtisch Wien verraten, dass du den Verlauf des Zyklus schon wieder vergessen hast. Spekuliere doch für uns … wie geht es weiter? Wird die Erde gefunden? Falls ja, wann? Findet Rhodan sie im Galaxien-Geviert? Wer ist der wirklich Böse im Zyklus?

MMT: Heast, Du versuchst es immer wieder, mir irgendwas zu entlocken. ICH VERRATE NIX!!!

Anmerkung: Ach, ich wollte einfach deine Fortsetzung der Geschichte hören. Sozusagen die Alternative zu Christoph und Hartmut … also?

MMT: Du kannst noch so tief bohren – Du wirst nix von mir hören. Wobei, Schokobananen und Überraschungseier würden allerdings helfen. 

Band 3026 hat zwei Handlungsebenen, einmal Atlan und einmal Trubarg. Wieso hast du dich für Atlan entschieden und Marlene die fremde Zivilisation überlassen?

MMT: Das hat sich zwingend ergeben, nachdem Marlene noch nicht sooo tief drin ist im Perryversum und das schlichtweg jener Teil war, bei dem sie weniger Vorkenntnisse benötigte.

Marlene: Was waren deine Überlegungen zur Zivilisation? Wie viel Freiraum hattest du?

MvH: Aus dem Exposé heraus gab es Angaben zum Aussehen der Nukazani, ihrer Sprache und den Hinweis, dass sie ihr eigenes Volk versklaven. Ich habe mir überlegt, welche Ideologie dahinter stecken könnte. Dabei kam mir die Idee, die Nukazani sehr fruchtbar zu machen. Sie haben viele Nachkommen, aber nur eine Mutter und einen Vater. Folglich: In dieser Gesellschaft sind Eltern mehr wert, als Kinder, da jeder so viele hat. Wenn sie alt genug sind, werden die Kinder entweder vorteilhaft als Sklaven verkauft oder wie bei Trubarg auf den eigenen Feldern zum Arbeiten eingesetzt. Im Grunde ist dies ein sehr nobles Verhalten von Trubarg, da er seine eigenen Sklaven gut behandelt und nur ungern weiterverkauft. Aber manchmal wird auch er dazu gezwungen.

Marlene: Du hast bislang Fantasy geschrieben, hast dich aber seit ein paar Wochen in RHODAN eingelesen. Welche Hefte waren das? Und was sagst du als Leserin zu RHODAN?

MvH: Ich habe in Leipzig von Klaus Frick einige Hefte zu PERRY RHODAN OLYMP erhalten und fast die ganze Miniserie durchgelesen. Außerdem habe ich mich als Einhornfan mit den etwas älteren Bänden: Atlan 726 und 727 beschäftigt. Ich hoffte hier etwas mehr über Atlan zu erfahren, doch die Figur kam in diesen Bänden leider nicht vor. In Andreas Eschbachs Roman »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer« habe ich ebenfalls hineingeschnuppert. Es war also eine bunte Mischung. Generell finde ich es faszinierend wie lange es die Serie bereits gibt und wie unendlich groß die Kreativität all der Autoren und Autorinnen ist, die mitgeschrieben haben. Noch immer erfüllt mich großer Respekt für jeden, der als Stammautor in dieser Serie arbeitet. Ich werde mich auf alle Fälle auch weiterhin als Leserin mit PERRY RHODAN beschäftigen.

Marlene: Welche Figuren haben dich am meisten fasziniert?

MMT: Ich wette, sie sagt jetzt Atlan. Immer dieser Atlan. Alle Frauen liegen Atlan zu Füßen – und nicht mir.

MvH:  Neben Trubarg die Nebenfigur »Dreirüssel«. Mit ihm lässt sich ebenfalls ein sehr guter Einblick auf die Gesellschaft zeigen. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. Und MMT: Ja, du hast recht. Atlan ist eine verdammt interessante Figur!

Marlene, was ist für dich der Unterschied zw. Fantasy und RHODAN?

MvH: Das ist jetzt eine ganz persönliche Sichtweise von mir: Fantasyromane finden für mich üblicherweise auf einem Planeten statt. Es gibt höchstens Portale oder Zauber, die die Figuren in eine andere Welt versetzen. Keine Raumschiffe oder Kontakt zu Außerirdischen. Oftmals ist das Setting mittelalterlich, aber nicht immer. Jemand meinte mal, dass STAR WARS Fantasy sei, weil vieles darin in unserer Welt theoretisch nicht möglich sei. Und Serien wie STAR TREK Science Fiction, da deren Inhalte tatsächlich in der Zukunft stattfinden könnten. Für mich hatte beides seinen Reiz und ich hätte beides als SF angesehen. Bei RHODAN ist sehr viel moderne Technik zu finden, es gibt Telekinese und Teleportation, aber keine Magier, die aufgrund einer nicht sichtbaren Magiequelle Zauber wirken können.

Zwei deiner Fantasy-Bücher sind »Die Schicksalsknüpferin – Das Blaue Amulett« und »Die Weltenwirbel – Ewige Jugend«. Worum geht’s in den Büchern?

Beide Bücher spielen in einer eigenen Fantasywelt mit ganz verschiedenen Wesenheiten.

In »Die Schicksalsknüpferin« möchte der unbedarfte Schreinerbursche Tavion den an der Fluchkrankheit (Tourette-Syndrom) leidenden Bruder seiner Geliebten helfen. Auf seiner Suche nach dem Blauen Amulett, das alle Krankheiten heilen soll, begegnet ihm eine starke Kriegerin und ein Mädchen, das seit ihrer Kindheit Stimmen hört. Gemeinsam bestreiten sie ihre weitere Reise und geraten dabei in Gefangenschaft.

In dem Buch »Die Weltenwirbel« wird der heilkundige Magier Yllren zu einer komplizierten Geburt gerufen. Ein furchtbar entstellter Säugling wird tot geboren. Yllren vermutet Schwarze Magie als Ursache und sucht Rat bei seinem alten Lehrmeister. Doch dieser ist verschwunden. Gemeinsam mit dem Wegefinder Waldo, einem redseligen Oger, begibt er sich auf die Suche nach dem verschollenen Magier.

Und woran arbeitest du gerade?

An einer neuen Fantasystory in einer anderen Welt.

Michi, zurück zu Band 3026. Zitat: NHOD? Was für ein sonderbarer Name.«
K
lär uns auf:  Was ist das sonderbare an dem Raumschiffsnamen?

MMT: Na, mit der Aussprache tut man sich mit terranisch-österreichischer Zunge schon ein bissl schwer. VLCEK wär mir leichter gefallen.

Michi, ist Gonk, der Soldat aus dem Insektoidenvolk Ansagas, eine Eigenentwicklung? Er stirbt gegen Ende in einem Nebensatz. Da hast du ihn so schön aufgebaut und dann ist er in einem Halbsatz tot.

MMT: Seufz. Das war zugegebenermaßen ein Platzproblem. Ich wollte mehr aus seinem Abgang rausholen.

Michi, wieso gehen Lanko Wor und Guina Linh mit Atlan in den Einsatz? Beide sind von den Cairanern gesucht und bislang hatte ich nicht den Eindruck, dass sie die Spezialisten für Außeneinsätze sind oder Fachgebiete sind. Noch dazu, da Atlan im Einsatz anmerkt, dass ihnen die mangelnde Ausbildung anzumerken ist.

MMT: Na, und wie sammelt man Erfahrungswerte? »Learning by doing« heißt das glaub ich.

Danke für eure Zeit.

Zusätzliches Interview auf der PR-HP

https://perry-rhodan.net/aktuelles/news/wenn-sich-ein-autor-unterst%C3%BCtzen-l%C3%A4sst-%E2%80%93-teil-1

https://perry-rhodan.net/aktuelles/news/wenn-sich-ein-autor-unterst%C3%BCtzen-l%C3%A4sst-%E2%80%93-teil-2

Homepage von Marlene von Hagen:
https://www.marlenevonhagen.at/

Homepage von Michael Marcus Thurner:
http://www.mmthurner.at/

Zehn Fragen an den RHODAN-Redakteur Klaus N. Frick zum Zyklus Mythos Erde

Nach dem ersten Viertel des Zyklus stellt sich Redakteur Klaus N. Frick den Fragen von Roman Schleifer. Unter anderem verrät er, die Zutaten für einen Zyklus, der den von vielen Lesern als legendär bezeichneten Zyklus Meister der Insel toppen könnte.

