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Fragen an Michael Marcus Thurner und Marlene von Hagen zu Band 3026

Der Roman 3026 wartet mit einer Besonderheit auf. Aufgrund von Zeitmangel holte sich Michael Marcus Thurner Unterstützung von der Autorin Marlene von Hagen. Im Interview verrät Michael, welcher Unsterbliche  zuletzt am Grabe aller anderen steht und Marlene, wie sie als Fantasy-Autorin RHODAN erlebt hat.

Michi, im Interview zu Band 3023 »On-Pirat« hast du dich selbstkritisch über deine eigene Dramaturgie des Romans geäußert. Wie zufrieden bist du mit 3026?

MMT: Stellenweise sehr zufrieden, weil der Roman durch die Zusammenarbeit andere Probleme als sonst bot – und ich finde, dass Marlene und ich das Thema gut gelöst haben. Ich möcht hier nochmals betonen: Ich find grad Marlenes Teil richtig, richtig gut. Der hebt den Roman deutlich empor.
(Anmerkung: Dann solltest du immer mit ihr zusammenarbeiten … *duckundrenn*)

Klaus N. Frick schreibt auf der Homepage, dass Atlan vermutlich die beliebteste Figur des Perryversums ist. Wie siehst du das?

MMT: Siehe weiter unten im Interview-Text.

MvH: Ich würde es verstehen. 😉

Im selben Artikel meint KNF, dass das von Marlene beschriebene Volk mit den heutigen mitteleuropäischen Werten nicht übereinstimmt. Marlene, wie viel Überwindung hat dich die Beschreibung dieser Kultur gekostet?

MvH: Ich empfand es eher als spannend, herauszufinden, warum die Nukazani diese Art der Kultur haben. Es war mir wichtig, mich in ihre Denkstrukturen hineinzuversetzen und die Motivation für ihr Verhalten kennenzulernen. In ihrer Gesellschaft ist es normal, die eigenen Nachkommen zu versklaven. Auf eine andere Idee käme ein Nukazan gar nicht. Interessant wäre natürlich, ob es einzelne Nukazani gibt, die gegen diesen Umgang mit dem eigenen Volk rebellieren. Vielleicht lesen wir ja eines Tages darüber.

Lasst uns einen Blick über den RHODAN-Tellerrand werfen. Wie tolerant sollten wir als Gesellschaft sein? Wo ist für dich die Grenze, bei der du einschreitest?

MMT: Die Standardantwort wäre: Dort, wo der Vorteil des Einen zum Schaden des Anderen wird, sollten Grenzen gezogen werden.

In dieser Geschichte denken wir – also vor allem die Marlene – darüber nach, wie es wäre, wenn der Gedanke der Sklavenhaltung fix in der Gesellschaft verankert wäre und auch vollends akzeptiert wäre. Das ist ein facettenreiches Thema, in dem es um Moral und Ethik geht. Darauf kann ein Heftroman mit seiner eingeschränkten Länge gewiss keine Antwort geben. Aber ich denke, dass es Aufgabe der SF ist, auch über solche Dinge zu schreiben und zum Nachdenken anzuregen.

MvH: Kinderzwangsehen und Kinderprostitution. Das geht für mich gar nicht.

Marlene von Hagen

Perry nennt Bully »Reg«. Das ist ungewöhnlich für die EA und passt besser zu NEO. Ist das durchgerutscht oder war das Absicht?

MMT: Absicht.

Atlan sagt zu Bully, dass dieser alle Unsterblichen überlebt. Wer würde wirklich als letzter an den Gräbern stehen. (Und Perry als Antwort gilt nicht).

MMT: Von der Physis und den geistigen Fähigkeiten her: Icho Tolot
Von der Beharrlichkeit her: Perry Rhodan
Von der Raffinesse her und der Fähigkeit, sich aus Schwierigkeiten rauszuhalten: Homer G. Adams
Von der Zähigkeit her: Monkey
Von seiner fast lebenslangen Pechsträhne her: Gucky (ich halte ihn aufgrund des Verlusts seiner Sippe und den Hinweisen auf überlebende Ilts, die immer wieder zu lesen sind und die sich nie als substanziell herausstellen, für ein sehr, sehr unglückliches Wesen)
Von ihren Verbindungen zu höheren und ihnen wohlgesonnenen Mächten her: Julian Tifflor und Alaska Saedelaere
Von seiner Schlitzohrigkeit her: Reginald Bull
Von seinen taktischen Fähigkeiten und seiner Durchsetzungskraft her: Atlan
Von seiner Fähigkeit her, sich Hunderte Hefte lang aus allen
Gefahren rauszuhalten: Michael Rhodan
Aus sentimentalen Gründen, nachdem ich die Figur erfunden habe und auch weiß, dass sie noch lebt: Trilith Okt
Um die Ronald Tekener-Fans unter den Lesern ein wenig zu verwirrren und zu ärgern: Ronald Tekener
Doch meine eigentliche Favoritin ist Dao-Lin-H’ay. Katzen haben bekannterweise neun Leben.

Michi, du hast mir am letzten PR-Stammtisch Wien verraten, dass du den Verlauf des Zyklus schon wieder vergessen hast. Spekuliere doch für uns … wie geht es weiter? Wird die Erde gefunden? Falls ja, wann? Findet Rhodan sie im Galaxien-Geviert? Wer ist der wirklich Böse im Zyklus?

MMT: Heast, Du versuchst es immer wieder, mir irgendwas zu entlocken. ICH VERRATE NIX!!!

Anmerkung: Ach, ich wollte einfach deine Fortsetzung der Geschichte hören. Sozusagen die Alternative zu Christoph und Hartmut … also?

MMT: Du kannst noch so tief bohren – Du wirst nix von mir hören. Wobei, Schokobananen und Überraschungseier würden allerdings helfen. 

Band 3026 hat zwei Handlungsebenen, einmal Atlan und einmal Trubarg. Wieso hast du dich für Atlan entschieden und Marlene die fremde Zivilisation überlassen?

MMT: Das hat sich zwingend ergeben, nachdem Marlene noch nicht sooo tief drin ist im Perryversum und das schlichtweg jener Teil war, bei dem sie weniger Vorkenntnisse benötigte.

Marlene: Was waren deine Überlegungen zur Zivilisation? Wie viel Freiraum hattest du?

MvH: Aus dem Exposé heraus gab es Angaben zum Aussehen der Nukazani, ihrer Sprache und den Hinweis, dass sie ihr eigenes Volk versklaven. Ich habe mir überlegt, welche Ideologie dahinter stecken könnte. Dabei kam mir die Idee, die Nukazani sehr fruchtbar zu machen. Sie haben viele Nachkommen, aber nur eine Mutter und einen Vater. Folglich: In dieser Gesellschaft sind Eltern mehr wert, als Kinder, da jeder so viele hat. Wenn sie alt genug sind, werden die Kinder entweder vorteilhaft als Sklaven verkauft oder wie bei Trubarg auf den eigenen Feldern zum Arbeiten eingesetzt. Im Grunde ist dies ein sehr nobles Verhalten von Trubarg, da er seine eigenen Sklaven gut behandelt und nur ungern weiterverkauft. Aber manchmal wird auch er dazu gezwungen.

Marlene: Du hast bislang Fantasy geschrieben, hast dich aber seit ein paar Wochen in RHODAN eingelesen. Welche Hefte waren das? Und was sagst du als Leserin zu RHODAN?

MvH: Ich habe in Leipzig von Klaus Frick einige Hefte zu PERRY RHODAN OLYMP erhalten und fast die ganze Miniserie durchgelesen. Außerdem habe ich mich als Einhornfan mit den etwas älteren Bänden: Atlan 726 und 727 beschäftigt. Ich hoffte hier etwas mehr über Atlan zu erfahren, doch die Figur kam in diesen Bänden leider nicht vor. In Andreas Eschbachs Roman »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer« habe ich ebenfalls hineingeschnuppert. Es war also eine bunte Mischung. Generell finde ich es faszinierend wie lange es die Serie bereits gibt und wie unendlich groß die Kreativität all der Autoren und Autorinnen ist, die mitgeschrieben haben. Noch immer erfüllt mich großer Respekt für jeden, der als Stammautor in dieser Serie arbeitet. Ich werde mich auf alle Fälle auch weiterhin als Leserin mit PERRY RHODAN beschäftigen.

Marlene: Welche Figuren haben dich am meisten fasziniert?

MMT: Ich wette, sie sagt jetzt Atlan. Immer dieser Atlan. Alle Frauen liegen Atlan zu Füßen – und nicht mir.

MvH:  Neben Trubarg die Nebenfigur »Dreirüssel«. Mit ihm lässt sich ebenfalls ein sehr guter Einblick auf die Gesellschaft zeigen. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. Und MMT: Ja, du hast recht. Atlan ist eine verdammt interessante Figur!

Marlene, was ist für dich der Unterschied zw. Fantasy und RHODAN?

MvH: Das ist jetzt eine ganz persönliche Sichtweise von mir: Fantasyromane finden für mich üblicherweise auf einem Planeten statt. Es gibt höchstens Portale oder Zauber, die die Figuren in eine andere Welt versetzen. Keine Raumschiffe oder Kontakt zu Außerirdischen. Oftmals ist das Setting mittelalterlich, aber nicht immer. Jemand meinte mal, dass STAR WARS Fantasy sei, weil vieles darin in unserer Welt theoretisch nicht möglich sei. Und Serien wie STAR TREK Science Fiction, da deren Inhalte tatsächlich in der Zukunft stattfinden könnten. Für mich hatte beides seinen Reiz und ich hätte beides als SF angesehen. Bei RHODAN ist sehr viel moderne Technik zu finden, es gibt Telekinese und Teleportation, aber keine Magier, die aufgrund einer nicht sichtbaren Magiequelle Zauber wirken können.

Zwei deiner Fantasy-Bücher sind »Die Schicksalsknüpferin – Das Blaue Amulett« und »Die Weltenwirbel – Ewige Jugend«. Worum geht’s in den Büchern?

Beide Bücher spielen in einer eigenen Fantasywelt mit ganz verschiedenen Wesenheiten.

In »Die Schicksalsknüpferin« möchte der unbedarfte Schreinerbursche Tavion den an der Fluchkrankheit (Tourette-Syndrom) leidenden Bruder seiner Geliebten helfen. Auf seiner Suche nach dem Blauen Amulett, das alle Krankheiten heilen soll, begegnet ihm eine starke Kriegerin und ein Mädchen, das seit ihrer Kindheit Stimmen hört. Gemeinsam bestreiten sie ihre weitere Reise und geraten dabei in Gefangenschaft.

In dem Buch »Die Weltenwirbel« wird der heilkundige Magier Yllren zu einer komplizierten Geburt gerufen. Ein furchtbar entstellter Säugling wird tot geboren. Yllren vermutet Schwarze Magie als Ursache und sucht Rat bei seinem alten Lehrmeister. Doch dieser ist verschwunden. Gemeinsam mit dem Wegefinder Waldo, einem redseligen Oger, begibt er sich auf die Suche nach dem verschollenen Magier.

Und woran arbeitest du gerade?

An einer neuen Fantasystory in einer anderen Welt.

Michi, zurück zu Band 3026. Zitat: NHOD? Was für ein sonderbarer Name.«
K
lär uns auf:  Was ist das sonderbare an dem Raumschiffsnamen?

MMT: Na, mit der Aussprache tut man sich mit terranisch-österreichischer Zunge schon ein bissl schwer. VLCEK wär mir leichter gefallen.

Michi, ist Gonk, der Soldat aus dem Insektoidenvolk Ansagas, eine Eigenentwicklung? Er stirbt gegen Ende in einem Nebensatz. Da hast du ihn so schön aufgebaut und dann ist er in einem Halbsatz tot.

MMT: Seufz. Das war zugegebenermaßen ein Platzproblem. Ich wollte mehr aus seinem Abgang rausholen.

Michi, wieso gehen Lanko Wor und Guina Linh mit Atlan in den Einsatz? Beide sind von den Cairanern gesucht und bislang hatte ich nicht den Eindruck, dass sie die Spezialisten für Außeneinsätze sind oder Fachgebiete sind. Noch dazu, da Atlan im Einsatz anmerkt, dass ihnen die mangelnde Ausbildung anzumerken ist.

