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»Die Tiefe der Zeit« – Ein Interview mit Andreas Brandhorst

Am 1. März 2018 erscheint »Die Tiefe der Zeit«, das neue Buch von Bestsellerautor Andreas Brandhorst. Aus diesem Anlass führte Roman Schleifer ein Interview mit dem sympathischen Deutschen.

Roman Schleifer (RS): Andreas, nach deinem Bestseller »Das Erwachen«, in dem das Erwachen einer Maschinenintelligenz auf der Erde der Gegenwart im Mittelpunkt steht, widmest du dich in deinem neuen Buch »Die Tiefe der Zeit« wieder einer entfernten Zukunft.

Der Klappentext liest sich schon mal interessant.
»Seit vielen Tausend Jahren führt die Menschheit Krieg gegen die geheimnisvollen Crul. Und seit ebenso langer Zeit erzählt man sich Geschichten von der Hauptstreitmacht des Feindes, die seit Ewigkeiten durch die Weiten des interstellaren Raums unterwegs ist, um eines Tages die Kernwelten der menschlichen Zivilisation zu vernichten. Der ehemalige Soldat Jarl, dem man Verrat und Mord zur Last legt, ist auf der Flucht vor den eigenen Verbündeten. Als Gejagter muss er die legendäre Erde finden, jenen mythischen Ursprungsplaneten der Menschen. Denn dort soll die größte aller Waffen lagern, eine Waffe, die den Krieg beenden und Frieden bringen kann. Jarls Suche führt ihn durch die Tiefe der Zeit. Doch er ahnt nicht, dass er nur ein Werkzeug in einem viel größeren Plan ist …«

In all deinen SF-Romanen ist die Menschheit fast verschwunden, leben nur mehr wenige von uns und/oder befinden sich im Krieg mit einer außerirdischen Macht. Siehst du so schwarz für uns in der Zukunft im All?

Andreas Brandhorst (AB): Es ist nicht in allen meinen Romanen so, aber doch in einigen, da hast du recht. Vielleicht liegt es daran, dass ich das dramatische Setting mag, die besondere Atmosphäre einer solchen Situation. Es ist gelegentlich das große Bühnenbild, der Hintergrund für die Handlung. Interessanterweise ist die Menschheit in »Die Tiefe der Zeit« nicht auf einen kleinen Rest reduziert. Ganz im Gegenteil, sie ist, sieht man die Sache aus einem gewissen Blickwinkel, die dominante Spezies in der Milchstraße. Aber es wird auch schnell klar: Die Menschen sind nicht unbedingt die Guten. Sie haben das Trauma eines Fast-Untergangs hinter sich und daraus die Lehre gezogen, dass keine fremde Spezies jemals die Chance erhalten darf, zu einem ernsthaften Rivalen auf der galaktischen Bühne zu werden. »Vereint sind wir stark, geteilt sind wir schwach, und die Schwachen sterben.« So lautet nicht umsonst das Motto des Pakts der Menschenwelten.

Roman: Denkst du, dass die Erde wirklich einmal nur mehr eine Art Mythos sein wird?

Andreas: Auch hier gefällt mir das Setting, die Atmosphäre, wie bei E.C. Tubbs Earl-Dumarest-Reihe: die Erde vergessen, oder fast, ein Mythos, vielleicht nicht mehr als eine Legende. Aber in »Die Tiefe der Zeit« ist dieser Mythos nicht nur Hintergrund, Kulisse, sondern ein zentraler Punkt der Handlung. Es gibt einen ganz bestimmten Grund, warum die Erde in Vergessenheit geriet …

Roman: Kommen wir zu Jarl, dem Held in »Die Tiefe der Zeit«. Er ist ein Ex-Soldat, dem man Verrat und Mord vorwirft. Zu recht oder zu Unrecht?

