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Dunkelwelten-Trilogie Band 1 »Schwarze Saat« – Das Interview mit Michael Marcus Thurner

Michael Marcus Thurner stellt sich den Fragen von Roman Schleifer. Unter anderem verrät er, welches Ziel er bei dem Roman verfolgt hat und warum Homer G. Adams im Buch vorkommt.

Michael, das Konzept zur Dunkelwelten-Trilogie stammt von Robert Corvus, wurde von dir gemeinsam mit ihm überarbeitet, bevor Klaus N. Frick wiederum bei Teilbereichen Änderungen eingefordert hat. Jetzt kenne ich dich eher als Freigeist. Wie froh bist du dennoch über Korrekturen vonseiten der Reaktion?

Bei diesem Projekt war viel »work in progress« mit dabei, ich habe bei den einzelnen Handlungssträngen immer wieder die Stoßrichtung geändert. Da war ich schon froh, dass Klaus – vor allem in der ersten Hälfte des Manuskripts – korrigierend eingegriffen hat.

Wie viel Freiraum hattest du bei Band 1 »Schwarze Saat« dann wirklich?

Viel.

Du hast drei Monate an dem Band gearbeitet. Wie behält man da die Übersicht?

Puha. Es war halt zum Ende hin viel Arbeit, um die Handlungsfäden zusammenzuführen.

»Schwarze Saat« verwebt wirtschaftliche Verhandlungen, ethnische Konflikte und einen alten Mythos mit einander. Mitten darin Perry Rhodan, der um sein Leben und das seiner Gefährten kämpft und das Geheimnis des Mythos auflösen will. Gehört der Bezug zur Vergangenheit zu einem guten RHODAN-Roman? Ist er unabdingbar?

Nein, natürlich nicht.
Mein großes Ziel war, zwei Völkern jenen Raum zu geben, den sie meiner Meinung nach verdienen und den sie in der Erstauflage nicht so richtig bekommen haben. In den Heftromanen spricht das strikt genormte Format gegen ausführliche Charakterisierungen.

Du hast Homer G. Adams als einer der Helden gewählt, eine Figur, die eigentlich nur im Cantaro-Zyklus als Chef der WIDDER temporär im Mittelpunkt stand. War er als Figur vorgegeben oder hast du ihn ausgewählt? Was war der Grund, dass du ihn ausgewählt hast?

Adams war meine Idee. Du sprichst es eh an: Ich wollte diese Figur wieder mal in Erinnerung rufen. Dass er in Andreas Eschbachs Roman »Perry Rhodan – das größte Abenteuer« ebenfalls eine Rolle spielen würde, wusste ich übrigens nicht.

Denkst du, dass man auf Adams als Figur in der EA verzichten könnte, da Er ja ohnehin fast nie vorkommt? (Gut, in der Erstauflage hält er auf Terra derzeit die Stellung, wo immer es auch sein mag, aber eigentlich Kam er in der Vergangenheit noch seltener als Julian vor?)

Für mich ist Adams eine völlig unterschätzte Figur, die noch lange nicht auserzählt ist. Deshalb hätte ich sie gerne weiter in der Handlung. So klein Adams‘ Rolle auch sein mag – irgendwann wird sich wieder ein Autor seiner annehmen und mehr über ihn verraten.

Adams sagt zu Perry, dass er zwar ein unverbesserlicher Optimist, aber kein Messias ist. Wieso glaubt Adams, dass Perry sich als Messias sieht?

Ach, das war ja bloß im Rahmen einer Unterhaltung unter uralten Freunden dahingesagt, wenn ich mich recht erinnere. Ich würde nicht allzu viel drauf geben, was da einer zum anderen spricht.

 

MMT am Austria Con 2016 copyright Martin Steiner

Es gibt eine Szene, die durch den Anstich beim Oktoberfest inspiriert worden sein könnte, in der Perry Rhodan nicht gut wegkommt. Gib’s zu, es hat dir eine diebische Freude bereitet, Rhodan bei einer »alltäglichen« Situation scheitern zu lassen.

Es ist doch so: Perry ist eine erhöhte Figur, mit der man sich schwer identifizieren kann. Rhodan hat meist das große Ganze im Auge. Da hilft es, ihm durch die eine oder andere Schwäche ein wenig mehr Bodenhaftung zu geben. Das macht ihn greifbarer, geerdeter, sympathischer.

Wie ernst nimmt sich deiner Meinung nach Perry Rhodan selbst?

In seiner Rolle als der Vertreter der Menschheit nimmt er sich total ernst. Der private Rhodan ist ein ganz anderer Mensch.

Denkst du, könnte RHODAN mehr Humor vertragen?