Quelle: privat

Klaus, der Zyklus ist 25 Hefte alt. Hand aufs Herz: Welche Idee stammte ausschließlich von dir?

Ich glaube, das gibt es diesmal gar nicht; vielleicht einige Details, aber die sind nicht wichtig. Die Ideen stammen von den Exposéautoren.
Okay, wenn ich eine Weile nachdenke: Die drei roten Augen, die über Rudyn schweben, das war eine Idee von mir – aber das ist nun wirklich nicht zentral.

Wie zufrieden bist du mit dem Zyklusverlauf?

Schwächen und Stärken eines Zyklus kann man – so finde ich – erst im Nachhinein bewerten. Ich fand’s richtig, dass wir am Anfang langsam eingestiegen sind, dass wir erst einmal gezeigt haben, wie Rhodan und seine Gefährten sich in der neuen Milchstraße orientieren. Im Nachhinein hätten wir’s schneller machen müssen; im Nachhinein wäre wohl ein früher Kontakt zwischen Rhodan und Bull sinnvoll gewesen. Aber wir haben gezeigt, wie die Milchstraße »funktioniert«, wir haben gezeigt, wie eine »Fake«-Erde gefunden und erforscht wird. Dinge wie der Vital-Suppressor, die für den Zyklus ja wichtig sind, wurden eingeführt, und so weiter …

Du bist ja bekanntlich auch Fan der Serie. Wie gut unterhält dich der Zyklus als Fan?

Ganz ehrlich – das kann ich nicht objektiv sagen. Ich lese die Exposés, ich bin in der Konzeption drin, und da habe ich keine Fan-Ansichten mehr. Das geht nicht.

Du besprichst regelmäßig mit Hartmut und Christoph den weiteren Zyklusverlauf. Welche Erkenntnis hast du für den zukünftigen Zyklusverlauf aus den Reaktionen im Forum und auf Facebook gewonnen?

Offenbar wollen die Leser schneller Antworten haben als früher. (Ich wusste »damals« nicht, welche sieben Völker das Konzil hatte, als ich damit anfing, den entsprechenden Zyklus zu lesen. Mein Vertrauen in die Autoren war groß, diese Information bald zu erhalten.) Auch wenn die meisten Leser es schätzen, bei PERRY RHODAN einen großen Handlungsbogen zu lesen, mögen sie es offenbar in einem stärkeren Maß, immer wieder zwischendurch kleinere Handlungsbögen abzuschließen.

Wer legt Titel und Untertitel fest? Der Hintergrund der Frage: Oft verraten Titel und Untertitel die Quintessenz des Romans und nehmen dem Leser die Spannung. zb
Terra Incognita (Sie erreichen den dritten Planeten der Sonne – es ist eine fremde Welt)
Zeuge der Jahrhunderte (Auf der Suche nach der Dunkelwelt – Atlan trifft auf einen Posbi-Diktator)
Der Geist von Hellgate (Im Orbit einer Höllenwelt – ein rücksichtsloser Feind greift an)

Die Untertitel lege ich in Absprache mit den Autorinnen und Autoren fest. Allerdings werden sie halt auch manchmal festgelegt, wenn der Roman noch nicht fertig ist – dadurch kann es solche »Spoiler« geben. Das finde ich aber nicht schlimm; so richtig viel wird ja nie verraten.

Du bist als strenger Redakteur bekannt, an dem man so leicht nichts vorbeischummelt. Wie konnte dir die Kapitelüberschrift »Der feuchte Traum aller Kostümbildner« in Band 3021 von Leo Lukas durchrutschen?

Das rutschte nicht durch. Ich las diese Überschrift, fand sie witzig und entschloss mich, sie einfach stehen zu lassen.

Einige Leser haben über die fünf »Ilya«-Bände gemotzt: Fünf  unterschiedliche »monster of the week« in jedem Roman, lang gezogene Handlung, die man auch in einem Heft unterbringen hätte können etc. Andere wiederum fanden es toll. Wer von den Fraktionen hat aus Sicht des Redakteurs recht?

Ich finde ein Motzen bei diesen Romanen nicht angebracht. Ilya ist eine wichtige Welt, das wird auch noch klarer werden. In den fünf Romanen wurde gezeigt, wie die Welt funktioniert, welche Gefahren es auf ihr gibt und was die Cairaner dort eigentlich treiben. Hätten wir das in nur einem Roman erzählt, wäre es für meinen Geschmack zu kurz gewesen. Aber klar: Die Erwartungen mancher Leser sind anders, und dann können die sich auch ärgern. Aus Sicht eines Lesers ist das nachvollziehbar.

Mit Band 3000 ist die Auflage gestiegen. Konntet ihr das Niveau halten?

Noch sind unsere Zahlen im Print über denen des Vorjahres … Und bei den E-Books haben wir eine generell deutlich erhöhte Verkaufsauflage erreicht.

Die Interviewserie ist jetzt 25 Hefte alt. Welche Aha-Erlebnisse gab es für dich bei den Antworten der Autoren?

Ich amüsiere mich immer wieder über manche Aussage; die Autorinnen und Autoren sind gelegentlich doch sehr offen und geben zu ihrer Gemütslage oder der Terminsituation sehr ehrlich Antworten. Ich lese die Interviews selbst immer sehr gern – wirklich!

Es gibt ja bekanntlich *den* Zyklus der Serie, nämlich MdI, von dem die Leser noch vier Jahrzehnte später schwärmen. Angenommen, ihr wollt den ab Band 3100 toppen: Welche Zutaten müsste der Zyklus haben?

Ich glaube, das Rezept ist vergleichsweise einfach. Die Romane müssen spannend sein, die Figuren müssen das Interesse der Leser erwecken, und das Rätsel, das den Zyklus treibt, muss eine gewisse Größe haben, damit es auch fasziniert. So ein Rezept ist leider nicht so einfach umzusetzen, wie man es glaubt. Es steht ja morgens niemand von uns aus und denkt sich, »heute mache ich was, das die Leser ärgert«. Das eigentliche Ziel ist ja schon, möglichst viele Leser zufriedenzustellen.

Klaus, danke für deine Zeit.

Zwölf Fragen an Hartmut Kasper zu Band 3025

Trotz Urlaub findet Hartmut Kasper Zeit für die Fragen von Roman Schleifer. Er verrät dabei, ob ES sterben könnte und was die RAS TSCHUBAI im Galaxien-Geviert sucht.

Schreibst du für dich selbst ein »normales« Expo wie für alle anderen Autoren auch oder genügen dir ein paar Stichworte?

Es ist ein normales Expo.

Welche Anweisungen hat der Expokrat in dir dem Autor für Band 3025 gegeben?

Keine.

Bei einem Roman eines Exposè-Autors erwarten sich die Leser eine Enthüllung, einen Meilenstein des Zyklus. Wenn du dich selbstkritisch hinterfragst: Inwieweit bist du dem mit Band 3025 gerecht geworden?

Solche Erwartungen wecke ich nicht. Mein Expo ist ein normales Expo und muss es sein, da es ja passieren könnte, dass ich als Autor des Romans ausfalle und eine Kollegin oder ein Kollege einspringen muss.

Im Roman wird ein Hilfsvolk einer Superintelligenz von einem Hilfsvolk einer anderen Superintelligenz aus einer anderen Galaxis über den Tisch gezogen. Ist das wirklich schon ein kosmisches Komplott, wie es im Untertitel und im Roman geschrieben steht? Was steckt da wirklich dahinter?

Man wird sehen.

Ist die Gabe der Thesanit, in die Zukunft zu blicken, angeboren?

Wird man sehen.

Die Superintelligenz VECU kann frei entscheiden, ob sie einen Auftrag der Kosmokraten annimmt. Seit wann lassen die Kosmokraten die freie Wahl?