Andreas: Wahrheit und Lüge liegen auch in diesem Roman dicht beieinander und lassen sich manchmal zunächst kaum voneinander unterscheiden. Jarl ist als Soldat geboren, wobei ich erklärend hinzufügen muss: Die Menschen in »Die Tiefe der Zeit« sind eine polymorphe Spezies, die Gene bestimmen ihren Platz in der Gesellschaft. In Jarls Adern fließt gelbes Blut, das Blut von Soldaten, aber er fühlt schon bald, dass er kein Soldat sein will. Ihm liegt nichts daran, sein ganzes Leben lang zu zerstören und zu töten. Er erfährt von der legendären Erde und einer Waffe, die es dort geben soll, angeblich die größte und mächtigste aller Waffen, so groß und mächtig, dass sie den ewigen Krieg beenden und Frieden bringen kann. Daraufhin macht er sich auf die Suche, um der Galaxis, den Menschen und auch sich selbst Frieden zu bringen.

Roman: Was hat Jarl für Fähigkeiten?

Andreas: Obwohl er das gelbe Blut eines Soldaten hat, ist er doch jemand, der in einer Welt des Krieges und Konflikte Frieden sucht. Schnell wird ihm klar: Um zu überleben, muss er die Erde und die mächtigste aller Waffen finden, die dort angeblich auf ihn wartet. Seine besonderen Fähigkeiten heißen Ausdauer, Überlebenswille und Entschlossenheit. Und er bekommt Hilfe von unerwarteter Seite.

Roman: Jarl ist nur ein Werkzeug in einem größeren Plan … bereits in der »Kantaki«- und der »Feuervögel«-Trilogie (beide von Piper-Verlag neu aufgelegt und absolut lesenswert), spielt eine höhere Macht mit. Was fasziniert dich an dem Gedanken, dass die Helden oft nur Marionetten sind?

Andreas: Ich würde eher von einem Mosaikstein in einem größeren Bild sprechen, oder von einem kleinen Stück, von dem man noch nicht weiß, wo es ins große Puzzle passt. Ich mag diese Art von Verschlungenheit, die auch dem Leben des Einzelnen Bedeutung gibt, selbst in einem galaktischen, kosmischen Maßstab. Jarl ist tatsächlich Teil eines größeren Plans, was aber nicht bedeutet, dass sein Leben fest vorherbestimmt ist. Dieser Punkt liegt mir sehr am Herzen: Jarl zeigt, dass man immer entscheiden kann. Diese Freiheit steht jedem von uns offen, und das bedeutet auch: Niemand von uns kann der damit einhergehenden Verantwortung entkommen.

Roman: Empfindest du das in der Realität auch so?

Andreas: Die Freiheit und Verantwortung der eigenen Entscheidung? Ja, unbedingt. Ich habe mehrmals in meinem Leben ganz bewusst auf der Grundlage dieser Erkenntnis gehandelt. In jedem von uns fließt symbolisches »gelbes Blut« – oder violettes, wie im Fall von Prizilla, einer weiteren wichtigen Figur in »Die Tiefe der Zeit«. Wenn man das weiß, kann man in bestimmten Situationen über sich selbst hinauswachsen, sein Schicksal gewissermaßen selbst in die Hand nehmen.

Roman: Gib uns mehr Infos als den Klappentext. Was erwartet uns in »Die Tiefe der Zeit«?/ Warum sollte man »Die Tiefe der Zeit« gelesen haben?

Andreas: Hier exklusiv vor Veröffentlichung der Text auf der Innenseite.
»Evolution – nur der Stärkere überlebt. Als die Menschen ins All aufbrachen, trafen sie auf einen Gegner, der sie fast ausgerottet hätte. Dieser Konflikt hinterließ ein tief verwurzeltes Trauma. Nicht umsonst heißt das Motto des Pakts aller Menschenwelten: »Vereint sind wir stark, geteilt sind wir schwach, und die Schwachen sterben.« Wo die Menschen in der Milchstraße auf intelligentes Leben stoßen, sorgen sie mit Manipulationen und militärischem Eingreifen dafür, dass sich nie Rivalen entwickeln können. Doch dann treffen sie auf die Crul, einen erbarmungslosen wie geheimnisvollen Gegner, der alle ihre Befürchtungen wahr werden lässt. Denn die Crul reisen seit Jahrtausenden durch das All und verfolgen eine ganz besondere Mission. Es liegt ausgerechnet an Jarl, einem abtrünnigen Soldaten, einen Weg zu finden, gegen die Crul zu bestehen. Doch dazu muss er zuerst das Unmögliche schaffen: den legendären Heimatplaneten der Menschheit wiederfinden …«