MMT: Na, und wie sammelt man Erfahrungswerte? »Learning by doing« heißt das glaub ich.

Danke für eure Zeit.

Zusätzliches Interview auf der PR-HP

https://perry-rhodan.net/aktuelles/news/wenn-sich-ein-autor-unterst%C3%BCtzen-l%C3%A4sst-%E2%80%93-teil-1

https://perry-rhodan.net/aktuelles/news/wenn-sich-ein-autor-unterst%C3%BCtzen-l%C3%A4sst-%E2%80%93-teil-2

Homepage von Marlene von Hagen:
https://www.marlenevonhagen.at/

Homepage von Michael Marcus Thurner:
http://www.mmthurner.at/

Zehn Fragen an den RHODAN-Redakteur Klaus N. Frick zum Zyklus Mythos Erde

Nach dem ersten Viertel des Zyklus stellt sich Redakteur Klaus N. Frick den Fragen von Roman Schleifer. Unter anderem verrät er, die Zutaten für einen Zyklus, der den von vielen Lesern als legendär bezeichneten Zyklus Meister der Insel toppen könnte.

Quelle: privat

Klaus, der Zyklus ist 25 Hefte alt. Hand aufs Herz: Welche Idee stammte ausschließlich von dir?

Ich glaube, das gibt es diesmal gar nicht; vielleicht einige Details, aber die sind nicht wichtig. Die Ideen stammen von den Exposéautoren.
Okay, wenn ich eine Weile nachdenke: Die drei roten Augen, die über Rudyn schweben, das war eine Idee von mir – aber das ist nun wirklich nicht zentral.

Wie zufrieden bist du mit dem Zyklusverlauf?

Schwächen und Stärken eines Zyklus kann man – so finde ich – erst im Nachhinein bewerten. Ich fand’s richtig, dass wir am Anfang langsam eingestiegen sind, dass wir erst einmal gezeigt haben, wie Rhodan und seine Gefährten sich in der neuen Milchstraße orientieren. Im Nachhinein hätten wir’s schneller machen müssen; im Nachhinein wäre wohl ein früher Kontakt zwischen Rhodan und Bull sinnvoll gewesen. Aber wir haben gezeigt, wie die Milchstraße »funktioniert«, wir haben gezeigt, wie eine »Fake«-Erde gefunden und erforscht wird. Dinge wie der Vital-Suppressor, die für den Zyklus ja wichtig sind, wurden eingeführt, und so weiter …

Du bist ja bekanntlich auch Fan der Serie. Wie gut unterhält dich der Zyklus als Fan?

Ganz ehrlich – das kann ich nicht objektiv sagen. Ich lese die Exposés, ich bin in der Konzeption drin, und da habe ich keine Fan-Ansichten mehr. Das geht nicht.

Du besprichst regelmäßig mit Hartmut und Christoph den weiteren Zyklusverlauf. Welche Erkenntnis hast du für den zukünftigen Zyklusverlauf aus den Reaktionen im Forum und auf Facebook gewonnen?

Offenbar wollen die Leser schneller Antworten haben als früher. (Ich wusste »damals« nicht, welche sieben Völker das Konzil hatte, als ich damit anfing, den entsprechenden Zyklus zu lesen. Mein Vertrauen in die Autoren war groß, diese Information bald zu erhalten.) Auch wenn die meisten Leser es schätzen, bei PERRY RHODAN einen großen Handlungsbogen zu lesen, mögen sie es offenbar in einem stärkeren Maß, immer wieder zwischendurch kleinere Handlungsbögen abzuschließen.

Wer legt Titel und Untertitel fest? Der Hintergrund der Frage: Oft verraten Titel und Untertitel die Quintessenz des Romans und nehmen dem Leser die Spannung. zb
Terra Incognita (Sie erreichen den dritten Planeten der Sonne – es ist eine fremde Welt)
Zeuge der Jahrhunderte (Auf der Suche nach der Dunkelwelt – Atlan trifft auf einen Posbi-Diktator)
Der Geist von Hellgate (Im Orbit einer Höllenwelt – ein rücksichtsloser Feind greift an)

Die Untertitel lege ich in Absprache mit den Autorinnen und Autoren fest. Allerdings werden sie halt auch manchmal festgelegt, wenn der Roman noch nicht fertig ist – dadurch kann es solche »Spoiler« geben. Das finde ich aber nicht schlimm; so richtig viel wird ja nie verraten.

Du bist als strenger Redakteur bekannt, an dem man so leicht nichts vorbeischummelt. Wie konnte dir die Kapitelüberschrift »Der feuchte Traum aller Kostümbildner« in Band 3021 von Leo Lukas durchrutschen?

Das rutschte nicht durch. Ich las diese Überschrift, fand sie witzig und entschloss mich, sie einfach stehen zu lassen.

Einige Leser haben über die fünf »Ilya«-Bände gemotzt: Fünf  unterschiedliche »monster of the week« in jedem Roman, lang gezogene Handlung, die man auch in einem Heft unterbringen hätte können etc. Andere wiederum fanden es toll. Wer von den Fraktionen hat aus Sicht des Redakteurs recht?

Ich finde ein Motzen bei diesen Romanen nicht angebracht. Ilya ist eine wichtige Welt, das wird auch noch klarer werden. In den fünf Romanen wurde gezeigt, wie die Welt funktioniert, welche Gefahren es auf ihr gibt und was die Cairaner dort eigentlich treiben. Hätten wir das in nur einem Roman erzählt, wäre es für meinen Geschmack zu kurz gewesen. Aber klar: Die Erwartungen mancher Leser sind anders, und dann können die sich auch ärgern. Aus Sicht eines Lesers ist das nachvollziehbar.

Mit Band 3000 ist die Auflage gestiegen. Konntet ihr das Niveau halten?

Noch sind unsere Zahlen im Print über denen des Vorjahres … Und bei den E-Books haben wir eine generell deutlich erhöhte Verkaufsauflage erreicht.

Die Interviewserie ist jetzt 25 Hefte alt. Welche Aha-Erlebnisse gab es für dich bei den Antworten der Autoren?

Ich amüsiere mich immer wieder über manche Aussage; die Autorinnen und Autoren sind gelegentlich doch sehr offen und geben zu ihrer Gemütslage oder der Terminsituation sehr ehrlich Antworten. Ich lese die Interviews selbst immer sehr gern – wirklich!

Es gibt ja bekanntlich *den* Zyklus der Serie, nämlich MdI, von dem die Leser noch vier Jahrzehnte später schwärmen. Angenommen, ihr wollt den ab Band 3100 toppen: Welche Zutaten müsste der Zyklus haben?

Ich glaube, das Rezept ist vergleichsweise einfach. Die Romane müssen spannend sein, die Figuren müssen das Interesse der Leser erwecken, und das Rätsel, das den Zyklus treibt, muss eine gewisse Größe haben, damit es auch fasziniert. So ein Rezept ist leider nicht so einfach umzusetzen, wie man es glaubt. Es steht ja morgens niemand von uns aus und denkt sich, »heute mache ich was, das die Leser ärgert«. Das eigentliche Ziel ist ja schon, möglichst viele Leser zufriedenzustellen.

Klaus, danke für deine Zeit.

Fragen an Alfred Kelsner

Alfred Kelnser, der Dienstälteste bei PERRY RHODAN beantwortet die Fragen von Roman Schleifer, gestellt bei einem Besuch von Björn Beier von der https://www.soulprayer.de Homepage.

Alfred, was war dein schwierigstes Titelbild?

Mein schwierigstes Titelbild war mit Sicherheit nicht mein schönstes, zumindest nicht für mich. Das war der Fußballspieler auf Band 2020 »Die Lichtgestalt«, weil ich kein Fußballfan bin und ich das Motiv deshalb nicht gern gemalt habe. Die Fußballfans unter den RHODAN-Lesern mögen mir das verzeihen.

 

Ein aufwendiges und schwieriges Titelbild war Band 2100 »Das Sternenfenster« mit Ascari da vivo, das ich jedoch dennoch gern gemalt habe. Es war kompliziert, weil es gab keine Vorlage und ich habe Ascari frei entworfen. Auch die Raumstation war schwierig, weil ich sehr ins Detail gegangen bin.

War Band 1800 »Zeitraffer« zu Ehren von Johnny Bruck nicht schwieriger?

Es war schwierig, denn es sollte absolut authentisch sein. Also habe ich getrickst. Die Redaktion hat mir ein Foto von ihm geschickt, das ich in mein Bild eingesetzt und retuschiert, also übermalt habe. Genaugenommen habe ich wie er gearbeitet.

Welche Vorgaben von den Autoren bereiten dir die meisten Schwierigkeiten?

Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn Autoren mir am Telefon Vorschläge machen, denn ich freue mich, mit ihnen zu telefonieren, denn ihre Vorschläge erleichtern mir die Arbeit.

Herausfordernd wird es, wenn sie zu sehr ins Detail gehen. Ich erinnere mich an ein Telefonat mit Arnd Ellmer, der mir detailreich einen Turm mit elf Kilometer Höhe beschrieben hat, um dessen Spitze Arbeitsroboter schwirren.

 Versuch mal, einen elf km hohen Turm zu zeichnen, um den noch Arbeitsroboter schwirren. Da müsste das Bild mindestens zehn Meter groß sein.

Was ist dein Lieblingsmotiv? (Raumschiffe, Menschen, Allfotoos?)

Am liebstens, ohne Menschen, denn Menschen kann man gut fotografieren, warum sie dann noch malen?

Schön ist, wenn ich Weltraumszenen und Raumschiffe malen kann. Also Technologie, Natur, Weltraum, das ist die schönste Kombination überhaupt.

Dein nächstes Motiv kommt in zwei Wochen mit Band 3027 »Zurück nach Arkon«, darauf ist ein kleiner Gleiter vor einem Doppelrumpfkeilraumschiff zu sehen. Erzähl uns mehr darüber.

Nun, eigentlich ist in der Szene eine Raumschlacht im Gange. Da ich Pazifist bin und nach Möglichkeit keine Raumschlachten mehr malen will, habe ich die Szenerie abgemildert. Der kleine Raumer flieht vor den Raumstahlen des großen Raumers. Das habe ich gern gemalt, denn da konnte ich ins Detail gehen.

Du malst überhaupt nie am Computer?

Doch, doch. Ich habe auch Computergrafiken gemacht, allerdings mit dem einfachsten Programm, nämlich Paint von Windows XP. Es ist zwar eine Zitterpartie mit der Maus, aber ich habe es hinbekommen. Das sind aber keine Bilder, die ich kommerziell verwerte.

D.h. du weichst in Zukunft nicht auf den PC aus?

Auf keinen Fall. Ich konzentriere mich sogar mehr auf Pinsel und Farbe zu malen. Ich steige auf gar keinen Fall auf den Rechner oder auf Grafikprogramme um.

Wie eng sprichst du dich mit den Risszeichnern ab?

Gar nicht. Ich habe RZ nur für die Revell-Modelle verwendet. Da habe ich wie Johnny Bruck früher gearbeitet. Alles abfotografiert, ausgeschnitten, draufgeklebt, Collage und Hintergrund gemalt und noch mal über das Raumschiff gemalt.

Welches Titelbild würdest du gern mal umsetzen?

Das ist eine schwere Fragen, denn ich habe schon fast alles gemalt.

Was mir bei RHODAN fehlt und ich aber gern male würde, sind gestrandete Raumschiffe in ganz abstrakten, fantastischen außerirdischen Landschaften, wie »Ikarus« im den Zeitsplitter-Roman oder »Havarie«.

 

Sprechen sich Titelbildzeichner und Innenillustrationszeichner gegenseitig ab?

Nein, das ist gar nicht üblich, weil es sich nicht überschneidet. Das ist fast schon magisch.
Es ist äußert selten, dass man die selbe Szene malt. Und selbst wenn das vorkommt, dann stellen wir nachträglich fest, dass jeder eine andere Perspektive genommen hat.

Hast du Titelbilder auf Halde, die du bei Zeitnot einsetzen kannst, also keinen Bezug zum Heft hat?

Das ist kaum passiert. Einmal, ganz am Anfang, als Verlag viel mit Taschenbüchern gemacht hat, wurde »Havarie« aus Zeitsplitter genommen. Aber in Summe ist das in alle den Jahrzehnten vier oder fünf Mal passiert.