Wir kennen weder die Anzahl der Kosmokarten/Chaotarchen noch die der Superintelligenzen, geschweige denn dass wir wüssten, wie sich deren Beziehungen zueinander gestalten. Ich denke, jedes kosmokratische Subjekt verfolgt eine eigene subjektive Agenda; und diese Agenda verfolgt es, wenn es die Kooperation mit SI sucht, mit jeder SI auf je eigene Weise.

Zitat: »Ist der Wanderer tot?«
Wäre das für die RHODAN-Serie denkbar? ES tot?

Aus der Tatsache, dass man vom Tod vieler Superintelligenzen weiß, folgt deren Sterblichkeit. Auch ES war bereits in seiner Existenz bedroht gewesen (Suprahet, Schwarm). Für die Kollegen Scheer, Voltz und andere war dies also denkbar. Und wir stehen in ihrer Tradition.

Zitat: »Superintelligenzen leben nicht. Wie sollten sie da sterben?«
Was meint der Cairaner damit. Wieso leben Superintelligenzen nicht?

Wer weiß? Möglicherweise meint er, dass SI nicht im biologischen Sinn leben.

Gucky möchte die Landschaft der Schmerzteleportation erforschen. Ist das ein Versprechen? Werden wir die Hintergründe der Landschaft der Schmerzteleportation bis 3099 gelöst sehen? Oder ist das einer jener Punkte, die ihr jetzt schon für den nächsten Zyklus einschlägt?

Man wird sehen.

 

Hartmut Kasper auf den 3. PERRY RHODAN Tagen in Osnabrück 2019
copyright Jörg Ritter

Atlan erwähnt die Ladhonen und die Shenpadi, in ihrer Rolle als tollpatschige, aber achtbare Forscher. Ich frage mich grade, wie oft die Shenpadi bislang schon vorgekommen sind. Ich kann mich nämlich nicht an sie erinnern. (Was natürlich nicht aussagekräftig ist …)

Die Bedeutung einer Figur oder eines Volkes hängt meiner Einschätzung nach nicht von der Anzahl der Auftritte ab.

Peter Glasmacher stellt auf Facebook eine interessante Frage: »Sind die Cairaner nun Leichenfledderer oder Tatortreiniger?«
Wie siehst du das?

Die Cairaner bereinigen das Universum von womöglich gefährlichen Hinterlassenschaften.

Rhodan samt der RAS TSCHUBAI bricht in das Galaxien-Geviert auf. Wozu? Es gibt dort nur zerstörtes Gebiet. Was hofft er, dort zu finden?

Eine Spur zur Erde. Und Spuren lassen sich auch in zerstörten Gebieten finden – sonst wäre Archäologie ein unsinniges Unterfangen.

Danke für deine Zeit und noch einen schönen Urlaub.

Zehn Fragen an Verena Themsen zu Band 3024

Verena Themen stellte sich den Fragen von Roman Schleifer und verrät unter anderem, ob sie die Figur Perry Rhodan nervt  und wie Perry damit umgeht, dass sein Name unbekannt ist.

 

Verena in Band 3024 bedienst du die Technikfans mit einigen neuen Technologien. Wie schwer ist es, im Perryversum die Technik weiter zu entwickeln? Woran orientierst du dich?

 

Erstaunlicherweise kommt man trotz der Fülle an Vorhandenem immer noch gelegentlich auf neue Ideen – die muss man halt notfalls dann festhalten, wenn man sie hat, zur späteren Verwendung. Inspirationen kommen teilweise von den Exposé-Autoren, aber oft auch aus dem Kreis meiner Technik-Helfer (vor allem Holger Logemann und Gregor Paulmann mit gelegentlicher Schützenhilfe von Michel Van, mit dem Holger oft zusammenarbeitet). Ohne diese Jungs würde ich gnadenlos untergehen (schon alleine das Zusammenschreiben unserer Ideen kostet mich manchmal eine Unmenge Zeit). Aber ehe es jetzt Anfragen regnet – schon bei drei Leuten auf einen Konsens zu kommen ist manchmal schwer, dieser Kreis wird daher nicht mehr erweitert. Hinweise nehmen wir aber natürlich trotzdem gerne mal entgegen.

Rhodan sinniert darüber, dass es einen noch verborgenen Antagonisten gibt. Ich stimme ihm da überein, auch weil in MMTs Roman dieser Saessbekker  vorgekommen ist. Die Vorschau auf die nächsten Hefte lässt darauf schließen, dass dieser Antagonist erst nach Band 3030 auftauchen wird. Warum so spät?

 

Weil wir noch andere Schauplätze zu bedienen haben, und der Leser sicher auch noch von ein paar weiteren alten Bekannten, Institutionen und Reichen wissen möchte, was aus ihnen geworden ist. Auch sollten wir den bekannten Antagonisten „Cairaner“ nicht aus dem Blick verlieren …

Wenn die Cairaner nur die Nutznießer des Raptus Terrae sind, was wollten die wirklichen Verursacher damit bezwecken? Warum nutzen sie die Situation in der Milchstraße, die sie verursacht  haben, nicht aus?


Wolltest du diese Frage nicht eher einem der Exposé-Autoren stellen? Du glaubst doch nicht, dass wir anderen bereits in diese Dinge eingeweiht sind?

War der Raub vielleicht kein Raub, sondern eine Rettung?


Wer weiß? Es wird sich zeigen … irgendwann!

Auch in deinem Roman wird über die negative Prägung von Bullys ZAC spekuliert. Atlans ZAC stammt immerhin von THEZ – wieso gab es da nie Überlegungen, dass Atlan manipuliert sein könnte?


Selbst wenn – Thez hat sich als eine im Kern positive Kraft entpuppt. Ich denke, deshalb macht sich darüber niemand so richtig Sorgen, obwohl es natürlich im Bereich des Möglichen wäre. Andererseits hat Thez sich freiwillig aus dieser Realität zurückgezogen – welches Interesse an Manipulation sollte es also noch haben?

Die Chaotarchen dagegen … sind eben die Chaotarchen.

Zitat: »Vermutlich förderte die Anwesenheit von potentiell Unsterblichen die Neigung zu Konservativismus.«
Wie siehst du das?


Ich bin der Meinung, dass Alter nicht mit steifer Haltung im Kopf korreliert – ich habe schon sehr progressive Senioren und sehr verknöcherte Jugendliche erlebt ^^
Und wenn unsere ZA-Träger Leute gewesen wären, die zu Konservativismus neigen, wären sie vermutlich nie ZA-Träger geworden. Allerdings können sie natürlich eher abschätzen, bei welchen Themen sich Umstürze lohnen und wo man die Dinge besser langsam angehen lässt. Dass Stillstand Rückschritt ist, dürfte ihnen dagegen klarer sein als den meisten anderen Menschen ohne diese „Langzeitperspektive“.

Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass das Umfeld der ZA-Träger manchmal – bewusst oder unbewusst – glaubt, mit einer konservativen Haltung bei ihnen mehr zu punkten.

Verena Themsen am Austria Con 2016
copyright Martin Steiner
Sabru vermutet aufgrund von Rhodans Aussehen, dass er von einem rückständigen Planeten stammt.  Perry Rhodan ist ja bekanntlich für einen Autor einen schwierig zu handhabende Figur. Freust du dich, wenn du Perry verbal eine »reinwürgen« kannst? Wie sehr nervt dich Perry als Figur?


Das war nicht Rhodan, den sie in dem Moment angeschaut hat, sondern Klavs Herm Luetyens, der Sicherheitschef der RAS TSCHUBAI, bekannt aus PR 2903. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten, mit denen ich in dem Moment durchaus gespielt habe, aber er hat blaue Augen, nicht graue, und er hat diese Neigung zu Allergien.

Nerven tut Perry mich kein Stück, immerhin war er der Held meiner Jugend, bis Atlan daherkam. Trotzdem schaue ich auch immer noch gerne in seine stahlgrauen Augen und schreibe ihn so, wie ich ihn damals empfunden habe, nicht als Zauderer, sondern als Mann der – wenn auch durchaus gut überlegten – Tat. Am liebsten aber aus der Außenperspektive, wie eigentlich bei allen Unsterblichen.

Sabru unterstellt Atlan, dass er und Sichu ein Paar sind. Würde die Serie gewinnen, wenn Atlan Perry die Frau ausspannt? Immerhin hatten wir so einen Konflikt zwischen den „Jungs“ noch nie.