»Die Tiefe der Zeit« präsentiert ein ganz neues Universum. Warum man den Roman lesen sollte? Weil er ein farbenprächtiges kosmisches Abenteuer in mindestens 8K-Auflösung ist, das für den Leser garantiert die eine oder andere Überraschung bereithält …

Roman: Klingt spannend. Ich freue mich auf das Buch. Danke für deine Zeit.

Andreas: Ich danke dir und wünsche allen Lesern viel Spaß mit »Die Tiefe der Zeit«.

Interview mit Bestseller-Autor Andreas Brandhorst geführt von Roman Schleifer

Anfang Oktober 2017 habe ich »Das Erwachen«, das aktuelle Buch von Andreas Brandhorst, gelesen. Er schildert darin die Entstehung einer Maschinenintelligenz und die Auswirkungen auf die Menschheit. Andreas hat mich mit seinem Buch nachdenklich gestimmt. So toll Computer und künstliche Intelligenz für unser Leben sind, die Gefahr, die entstehen kann (und vermutlich auch wird), sollte stärker ins Bewusstsein rücken. Vielleicht könnten wir dann das von Andreas beschriebene Szenario verhindern. In diese Kerbe schlug Anfang November auch Stephen Hawking, der auf der Web Summit 2017 vor genau der im Buch beschriebenen Entwicklung gewarnt hat.

Alles in allem Grund genug Andreas ein paar Fragen zu stellen – zum Buch und privat.

Roman: Seit Jahren bin ich ein Fan deiner Werke. Jedes Buch hat mich nachdenklich gemacht und beschäftigt. Darum freue ich mich, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Ich weiß, du arbeitest bereits an deinem nächsten Buch, einem neuen großen Thriller für den Piper Verlag, der im Herbst 2018 erscheint. Ich hoffe, das Interview reißt dich nicht aus dieser neu erschaffenen Welt.

Andreas: Es ist eine willkommene Abwechslung.

Roman: Sehr gut. »Das Erwachen« ist nach der ersten Erscheinungswoche in die Spiegel-Bestsellerliste eingestiegen – wie stolz bist du darauf?

Andreas: Immens stolz, denn die Konkurrenz ist groß, gerade im Oktober, wenn die Herbsttitel der Verlage erscheinen. Auf der Spiegel-Bestsellerliste zu stehen, bedeutet kommerziellen Erfolg, den sich natürlich jeder Autor wünscht, der von seinen geschriebenen Worten lebt.

Roman: Du hast für deine Bücher mehrere Auszeichnungen erhalten – wie stolz bist du auf diese Preise?

Andreas: Preise bedeuten Anerkennung, und Anerkennung schadet nie. Auch das Autorenego braucht die eine oder andere Streicheleinheit, dadurch schöpft man neue Kraft.

Roman: Seit dem Internet gibt es auch leichteren Zugang zu Rezensionen und Meinungen von anderen Leuten über gelesene Bücher. Wie wichtig sind diese Kritiken für dich?

Andreas: Konstruktive Kritik bringt einen weiter, denn man lernt nie aus. Jeder Autor sollte bereit sein, solche Kritik anzunehmen und sich selbst immer wieder infrage zu stellen. Dadurch bekommt man Gelegenheit sich zu verbessern. Was schlechte Kritiken betrifft …

Roman: Gutes Stichwort. Wie gehst du damit um?