Ich habe zwar Bilder auf Halde, aber die passen nicht zu RHODAN. Ich müsste sie ändern oder etwas einfügen. Nein, da mache ich es lieber neu. Ich lese die Expos und will das einigermaßen passend hinkriegen.

Verfolgst du die Arbeiten deiner Kollegen?

Ich kriege regelmäßig die Hefte und gucke mir immer die Tibis immer ganz genau an..

Gibt es eine Kunstfertigkeit bei den Bildern, das du an den anderen Tibi-Zeichner beneidest?

Die Detailgenauigkeit bei den Großraumschiffen, die man mit einem guten Computerprogramm noch viel extremer ausfertigen kann, als ich mit Pinsel und Farbe. Damit ich solche Details malen kann, müsste die Bilder ein paar Meter groß sein.

Ich beneide die Kollegen um die Möglichkeiten des Computerprogramms, Raumschiffstaffeln zu malen. Sie können ein Raumschiff zeichnen und davon ganz viele Raumschiffe im Kleinformat als riesige Armada darstellen. Mit Pinsel und Farbe wäre das unendlich aufwendig und würde nicht mehr mit dem Honorar übereinstimmen.

Worauf bist du bei den anderen Zeichnern neidisch.

Also, alle vier Zeichner (ich inkludiere Ralph Voltz) sind für die RHODAN-Serie gut gewesen, alle einwandfrei.

Swen Papenbrock ist ein super guter Porträtmaler. Ich bewundere die Bilder, die er mit Pinsel und Farbe gemalt hat und finde es schade, dass er nur mehr am PC malt. Die Erinnerungsbilder für die verstorbenen Autoren habe ich alle bewundert. Obwohl ich selbst nicht so gern, Zeichnungen von Menschen male, finde ich, dass er Menschen so gut malt, dass ich sie schon wieder spitzenmäßig finde.

Arndt Drechsler ist auch sehr gut, nur ich kenne ich von Arndt Drechsler keine Bilder mit Pinsel und Farbe und auf die konzentriere ich mich ja immer auf die »altmeisterlich« gemalten Bilder. Man kann das alles ganz toll im Computer machen, aber ich bevorzuge da immer das Original.

Dirk Schulz hatte anfangs einen comicartigen Stil, aber das war für mich okay. Dirk ist mit Sicherheit ein super guter Zeichner, der nun auch nur mehr am PC malt.

Ich finde es schade, dass die drei nur noch am PC malen.

Sprecht ihr euch in Bezug auf die Inhalte des Covers ab oder koordiniert das alleinige die Redaktion?

Das macht nur die Redaktion. Jeder kriegt sein Expo und danach malen wir.

Und wie verhindert ihr, dass ihr unabhängig voneinander nacheinander auf dem Tibi dasselbe Motiv nehmt? Raumschiffe dreimal hintereinander?

Gar nicht. Das ist das paradoxe, dass es ohne Absprache funktioniert. Selbst, wenn ein andere das gleiche Motiv malt, dann malt er es aus anderen Sichtweise und Perspektive. Ein und die selbe Szene kannst du tausendfach verschieden malen und du hast immer ein unabhängiges Bild vom anderen.

Wie motivierst du dich als Dienstältester?

Wenn die Malerei zur Routine wird, ist ein wenig vom Reiz weg. Ich verdiene mein Geld damit und es ist eine Motivation,vom Zeichnen zu leben. Das ist nämlich eine schöne Sache.

Alfred, danke für deine Zeit.

Zwölf Fragen an Hartmut Kasper zu Band 3025

Trotz Urlaub findet Hartmut Kasper Zeit für die Fragen von Roman Schleifer. Er verrät dabei, ob ES sterben könnte und was die RAS TSCHUBAI im Galaxien-Geviert sucht.

Schreibst du für dich selbst ein »normales« Expo wie für alle anderen Autoren auch oder genügen dir ein paar Stichworte?

Es ist ein normales Expo.

Welche Anweisungen hat der Expokrat in dir dem Autor für Band 3025 gegeben?

Keine.

Bei einem Roman eines Exposè-Autors erwarten sich die Leser eine Enthüllung, einen Meilenstein des Zyklus. Wenn du dich selbstkritisch hinterfragst: Inwieweit bist du dem mit Band 3025 gerecht geworden?

Solche Erwartungen wecke ich nicht. Mein Expo ist ein normales Expo und muss es sein, da es ja passieren könnte, dass ich als Autor des Romans ausfalle und eine Kollegin oder ein Kollege einspringen muss.

Im Roman wird ein Hilfsvolk einer Superintelligenz von einem Hilfsvolk einer anderen Superintelligenz aus einer anderen Galaxis über den Tisch gezogen. Ist das wirklich schon ein kosmisches Komplott, wie es im Untertitel und im Roman geschrieben steht? Was steckt da wirklich dahinter?

Man wird sehen.

Ist die Gabe der Thesanit, in die Zukunft zu blicken, angeboren?

Wird man sehen.

Die Superintelligenz VECU kann frei entscheiden, ob sie einen Auftrag der Kosmokraten annimmt. Seit wann lassen die Kosmokraten die freie Wahl?

Wir kennen weder die Anzahl der Kosmokarten/Chaotarchen noch die der Superintelligenzen, geschweige denn dass wir wüssten, wie sich deren Beziehungen zueinander gestalten. Ich denke, jedes kosmokratische Subjekt verfolgt eine eigene subjektive Agenda; und diese Agenda verfolgt es, wenn es die Kooperation mit SI sucht, mit jeder SI auf je eigene Weise.

Zitat: »Ist der Wanderer tot?«
Wäre das für die RHODAN-Serie denkbar? ES tot?

Aus der Tatsache, dass man vom Tod vieler Superintelligenzen weiß, folgt deren Sterblichkeit. Auch ES war bereits in seiner Existenz bedroht gewesen (Suprahet, Schwarm). Für die Kollegen Scheer, Voltz und andere war dies also denkbar. Und wir stehen in ihrer Tradition.

Zitat: »Superintelligenzen leben nicht. Wie sollten sie da sterben?«
Was meint der Cairaner damit. Wieso leben Superintelligenzen nicht?

Wer weiß? Möglicherweise meint er, dass SI nicht im biologischen Sinn leben.

Gucky möchte die Landschaft der Schmerzteleportation erforschen. Ist das ein Versprechen? Werden wir die Hintergründe der Landschaft der Schmerzteleportation bis 3099 gelöst sehen? Oder ist das einer jener Punkte, die ihr jetzt schon für den nächsten Zyklus einschlägt?

Man wird sehen.

 

Hartmut Kasper auf den 3. PERRY RHODAN Tagen in Osnabrück 2019
copyright Jörg Ritter

Atlan erwähnt die Ladhonen und die Shenpadi, in ihrer Rolle als tollpatschige, aber achtbare Forscher. Ich frage mich grade, wie oft die Shenpadi bislang schon vorgekommen sind. Ich kann mich nämlich nicht an sie erinnern. (Was natürlich nicht aussagekräftig ist …)

Die Bedeutung einer Figur oder eines Volkes hängt meiner Einschätzung nach nicht von der Anzahl der Auftritte ab.

Peter Glasmacher stellt auf Facebook eine interessante Frage: »Sind die Cairaner nun Leichenfledderer oder Tatortreiniger?«
Wie siehst du das?

Die Cairaner bereinigen das Universum von womöglich gefährlichen Hinterlassenschaften.

Rhodan samt der RAS TSCHUBAI bricht in das Galaxien-Geviert auf. Wozu? Es gibt dort nur zerstörtes Gebiet. Was hofft er, dort zu finden?

Eine Spur zur Erde. Und Spuren lassen sich auch in zerstörten Gebieten finden – sonst wäre Archäologie ein unsinniges Unterfangen.

Danke für deine Zeit und noch einen schönen Urlaub.

Zehn Fragen an Verena Themsen zu Band 3024

Verena Themen stellte sich den Fragen von Roman Schleifer und verrät unter anderem, ob sie die Figur Perry Rhodan nervt  und wie Perry damit umgeht, dass sein Name unbekannt ist.

 

Verena in Band 3024 bedienst du die Technikfans mit einigen neuen Technologien. Wie schwer ist es, im Perryversum die Technik weiter zu entwickeln? Woran orientierst du dich?

 

Erstaunlicherweise kommt man trotz der Fülle an Vorhandenem immer noch gelegentlich auf neue Ideen – die muss man halt notfalls dann festhalten, wenn man sie hat, zur späteren Verwendung. Inspirationen kommen teilweise von den Exposé-Autoren, aber oft auch aus dem Kreis meiner Technik-Helfer (vor allem Holger Logemann und Gregor Paulmann mit gelegentlicher Schützenhilfe von Michel Van, mit dem Holger oft zusammenarbeitet). Ohne diese Jungs würde ich gnadenlos untergehen (schon alleine das Zusammenschreiben unserer Ideen kostet mich manchmal eine Unmenge Zeit). Aber ehe es jetzt Anfragen regnet – schon bei drei Leuten auf einen Konsens zu kommen ist manchmal schwer, dieser Kreis wird daher nicht mehr erweitert. Hinweise nehmen wir aber natürlich trotzdem gerne mal entgegen.

Rhodan sinniert darüber, dass es einen noch verborgenen Antagonisten gibt. Ich stimme ihm da überein, auch weil in MMTs Roman dieser Saessbekker  vorgekommen ist. Die Vorschau auf die nächsten Hefte lässt darauf schließen, dass dieser Antagonist erst nach Band 3030 auftauchen wird. Warum so spät?

 

Weil wir noch andere Schauplätze zu bedienen haben, und der Leser sicher auch noch von ein paar weiteren alten Bekannten, Institutionen und Reichen wissen möchte, was aus ihnen geworden ist. Auch sollten wir den bekannten Antagonisten „Cairaner“ nicht aus dem Blick verlieren …

Wenn die Cairaner nur die Nutznießer des Raptus Terrae sind, was wollten die wirklichen Verursacher damit bezwecken? Warum nutzen sie die Situation in der Milchstraße, die sie verursacht  haben, nicht aus?


Wolltest du diese Frage nicht eher einem der Exposé-Autoren stellen? Du glaubst doch nicht, dass wir anderen bereits in diese Dinge eingeweiht sind?

War der Raub vielleicht kein Raub, sondern eine Rettung?


Wer weiß? Es wird sich zeigen … irgendwann!

Auch in deinem Roman wird über die negative Prägung von Bullys ZAC spekuliert. Atlans ZAC stammt immerhin von THEZ – wieso gab es da nie Überlegungen, dass Atlan manipuliert sein könnte?


Selbst wenn – Thez hat sich als eine im Kern positive Kraft entpuppt. Ich denke, deshalb macht sich darüber niemand so richtig Sorgen, obwohl es natürlich im Bereich des Möglichen wäre. Andererseits hat Thez sich freiwillig aus dieser Realität zurückgezogen – welches Interesse an Manipulation sollte es also noch haben?

Die Chaotarchen dagegen … sind eben die Chaotarchen.

Zitat: »Vermutlich förderte die Anwesenheit von potentiell Unsterblichen die Neigung zu Konservativismus.«
Wie siehst du das?


Ich bin der Meinung, dass Alter nicht mit steifer Haltung im Kopf korreliert – ich habe schon sehr progressive Senioren und sehr verknöcherte Jugendliche erlebt ^^
Und wenn unsere ZA-Träger Leute gewesen wären, die zu Konservativismus neigen, wären sie vermutlich nie ZA-Träger geworden. Allerdings können sie natürlich eher abschätzen, bei welchen Themen sich Umstürze lohnen und wo man die Dinge besser langsam angehen lässt. Dass Stillstand Rückschritt ist, dürfte ihnen dagegen klarer sein als den meisten anderen Menschen ohne diese „Langzeitperspektive“.

Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass das Umfeld der ZA-Träger manchmal – bewusst oder unbewusst – glaubt, mit einer konservativen Haltung bei ihnen mehr zu punkten.

Verena Themsen am Austria Con 2016
copyright Martin Steiner
Sabru vermutet aufgrund von Rhodans Aussehen, dass er von einem rückständigen Planeten stammt.  Perry Rhodan ist ja bekanntlich für einen Autor einen schwierig zu handhabende Figur. Freust du dich, wenn du Perry verbal eine »reinwürgen« kannst? Wie sehr nervt dich Perry als Figur?