Doch. Perry hat Atlan Gesil ausgespannt.
(Anm: Äh … daran kann ich mich gar nicht erinnern. Also, ich halte das für einen Mythos … :-D)

Aber nein – auch hier spiele ich zwar gerne mit Andeutungen, aber in meiner Gedankenwelt wissen Sichu und Atlan ganz genau, wo sie stehen; sie sind ein gutes Team, haben eine ähnliche Wellenlänge in manchen Dingen, aber mehr ist es auch nicht und wird es auch nicht werden, wenn es nach mir geht. Allerdings hatte ich auch nicht mit einer festen Bindung zwischen Sichu und Perry gerechnet, insofern … am Ende liegt es in der Hand der Exposé-Autoren.

Perry, Atlan und Sichu schwärmen über die Kochkünste eines Naats an Brod der Station. Gibt es auf der RT keine guten Köche?


Doch, sicherlich. Aber auch unsere oberen Zehntausend haben sicher erstklassige Köche an Bord und gehen trotzdem gerne auch mal zu einem anderen Starkoch und loben dessen Essen. Und ob an Bord der RAS jetzt gerade Starköche ständig das Essen zubereiten, bezweifle ich auch.

Perry Rhodan lüftet seine Identität, in dem er im letzten Drittel seinen richtigen Namen sagt, nur wirkt der nicht mehr. Hat der Sofortumschalter immer noch nicht begriffen, dass er vergessen wurde? Wie sehr schmerzt ihn, dass er nach fast 4000 Jahren wieder ein normaler Mensch ist?


Manche erinnern sich ja durchaus noch – es gibt ja auf Rudyn das Terraneum zum Zweck der Erinnerung; da wird Perry sicher eine prominente Rolle spielen. Aber das Odium hat eben auch gewisse Nebenwirkungen wie die, dass man auch die zu Zeiten Terras prominenten Personen ins Reich der Mythen verweist. Und wenn dir dann jemand gegenübersteht und sagt „Ich bin Rapunzel“, wirst du sicher nicht gleich denken „OK, das ist DIE Rapunzel!“ – selbst, wenn sie tolles langes Haar hat 🙂

Ich bezweifle im übrigen, dass es ihn schmerzt, ein normaler Mensch zu sein. Es gab immer wieder Zeiten, da hat er sich genau das gewünscht, und ich denke, er genießt es eher, in gewissem Maß wieder von vorne beginnen zu können – all die Erwartungen, die früher in ihn gesetzt wurden, sind weg, er kann mit deutlich weniger Druck agieren; dem unterliegt jetzt Bully :).
Mag sein, dass manches auch schwieriger ist, weil der Name „Perry Rhodan“ nicht mehr so zieht wie früher (oder auch nur mit Verzögerung), aber meist schafft er es ja doch, aufgrund seiner Ausstrahlung auch da Verbündete zu gewinnen, wo die Dinge schwierig aussehen.

Verena, danke für deine Zeit.

Dreizehn Fragen an Uwe Anton zu seinem Roman 3019

Uwe Anton schildert mit Band 3019 den Abschluss von Perry Rhodans Reise über Ilya. Im Interview mit Roman Schleifer verrät er, warum ein Interview mit Roman Schleifer gefährlich ist und was die Formel 1 mit dem Band zu tun hat.

Uwe, Titel, Untertitel und Kapitelnamen in Band 3019 kommen mir bekannt vor. Wo hast du abgeschrieben?

Nirgendwo. Ich habe mich zwar sehr stark beeinflussen lassen und Titel eines bestimmten, schon lange allgemeinfreien Autors zum Vorbild genommen, aber den Titel und Untertitel sowie alle Kapitelnamen deutlich abgewandelt. Die Werke dieses Schriftstellers unterliegen nicht mehr dem Copyright. Dabei habe ich allerdings darauf geachtet, dass Leser, die diesen Autor früher einmal gelesen haben, die Anspielungen erkennen. Den Namen des Autors nenne ich bewusst nicht. Ich glaube, es macht Spaß, selbst herauszufinden, um wen es sich handelt. Die Suche nach passenden Titeln, die ich für meine Kapitel abwandeln konnte, war übrigens wesentlich zeitintensiver, als hätte ich mir eigene Kapitelüberschriften ausgedacht. Und wie gesagt, all diese Titel sind deutlich abgewandelt.

Was ist der Hintergrund für diese Anspielungen?

PERRY RHODAN 3019 ist in meinen Augen ein Abenteuerroman in der Tradition vieler Romane, die besagter Autor geschrieben hat, sozusagen ein Reiseroman. Es geht von A nach B. Ich habe diesen Autor als Kind sehr gern gelesen und mir als Erwachsener noch einmal viele seiner Romane in der ungekürzten und unveränderten Originalfassung besorgt. Ich sehe »Das Rätsel von Pescha« als Hommage an diesen Autoren.

Der Okrill verhält sich gegenüber Zemina Paath zutraulich und einwandfrei, also im Prinzip wie Perry Rhodan auch. Beeinflusst sie die beiden?

Keine Ahnung. Das wird die Zukunft erweisen. Vielleicht ist Zemina auch nur eine sehr gute Tierpsychologin, eine »Okrillflüsterin« sozusagen. 🙂
Und Perry Rhodan ist ihr gegenüber doch nicht zutraulich! Er lässt sie den gesamten Roman über überwachen.

Rhodan fühlt Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit – denkst du, war er jemals verzweifelter? Immerhin wurden ihm seine Wurzeln genommen …

Das kann schon sein. Es freut mich, dass diese Verzweiflung bei dir angekommen ist. Über das Ausmaß möchte ich keine Aussage treffen. Schließlich hat er ja auch schon einige Ehefrauen verloren …

In deinem Roman sind wir zum ersten Mal in der Innensicht eines Cairaners. Wie schwer war für dich diese Gedankenwelt?

Herausfordernd. Ich musste mich natürlich an die Vorgaben halten, habe mich aber gefreut, dass ich als erster Autor in die Innensicht eines Cairaners gehen durfte. Das bringt uns die Cairaner doch ein wenig näher, und es sind sehr viele wichtige Hinweise im Text verborgen, die der Leser jetzt allerdings noch nicht erkennen kann. Wenn er später einmal sagt: »Ah ja, das habe ich ja schon in 3019 gelesen!«, bin ich zufrieden.

Paiahudse Spepher hat zwei (!) Lebensgefährtinnen. Der Roman spielt im 6. Jahrtausend, schon klar. Aber dennoch wurde er im 21. Jahrhundert geschrieben, in dem politische Korrektheit, Gender und Gleichberechtigung großgeschrieben werden. Wieso entscheidet ihr euch da ausgerechnet für ein Volk, bei dem ein Mann zeitgleich zwei Lebensgefährtinnen hat?

Ich habe zur Abgrenzung ausdrücklich durchgehend von »Lebenspartnerin« und nicht dem heute gebräuchlichen »Lebensgefährtin« geschrieben. Dieser Begriff taucht aus stilistischen Gründen im gesamten Roman ein einziges Mal auf!

Wie du gerade gesagt hast, der Roman spielt im 6. Jahrtausend und in einer völlig fremden Kultur. Und was hat der Umstand, dass jemand zwei Lebenspartner/Innen hat, mit political correctness, Genderbeziehungen und Gleichberechtigung zu tun?
Hier wird ein Gesellschaftsbild entworfen, das keinem irdischen entspricht. Du lässt dich von politischer Korrektheit doch nicht zu kleingeistigem Denken treiben, oder? 😉
Außerdem wissen wir noch viel zu wenig von der Gesellschaft der Cairaner, um endgültige Aussagen treffen zu können. Wer weiß, vielleicht ist es bei ihnen ganz normal, dass auch eine Cairanerin zwei Lebenspartner hat?

Spepher denkt, dass die Ayees Zeit benötigen, um zu einem Volk zu werden, die die Geschichte der Milchstraße bestimmen kann. Jetzt sind die Ayees gerade mal auf dem Niveau des frühen 20. Jahrhunderts. In welchen Zeiträumen rechnen die Cairanern? Wie lange werden sie auf die Ayees aufpassen, bevor sie zu einem raumfahrenden Volk werden, die die Milchstraße bestimmt? Und … heißt das, die Cairaner bleiben mehrere Generationen in der Milchstraße, weil ihr eigener Plan so lang dauert?