Andreas: Mit schlechten Kritiken gehe ich leider schlecht um: Sie schmerzen, jede einzelne. Schon vor vielen Jahren habe ich versucht, mir in dieser Hinsicht ein dickes Fell wachsen zu lassen, aber es will nicht klappen. Schlechte Rezensionen tun noch immer weh, weil in meinem Romanen so viel Arbeit steckt, so viel Herzblut und Engagement. Ich weiß, ich weiß, als Autor sollte man sich die Rezensionen besser gar nicht ansehen, aber ich tu’s trotzdem immer wieder.

Roman: Wie wählst du die Themen für deine Bücher aus?

Andreas: Manchmal wählen sie mich aus. Ich laufe täglich mindestens eine Stunde, und manchmal passiert es, dass ich beim Laufen plötzlich eine Idee im Kopf habe, oder den Beginn einer Idee, eine Art zartes Pflänzchen mit Wurzeln im Unterbewusstsein. Nach Hause zurückgekehrt notiere ich diese Einfälle sofort, und manchmal wachsen sie dann weiter, bis sie zum Gerüst eines Romans werden.

Roman: Aus persönlichen Gesprächen mit dir weiß ich, dass dich dein Tod stört … verarbeitest du so etwas in deinen Büchern?

Andreas: Wen »stört« der Tod nicht? Wer möchte sterben? Man wird älter, man sammelt Wissen und Erfahrungen, man wird – hoffentlich – weiser, und dann, in einem Moment, verschwindet das alles. Was für eine kolossale Verschwendung! Und jedes Mal ist es ein individuelles Drama, eine persönliche Katastrophe, der niemand von uns entkommen kann. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht darüber nachdenke.

Roman: Besprichst du den Plot in der Erstellungsphase mit einem zweiten oder arbeitest du für dich selbst?

Andreas: Normalerweise arbeite ich dabei ganz allein. Gelegentlich halte ich Rücksprache mit dem Lektor im Verlag.

Roman: Hast du Testleser?

Andreas: Zwei. Der Verlagslektor liest Stück für Stück mit, während ich schreibe, und ebenso ein sehr aufmerksamer Redakteur, der manchmal einen strengen Finger auf wunde Stellen legt und sagt: »So geht das nicht.« J Die Zusammenarbeit mit diesem Redakteur, der auch die Endredaktion meiner Romane übernimmt und dabei sehr, sehr gründlich vorgeht, empfinde ich als außerordentlich fruchtbar. Das läuft wirklich sehr gut.

Roman: Wie oft gehst du über den fertigen Text? Gibt es einen Punkt, an dem du den Roman dann nicht mehr sehen kannst?

Andreas: Es kommt darauf an, wie zufrieden ich mit einem Roman bin, wie »rund« er sich anfühlt. Ich gehe den Text mehrmals durch, auch beim Schreiben, und jedes Mal wird etwas geändert. Nach dem fünften oder sechsten kompletten Lesen fehlt dann ein bisschen der Abstand, und man riskiert, noch vorhandene Fehler gar nicht mehr zu sehen. Aber dann gibt es zum Glück noch den Redakteur, und im Verlag Lektor und Korrektor. Und ja, irgendwann nervt es, einen bereits bekannten Text immer und immer wieder zu lesen, doch das gehört einfach dazu.

Roman: Musst du nach Abgabe eines Projekts abschalten oder beginnst du sofort mit dem nächsten?

Andreas: Es kommt vor, dass ich zwischen zwei Romanen ein wenig übersetze. Um nicht aus der Übung zu kommen, was das Übersetzen betrifft, und um in eine andere Art des Schreibens und eine andere Geschichte einzutauchen.

Roman: Hörst du Musik beim Schreiben?

Andreas: Ja, ich höre vorwiegend Heavy Metal, manchmal auch Techno oder Hardcore, je nach Stimmung. Auch klassische Musik kommt vor.

Roman: Es gibt ja eine Konzeptions- und eine Schreibphase, wie lange arbeitest du an so einem 700 Seiten Wälzer?