Das war nicht Rhodan, den sie in dem Moment angeschaut hat, sondern Klavs Herm Luetyens, der Sicherheitschef der RAS TSCHUBAI, bekannt aus PR 2903. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten, mit denen ich in dem Moment durchaus gespielt habe, aber er hat blaue Augen, nicht graue, und er hat diese Neigung zu Allergien.

Nerven tut Perry mich kein Stück, immerhin war er der Held meiner Jugend, bis Atlan daherkam. Trotzdem schaue ich auch immer noch gerne in seine stahlgrauen Augen und schreibe ihn so, wie ich ihn damals empfunden habe, nicht als Zauderer, sondern als Mann der – wenn auch durchaus gut überlegten – Tat. Am liebsten aber aus der Außenperspektive, wie eigentlich bei allen Unsterblichen.

Sabru unterstellt Atlan, dass er und Sichu ein Paar sind. Würde die Serie gewinnen, wenn Atlan Perry die Frau ausspannt? Immerhin hatten wir so einen Konflikt zwischen den „Jungs“ noch nie.


Doch. Perry hat Atlan Gesil ausgespannt.
(Anm: Äh … daran kann ich mich gar nicht erinnern. Also, ich halte das für einen Mythos … :-D)

Aber nein – auch hier spiele ich zwar gerne mit Andeutungen, aber in meiner Gedankenwelt wissen Sichu und Atlan ganz genau, wo sie stehen; sie sind ein gutes Team, haben eine ähnliche Wellenlänge in manchen Dingen, aber mehr ist es auch nicht und wird es auch nicht werden, wenn es nach mir geht. Allerdings hatte ich auch nicht mit einer festen Bindung zwischen Sichu und Perry gerechnet, insofern … am Ende liegt es in der Hand der Exposé-Autoren.

Perry, Atlan und Sichu schwärmen über die Kochkünste eines Naats an Brod der Station. Gibt es auf der RT keine guten Köche?


Doch, sicherlich. Aber auch unsere oberen Zehntausend haben sicher erstklassige Köche an Bord und gehen trotzdem gerne auch mal zu einem anderen Starkoch und loben dessen Essen. Und ob an Bord der RAS jetzt gerade Starköche ständig das Essen zubereiten, bezweifle ich auch.

Perry Rhodan lüftet seine Identität, in dem er im letzten Drittel seinen richtigen Namen sagt, nur wirkt der nicht mehr. Hat der Sofortumschalter immer noch nicht begriffen, dass er vergessen wurde? Wie sehr schmerzt ihn, dass er nach fast 4000 Jahren wieder ein normaler Mensch ist?


Manche erinnern sich ja durchaus noch – es gibt ja auf Rudyn das Terraneum zum Zweck der Erinnerung; da wird Perry sicher eine prominente Rolle spielen. Aber das Odium hat eben auch gewisse Nebenwirkungen wie die, dass man auch die zu Zeiten Terras prominenten Personen ins Reich der Mythen verweist. Und wenn dir dann jemand gegenübersteht und sagt „Ich bin Rapunzel“, wirst du sicher nicht gleich denken „OK, das ist DIE Rapunzel!“ – selbst, wenn sie tolles langes Haar hat 🙂

Ich bezweifle im übrigen, dass es ihn schmerzt, ein normaler Mensch zu sein. Es gab immer wieder Zeiten, da hat er sich genau das gewünscht, und ich denke, er genießt es eher, in gewissem Maß wieder von vorne beginnen zu können – all die Erwartungen, die früher in ihn gesetzt wurden, sind weg, er kann mit deutlich weniger Druck agieren; dem unterliegt jetzt Bully :).
Mag sein, dass manches auch schwieriger ist, weil der Name „Perry Rhodan“ nicht mehr so zieht wie früher (oder auch nur mit Verzögerung), aber meist schafft er es ja doch, aufgrund seiner Ausstrahlung auch da Verbündete zu gewinnen, wo die Dinge schwierig aussehen.

Verena, danke für deine Zeit.

Zehn Fragen an Michael Marcus Thurner zu Band 3023

Michael Marcus Thurner stellte sich den Fragen von Roman Schleifer und beantwortet unter anderem, was ihm in dem Manuskript nicht zu 100 % gelungen ist und wer zu Gucky niciht »Kleiner« sagen darf.

In Band 3023 drehst du den Spieß um: Statt Atlan schilderst du seinen onyronischen Gegenspieler aus der Ich-Perspektive (und das noch ziemlich erfrischend und lebensecht). Was war deine Überlegung, den Roman so anzulegen?

Ich hab mit dem onryonischen Piraten zu schreiben begonnen. Dessen Aufgeblasenheit hat richtiggehend danach geschrieen, ihn aus der Ich-Perspektive zu schildern, also hab ich das mal versucht – und ich hab das Ergebnis der ersten ein, zwei Arbeitstage gemocht. Also blieb für Atlan bloß die »normale« Er-Perspektive.
Siehe auch meinen Blogeintrag:
https://mmthurner.wordpress.com/2019/07/24/einige-worte-zu-perry-rhodan-3023

In diesem Blogeintrag steht auch, dass dir manches in dem Manuskript nicht zu 100 % gelungen ist. Nenn uns ein Beispiel. Und welches Manuskript ist dir zu 100 % gelungen?

Die Schilderung Aurelias hab ich nicht sonderlich gut angelegt. Da hatte ich einen strukturellen Fehler drin, auf den mich Klaus N. Frick später aufmerksam gemacht hat. Ich war ziemlich angefressen auf mich deswegen. Und bevor Du nachfragst, was ich damit meine: Ich habe sie zu früh aus dem Rennen genommen. Ich hätte ihr Schicksal weiter hinten im Text auflösen müssen.
100prozentige Zufriedenheit kann’s wohl nie geben. Aber es gibt Texte, die ich für gelungener halte als andere. Die Kurzgeschichte »Die Leben des Blaise O’Donnell« zum Beispiel hab ich irrsinnig gemocht. Die hab ich locker-flockig in einer sehr schlechten privaten und beruflichen Phase geschrieben – und sie hat einfach geklappt. Obwohl ich da ohne viel nachzudenken drauflos geschrieben hab, ist sie in meinen Augen sehr rund geworden.

Auf der RAS TSCHUBAI sollte sich doch nur qualifiziertes Personal
befinden – immerhin haben diese Leute sehenden Auges den Untergang riskiert, um den Weltenbrand aufzuhalten und haben es mit einem Zeitsprung gebüßt. Und jetzt haben einige Bordmitglieder Angst vor einem Piraten und wollen klein beigegeben?

Natürlich sind da irrsinnig kompetente Fachkräfte mit an Bord des Schiffs, die nur wenige Gefahren scheuen. Ich denke aber, daß es bei unterschiedlichen Bedrohungsszenarien unterschiedliche Reaktionen geben kann.

Gucky bezeichnet sich als »größter Mutant des bekannten Universums«. Wird er bescheiden? (Und eigentlich ist er ja kein Mutant …)

Gucky ist bescheiden, wann auch immer ER es will. Oder willst Du mit ihm darüber diskutieren? Nein, er ist kein Mutant, aber er war ja auch Mitglied des Mutantenkorps. Das ist halt alles Definitionssache.

Atlan nennt Gucky oftmals »Kleiner«. Ist das eine adäquate Anrede für den größten Mutanten des bekannten Universums?

Atlan darf das. Punkt. Bully und Perry dürfen das. Punkt. Monkey darf das nicht. Punkt.
(Anmerkung: Dann freue ich mich schon, wenn du ein Manuskript mit Monkey und Gucky kriegst und diesen Dialog einbaust …)

MMT am Austria Con 2010
copyright Martin Steiner

Zitat: »Wir bleiben situationselastisch.« Ist das eine Anspielung an
einen ehemaligen österreichischen Minister?

Aber ganz sicher ist es das! »Situationselastisch« war bei uns in Österreich ja auch Wort des Jahres (2013), und das muß schon anständig gewürdigt werden.

Gucky ist in deinem Band reichlich nervös. Kann ein Mehrtausendjähriger überhaupt noch nervös sein?

Da bin ich mir absolut sicher. Klar hat er schon jede gefährliche Situation x-mal durchgemacht, aber ich denke, daß er gegen körperliche Reaktionen wie einen Adrenalinschub nicht ankommt.

Atlans Extrasinn spekuliert, dass die Cairaner die Ladhonen gar nicht unter Kontrolle bringen wollen. Arbeiten sie vielleicht wirklich
zusammen, damit die Cairaner eine Legitimation haben?

Das soll ich Dir jetzt beantworten? Ernsthaft? Soll ich Dir vielleicht auch gleich verraten, wie die Serie ausgeht? 🙂
(Anmerkung: Wie die Serie ausgeht, habe ich schon auf dem PR-Tag in München im Feburar auf der Bühne erfragt und erfahren …)

Köstlich fand ich Guckys Spruch. »Ich bin nicht dicklich, sondern
lediglich für den Winter gerüstet.« Ist er von dir oder vom Lektor?

Ich hatte eine etwas andere Wortwahl, aber prinzipiell wollte ich diesen Text so stehen haben.

Bis jetzt haben sich alle Sorgen um Bullys ZAC gemacht. Wieso wird ausgeblendet, dass Atlan auch einen neuen ZAC in sich trägt? Schließlich weiß niemand, wie sich der THEZ-ZAC auswirken könnte. Ist das Thema bei den Autoren/Expokraten?

Klar denken wir an solche Sachen.

Du lässt übrigens nach, Roman. Ist Dir denn wirklich nicht aufgefallen, dass es in Ogygia an Bord der RAS TSCHUBAI einen Eissalon und einen Eismacher namens »Tichy« gibt? Auf Twitter hat mich ein österreichischer PERRY-FAN bereits drauf angesprochen …
Zur Erklärung für Nicht-Wiener: Der »Eissalon Tichy« ist einer der bekanntesten in ganz Wien. Wer jemals seine Eismarillenknödel gegessen hat, will nie mehr wieder aus Wien wegziehen.
(Anmerkung: Schleichwerbung unterstütze ich nur, wenn ich bezahlt werde.)

Interview mit Dominic Beyeler

Der Titelbildzeichner von Band 3015 stellte sich den Fragen von Roman Schleifer. Unter anderem verrät er, wie es zur Zusammenarbeit kam und was er künstlerisch an seinen Kollegen schätzt.

 

Dominic, wie kam es bei Band 3015 zur Zusammenarbeit?

Ich lernte damals im Rahmen der PR-Action Innenillustrationen Klaus Bollhöfener kennen. Nun beinahe zehn Jahre später meldete er sich und fragte, ob ich Bock hätte wieder einmal etwas für PERRY RHODAN zu zeichnen. Band 3015 war sozusagen nochmals ein herantasten und gucken, ob ich geeignet wäre.

3015 war ein Schlüsselroman in dem Zyklus. Wusstest du davon? Warst du nervös?

Ich hatte keine Ahnung davon. Nervös war ich trotzdem genug.

Wie oft hast du am Tibi gefeilt, bevor du es abgeschickt hast?

Recht lange. Es hat mich gefreut, dass es ohne Korrekturwünsche durch gewunken wurde.

Wie hast du das Motiv ausgewählt?

Klaus N. Frick hat mir eine ziemlich genaue Beschreibung gegeben. Mit Ausschnitt aus dem Exposé und sogar Moodbildern. Das hat mir den Einstieg erleichtert.

Du hast bei PR-Action insgesamt zwölf Innenillus gemacht. Wie war damals die Arbeit daran? Kamen die Vorschläge von den Autoren, dem Expokraten oder der Redaktion? Oder hast du selbst nach Lesen der Manuskripte ausgewählt.