Interviews mit dir sind so gefährlich, weil du es hervorragend verstehst, Spoiler aus einem herauszulocken. Wir werden spätestens in 3099 erfahren, was es mit den Cairanern auf sich hat, vielleicht auch schon früher. Außerdem sind sie schon eine ganze Weile in der Milchstraße, oder?

Spepher denkt über die Existenz Terras (Zitat): »Spepher schloss dessen Existenz nicht grundsätzlich aus. Vieles war möglich.« Die Cairaner wissen also selbst nicht, ob Terra existiert? Damit waren sie es nicht, die die Erde entführt haben, sondern nutzen die Situation in der Galaxis für eigene Zwecke?

Tja, vieles ist möglich. Ich möchte in diesem Zusammenhang weder etwas grundsätzlich ausschließen noch bestätigen.

Zitat Perry Rhodan: »Das war das Problem, seit es Menschen gab. Sie dachten in den entscheidenden Augenblicken einfach nicht nach.« Ganz schön arrogant, der Herr Rhodan, meinst du nicht auch?

Tut mir leid, falls das so rüberkommt. Da spricht natürlich der Autor, und der und Herr Rhodan meinen garantiert nicht sämtliche Menschen. Aber einige schon.

Uwe Anton am Austria Con 2016 im Gespräch mit Roman Schleifer

Du schilderst eindrücklich, was Spepher für eine seiner Gefährtinnen fühlt. Hast du dich auch verliebt in sie?

Sagen wir so, sie ist mir ans Herz gewachsen. Zum Verlieben ist sie mir zu groß; sie stellt Dinge mit den Händen an, die mir fremd sind, und mit Bruttaschen kann ich auch nicht viel anfangen. Aber sie riecht sehr gut.

Auf seiner Wanderung kommt Rhodans Gruppe zu einer Stelle, bei dem der Weg einen Kreis bildet. Plötzlich rast ein rotes bolidenartiges Geschöpf, gefolgt von einem weiteren roten und einem mit hellen Silberton über diesen kreisförmigen Weg entlang. Zeitgleich sind sie in der Nähe von Baku. Hast du bei der Formel 1 Anleihe genommen?

Ein guter Freund von mir ist begeisterter Formel 1-Fan, und als ich den Roman schrieb, fand tatsächlich gerade das Rennen von Baku statt. Ich habe es also eingebaut. Was nicht in dem Roman steht: Das silberne Geschöpf hat die roten schon einmal überrundet …

Durch deinen Roman ist offiziell, dass die Ladhonen und die Cairaner keine Verbündeten sind. Gehören die Ladhonen zu der Macht, die Terra und Luna entführt haben? Und haben sie die Erde vielleicht sogar beschützt vor dem, was die Cairaner vorhaben? Die Cairaner haben in der Milchstraße Ordnung geschaffen, weil das Trajekt bei einer Galaxis im Chaos unerschließbar wäre. Ist das eine Anspielung auf die Chaotarchen? Ist das Trajekt das Sternenrad, von dem Hartmut auf dem Con in Osnabrück gesprochen hat?

Vielleicht. Vielleicht. Nein, das ist keine Anspielung auf die Chaotarchen. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Nachdem alle Cairaner Datenmanipulation zutiefst verabscheuen, steht fest, dass die Cairaner mit dem Posizid nichts zu tun gehabt haben. Wieso haben sie nicht versucht, die wirkliche Geschichte zu rekonstruieren, wenn ihnen das so verhasst ist? Immerhin ist das ja auch eine Form des Chaos …?

Viel wichtiger als diese Fragen finde ich den Umstand, dass die Cairaner Datenmanipulationen zutiefst verabscheuen. Das ist natürlich ein Schlüsselsatz des Romans. Schön, dass du ihn erkannt hast! Die Leser haben jetzt jede Menge Stoff für Spekulationen. Danke für die Fragen, und bitte hab Verständnis, wenn ich manche nur ausweichend beantworte. Aber ich will den Lesern nicht den Spaß nehmen.

Uwe, danke für deine Zeit.

Interview mit Kai Hirdt zum ersten Band MISSION SOL

Mission SOL Band I: »Das Raumschiffgrab«

Science-Fiction, Heftroman, Hörbuch und E-Book, Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt, 14. Juni 2019, 68 Seiten, € 2,40, Titelbild: Dirk Schulz

Wie schon bei TERMINUS und OLYMP ist auch bei der neuen PERRY RHODAN Miniserie MISSION SOL der Autor des ersten Bandes zugleich der Expokrat. Kai Hirdt gab ein Kurzinterview (erstveröffentlicht auf Geisterspiegel.de).

 Alexandra Trinley: Deine Miniserie trägt als Titel den Namen eines legendären Raumschiffs, der SOL. Was für ein Schiff ist das?

Kai Hirdt: Die SOL ist eine Legende! Groß wie ein Gebirge, wurde sie einst als Generationenschiff in Betrieb genommen, als ein Teil der Menschheit von der Erde fliehen musste. Das riesige Raumschiff wurde die neue Heimat dieser Solaner, und über mittlerweile 1500 Jahre sind sie immer wieder vor Ort gewesen, wenn sich Ereignisse von kosmischer Bedeutung abgespielt haben. Doch seit knapp zweihundert Jahren ist das Schiff verschollen. Interview mit Kai Hirdt zum ersten Band MISSION SOL weiterlesen

Fünf Fragen an Verena Themsen zu Band 3011

Mit Band 3011 entführt uns Verena Themsen in das »Habitat der Träume«. Im Interview will Roman Schleifer unter anderem von ihr wissen, wofür sie kämpft und ob 3013 ein Schlüsselroman wird.

Verena, das Perryversum zeichnet sich bei 3011 Heften durch eine enorme Datenfülle aus. Wie behältst du als Physikerin vom Dienst und Datenrechercherin den Überblick?

Durch ein brauchbares Gedächtnis, eine Unmenge gut sortierter Dateien und neuerdings ein Confluence-Wiki, das aber noch im Aufbau begriffen ist. Das ist etwas anderes als eine Wikipedia, mehr auf Zusammenarbeit an Texten und saubere Dokumentenablage ausgelegt und nicht so sehr ein Lexikon.

Bis jetzt gab es im Bereich Technik in diesem Zyklus schon ein paar interessante Neuerungen. Gibt uns einen Ausblick – was dürfen wir noch erwarten?

Nicht so viel, wie man nach 500 Jahren vielleicht denken würde. Es gab eben den einen oder anderen Hemmschuh auf dem Weg; Posizid und Datenflut sind dawohl der wichtigste Aspekt, aber auch ständige Unruhen und Umwälzungen tragen nicht zu einem guten Klima für die Forschung bei.

Du koordinierst auch die Risszeichner – der Zyklus ist noch jung, was kommt in Punkte Schiffen auf uns zu?

Risszeichnungen sind ja nicht nur Schiffe, auch wenn sie meist den Großteil der Objekte ausmachen. Wir haben aber zum Beispiel auch das Habitat Gongolis als Risszeichnung, um das es in PR 3011 ja geht. Aber natürlich wird es auch weiter Schiffe geben, und natürlich auch die bereits angekündigte THORA – die braucht allerdings noch ein wenig Zeit.

Konzentrierst du dich bei deiner Hintergrundarbeit eher auf Kosmologie oder auf Raumschiffstechnik?

Ich konzentriere mich auf alles, was benötigt wird.

Zum Roman selbst. Ich darf zitieren: »Jeder Kampf muss einem Ziel dienen, einem Vorankommen: entweder dem persönlichen, das ist das niederste Ziel. Oder dem des eigenen Khasurn, der eigenen Familie, das ist das nächsthöhere Ziel. Das allerhöchste Ziel aber ist, seine Kämpfe zugunsten des Vorankommens jener Gemeinschaft zu wählen, ohne die weder die Person noch die Familie Bedeutung hätte: des eigenen Volkes, dessen Kultur und Werten.«
Wofür würdest du privat kämpfen?