Andreas: An »Das Erwachen« habe ich über ein Jahr gearbeitet, die umfangreichen Recherchen mitgerechnet. Es war meine bisher aufwändigste Romanarbeit. Über ein Jahr lang habe ich an fast nichts anderes gedacht und bin ganz in der Arbeit aufgegangen. Was ich mir nur leisten kann, weil ich allein lebe. J

Roman: Du bist 1984 nach Italien ausgewandert und 2013, fast drei Jahrzehnte später, nach Deutschland zurückgekehrt. Schreibt es sich in Deutschland anders als in Italien?

Andreas: Nein, aber es lebt sich anders J Das Umfeld ist ein ganz anderes, es fühlt sich für mich nach dreißig Jahren in Italien auch ganz anders an, selbst jetzt noch, obwohl ich schon seit vier Jahren wieder in Deutschland bin. Wenn du mich fragst, was ich hier am meisten vermisse: das Meer, das in Italien nur etwas mehr als eine halbe Autostunde von meinem hauptsächlichen Wohnort entfernt war.

Roman: Mit den Bestsellern »Äon« und »Das Erwachen« hast du dich in der näheren Zukunft aufgehalten. Bei deinen anderen Werken hast du eigenständige Science Fiction Universen (Kantaki, Feuervögel, Omni etc) geschaffen, die mehrere tausend Jahre in der Zukunft angesiedelt sind. Was liegt dir mehr?

Andreas: »Äon« ist ein Mystery-Thriller mit starken fantastischen Elementen, »Das Erwachen« hingegen ein Gegenwartsroman, so wie ich ihn sehe, obwohl er einige Jahre in der Zukunft spielt. Mich fasziniert beides: die Arbeit an belletristischer Gegenwartsliteratur ebenso wie das Entwerfen von Universen als Bühne für farbenprächtige Space Operas. Ich weise bei Vorträgen und Lesungen immer wieder gern darauf hin: Die Science Fiction ist die größter aller Bühnen, und ich fühle mich auf ihr sehr wohl.

Roman: Ich vermute mal, dass in der Literatur über die nähere Zukunft mehr Geld zu verdienen ist. Warum dann dennoch mehr weit entfernte Zukunftswelten?

Andreas: Mit Thrillern und ganz allgemein mit Gegenwartsliteratur erreicht man eine viel größere Leserschaft, und das hat für den Autor den angenehmen Begleiteffekt, dass er dadurch mehr Geld verdient. Ein wichtiger Gesichtspunkt, wenn man als Autor vom Schreiben leben möchte. Allerdings bin ich in der glücklichen Lage, sagen zu können, dass sich auch meine Science-Fiction-Romane gut verkaufen. Ich bin also nicht gezwungen, aus finanziellen Gründen eine Wahl zu treffen. Ich kann beides schreiben: sowohl Science Fiction, die mich immer begeistert hat, als auch Gegenwartsliteratur.

Roman: Noch einmal zu den geschilderten Universen: In den meisten deiner Bücher ist die Menschheit nur mehr ein Schatten ihrer selbst, auf wenige tausend dezimiert und die Koordinaten der Erde ein Mysterium. Siehst du so schwarz für die Zukunft der Menschheit in der Zukunft?

Andreas: Mir gefällt das Bild von einer Menschheit, die nicht Krone der Schöpfung ist, nicht einmal eine wichtige Rolle auf der galaktischen Bühne spielt, sondern eher am Rand steht, bei den Kulissen. Und die Erde als Legende hat mich schon immer gereizt. In »Die Tiefe der Zeit« (1. März 2018 bei Piper, https://www.piper.de/buecher/die-tiefe-der-zeit-isbn-978-3-492-70427-4) greife ich darauf zurück; dort spielt die legendäre Erde eine ganz besondere Rolle.

Roman: Deine Bücher zeichnen sich durch gestrauchelte Helden aus, die mit einem Teil ihrer Vergangenheit hadern – was ist der Hintergrund dafür?

