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»Die Tiefe der Zeit« – Ein Interview mit Andreas Brandhorst

Am 1. März 2018 erscheint »Die Tiefe der Zeit«, das neue Buch von Bestsellerautor Andreas Brandhorst. Aus diesem Anlass führte Roman Schleifer ein Interview mit dem sympathischen Deutschen.

Roman Schleifer (RS): Andreas, nach deinem Bestseller »Das Erwachen«, in dem das Erwachen einer Maschinenintelligenz auf der Erde der Gegenwart im Mittelpunkt steht, widmest du dich in deinem neuen Buch »Die Tiefe der Zeit« wieder einer entfernten Zukunft.

Der Klappentext liest sich schon mal interessant.
»Seit vielen Tausend Jahren führt die Menschheit Krieg gegen die geheimnisvollen Crul. Und seit ebenso langer Zeit erzählt man sich Geschichten von der Hauptstreitmacht des Feindes, die seit Ewigkeiten durch die Weiten des interstellaren Raums unterwegs ist, um eines Tages die Kernwelten der menschlichen Zivilisation zu vernichten. Der ehemalige Soldat Jarl, dem man Verrat und Mord zur Last legt, ist auf der Flucht vor den eigenen Verbündeten. Als Gejagter muss er die legendäre Erde finden, jenen mythischen Ursprungsplaneten der Menschen. Denn dort soll die größte aller Waffen lagern, eine Waffe, die den Krieg beenden und Frieden bringen kann. Jarls Suche führt ihn durch die Tiefe der Zeit. Doch er ahnt nicht, dass er nur ein Werkzeug in einem viel größeren Plan ist …«

In all deinen SF-Romanen ist die Menschheit fast verschwunden, leben nur mehr wenige von uns und/oder befinden sich im Krieg mit einer außerirdischen Macht. Siehst du so schwarz für uns in der Zukunft im All?

Andreas Brandhorst (AB): Es ist nicht in allen meinen Romanen so, aber doch in einigen, da hast du recht. Vielleicht liegt es daran, dass ich das dramatische Setting mag, die besondere Atmosphäre einer solchen Situation. Es ist gelegentlich das große Bühnenbild, der Hintergrund für die Handlung. Interessanterweise ist die Menschheit in »Die Tiefe der Zeit« nicht auf einen kleinen Rest reduziert. Ganz im Gegenteil, sie ist, sieht man die Sache aus einem gewissen Blickwinkel, die dominante Spezies in der Milchstraße. Aber es wird auch schnell klar: Die Menschen sind nicht unbedingt die Guten. Sie haben das Trauma eines Fast-Untergangs hinter sich und daraus die Lehre gezogen, dass keine fremde Spezies jemals die Chance erhalten darf, zu einem ernsthaften Rivalen auf der galaktischen Bühne zu werden. »Vereint sind wir stark, geteilt sind wir schwach, und die Schwachen sterben.« So lautet nicht umsonst das Motto des Pakts der Menschenwelten.

Roman: Denkst du, dass die Erde wirklich einmal nur mehr eine Art Mythos sein wird?

Andreas: Auch hier gefällt mir das Setting, die Atmosphäre, wie bei E.C. Tubbs Earl-Dumarest-Reihe: die Erde vergessen, oder fast, ein Mythos, vielleicht nicht mehr als eine Legende. Aber in »Die Tiefe der Zeit« ist dieser Mythos nicht nur Hintergrund, Kulisse, sondern ein zentraler Punkt der Handlung. Es gibt einen ganz bestimmten Grund, warum die Erde in Vergessenheit geriet …

Roman: Kommen wir zu Jarl, dem Held in »Die Tiefe der Zeit«. Er ist ein Ex-Soldat, dem man Verrat und Mord vorwirft. Zu recht oder zu Unrecht?

Andreas: Wahrheit und Lüge liegen auch in diesem Roman dicht beieinander und lassen sich manchmal zunächst kaum voneinander unterscheiden. Jarl ist als Soldat geboren, wobei ich erklärend hinzufügen muss: Die Menschen in »Die Tiefe der Zeit« sind eine polymorphe Spezies, die Gene bestimmen ihren Platz in der Gesellschaft. In Jarls Adern fließt gelbes Blut, das Blut von Soldaten, aber er fühlt schon bald, dass er kein Soldat sein will. Ihm liegt nichts daran, sein ganzes Leben lang zu zerstören und zu töten. Er erfährt von der legendären Erde und einer Waffe, die es dort geben soll, angeblich die größte und mächtigste aller Waffen, so groß und mächtig, dass sie den ewigen Krieg beenden und Frieden bringen kann. Daraufhin macht er sich auf die Suche, um der Galaxis, den Menschen und auch sich selbst Frieden zu bringen.