Für die Anerkennung des Wertes von Diversität und Heterogenität. Und ich würde nicht nur, ich tue.

Tenga und Yaradua erinnern mich in deinem Roman an Lemy Danger und Melbar Kasom. Was können wir in dieser Hinsicht in den weiteren Romanen erwarten? Apropos Tenga: Der Siganese ergrünt in deinem Roman. Ich überlege gerade, wie das geht, wo er doch eine grüne Hautfarbe hat …

Er wird dunkler grün. Wir haben mit zartrosa auch einen Rotton als Grundfarbe der Haut, der intensiviert wird, wenn wir erröten. Der Begriff ist allerdings ohnehin nicht auf meinem Mist gewachsen, er ist so alt wie die Siganesen in der Serie.

Im Kampf verwendet ein Naat eine Axt, die wieder zu ihm zurückkommt. War das eine Anspielung auf THOR?

Nicht, dass ich wüsste. Es ist einfach praktisch, wenn eine Waffe zurückkehrt. Darum mag ich Bumerangs, und auch Mjöllnir.

In deinem Band 3011 ist es endlich so weit: Perry trifft auf Bully. In 3012 schwenkt die Handlung von ihnen weg, um 3013 zu ihnen zurück zu kehren. Wird 3013 durch das Treffen von Bully und Perry zum ersten Schlüsselroman des Zyklus?

Kommt darauf an, was man unter einem Schlüsselroman versteht. PR 3013 ist ein Roman, der einiges an Wissen vermittelt, weil Rhodan zum ersten Mal jemanden hat, dem er offen Fragen zu stellen wagt. Aber das tun die Folgeromane ebenfalls.

Was müsste deiner Meinung nach passieren, dass Perry seinem ältesten Kumpel die Freundschaft aufkündigt?

Schätze, er müsste aus echter Überzeugung zum Massenmörder werden. Was nicht passieren wird.

Verena, danke für deine Zeit.

Fünf Fragen an Uwe Anton

Band 3006 stammt aus der Feder von Uwe Anton, der sich ebenfalls den Fragen von Roman Schleifer stellte.

Bereits in Michael Marcus Thurners Roman Nr. 3004 agiert Perry Rhodan sehr oft nach seinem Bauchgefühl. Auch bei dir kommt das ein paar Mal vor: Ist das die neue Doktrin? Und gleich daran anknüpfend: Was denkst du: Agiert Rhodan mehr aus dem Bauch oder aus der Ratio? Und warum denkst du das?

Rhodan agiert in diesem Roman tatsächlich aus dem Bauch, nämlich aus dem eines großen Wurms, der ihn verschlungen hat. Das ist keine Doktrin, sondern Anpassung an eine ganz bestimmte Situation. Wenn mich ein Wurm verschlungen hätte, würde ich kaum anders reagieren – nämlich aus dem Bauch heraus. Im Allgemeinen ist Rhodan ein Mensch, der genau abwägt und dann eine Entscheidung trifft. Zumindest in meinen Romanen wird das auch so bleiben.

In deinem Band hinterfragt sich Perry Rhodan des öfteren, stellt jedoch fest, dass er kein Zauderer oder gar lahm ist und, dass es besser ist, zu überlegen, bevor man agiert. Ist Perry Rhodan in der midlife-crisis?

Ich wäre froh, wenn meine midlife-crisis mit etwa dreieinhalbtausend Lebensjahren kommen würde. Das ist der ewige Spagat: Nach dreieinhalbtausend Lebensjahren ist Rhodan nicht mehr der Draufgänger aus jungen Jahren, der mal eben einen Jet auf einem Flugzeugträger landet. Er hat an Erfahrung hinzugewonnen, wie es bei uns allen der Fall sein sollte, die wir älter werden. Er überlegt, bevor er handelt. Die liebe Konkurrenz zieht das noch konsequenter durch. Da achtet der 1. Offizier Riker streng darauf, dass Captain Picard nicht auf Außeneinsätze geht.

(Wäre das nicht ein Thema für eine Mini-Serie, nennen wir sie Crisis?)

(Roman, die Science Fiction hier schreibe ich!)

Zitat aus deinem Band: Wie vielen Menschen hatten Entscheidungen, die in solchen Konferenzräumen getroffen worden waren, das Leben gekostet? Und wie viele Menschen hatten aufgrund dieser Entscheidung gerettet werden können? Durfte man ein Leben gegen ein anderes aufrechnen? Solche Gedanken waren müßig. Es ging nicht anders, wenn er der Verantwortung gerecht werden wollte, die auf seinen Schultern lastete.
Welche Verantwortung lastet auf seinen Schultern? Er kam 500 Jahre aus der Vergangenheit. Keiner kennt ihn wirklich (außer eine Handvoll Unsterbliche) und wenn er sich zur Ruhe gesetzt hätte, wäre es auch gut gewesen.
Zusatzfrage: Was ist sein Antrieb?

Rhodan ist kein Mensch, der die Hände in den Schoß legt, zum 97. mal “LSD-Astronauten” von Philip K. Dick liest (also einmal etwa alle 30 Jahre), sich auf einer Touristenwelt die Sonne auf den Bauch scheinen lässt und vom Ersparten lebt. Dass er überlegt, bevor er handelt, bedeutet nicht, dass er keine Neugier mehr verspürt, nicht mehr wissen will, was da, verflixt noch mal, passiert ist. Er käme nie auf die Idee, sich zur Ruhe zu setzen (und seine Leser zu enttäuschen).

Der Siganese Sholotow Affatenga bezeichnet sich selbst als »Maximaldestruktor« – bahnt sich da ein Wettbewerb mit dem »Überall-zugleich-Töter« an? Wie wird Gucky auf so eine Ansage bzw. Herausforderung reagieren?

Ich sehe da kein großes Problem. Gucky wird Tenga telekinetisch alle Pralinen wegnehmen, und gut ist.

Der Ara Roba-Kerum möchte die Mausbiber neu aufleben lassen. Das ist natürlich eine Anspielung auf Bernd Robker, der als Robert Corvus schreibt. Wie sehr war Robert, der ja bekennender Gucky-Hasser ist, am Rande des Nervenzusammenbruchs, als er von diesen Plänen erfahren hat?

Gar nicht. Er hat es mit Humor genommen. Es ist eine alte Tradition bei RHODAN, Kollegen liebevolle Auftritte zu ermöglichen, und Robert hat einen ähnlichen Humor wie ich. Er war begeistert. Ich zitiere auszugsweise aus einer Mail: “Das ist ja witzig – vielen Dank dafür! Damit machst Du mich unsterblich … Vielleicht hole ich mir dieses spezielle Heft gleich doppelt …” Für solch eine Auflagensteigerung wäre ich natürlich dankbar.

Sechs Fragen an Andreas Brandhorst zu seinem PR-Roman 3005 mit Spoilergefahr samt fünf Fragen zu seinen drei Büchern, die 2019 erscheinen.

Band 3005 »Wiege der Menschheit« ist ein Gastroman von Bestsellerautor Andreas Brandhorst. Auch er stellte sich den Fragen von Roman Schleifer.

Andreas, mit dem PR-Heft 3005 kehrst du gleich auf mehrere Arten in deine Jugend zurück. Vor vierzig Jahren hast du als Schriftsteller dein erstes professionelle Werk veröffentlicht: einen Heftroman. Zeitgleich hast du die RHODAN-Serie verschlungen. Diese jugendlichen Gefühle hast du mit der Erinnerung an Tro Khon einfließen lassen – was hat dich an den Bestien fasziniert?

Den Begriff »Bestien« habe ich damals gar nicht gemocht, »Zweitkonditionierte« oder »Schwingungswächter« gefiel mir viel besser. Mich hat die Andersartigkeit dieser Wesen fasziniert, ihre technische Überlegenheit, ihre Übermacht, die allein schon in ihrem imposanten Erscheinungsbild zum Ausdruck kam. An einer Stelle im Roman ist von einem erwachenden Giganten die Rede, was natürlich eine Anspielung auf »Ein Gigant erwacht« ist. Tro Khon war damals eine meine Lieblingsfiguren. Überhaupt war der dreizehn- oder vierzehnjährige Andreas Brandhorst damals von den 300er-Bänden begeistert, sie gefielen mir ebenso gut wie die 200er des legendären Meister-der-Insel-Zyklus.