Andreas: Unser aller Lebensweg ist nicht immer schön glatt und gerade. Das Schwanken und Straucheln gehört dazu. Ich mag keine einfarbigen, eindimensionalen Figuren, und ich mag auch keine Schwarzweiß-Unterscheidungen von Gut und Böse. In der realen Welt gibt es zwischen Schwarz und Weiß viele Grautöne, und das spiegelt sich bei meinen Protagonisten wider.

Roman: Wie viel von dir steckt in den Helden deiner Bücher?

Andreas: Manchmal mehr, manchmal weniger. Der eine oder andere Gedanke, der mich beschäftigt, fließt auch in das Denken und Fühlen meiner Romanfiguren ein. Außerdem versetze ich mich immer in ihre Lage und frage mich ständig: Wie würdest du an ihrer Stelle handeln? Ich hoffe, das macht die Figuren lebendiger.

Roman: Haderst du auch mit Teilen deiner Vergangenheit?

Andreas: O ja. Wenn ich die Möglichkeit bekäme, Fehler in der Vergangenheit zu korrigieren, hätte ich ziemlich viel zu tun. Ich bin da sehr kritisch und streng mit mir selbst.

Roman: Der Bestseller »Das Erwachen« spielt in absehbarer Zukunft, in der eine Maschinenintelligenz entsteht. Wie bist du zu dem Thema gekommen?

Andreas: Das Thema lag und liegt in der Luft. Es ist brandaktuell. Wie du in der Einleitung schon geschrieben hast: Stephen Hawking hat seine Warnung aus dem Jahr 2014 gerade noch einmal erneuert und gesagt, das Aufkommen von künstlicher Intelligenz könnte zum schlimmsten Ereignis in der Menschheitsgeschichte werden. Ich dachte mir vor zwei Jahren beim täglichen Laufen: Was würde mit der Erde und mit uns Menschen passieren, wenn sich eine echte Maschinenintelligenz entwickelt? Und so war die Idee für »Das Erwachen« geboren.

Roman: Hast du dich vorher schon mit dem Thema beschäftigt … bist du ein Technikfreak?

Andreas: Computer haben mich schon immer fasziniert, seit Anfang/Mitte der 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Damals legte ich mir einen der ersten PCs zu, die es zu kaufen gab, einen Sirius 1, noch vor dem legendären IBM PC, mit zwei 5 ¼ Zoll großen Diskettenlaufwerken, ohne Festplatte und mit einem Arbeitsspeicher von 64 Kilobyte. Ja, Kilobyte. Fast zwanzigtausend D-Mark kostete das Ding damals zusammen mit einem Typenraddrucker von Diablo. Ich habe 35 Jahre Computerentwicklung miterlebt. Die in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten erzielten Fortschritte sind enorm, und in den kommenden 35 Jahren werden sie noch viel größer sein. Wir stehen, davon bin ich überzeugt, tatsächlich auf der Schwelle eines neuen Zeitalters. Darauf habe ich im Nachwort von »Das Erwachen« noch einmal hingewiesen. Wir stecken mitten in einer technischen Revolution, die unser aller Leben verändern wird.

Roman: Und wie bist du zu dem Helden Axel Krohn gekommen?

Andreas: Axel Krohn, einer der Protagonisten von »Das Erwachen«, fiel mir fast zeitgleich mit dem Roman selbst ein und gewann schnell an Konturen, als ich über die zu schreibende Geschichte nachdachte. Ich brauchte natürlich jemanden, der sich mit Computern und Computernetzen auskennt, und ich wollte dieser Figur eine bewegte Vergangenheit geben, die sich auch auf ihre Gegenwart und die Entwicklung des Romans auswirkt. So kam eins zum anderen.

Roman: Nach dem Erwachen der Maschinenintelligenz bleibt der Menschheit nicht mehr viel Zeit, um sich zu retten. Gib uns eine Kurzzusammenfassung der Situation.