Ich habe die Innenillus für PR-Action vor zirka zehn Jahren machen dürfen. Es war ein Test um zu sehen, wie ich mich schlage und ob ich als TitelbildZeichner überhaupt in Frage käme. Die Sujets durfte ich selber auswählen. Soweit ich mich erinnere hatte ich jedoch hier und da Vorschläge von der Redaktion für die Bilder, musste mich jedoch nicht daran halten. Das heißt, ich durfte die fertigen Romane vor allen anderen lesen.
Das war auch das erste mal, dass ich mich richtig mit dem Perryversum auseinander gesetzt habe und ich war begeistert. Zum malen hörte ich mir die Hörbücher der allerersten Folgen an und recherchierte auf der Perrypedia. Als großer Comicfan kam ich natürlich auch nicht um die vielen Bildergeschichten herum. Für die Aligatorfarm habe ich später für »Perry unser Mann im All« zwei Kurzgeschichten gezeichnet. Dann ging jedoch lange nichts mehr mit PERRY RHODAN bei mir. bis mich vor ein paar Monaten Klaus anrief und fragte, ob ich noch interessiert sei, Tibis zu gestalten.

Auf welches Innenillus von PR-Action bist du stolz?

Die Innenillu für PRA 13 mit Tanisha Khabir wie sie auf  den Geysiren reitet, ist wahrscheinlich meine liebste.

 

Was ist dein Lieblingsmotiv? (Raumschiffe, Menschen, Komos-Zeichnungen?)

Ich male am liebsten Menschen.

Arbeitest du analog oder digital?

Die PR-Tibis male ich komplett digital. Teils auf dem iPad, teils auf am Computer mit Wacombildschirm. Ansonsten arbeite ich jedoch immer noch sehr viel und gerne analog. 

Was gefällt dir an Swen Pappenbrocks Titelbildern?

Er schafft es den Retro-Charme der älteren PR Titelbildern beizubehalten und trotzdem moderne, ansprechende Illustrationen zu machen. Es steckt viel handwerkliches Können und Liebe zum Detail in den Bildern.

Was gefällt dir an Arndt Drechslers Titelbildern?

Er kreiert in einem sehr modernen und technischen Stil extrem schöne Lichtstimmungen. Auf seine Raumschiffe bin ich aus künstlerischer Sicht echt etwas neidisch.

Was gefällt dir an Dirk Schulz’s Titelbildern?

Die spektakulären Perspektiven und die oft leicht verzerrten Proportionen gefallen mir sehr. Die Covers wirken oft wie Filmstils und erzählen Geschichten.

Was fällt dir leichter? Tibis oder Innenillus?

Beides macht Spaß und keins fällt wirklich leicht.

Hand aufs Herz: Liest du seit 3000 auch die Romane? Oder liest du die PR-Romane ohnehin?

Ich habe gerade länger keine mehr gelesen. Ich bin vor kurzem zum zweiten mal Vater geworden und auch sonst lief so viel, dass ich den Faden total verloren habe. Ich hoffe da aber bald mal wieder den Anschluss zu finden. Vielleicht wieder über die Hörbücher während dem Zeichnen.

Wann dürfen wir wieder mit einem Tibi von dir rechnen?

Das weiß ich leider noch nicht.

Danke für deine Zeit.

Homepage des Schweizer Autors. https://dominicbeyeler.com/

 

Acht Fragen an Michael Marcus Thurner zu Band 3022

Michael Marcus Thurner verrät unter anderem, ob es eine Vorlage für Bulls Spiel gab und welchen Szenen er sich leichter schreibt. 

 

Die Cairanerin Lehumun sagt zu Zunurudse, dass die Cairaner nicht viel über die offensiven und defensiven Waffensysteme der THORA wissen. In Band 3014 schildert Michelle jedoch, dass es in der THORA von Cairanischen Agenten nur so wimmelt. Da müssten die doch eigentlich mehr herausgefunden haben …
 
Wie wir mittlerweile wissen bzw. trefflich spekulieren können, sind die Cairaner kein homogenes Volk. Nicht jeder weiß alles. 

Warum will Zurundse eigentlich nicht wissen, warum Lehumun zu dem Treffen mit Bull mitwill? Immerhin ist Lehumun eine Zivilistin …
 
… und sie ist eine der Gefährtinnen seines Vorgesetzten. Will er sich denn wirklich mit ihr anlegen und damit um seine Karriere bangen?

Bull lamentiert, dass er sich wünscht, er hätte mehr Zeit für Fitness.
Tagtäglich wolle er trainieren und seinen Körper in Form bringen.
Wie autobiografisch sind diese Sätze?
 
Wenn Du mich damit meinst, dann jammere ich natürlich gern darüber, viel zu viel sitzen zu müssen und zu wenig Zeit für Bewegung zu finden. (Großer Seufzer.) Was Bully betrifft, so hatte der ja immer schon Probleme mit seiner Figur. 
 

Bull fragt den TARA-Psi ob er ausgeruht sei. Äh … der TARA-Psi ist
doch ein Roboter, wieso fragt Bull ihn, ob er ausgeruht ist.
 
Das ist ein Scherz, Du Blitzgneißer!!!
(Hatten wir nicht bei einem anderen Interview kürzlich das Thema „Humor“? Daß ihn nicht jeder und immer verstehen würde? – Quod erat demonstrandum.)

Wieso verstößt Bully gegen das Grundprinzip der Verhandlungen, der Verhandlungs-Entscheider ist nicht der Verhandlungsführer?
 
Weißt Du denn, wie Verhandlungsprinzipien 3.500 Jahre in der Zukunft aussehen? Weißt Du, wie es ist, mit Aliens zu diskutieren? Hast Du diplomatische Erfahrungen, die über ein paar Jahrtausende reichen?  

Gibt es ein Vorbild für das Spiel, das Bull und Zurundse spielen?
 
Jein. Ich hab vage Angaben von der Expokratur dazu erhalten. Ich persönlich habe leider sehr, sehr intensiv an das Duell zwischen Sean Connery und Klaus Maria Brandauer im (nichtkanonischen) James Bond-Film „Sag niemals nie“ denken müssen. Da spielen die beiden auch in einer Art Holo um das Schicksal der Welt. 
Ich hab mich bemüht, möglichst weit weg von diesem Bild zu kommen.

Die Aktion von Spin und dem TARA-PSI zu den Daten der Cairaner zu kommen, erinnert mich an den Firesale in Die Hard IV. Stand der Film Pate?
 
Kann ich mir nicht vorstellen. Ich kann mich an diesen Film nicht erinnern.  

Die Hälfte der Handlung des Romans spielt in einem Zelt – und dennoch ist es spannend. Was ist leichter? Eine »statische« Szenerie oder Weitläufigkeit?
 
Entscheidend ist ja nicht das Zelt, entscheidend sind die beiden Figuren. Die sind ganz und gar nicht statisch. Das war für mich der Reiz an der Sache. Hier konnte ich viel dialogisieren, ein bißl ein Psychospiel aufziehen, diesen einen Cairaner definieren und mich auch wieder mal mit Bull beschäftigen. 
Ich könnte nicht sagen, ob ich mich mit Weitläufigkeit oder mit einer statische Szenerien besser zurecht finde. Es kommt immer auf das Figurenensemble an. Auf den Spannungsaufbau. Darauf, was aus einem Charakter rauszuholen ist.
Wäre Rhodan hier mit einem Cairaner im Zelt gesessen, wären die Szenen ganz anders geworden, davon bin ich überzeugt. Bulls vermeintliche Impulsivität ist wirklich ein schönes Element, mit dem ich spielen konnte.



 

Fragen an Leo Lukas zu seinem PR-Band 3021

Leo Lukas stellt sich den Fragen zu Band 3021 und verrät, warum Kostumbildner in seinem Roman feucht träumen und was Klaus N. Frick über Band 3021 nicht verraten werden sollte.

Leo, gab es schon einmal ein Expo, bei dem du dir zu Beginn gesagt hast: Das kann *ich* nicht umsetzen?

Ja, mehrfach; bei allen Exposé-Autoren, mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe. Manchmal konnte ich dann den Band abgeben bzw. mit einem Kollegen tauschen; manchmal durfte ich mir das Expo sehr stark in meinem Sinne umgestalten.

Was war für dich diesmal das Interessante im Expo von Band 3021?

Dass ich mich sehr strikt daran halten musste, weil vieles später im Zyklus wieder aufgegriffen und bedeutsam wird. Ich musste also ein bisschen »mit angezogener Handbremse« schreiben. Das hat mir diesmal allerdings nicht viel ausgemacht, weil ich mit dem Expo grundsätzlich gut zurecht kam. Ich empfand es vielmehr, wie gesagt, als spezielle Herausforderung.

Leo Lukas am Austria Con 2016
copyright Martin Steiner

Uwe Anton hat in Band 3019 bei den Kapitelnamen Karl May herangezogen.
Was hast du einfließen lassen?

Nichts vergleichbar Auffälliges. Also, so gut wie nichts. Genau genommen: überhaupt nichts.

(Pst, nicht weitersagen, schon gar nicht dem Chefredakteur: Der Name einer Nebenfigur verweist, österreichisch ausgesprochen, auf ein historisches Vorbild, das ebenfalls nicht selten Prügel bezog.)

Ein Kapitel heißt »Der feuchte Traum aller Kostümbildner« – was träumen die Kostümbildner Feuchtes?

Naja, die Verkleidungsfähigkeiten des neuen SERUNS – so etwas würde viele mir bekannte Theaterleute in höchste Ekstase versetzen.

Zitat: »Manchmal beneidete Perry Rhodan jüngere Leute um ihren
unerschütterlichen, naiven Optimismus.« Zeichnet Perry nicht genau dieser Optimismus aus? Wieso beneidet er die anderen für etwas, das er selbst hat?

Optimistisch ist er schon noch immer, naiv aber wohl nicht mehr. Und seine Unerschütterlichkeit hat auch schon das eine oder andere Mal gewackelt …

Im Forum wird von manchen Lesern beklagt, die Handlung schreite zu langsam voran. Was sagst du zum Vorwurf, die fünf bisherigen Bände auf Ilya hätten zu wenige entscheidende Erkenntnisse gebracht?

Als ich noch »nur« lesender Fan war, ging es mir auch oft nicht schnell genug. Aber das liegt halt u.a. auch daran, dass die (Expo-) Autoren zwar in so gut wie jedem Roman wichtige, oft sogar zyklusrelevante Dinge einbauen, diese aber eben nicht als solche herausgestellt werden dürfen – weshalb sie vielen (Quer-) Lesern schlicht nicht auffallen.

Und dann gibt’s halt auch noch das dramaturgische Element. Ich mochte schon als Kind gern Musicals, doch die Tanzeinlagen habe ich immer gehasst, und geschimpft über die »blöde, sinnlose Hopserei!« Was habe ich später bei jedem Musical, bei dem ich Regie geführt habe, begeistert inszeniert und tagelang geprobt? Richtig, Tanzeinlagen. Man braucht’s einfach.

Es ist ähnlich wie mit der Blondine, der im Spukhaus eingeschärft wird, sie soll nicht allein in den Keller gehen. Als Zuschauer raufst du dir die Haare, weil die blöde Kuh sich nicht dran hält. Als Drehbuchautor schickst du sie natürlich, hämisch grinsend, bei der ersten Gelegenheit hinunter.

Leo, danke für deine Zeit.

Hier geht’s zum ebook:  https://perry-rhodan.net/shop/item/9783845360218/perry-rhodan-3021-eyshus-geschenk-von-leo-lukas-e-book-epub

Und hier zum Heft;
https://perry-rhodan.net/shop/item/9999900003604/perry-rhodan-3021-eyshus-geschenk-von-leo-lukas-heft

Dunkelwelten-Trilogie Band II »Schwarze Frucht« – Das Interview mit Robert Corvus

Robert Corvus stellt sich den Fragen von Roman Schleifer zum Dunkelwelten Band II Schwarze Frucht. Unter anderem verrät er, ob er Idealist ist und wie oft er sich selbst googelt.

Robert, du hast das Konzept der drei Dunkelwelten-Bücher »Schwarz Saat«, »Schwarze Frucht« und »Schwarze Ernte« entwickelt. Wie kam es zu dem »Dreiteiler«, der eigentlich keiner ist, weil man jedes Buch auch separat lesen kann?

Für den 7. April 2017 war ich nach Stuttgart zum dortigen Science-Fiction-Stammtisch eingeladen, wo man über meinen Roman Feuer der Leere diskutiert hat. Nebenbei gab es dort auch eine Vorab-Lesung aus meinem PERRY-RHODAN-Heftroman Der letzte Galakt-Transferer, denn unter den Stammtischlern finden sich auch viele Fans der Serie.