Bis zu welchem Heft hast du gelesen?

So bis zum Ende der 400er-Bände, wenn ich mich richtig erinnere.

Wie in den Heften davor trifft Perry Rhodan auf Menschen, die ihn nur als Legende kennen. Du hast seine Wirkung auf diese Menschen beschrieben: »Plötzlich schien dort ein anderer Mensch zu stehen, dessen Blick aus den Tiefen von Raum und Zeit zu ihnen reichte.« Denkst du, dass Perry seine Mitte gefunden hat?

Sollte er nach mehr als 3000 Jahren nicht seine Mitte gefunden haben? Man stelle sich einen Menschen vor, der mehr als drei Jahrtausende gelebt und so viele Erfahrungen gesammelt hat wie Perry Rhodan. Ein solcher Mensch muss eine enorme Ausstrahlungskraft haben, und die setzt er in der von dir genannten Szene ein, um zu beweisen, dass er ist, was er zu sein behauptet. Wir alle kennen das: Ältere Menschen, die viel erlebt, gesehen und erfahren haben, verhalten sich anders als junge Leute, denen es an Erfahrung mangelt. Man stelle sich jemanden vor, der alle Länder der Erde bereist und ihre Kulturen kennen und verstehen gelernt hat. Und man vergleiche einen solchen Reisenden mit jemandem, der nie sein kleines Dorf verlassen hat. Der Unterschied ist spürbar.

An anderer Stelle stellt Perry fest, dass die Geschichte Terras mit viel Blut und Tränen geschrieben wurde und dass seine Hände dieses Blut und diese Tränen berührt haben. Wie viel Zweifel hat deiner Meinung nach der Optimist Perry Rhodan?

Man kann Optimist und nachdenklich sein. 🙂 Auch hier spielen langes Leben und große Erfahrung wieder eine wichtige Rolle. Und Verantwortung, ein bedeutsames Wort. Wer so viel Verantwortung trägt wie Perry Rhodan, hat gelernt abzuwägen, die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen. Er dürfte längst über eine egozentrische Sichtweise hinaus sein (weil er sich selbst und anderen nichts mehr beweisen muss) und die Wahrheit als solche erkennen können, auch wenn sie unangenehm sein mag.

Du hast in einem Interview mit Klaus N. Frick (link am Ende des Textes) gesagt, dass du Lust auf einen richtig dicken Wälzer hättest, der im Perryversum spielt. Eine Antwort aus dem Bauch: Welche Epoche würdest du darin gern beleuchten und warum?

Meine erste, instinktive Antwort auf diese Frage wäre: Ich würde einen solchen Roman irgendwo zwischen Band 200 und 399 ansiedeln wollen. Aber wenn ich dann genauer darüber nachdenke … Infrage kämen auch Zeiträume, die in der Serie »unerzählt« blieben, weil es zu Zeitsprüngen kam. Oder warum nicht eine große Geschichte aus einem parallelen Perryversum, in dem die Geschichte, wie wir sie von Perry Rhodan kennen, ganz anders verlief? Auf jeden Fall sollte es etwas Kosmisches sein, wie ich es liebe, eine große Geschichte mit der Milchstraße oder dem ganzen Universum als Bühne.

Wie ging es dir mit dem RHODAN-Heft, dessen Umfang für dich ja eher eine Kurzgeschichte ist?

Das war ganz und gar nicht einfach. Meine Romane sind normalerweise fünf- oder sechsmal so lang wie ein Heftroman und wesentlich breiter angelegt, mit einem längeren Spannungsbogen und einer wesentlich tieferen Figurenentwicklung. Die Umstellung war nicht leicht. Ich habe zuvor ein Handlungsgerüst angefertigt und beim Schreiben gemerkt, dass ich gern mehr Platz für die detailliertere Darstellung bestimmter Personen gehabt hätte, zum Beispiel Tholia Turan. Oder man denke nur an die angedeutete Beziehung zwischen Amma Vargas und Zafer Young. Oder an den Zweitkonditionierten – ich hätte gern einen längeren Blick in sein Innenleben geworfen.

»Legenden entstehen nicht einfach aus dem Nichts«, erklärt in deinem PR-Band der junge Galakto-Archäologe Felix Ghiss. Legenden und Mythen sind auch immer Bestandteil deiner SF-Romane. Was fasziniert dich an Mythen?

Es ist das Staunen über die darin beschriebenen Welten und Ereignisse, das Staunen auch angesichts der epischen Breite solcher Geschichten. Schon als Kind bin ich immer gern in so etwas eingetaucht, zum Beispiel in die Mythen von Tausend-und-einer-Nacht und etwas später, mit elf oder zwölf Jahren, in die Nibelungensaga. Dieses Staunen, neudeutsch »sense of wonder«, habe ich damals als Kind und Jugendlicher geliebt. Heute versuche ich daran festzuhalten und meinen Lesern ein ähnliches Gefühl zu vermitteln.

Auf den 3. PERRY RHODAN-Tagen in Osnabrück Ende Mai (http://prtag.prfz.de/home.html) präsentierst du exklusiv deinen wenige Tage später erscheinenden Roman »Eklipse«. In dem Roman kehrt ein Raumschiff zur fast gänzlich entvölkerten Erde zurück und muss das Geheimnis um das Verschwinden der Menschen, so der Teaser. Verrate uns etwas über den Helden.

Es gibt keinen einzelnen Helden , sondern mehrere, die Crew der »Eklipse«, auf die ich detailliert eingehe – hier hatte ich genug Platz! 🙂 –, und eine gewisse Rebecca auf der Erde, eine Heranwachsende, die auf der Flucht ist und gelernt hat, dass es keinen Sinn hat, sich etwas vorzumachen. Auch bei »Eklipse« gibt es einen kosmischen Hintergrund, der eine wichtige Rolle spielt. Mehr verrate ich hier nicht.

In deinem im August erscheinenden Thriller »Das Flüstern« schreibst du über einen autistischen Jungen. Wie hast du dafür recherchiert?

Gerade bei meinen Thrillern ist die Recherche immer sehr aufwendig, weil sie viel näher am Heute sind und damit auch viel realistischer. Ich habe mich lange und ausgiebig mit Autismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen auseinandergesetzt, mit Literatur und in Gesprächen mit Fachleuten und Betroffenen, aber im Roman selbst erscheint darin nur die metaphorische Spitze des Eisbergs, denn: Es geht nicht um Autismus, sondern um das Leben von Nikolas, genannt Nick, der vom Jungen zum Mann heranwächst. Und es geht um Sonja, die schon als Kind eine besondere Rolle für Nick spielt. Ich habe lange und intensiv über Autismus recherchiert, weil es wichtig ist, dass der Autor weiß, worüber er schreibt, dass er das richtige Gefühl für seine Figuren bekommt und sie plausibel agieren und fühlen lassen kann. Wer ein Lehrbuch über autistische Phänomene befürchtet, den kann ich beruhigen: Es ist ein Thriller über das menschliche Leben und seine Wechselfälle.

Mit dem im Dezember erscheinenden Buch »Das Netz der Sterne« erwartet uns erneut Science Fiction. Gib uns doch hier die ersten Infos.

In »Das Netz der Sterne« geht es um eine junge … Sängerin. (Dazu muss ich sagen: Der ursprüngliche Titel lautete »Gesänge von Unendlichkeit«, was es ziemlich gut trifft.) Sie wird in Ereignisse verstrickt, die nicht nur ihr Leben gründlich verändern, sondern auch für die Erde, ihre Kolonien im All und die Zukunft der Menschheit eine wichtige Rolle spielen. Mit dem »Netz der Sterne« ist das Hyperon gemeint, ein als überlichtschnelles Transportsystem dienendes Gespinst im Hyperraum, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat …

Besonders gespannt bin ich auf die Fortsetzung deines Spiegel-Bestsellers »Das Erwachen«, der im Herbst 2020 veröffentlicht wird. Wird die Marsmission eine Rolle spielen? Und werden Außerirdische eine Rolle spielen? Und wie entwickelt sich die Künstliche Intelligenz weiter?