Andreas: Wenn eine Maschinenintelligenz entsteht, wird sie innerhalb kürzester Zeit das gesamte Wissen der Menschheit aufnehmen, so wie es in zahlreichen Datenbanken überall auf der Welt gespeichert ist. Sie wird sich selbst optimieren, und dadurch kommt es zu einem Take-off, einer Intelligenzexplosion, die dazu führt, dass sie uns weit, weit überlegen ist. Wenn das geschieht, ist der sprichwörtliche Geist aus der Flasche, und kein noch so schlauer Trick wird ihn dorthin zurückbringen.

Roman: Warum sollte man »Das Erwachen« gelesen haben?

Andreas: Weil sich der Roman um ein Thema dreht, das uns alle angeht. Und weil er interessant und spannend ist, hoffe ich. J

Roman: Dem stimme ich zu. Das Erwachen ist ein toller Roman, der mich unterhalten hat und nachdenklich zurückgelassen hat. Die Frage ist wirklich, wie rasch uns diese Intelligenz von dem Planeten fegen wird. Hm.
Interessant fand ich auch das Nachwort, mit dem du »Das Erwachen« versehen hast. Was war der Grund?
Und auch gleich zwei Zusatzfragen: Brennt dir dieses Thema am Herz? Wie ist das mit den anderen Themen?

Andreas: Ich habe das Nachwort geschrieben, weil mir der Roman auch ein Anliegen war. Die Künstliche Intelligenz könnte tatsächlich, wie es Stephen Hawking kürzlich ausgedrückt hat, zum schlimmsten Ereignis in der Geschichte der menschlichen Zivilisation werden. KI bietet ungeheuer viele Möglichkeiten, wir könnten mit ihr viele Probleme unserer Welt lösen. Aber sie ist auch enorm gefährlich.
Zusätzlich interessiert mich der Mensch, seine Träume und Hoffnungen, seine Sehnsüchte und Konflikte. Mich interessiert, was den Menschen berührt, sein Herz und seine Seele, was ihn verzweifeln und glücklich sein lässt. Darum geht es mir immer, um den Menschen, auch wenn ich über Aliens schreibe. 🙂

Roman: Dein nächstes SF-Buch »Die Tiefe der Zeit« (https://www.piper.de/buecher/die-tiefe-der-zeit-isbn-978-3-492-70427-4) ist ja bereits angekündigt. Es entführt uns in eine ferne Zeit, in der die Menschheit mit einer außerirdischen Macht Krieg führt. Der ehemalige Soldat Jarl, dem Verrat und Mord gelegt wird, ist auf der Suche nach dem mythischen Ursprungsplaneten, der Erde. Dort sollen mächtige Waffen lagern, die den Krieg beenden soll, um endlich Frieden zu bringen. Doch er weiß nicht, dass er ein Werkzeug in einem größeren Plan ist …

So weit zur Ankündigung. Erzähl uns mehr von dem Buch, das im März 2018 erscheinen wird. Ich denke da an den Helden …

Andreas: Gerade über den Helden werde ich nichts verraten. J
Lasst euch von dem Buch überraschen – ich verspreche dem Leser eine waschechte Space Opera mit allem Drum und Dran. Das Umschlagbild, mit Vorder- und Rückseite, zeigt übrigens eine tatsächliche Szene aus dem Roman. Arndt Drechsler hat es nach einem von mir zur Verfügung gestellten Text gestaltet. So, und mehr zu dem Roman lasse ich nicht aus mir herausquetschen.

Roman: Spielverderber J . Sag uns wenigstens, warum man dieses Buch gelesen haben sollte?

Andreas: Weil es ein farbenprächtiges Science-Fiction-Abenteuer ist, dessen Handlung sich über Zeit und Raum erstreckt und mit vielen Überraschungen aufwartet. Ein Buch für die ganz große Leinwand und mit 8K-Auflösung.

Roman: Danke für deine Zeit und die ausführlichen Antworten.

Andreas: Ich danke für die interessanten Fragen.