Roman: Was hat Jarl für Fähigkeiten?

Andreas: Obwohl er das gelbe Blut eines Soldaten hat, ist er doch jemand, der in einer Welt des Krieges und Konflikte Frieden sucht. Schnell wird ihm klar: Um zu überleben, muss er die Erde und die mächtigste aller Waffen finden, die dort angeblich auf ihn wartet. Seine besonderen Fähigkeiten heißen Ausdauer, Überlebenswille und Entschlossenheit. Und er bekommt Hilfe von unerwarteter Seite.

Roman: Jarl ist nur ein Werkzeug in einem größeren Plan … bereits in der »Kantaki«- und der »Feuervögel«-Trilogie (beide von Piper-Verlag neu aufgelegt und absolut lesenswert), spielt eine höhere Macht mit. Was fasziniert dich an dem Gedanken, dass die Helden oft nur Marionetten sind?

Andreas: Ich würde eher von einem Mosaikstein in einem größeren Bild sprechen, oder von einem kleinen Stück, von dem man noch nicht weiß, wo es ins große Puzzle passt. Ich mag diese Art von Verschlungenheit, die auch dem Leben des Einzelnen Bedeutung gibt, selbst in einem galaktischen, kosmischen Maßstab. Jarl ist tatsächlich Teil eines größeren Plans, was aber nicht bedeutet, dass sein Leben fest vorherbestimmt ist. Dieser Punkt liegt mir sehr am Herzen: Jarl zeigt, dass man immer entscheiden kann. Diese Freiheit steht jedem von uns offen, und das bedeutet auch: Niemand von uns kann der damit einhergehenden Verantwortung entkommen.

Roman: Empfindest du das in der Realität auch so?

Andreas: Die Freiheit und Verantwortung der eigenen Entscheidung? Ja, unbedingt. Ich habe mehrmals in meinem Leben ganz bewusst auf der Grundlage dieser Erkenntnis gehandelt. In jedem von uns fließt symbolisches »gelbes Blut« – oder violettes, wie im Fall von Prizilla, einer weiteren wichtigen Figur in »Die Tiefe der Zeit«. Wenn man das weiß, kann man in bestimmten Situationen über sich selbst hinauswachsen, sein Schicksal gewissermaßen selbst in die Hand nehmen.

Roman: Gib uns mehr Infos als den Klappentext. Was erwartet uns in »Die Tiefe der Zeit«?/ Warum sollte man »Die Tiefe der Zeit« gelesen haben?

Andreas: Hier exklusiv vor Veröffentlichung der Text auf der Innenseite.
»Evolution – nur der Stärkere überlebt. Als die Menschen ins All aufbrachen, trafen sie auf einen Gegner, der sie fast ausgerottet hätte. Dieser Konflikt hinterließ ein tief verwurzeltes Trauma. Nicht umsonst heißt das Motto des Pakts aller Menschenwelten: »Vereint sind wir stark, geteilt sind wir schwach, und die Schwachen sterben.« Wo die Menschen in der Milchstraße auf intelligentes Leben stoßen, sorgen sie mit Manipulationen und militärischem Eingreifen dafür, dass sich nie Rivalen entwickeln können. Doch dann treffen sie auf die Crul, einen erbarmungslosen wie geheimnisvollen Gegner, der alle ihre Befürchtungen wahr werden lässt. Denn die Crul reisen seit Jahrtausenden durch das All und verfolgen eine ganz besondere Mission. Es liegt ausgerechnet an Jarl, einem abtrünnigen Soldaten, einen Weg zu finden, gegen die Crul zu bestehen. Doch dazu muss er zuerst das Unmögliche schaffen: den legendären Heimatplaneten der Menschheit wiederfinden …«

»Die Tiefe der Zeit« präsentiert ein ganz neues Universum. Warum man den Roman lesen sollte? Weil er ein farbenprächtiges kosmisches Abenteuer in mindestens 8K-Auflösung ist, das für den Leser garantiert die eine oder andere Überraschung bereithält …

Roman: Klingt spannend. Ich freue mich auf das Buch. Danke für deine Zeit.

Andreas: Ich danke dir und wünsche allen Lesern viel Spaß mit »Die Tiefe der Zeit«.