Wegen der räumlichen Nähe zu Rastatt verband ich diesen Termin mit einem Besuch bei der RHODAN-Redaktion. Spontan durfte ich auch die Druckerei besichtigen, das Video, das ich davon gemacht habe, hat damals guten Anklang gefunden. https://youtu.be/oIzFGeceOac

Im Rahmen dieses Besuchs war auch ein Treffen mit Chefredakteur Klaus N. Frick verabredet. Ich hatte mir natürlich vorher überlegt, wie man dabei peinliches Schweigen vermeiden könnte, und mir deswegen eine sinnvolle Frage zurechtgelegt: »Wie wäre es, mal wieder ein PERRY-RHODAN-Taschenbuch zu machen?« Dazu muss man wissen, dass die Länge von 120 Normseiten, die ein Heftroman hat, für mich ungewohnt kurz ist – ich arbeite in der Regel an Geschichten von 400 Normseiten aufwärts. Das ist auch der Grund, aus dem ich gern Doppelromane in der Heftserie schreibe – ich habe dann mehr ›Platz zum Atmen‹ und zum verschieben von Handlungselementen innerhalb des vorgegebenen Rahmens.

Jedenfalls war Klaus sehr offen für den Vorschlag und hatte auch direkt Lizenzpartner im Kopf, von denen damals schon Bastei Lübbe einer war. Inhaltlich war, glaube ich, noch alles offen.

Bei einem Waldspaziergang am nächsten Wochenende habe ich dann die Idee zu Schwarze Frucht entwickelt, wobei der Roman noch den Arbeitstitel Die dunkle Kolonie hatte. Ich habe ein Exposé geschrieben (in dem Verständnis, wie man ein Exposé im Buchmarkt betrachtet: 6 locker beschriebene Seiten mit einem Handlungsabriss, nicht ein RHODAN-Exposé mit 40 oder mehr Seiten inklusive Kapitelstruktur und Datenblättern).

Die Reaktion aus Rastatt war zunächst einmal, dass man aus der Thematik ›Dunkelwelten‹ doch auch eine Trilogie machen könne, in der man mit Michael Marcus Thurner und Madeleine Puljic einen Autor und eine Autorin einbeziehen könnte, die auch im Buchmarkt bereits eingeführt sind.

Danach passierte lange wenig, weil die Arbeit an den laufenden Serien in der Redaktion Priorität haben muss und man zunächst einmal einen Lizenzpartner finden wollte, der ja dann auch seine Vorstellungen einbringen soll.

Bewegung kam im März 2018 wieder in die Sache. Da hatten wir auf der Leipziger Buchmesse ein Treffen verabredet, auf dem wir über die Reihe sprechen wollten. Leider konnte ich nicht dabei sein, weil die Landebahn vereist war und ich erst nach einer Odyssee über Berlin auf dem Messegelände eintraf – da waren die anderen schon in weiteren Terminen verstreut. Ich erfuhr aber, dass man sich auf eine sehr lockere Rahmenhandlung verständigt hatte, die Einzelgeschichten der Taschenbücher sollten im Wesentlichen für sich stehen. Schauplätze und Personal sollten unabhängig voneinander sein.

Ende April 2018 war ich Co-Trainer bei einem von Michael Marcus Thurners Schreibcamps. Wieder waren wir also nicht alle beisammen, aber immerhin konnten wir zu zweit Ideen hin- und herwerfen und kamen mit einem Plot heraus, den wir für tauglich hielten, die drei Taschenbücher einzuklinken, ohne sie eng untereinander koordinieren zu müssen (es reichte, jeweils das Ergebnis des ersten und zweiten Bandes als ›Übergabepunkte‹ zu definieren).

Dieses Konzept stieß in Rastatt leider nicht auf Gegenliebe.

Ergo galt es, ein anderes übergreifendes Konzept zu entwickeln, was wir – endlich alle drei gemeinsam – mithilfe der Chatfunktion von Facebook bewerkstelligten (mit einem kleinen Vorlauf auf dem GarchingCon mit Madeleine Puljic und mir). Diesmal hat Madeleine Puljic die Hauptarbeit geleistet, indem sie unsere Überlegungen in einem Konzeptpapier zusammengefasst hat, das dann auch Gnade fand. Ich finde das neue Konzept sogar besser als das alte.

Davon quasi unberührt blieb mein Exposé für Schwarze Frucht. Geändert wurde hier lediglich, dass die Laquilen zu Plasmawesen wurden – ursprünglich waren sie Kraken, was man aber als zu nah am in der Szene recht bekannten Film ›Arrival‹ empfand.

Auch Michael und Madeleine schrieben ihre Exposés praktisch für sich. Wir waren weiterhin per Chat in Kontakt und haben unsere Ideen wechselseitig kommentiert. Es gab aber keine Bearbeitung der Exposés im eigentlichen Sinne jenseits dessen, was Klaus N. Frick mit jedem von uns 1:1 gemacht hat.

Wie war das mit dem Klappentext genau?

Das ist leider eine Panne.

In meiner ursprünglichen Überlegung – zu entnehmen meinem 6-Seiten-Exposé – wollte ich mit der Entdeckung eines bestimmten Artefakts in der Tiefsee von Styx in die Geschichte einsteigen. Diese Entdeckung kommt auch vor, allerdings nun erst auf etwa der Hälfte des Romans, was sich als dramaturgisch günstiger erwies. Vorher baue ich im Roman noch ein wenig Geheimnis und falsche Fährten dazu auf, um was es sich eigentlich handelt.

Der Klappentext wurde aber – wie in der Buchbranche üblich – bereits vor dem Manuskript geschrieben. Das ist notwendig, um den Buchhandel vorab zu interessieren und Vorbestellungen auszulösen, damit das Buch zum Erscheinungstag in den Regalen und – wichtiger – auf den Präsentationstischen gut vertreten ist.

Als ich das Manuskript fertig hatte, habe ich den Klappentext noch einmal angeschaut und festgestellt, dass er (inzwischen) zu viel verrät. Ich habe daraufhin einen anderen Entwurf geschrieben und an die Redaktion geschickt. Das war im Januar 2019.

Man wollte die Klappentexte austauschen, aber irgendwo jenseits des Bereichs, den ich mitbekomme, ist dieses Vorhaben gegen einen Poller gelaufen, sodass nun doch der alte Klappentext auf dem Buch steht, der leider ein wenig zu viel verrät.

 Seit Jahren gibt Klaus N. Frick gebetsmühlenartig von sich: »Wo PERRY RHODAN  drauf steht, muss auch Perry Rhodan drin sein.«
Also, kein PR-Logo ohne den Unsterblichen an sich. Ich kann mich an kein RHODAN-Spin-Off erinnern, in dem Perry Rhodan so minimalistisch vorkam, wie in »Schwarze Frucht«.
Er kommt mit einem Funkspruch einmal vor, um die Story für Viccor in Gang zu setzen (Kapitel 2), dann in Kapitel 33 wiederum als  Funk-spruch, und ist dann ab Kapitel 41 zwar auf der Dunkelwelt, ist aber bis auf den Höhepunkt zwar anwesend, aber nicht in der essenziellen Handlung. Was war die Überlegung dahinter, Perry so ins »Abseits« zu stellen? Und musstest du KNF davon überzeugen?

Bei PERRY RHODAN-NEO habe ich drei ganze und zwei halbe Taschenhefte geschrieben, und nur in einem davon kam Perry Rhodan vor. Auch in der Hauptserie hatte ich mehrere Heftromane, die ohne Rhodan auskamen (insbesondere meine beiden KRUSENSTERN-Romane). Und ich meine mich auch zu erinnern, einige Planetenromane gelesen zu haben, in denen Rhodan nicht auftaucht.

Von daher fand ich seinen wohldosierten Auftritt nicht als ungewöhnlich, und es gab dazu auch keinerlei Diskussion – alle Projektbeteiligten empfanden das als normal.

Zudem bin ich auch nicht sicher, ob Rhodans Beitrag nicht doch essenziell ist – nur ist in Schwarze Frucht die Kamera nicht dabei. Er führt ja ein Kommandounternehmen an, er stößt die Geschichte zu Beginn an und ist an der Auflösung wesentlich beteiligt. Nur: Wenn ich diese Elemente prominent in Szene gesetzt hätte, dann hätte das meiner Hauptfigur Viccor Bughassidow die Show stehlen können. Deswegen habe ich den Fokus zu keiner Zeit auf Rhodan gerichtet.

 Du verwebst gesellschaftspolitische und ethische Probleme mit dem Mythos einer untergegangenen Zivilisation und Action. Welche  Themen im Roman sind dir selbst ein Anliegen?

Es ist zwar auch für mich selbst seltsam, aber ich ›verstehe‹ meine eigenen Romane frühestens ein halbes Jahr nach Erscheinen. Das merke ich auch, wenn ich an einem Verkaufsstand stehe (den ich manchmal auf Conventions mache) und mich die Leute fragen, worum es in meinen Büchern geht. Bei den frischen Werken bin ich da eher unsicher, während ich die älteren routiniert anpreisen kann. Ich brauche Abstand, um das vollständige Bild zu sehen.

Mit diesem Vorbehalt würde ich sagen, dass Schwarze Frucht im Kern davon handelt, ins Unbekannte zu gehen und zu tun, was niemand anderes tun kann. Avea beispielsweise will aus Styx ein Gemeinwesen machen, einen guten Ort zum Leben. Bughassidow ist ein Entdecker, der sehen will, was noch kein Mensch vor ihm gesehen hat – und zugleich will er die Wunder des Universums schützen, was manchmal im Widerspruch zueinander steht. Amaya will mithilfe von Logik so etwas wie Gerechtigkeit ausrechnen und wie eine komplexe Funktion mit vielen Variablen optimieren. Die Quabiten wollen zu den Sternen aufbrechen – womit sie den RHODAN-Fans wahrscheinlich sehr ähnlich sind, auch wenn sie eine Weile brauchen, bis sie den richtigen Weg finden, um ihren Träumen zu folgen. Jede Figur ist mit ihren Fähigkeiten und ihrer Biografie an einen sehr speziellen Ort in der Geschichte gestellt, und deswegen hat jede ihren ganz eigenen Pfad in das große Abenteuer Zukunft vor sich.

 Nach Lesen von Band 1 »Schwarze Saat« wusste man, was es mit X-Grow (in Band 1 »Xoj«) auf sich hat. Gab es nicht die Befürchtung, dass durch den Wissensvorsprung des Lesers die Spannung von Band 2 darunter leidet?

Im übergreifenden Konzept war das Xoj einfach nur ein Dünger, der es erlaubt, auf Welten ohne Sonnenlicht produktiv Nahrung anzubauen. Die Ausgestaltung als etwas sehr Bedrohliches hat Michael erst beim Schreiben seines Romans vorgenommen, oder zumindest habe ich es erst beim Lesen seines Manuskripts in dieser Form realisiert. Ursprünglich kam das Xoj bei mir überhaupt nicht vor, als Aufhänger für die übergreifende Handlung reichte das Wrack des Saatschiffs aus. Bei der Lektüre von Michaels Manuskript hat mich das Xoj aber so fasziniert, dass ich einen ganzen Strauß von Möglichkeiten im Kopf hatte, spannende Handlungselemente daraus zu entwickeln. Erst dadurch ist es überhaupt in die Handlung von Schwarze Frucht gekommen – und dann so prominent.

 Gefühlt hatte ich den Eindruck, dass die Story erst mit dem Ende des ersten Drittels wirklich beginnt. Ein wenig klingt das nach Reißbrett. Plottest du nach »Vorlage« oder intuitiv?

Das ändert sich von Roman zu Roman ein wenig. Generell mache ich immer einen Szenenplan, der die komplette Handlung umfasst – auch, um die Länge abschätzen zu können.

Manchmal (allerdings nicht bei Schwarze Frucht) lasse ich mich auch von Grundstrukturen inspirieren, die sich in der langen Geschichte des Erzählens durchgesetzt haben. Das mache ich vor allem dann, wenn ich eine für mich neue Art von Geschichte angehe – zum Beispiel war das bei Grauwacht so, meiner ersten Geschichte mit einem großen Rätsel im Mittelpunkt. Da habe ich den Rat aufgenommen, die Lösung des Rätsels von Anfang an im Bild zu haben und der Leserschaft zu präsentieren – allerdings in so ungewöhnlichem Kontext, dass kaum jemand erahnt, dass er die Lösung bereits sieht …

Grundsätzlich halte ich viel davon, bewährte Erzählmuster zu studieren und zu kennen. Wenn ich einen guten Grund dafür habe, von ihnen abzuweichen, tue ich das aber auch.