Ich stecke mitten in der Recherche, mit dem Schreiben möchte ich Ende Mai beginnen. Der Roman wird mich dann fast ein Jahr beschäftigt halten, und das meine ich tatsächlich so: Meine Gedanken werden sich fast immer um ihn drehen. Konzept und Handlungsgerüst sind fertig, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich hier und dort etwas ändere, das durchaus Einfluss auf den gesamten Handlungsverlauf nehmen könnte. Worum geht’s? In »Das Erwachen« erzähle ich, wie aus Künstlicher Intelligenz echte Maschinenintelligenz wird und was das für uns Menschen bedeutet. Der nächste Roman schildert, was nach dem Erwachen mit unserer Welt, unserer Zivilisation und uns Menschen geschieht. Nein, Außerirdische erscheinen nicht, das wäre zu sehr Science Fiction. Eine wichtige Rolle spielt die Frage: Wie reagieren Menschen, wenn eine übergeordnete Instanz, in diesem Fall die Maschinenintelligenz, alle wichtigen Entscheidungen für sie trifft, ohne sie vorher nach ihrer Meinung zu fragen? Ist es nicht das, was sich manche Menschen wünschen, wenn sie nach einem »starken Mann« rufen oder einen Gott um Hilfe bitten? – Wenn wir uns Ende Mai in Osnabrück treffen, habe ich vermutlich die ersten Seiten des Romans geschrieben.

Andreas, danke für deine Antworten  und deine Zeit. Ich freue mich schon auf deinen Programmpunkt auf dem Con in Osnabrück, auf dem wir eine Stunde auf der Bühne über deine Projekte plaudern werden.

Das Interview mit Andreas Brandhorst, geführt von Klaus N. Frick findet sich hier: https://perry-rhodan.net/aktuelles/news/%C2%BBmit-heftromanen-hat-f%C3%BCr-mich-alles-begonnen%C2%AB

Die Homepage von Andreas Brandhorst:
http://www.andreasbrandhorst.de

Fünf Fragen an Christian Montillon zu Band 3004 plus Fünf Fragen den Expokraten in IHM

»Frieden bedeutet, die Situation unter Kontrolle zu halten.«
Dieser Satz wird Caluroc, dem ersten Cairaner, der sich an die Milchstraßenvölker gewandt hat, zugeschrieben. Die Angst, die Kontrolle zu verlieren, kann auf eine Angst- oder Panikstörung hindeuten. Haben wir es bei den Cairanern mit einem Volk zwanghafter Persönlichkeiten zu tun?

Das ist glaube ich zu menschlich-terranisch gedacht. Die Cairaner mögen eine ganz andere Psychologie haben. Und das Zitat umrahmt ja mit einem zweiten den Roman (siehe unten, das ist dir ja auch schon aufgefallen :-)).
Wie die Cairaner ticken, wird sich freilich zeigen. Es sind schon Exposés erstellt, in denen auch aus der Innensicht über dieses Volk geschrieben wird. Das wird in vielerlei Hinsicht erhellend.

Die Cairaner zapften den Gefangenen die Vitalenergie ab und sammeln sie im Vital-Supressor. Was machen die Cairaner mit dieser Energie? Davon müsste Perry Rhodan doch ebenfalls Gerüchte aufgefangen haben?

Ups: Ich glaube nicht, dass sie es im Vital-Suppressor sammeln. Ätsch.

Was machen sie mit der gesammelten Vitalenergie?

Das ist die große Frage, die sich nicht nur Perry stellt. Hier gilt: Abwarten und weiterlesen.

Unter dem Einfluss des Vitalenergie-Supressors denkt Perry Rhodan darüber nach, ob er es nicht auch verdient hätte, sich zur Ruhe zu setzen. Was würde Perry denn in der Pension machen?

Das Universum retten, denke ich. Ich sehe ihn nicht als Pensionär. Aber wenn er mal vieeeeel Zeit hat, glaube ich, wird er viele Bücher lesen. Und dann, wenn er erstmal genug davon hat, naja, das Universum retten.

Perry ZA sitzt in deinem Roman im Brustbein statt in der Schulter. Wie sehr ärgert es dich, dass so etwas durch alle Kontrollinstanzen rutscht?

Es ärgert mich, dass ich das offenbar geschrieben habe. Aber ich gucke jetzt gar nicht nach.
Gegenfrage: Wie sehr ärgert es dich, dass du einen Tippfehler in deiner Frage hast, den ich nicht verbessert habe (wie ich es oben getan habe), sondern den du dank meiner perfiden Rückfrage nun stehenlassen musst? Har, har! (<– fieses Kater-Karlo-Lachen)

Oh, da fällt mir der miese Witz ein: Schreibt der eine Autor an seinen Kollegen: Du hast in deinem Text einen Feler … 😉

»Die Kontrolle zu verlieren, bedeutet Krieg.«
Dieser Satz wird ebenfalls Caluroc zugeschrieben. Angenommen, die Cairaner verlieren die Kontrolle über die Milchstraße – gegen wen kämpfen sie dann?

Vielleicht fürchten sie ja, gegen die Terraner kämpfen zu müssen, wenn sie die Kontrolle verlieren? Oder gibt es womöglich etwas ihn ihrer Vergangenheit, das ******* (zensiert)

Und nun fünf Fragen an den Expokraten:
Der Zyklus ist fünf Bände alt und derzeit ist Perry Rhodan mit der Bestandsaufnahme beschäftigt. Was ist in der Milchstraße in den 500 Jahren passiert und wie konnte es zum großen Vergessen kommen? Gib uns einen Spoiler: Wann trifft Perry auf Bully, der ihm diese Fragen beantwortet?

Mit Band 3050.

Nein, Spaß!
Viel früher. In Exposés, die längst geschrieben sind. Könnte sogar sein, dass die Romane schon geschrieben sind. Ja, ich glaube, das sind sie.

Eine Frage, die ich auch MMT letzte Woche gestellt habe, nämlich zur möglichen Entfremdung von Perry und Bully. Hartmut Kasper hat in München gesagt, dass PERRY RHODAN eine Geschichte über fünf Freunde ist. Jede dieser fünf Figuren hat seine bestimmte Rolle, aber manchmal können sich diese Rollen verschieben. Was kommt da auf Bully und Perry zu?

Die fünf Freunde, waren das nicht Julian und Dick, Anne und Georg, und Timmy der Hund?
Egal.
Stell dir nur mal vor: Bully war 500 Jahre in der Milchstraße und hat hier alles miterlebt. Perry nicht. Bull hat 500 Jahre Erfahrung mit dieser Situation, Perry nicht. Bull hat sicher vieles gemanagt in dieser Zeit.
Das finde ich spannend, darüber nachzudenken, was das bedeutet.

Offenbar baut der Zyklus darauf auf, dass Perry Rhodan die Erde suchen, finden und dann zurück ins Solsystem bringen muss. Erinnert im ersten Reflex an den Mahlstrom-Zyklus. Was wird anders?

Ja, dieser Reflex ist verständlich und auch gewollt. Genau wie es einen Reflex gibt oder geben könnte, der sagt: Dieser »Zeitverlust« ist ja ähnlich wie bei PR 1400, Cantaro-Zyklus. Die Ausgangssituation von PR 3000 vermischt diese Motive, fügt schon in der Ausgangssituation Neues dazu … und dann ist alles völlig anders als damals. Finde ich schon — echt alles.

An welchem Expo arbeitest du gerade?

Das verrate ich nicht.

Verrätst du uns zumindest die Hauptfigur?

Hauptfigur: Da bin ich mir nicht sicher. Vielleicht Perry. Oder irgendwer aus seinem Team, das ihn begleitet – das liegt beim Autor. Im Roman könnte sogar eine Figur die Hauptfigur sein, die vielleicht im Expo nur mal durchs Bild läuft oder gar nicht auftaucht. Das kommt vor; ich selbst habe das mit Kapitänin Florence Hornigold im letzten Zyklus so gemacht, weil ich mit dem Expo, das ich mir ja (mit Wim gemeinsam) selbst geschrieben hatte, nicht zurechtkam, solange Florence eben nicht die Hauptfigur war.