 Du hast einen Klassiker der Plotplanung – der Unterböse erzählt dem Helden den weiteren Plan des Bösen – durch die Gedanken des Helden konterkariert.  <
Zitat: »Viccor hoffte, dass der Grund dafür nicht darin lag, dass sie erwartete, dass sie ohnehin bald nichts mehr würden ausplaudern können …«
Nimmst du die Schreibtheorie auf die Schaufel?

Ich habe großen Respekt vor der Schreibtheorie. Ich habe regalmeterweise Schreibratgeber in meinem Arbeitszimmer, die ich alle gelesen habe, und aus jedem davon habe ich etwas Nützliches gezogen.

Nur bin ich mir bewusst, dass am Ende mein Name auf der Geschichte steht, die die Leute gern lesen oder eben nicht. Das ist das einzige Kriterium: Ist die Geschichte gut oder nicht? Die Theorien sind genau so viel wert, wie sie dazu beitragen, eine Geschichte zu einer guten Geschichte zu machen. Wenn sie schlecht ist, dann hilft es nichts, wenn sie gemäß aller gängigen Theorien geschrieben ist.

Ich weiß, du schreibst schnell (30.000 Zeichen pro Tag), du hast jedoch eine Art Gedicht im Roman. Hast du das auch aus dem Ärmel geschüttelt?

Wenn ich eine Rohfassung schreibe, versuche ich, in den Flow zu kommen (das ist ein Begriff aus der Arbeitspsychologie, den ich in meiner Zeit als Unternehmensberater kennengelernt habe). Im Idealfall sehe ich einen inneren Film und schreibe ihn nur noch auf. In diesem Fall war das auch bei dem Gedicht so. Ich zähle zwar die Silben und achte auf die Reime (da bin ich altmodisch – bei mir reimen sich Gedichte noch), aber das fühlt sich bei mir an, als ob es das ›richtige‹ Gedicht schon gäbe, als ob die Figur es bereits korrekt aufsagen würde, aber ich durch Nebengeräusche daran gehindert werde, es beim ersten Mal richtig zu verstehen. Deswegen muss ich meinen inneren Film ein paar Mal zurückspulen und die Stelle genau anhören, bis das Gedicht richtig im Manuskript steht.

 Isob Jester, der Genmanipulationen an Embryonen vornimmt, um Lebewesen mit bestimmten Fähigkeiten zu züchten, reflektiert über den »Reaktionär Perry Rhodan, der den Fortschritt für eine optimierte Zukunft behindert«. Wie ist deine Meinung dazu? Sollten wir Menschen schon im Embryostadium optimieren?

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beginnt mit der Aussage: »Die Würde des Menschen ist unantastbar.« Ich muss zugeben, dass ich damit lange nichts anfangen konnte, weil es mir zu schwammig war. Was soll das sein – »Menschenwürde«? Bedeutet das, dass man seine Mitmenschen nicht beleidigen darf? Und eine solche eher triviale Aussage steht am Beginn von allem?

Erst kürzlich habe ich einen Kommentar gelesen, der mir den Sinn dieser Aussage erschlossen hat. Sie bedeutet (und so legt sie das Bundesverfassungsgericht auch aus), dass ein Mensch immer Subjekt ist, niemals Objekt. Er ist niemals auf seinen Gebrauchswert, auf seinen Nutzen, reduziert. Selbst ein Schwerverbrecher muss Subjekt des Verfahrens sein, in dem seine Taten verhandelt werden. Er muss gehört werden, man darf über ihn nicht wie über eine Sache oder auch wie über eine Pflanze oder wie ein Tier bestimmen.

Mit dieser Richtschnur fährt man auch beim Umgang mit Embryonen gut, glaube ich. Sie sind vollkommen schutzlos, wie jemand, der nach einem schweren Unfall bewusstlos im Straßengraben liegt und sich derzeit nicht äußern, geschweige denn selbst helfen kann. Wir können aber plausible Annahmen dazu treffen, was seine Wünsche wären, wenn er seine Situation einschätzen und sich äußern könnte – zum Beispiel, eine schwere Blutung zu stoppen, eine Wunde zu verbinden etc. Bei den Embryonen gibt es eine Vielzahl von Behandlungen, die vor der Geburt einfacher und wirkungsvoller sind als nach der Geburt. Etwa, wenn man Erbkrankheiten (deren Auswirkungen man ja auch nach der Geburt behandeln würde) in diesem Stadium heilt. In meinem familiären Umfeld gab es beispielsweise Menschen, die schwer diabeteskrank waren. Sofern es möglich ist, Diabetes im Embryonalstadium zu heilen, sodass die Krankheit später gar nicht ausbricht, halte ich das nicht nur für gerechtfertigt, sondern sogar für geboten. Gleiches gilt für Allergien, Fehlstellungen der Gelenke etc. Alles, was wir auch in einem späteren Lebensstadium medizinisch behandeln würden. Freunde von mir leiden unter Erbkrankheiten, die häufige Krankenhausaufenthalte und medikamentöse Therapien mit starken Nebenwirkungen unumgänglich machen, sie müssen ihren Lebensrhythmus danach ausrichten.

In Schwarze Frucht gehen die Optimierungen aber ja viel weiter. Dort werden sie teilweise nicht vorgenommen, damit die Optimierten ein besseres Leben haben, sondern damit der Optimierer sie besser für seine Zwecke einsetzen kann. Einige Optimierte müssen ihr Leben in transparenten Zylindern fristen, außerhalb derer sie nicht lebensfähig wären. Sie sind zu puren Objekten ihres Erschaffers geworden, er würdigt sie nicht als Subjekte ihres eigenen Lebens. Das ist für mich ein Verbrechen.

 Viccor lehnt Optimierung des Erbguts ab. Andererseits gäbe es ohne diese Optimierung keine Oxtorner, Ertruser, Epsaler …

Und da sind wir bei den Grenzfällen. Auch diese werden in Schwarze Frucht thematisiert. Die Umweltangepassten entstanden, weil sie in Umgebungen überleben mussten, für die der menschliche Körper nach ›Standardbauplan‹ schlicht ungeeignet ist. Das klingt auch bei Rhekla an, die ihre Eltern maßvoll auf das Leben auf einer Unterwasserwelt hin optimiert haben, und mit Park Astrur habe ich einen weiteren Umweltangepassten im Personal meines Romans. Die Problematik ist in diesen Fällen nicht so sehr gegenüber den Angepassten zu sehen (sie werden ja nicht objektifiziert), sondern in den möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen. Wenn es Optimierungen über die Grundausstattungen des Homo Sapiens Sapiens hinaus gibt – geraten wir dann als Gesellschaft in eine Spirale, in einen Wettlauf, in dem die Nicht-Optimierten nicht mehr mithalten können? Wer hat dann Zugang zu solchen Optimierungen? Wie regeln wir das gesellschaftlich?

Stephen Hawking war da äußerst pessimistisch. Er sagte voraus, dass die Optimierung menschlichen Erbguts mit Hinblick auf Effizienzsteigerungen keine Frage des Ob sei, sondern eine Frage des Wann und vor allem des Wer. Werden es freiheitliche Gesellschaften sein, deren Kinder demnächst mit einem Durchschnitts-IQ von 150 zur Welt kommen? Oder wird das in totalitären Staaten passieren, die ihre Bevölkerung eher als Erfüllungsgehilfin für einen ideologischen Traum sehen? Die Antwort ist nicht sehr ermutigend.

Schwarze Frucht bot mir die Gelegenheit, diese Thematik in vielen Schattierungen zu diskutieren. Etwa auch dahingehend, was denn mit Optimierten geschehen soll, die nun einmal erschaffen wurden und nun in der Welt sind. Mag ihr Schöpfer auch ein Verbrecher sein – sie selbst tragen an diesem Verbrechen schließlich keine Schuld.

 Auf der Dunkelwelt Styx laufen seit Monaten die Vorbereitungen für die Abstimmung, ob sie der LFG beitreten soll. Und mitten in dieser Phase entsinnen sich die Verantwortlichen darauf, zu prüfen, ob eine Lebensform auf dem Planeten intelligent ist oder nicht? Wieso wurde das nicht schon längst geprüft? Zum Beispiel bei der Besiedlung?

Bei der Besiedlung war ein Beitritt zur LFT kein Thema. Eigentlich ist die Besiedlung von Styx auch nur ein Nebeneffekt: Es ging zunächst nur darum, Rohstoffe abzubauen. Eine Analogie wäre eine Ölbohrplattform auf hoher See. Da macht man sich Gedanken darum, wie man die am besten verankert und welche Bohrköpfe man einsetzt, in welchem Takt die Tanker den Rohstoff abholen sollen, solche Dinge. Dass man auf Styx immer mehr lohnende Rohstoffe gefunden hat und deswegen immer mehr Leute dorthin kamen (und letztlich dort hängen geblieben sind), war nicht geplant, sondern hat sich so ergeben.

Als dann der LFT-Beitritt zum Thema wurde, haben Menschen schon mehr als vier Jahrzehnte auf Styx gelebt, ohne auf indigene intelligente Lebensformen zu stoßen. Die Frage stellte sich also nicht (mehr): Man glaubte, sich auszukennen.

Auch das ist ein Gedanke aus meiner Unternehmensberaterzeit. Wenn man ein Projekt beginnt, teilt man die Entscheidungsgrundlagen in Dinge, über die man Bescheid weiß (›Known‹) und Dinge, über die man nicht Bescheid weiß (›Unknown‹). Das ›Unknown‹ hat Bereiche, von denen man weiß, dass noch Informationen fehlen und man sie besser beschaffen sollte (›Known Unknown‹). Die sind einigermaßen planbar. Dann gibt es aber noch den Horror eines jeden Projektleiters: die Dinge, von denen man noch nicht einmal weiß, dass man sie nicht weiß (›Unknown Unknown‹).

Ich hatte das bei einem anderen Roman, Grauwacht. Da war mir klar, dass ich zu Luft- und Meeresströmungen eine Wissenslücke hatte, also habe ich dazu recherchiert und die Darstellungen dazu im Roman müssten passen. Mir war allerdings unklar, dass ich nicht wusste, dass es verschiedene Arten der Farbmischung gibt. Aus der Schulzeit erinnerte ich mich, dass ich das Blau und das Gelb aus meinem Tuschkasten zu Grün mischen konnte. Daraus schloss ich, dass auch blaues und gelbes Licht grünes Licht ergeben (diese Überlappung von gelbem und blauem Licht ist ein wiederkehrendes Element in der Geschichte). Ich kam gar nicht auf die Idee, dass es anders sein könnte. Aber Licht mischt sich additiv, weswegen Blau und Gelb nicht Grün, sondern Weiß ergeben. Darauf machte mich ein Leser aufmerksam. Ich konnte es aber erst in der überarbeiteten Edition, die ich nach dem Rückfall der Rechte als eBook herausgebracht habe, anpassen.

 Zweimal habe ich einen stilistischen Kalauer gefunden, da fixieren die Augen das Gegenüber. Ärgert dich, wenn so etwas von Korrekturlesern, Lektor, Redakteur und Autor übersehen wird?

Nur dann, wenn ich es selbst als fehlerhaft empfinde. Hier ist das nicht der Fall. Man könnte zwar sagen, dass eher der Blick als die Augen etwas fixiert, aber mit gleicher Argumentation müsste man dann fordern, dass der Griff und nicht die Hand etwas festhält. Da finde ich die Formulierung jeweils gängig und verständlich und habe deswegen kein Problem damit.

Generell bin ich der Meinung, dass der Text des Buchs mein Werk ist – im Guten wie im Schlechten. Alle anderen Beteiligten helfen dabei, den Text besser zu machen. Das ist sehr wertvoll, aber am Ende des Tages ist es eine Hilfsfunktion. Wenn also Fehler drin sind, dann gehören auch diese Fehler mir. Es mag sein, dass Lektoren, Korrektoren etc. sie ebenfalls übersehen haben – aber der Ursprung dieser Schwäche liegt in dem Manuskript, das ich abgegeben habe. Es sei denn, es wurde etwas verschlimmbessert, das vorher gut war. Deswegen lese ich, wenn immer es mir gestattet wird, auch jede Druckfahne von vorne bis hinten komplett durch, bevor ich meine Druckfreigabe erteile. Damit ist es dann auch wieder ›mein Fehler‹, wenn mir eine Verschlimmbesserung durchrutscht.

 Zitat aus dem Buch: »Idealisten sind die Schlimmsten. Die kann man mit keinem Argument überzeugen.«
Bist du ein Idealist?

Ich hoffe, jeder Mensch ist in den Bereichen, die seine Überzeugungen im Kern ausmachen, ein Idealist.

Es gibt Dinge, die nicht verhandelbar sind – natürlich auch für mich. Menschenrechte zum Beispiel – da kann und muss man darüber diskutieren, in welcher Form man sie am besten realisieren kann, und da sollte man auch ein breites Spektrum anerkennen, ohne dem Diskussionspartner sofort Bosheit zu unterstellen. Aber dass Menschen an sich einen Wert und eine Würde haben, die sie unter keinen Umständen verlieren können, ist für mich nicht zu diskutieren, und da bin ich auch keiner anders gerichteten Argumentation zugänglich.

Ich bin auch in anderen Bereichen ein Idealist. Beispielsweise würde ich nie in einer Beziehung leben wollen, in der ich nicht Hals über Kopf in meine Partnerin verliebt wäre. Für Vernunftehen war ich nie zu haben.

Andererseits glaube ich, dass das Zusammenleben schlicht unmöglich wird, wenn man in jeder Kleinigkeit betonhart auf seinen Idealen beharrt und nichts anderes gelten lässt. Das wird dann schnell sehr anstrengend für alle Beteiligten.

 Zitat aus dem Buch:  »Wozu war man Milliardär, wenn man sich nicht ab und zu etwas gönnte.« Was würdest du dir als erstes gönnen, wärst du Milliardär?

Ein sehr großes Haus mit umgebender Parkanlage. In dem Park würden steinerne Engel stehen, die entweder aufgeschlagene Bücher oder brennende Schwerter halten. In dem Haus wäre eine Menge Platz. Insbesondere hätte es einen Saal mit durchgängiger Fensterfront, der vollständig leer wäre. Dort würde ich gern sitzen und meinen Park anschauen, vielleicht mit einem Buch auf dem Schoß.

Robert Corvus am Austria Con 2016
copyright Martin Steiner

 Du hast Wirtschaft studiert, warst Unternehmensberater und nun Schriftsteller. Was war der Beweggrund für deinen Berufswechsel?
Hast du noch Kontakt zu den alten Kollegen? Wie haben die reagiert?

In gewisser Weise war es kein Berufswechsel, sondern die Schriftstellerei hat kontinuierlich einen immer größeren Raum eingenommen. Schon in der Grundschule habe ich auffällig lange Aufsätze geschrieben. Als Teenager war ich in einem Fantasyclub und habe fleißig Kurzgeschichten für unser Vereinsmagazin eingeschickt. Ich habe an Leseabenden in Kölner Cafés teilgenommen, in Anthologien veröffentlicht, es auch mal mit einem Roman in einem winzigen Verlag probiert. Dann kamen Romane für die Franchises BattleTech und Das schwarze Auge, alles unter meinem damaligen Pseudonym Bernard Craw und dank eBooks auch alles noch lieferbar. Wir sprechen hier von immerhin zwölf Taschenbüchern, die im Laufe der Jahre zusammenkamen. Damit war meine Schriftstellerei schon ein Nebenberuf, und ich habe auch im Kollegenkreis nie ein Geheimnis daraus gemacht. Im IBM-Intranet wurde ich sogar einmal als nebenberuflicher Schriftsteller porträtiert.

Die Reaktion der Kollegen war durchweg positiv. Ich glaube, Schriftsteller ist generell ein Beruf, dem man mit Sympathie begegnet. Die Leute sagen gern: »Ich kenne einen Schriftsteller«.

 Du warst dieses Jahr in USA, hast dir unter anderem auch Kriegsschiffe angesehen. Hast du von diesen Besuchen etwas in »Schwarze Frucht« eingebaut?

Die erste Manuskriptfassung von Schwarze Frucht habe ich abgegeben, bevor ich Ende Januar in die USA geflogen bin, deswegen konnten meine Eindrücke von dieser konkreten Reise nicht mehr einfließen. Aber sicher hat ein großes Schiff wie die USS Texas ein bisschen etwas von der KRUSENSTERN, auch wenn letztere viel größer und nicht auf Kämpfe ausgelegt ist. Aber diese komplett künstliche Umgebung, in der die Matrosen dennoch so etwas wie eine schwimmende Heimat geschaffen haben (man hatte auf einem Unterdeck der Texas so etwas wie einen Nachbau einer Geschäftsstraße einer amerikanischen Kleinstadt), dann auch die vergleichsweise riesigen Maschinenräume … Da kann man Gemeinsamkeiten entdecken.

 Was mich irritiert: Da dreht gefühlt ein Viertel der Bevölkerung von Styx durch (Fünf Anschläge pro Stunde!) und die Verantwortlichen für die Abstimmung machen Business as usual? Wieso untersuchen sie die Verstorbenen nicht?
Wieso fällt ihnen nicht auf, dass die Toten zuvor Sehnsucht nach den Sternen entwickeln?

Das habe ich so geschrieben, um zu zeigen, was fehlt, wenn man eben keinen Staat hat, keine Behörden, keine Exekutive. Letztlich fühlt sich dann auch niemand übergreifend zuständig. Auf Styx gibt es Konzerne und die haben Mitarbeiter – mehr nicht. Es gibt keine Polizei, die nach Mustern in Taten sucht, keine professionellen Ermittler, nichts dergleichen. Wenn die Sternenträumer, die auf dem Eis Suizid begehen, so rasch gefunden werden, dann liegt das daran, dass einer von ihnen einen privaten Vorsorgevertrag geschlossen hat. Nur deswegen hat er einen Chip implantiert, der ein Notsignal absetzt. Das geht auch nicht an eine öffentliche Stelle (weil es so etwas auf Styx nicht gibt), sondern zu einem privaten medizinischen Dienst, der wiederum dem Konzern angegliedert ist, für den er arbeitet …

 Du hast ein Leserunde abgehalten, nachzulesen unter

https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?board/500-robert-corvus-schwarze-frucht/

Wie wichtig ist dir der Kontakt zu den Lesern? Und was nimmst du aus diesen Leserunden für die nächsten Bücher mit?

Gerade das Format der Leserunden ist für mich spannend, weil dabei ein Buch in mehrere zu kommentierende Leseabschnitte unterteilt wird. Dadurch kann ich nachvollziehen, ob die Spannungsbögen so funktionieren, wie ich sie gern hätte. Stellen sich die Leser an den richtigen Stellen die Fragen, die sie sich stellen sollen? Werden die Informationen registriert, die ich ausstreue? Gehen sie mir bei den falschen Fährten auf den Leim?

Das hilft mir enorm dabei, mein Handwerk zu verbessern.

Außerhalb davon bin ich auf Social Media aktiv (Instagram, Facebook, Twitter), unterhalte einen YoutTube-Kanal und mehrere Webpräsenzen und besuche gern Conventions bzw. veranstalte Lesungen. Ich habe eine starke Grundsympathie für alle Leute, die meine Geschichten mögen. Deswegen erfahre ich gern etwas über diese Menschen – und wenn es nur über Kommentare unter meinen Beiträgen ist.

 Die Reaktionen zu den beiden Büchern waren durchwegs positiv. Auch die Bewertungen auf den Portalen liegen bei 4 und 5 Sternen. Wie sehr freut dich so etwas? Und suchst du im Netz nach Rezensionen deiner Werke?

Ich werfe fünfmal täglich eine Suchmaschine an und fahnde nach meinem Autorennamen. Ich lese alles, was ich finden kann.

Trotzdem messe ich einzelnen Meinungen weniger Gewicht bei als die meisten anderen Kolleginnen und Kollegen, die ich kenne. Ich weiß, dass ich nicht der Adressat einer Rezension bin (das sind schließlich die anderen potenziellen Leserinnen und Leser), und mir ist auch klar, dass man bei einem hinreichend großen Publikum nicht alle restlos begeistern kann – dafür sind die Geschmäcker zu verschieden. Umgekehrt lösen positive Reaktionen bei mir ebenfalls nicht so hohe Ausschläge aus, wie ich es im Kollegenkreis zuweilen beobachte. Das gilt für Rezensionen ebenso wie für Preise – ich glaube, ich bleibe da einigermaßen auf dem Teppich.

Dennoch möchte ich mit meinen Geschichten Menschen erreichen, die sich daran erfreuen – sonst würde ich meine Texte ja auf der Festplatte ruhen lassen, statt sie zu veröffentlichen. Wenn das gelingt, wenn ich den Eindruck bekomme: Da hatte jemand ein paar schöne Stunden mit meiner Geschichte, dann freut mich das.

 

Abseits von RHODAN bist du sowohl im SF als auch im Fantasy-Bereich präsent. Welches Buch sollte man in diesen Bereichen von dir als nächstes lesen (bevor man alle anderen auch liest)?

Mein bestes Buch ist nach meiner eigenen Einschätzung Das Imago-Projekt, das ich auch auf der Feier zu PERRY RHODAN 3000 in München vorstellen durfte. Romane leben von ihren Figuren, und in diesem Fall bin ich sehr stolz auf die Hauptfigur. Sie ist weder Pilotin noch Soldatin oder Wissenschaftlerin, was typische SF-Archetypen mit einem wohlbekannten Strauß an üblichen Konflikten und Handlungsmustern sind. Stattdessen schicke ich mit Kara Jeskon eine Diplomatin ins Rennen, die über die gesamte Geschichte – mit wechselndem Erfolg – versucht, den großen Knall zu verhindern. Das war für mich beim Schreiben eine sehr erfrischende Perspektive, ein ganz neuer Winkel, eine Geschichte zu entdecken.

 Woran arbeitest du als nächstes?

Aktuell schließe ich meine Fantasy-Trilogie GEZEITEN DER MACHT ab. Der Auftaktband BERG DER MACHT ist im Februar erschienen, STRÖME DER MACHT ist im Druck und sollte Anfang August in den Buchläden ausliegen, und unter das Manuskript von RUINEN DER MACHT habe ich gestern das Wort ›Ende‹ getippt. Dieser Abschlussband soll im Februar 2020 erscheinen.

In dieser Trilogie sind Magier keine Gelehrten, sondern Handwerker, denn die Macht liegt im Stein. Als Steinmetze meißeln sie ihre Zauber. Der älteste und härteste Stein liegt im Berg Ianapat. Dort kann man unsterblich werden, kann die tiefen Kavernen dann aber nie wieder verlassen. Deswegen sind Maler sehr angesehen, die in die Welt hinausziehen, ihre Schönheit erkunden und in Form von Gemälden den Unsterblichen schenken.

Eine der Hauptfiguren ist ein solcher Maler. Eine andere ist ein Krieger, der gegen die Macht aufbegehrt, die der Berg brutal durchsetzt. Dann gibt es noch die Tochter eines Grafen, die damit hadert, dass sie als Frau nicht herrschen darf, und eine Magierin, die einen gefährlichen Traum träumt. Insgesamt eine brisante Mischung, denn alle wissen, dass die Geister im Berg viele Ziele verfolgen – aber das Glück der Sterblichen ist keines davon …

Robert, danke für deine Zeit.

Homepage des Autors: http://www.robertcorvus.de

Hier geht’s zum ebook:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9783845351018/dunkelwelten-2-schwarze-frucht-von-robert-corvus-e-book-epub

Hier zum Buch:  https://perry-rhodan.net/shop/item/9783404209439/perry-rhodan-schwarze-frucht-von-robert-corvus-kartoniertes-buch

Und ein Hörbuch gibt es auch:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9783838792118/schwarze-frucht-dunkelwelten-perry-rhodan-2-ungekurzt-von-robert-corvus-horbuch-download-mp3