Aus redaktioneller Sicht ganz gewiss nicht. Humor kann schrecklich schiefgehen. Ein einziger schlechter Witz (man denke an den Ennox-Scherz) kann einen ganzen Roman zerstören. Aus Sicht des Autors freu ich mich natürlich, wenn ich da und dort ein Scherzchen einstreuen kann. Wenn’s nicht passt, bekomm ich eh von Rastatt eine auf den Deckel.

Du konntest dich bei den Anuupi austoben, da in der Erstauflage nicht allzu viele Details über sie beschrieben wurde. Dieser Freiraum gefällt dir besser als ein enges Korsett. Was steckt dahinter?

Warum ich meinen Freiraum brauche? – Ich tu mir halt beim Schreiben leichter, wenn ich möglichst viel selbst erfinden kann. Ich mag offene schriftstellerische Räume, die ich dann anfüllen kann. Kollegen im Team brauchen mehr Sicherheit und Richtlinien. Menschen und Autoren sind nun mal unterschiedlich.

Du schilderst den Dialog zwischen zwei Onryonen, bei dem sie an den Terranern kein gutes Haar lassen, sie als Mördergesindel bezeichnen und rassistische Kommentar über die Terraner von sich geben. Überhaupt beschäftigt sich der Roman mit dem Thema Migration, ein Thema, das in Der Realität seit ein paar Jahren präsent ist. Hast du es mit dem Buch zu verarbeiten versucht?

»Verarbeiten« wäre zu viel gesagt. Hier hab ich bloß mal den Blickwinkel verändert. Und ich habe die eine oder andere sanfte Kritik untergebracht, die halt meine Meinung widerspiegelt.

Rhodan ist in deinem Band über genetische Optimierung entsetzt. In Band 2 von Robert Corvus »Schwarze Frucht« wird er dafür von einer Figur als Reaktionär beschimpft, der den Fortschritt aufhalten will. Hemmt Rhodan durch die Moralvorstellungen aus dem 20. Jahrhundert den Fortschritt? Hat er sich moralisch nach 3500 Jahren nicht weiterentwickelt? Und wie ist deine Meinung zum Thema genetische Optimierung?

Sie wird kommen. In Formen, die wir uns jetzt noch nicht so richtig vorstellen können. Der Mensch verschiebt stets seine Grenzen, so weit es die jeweiligen Möglichkeiten erlauben. Und »Optimierung« ist sowieso ein großes Thema unserer Zeit. Wenn ich bloß an all diese Zombies denke, die sich die ärgsten Schönheitsoperationen angedeihen lassen …
Ich bin zu alt, um das Zeitalter der genetischen Verbesserung noch mitzuerleben. Und da bin ich froh drüber. Ich wollte in dieser Welt nicht mehr leben. Was das fiktive Perryversum betrifft: Da bin ich voll auf Rhodans Seite.

Robert Corvus hat eine Leserunde zu seinem Roman gemacht. Was war der Grund, dass du keine gemacht hast?

Ich ziehe mich ein Stück weit aus dem Online-Leben zurück. Es schadet mir enorm.

Die Rezensionen sind überwiegend positiv. Googelst du nach ihnen? Wie sehr freust du ich über positive Reaktionen?

Ja, ich bekomme mit, dass der Roman gefällt. Kritische Stimmen sind natürlich auch wichtig für mich. Sie helfen mir, die Bodenhaftung zu wahren.

Ein Leser im GalFor hat über Band 1 geschrieben, dass Rhodan wie eine Art Indiana Jones agiert. Wie siehst du das? Ist Perry eine Art Indiana Jones in Band 1?

Finde ich nicht. Seine Situation zwingt ihn zum aktiven Handeln. Das ist ja eine von Rhodans Stärken: in den unterschiedlichsten Situationen bestehen zu können.

Was trägt den Roman? Die ausführliche Schilderung der Welt oder die Figuren?

In diesem Roman kann man das Eine nicht vom Anderen trennen, finde ich.

Eine Anspielung des Fans des Fußballklubs »Rapid Wien« auf den Stadtrivalen »Austria Wien« habe ich entdeckt. »Der Onyrone roch sonderbar, nach einer Mischung aus Pferdedung und Veilchen.« (Anmerkung: Austria Wien hat als Klubfarbe violett und daher werden die Spieler auch nach der Blume »Veilchen« genannt). Welche Anspielungen verstecken sich noch?

Du, ich weiß es wirklich nicht. Das mit den Austrianern hab ich schon längst wieder vergessen gehabt. Ich arbeite ja nicht auf irgendeinen Schmäh oder einen gesellschaftskritischen Satz hin. Das passiert fließend während der Schreibarbeit.

Michael, danke für deine Zeit.

Hintergrundinfo gibt es auf:
https://mmthurner.wordpress.com/2019/05/12/ein-paar-worte-zu-dunkelwelten-schwarze-saat/

Homepage des Autors: http://mmthurner.wordpress.com

Hier gehts zum ebook:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9783845351001/dunkelwelten-1-schwarze-saat-von-michael-marcus-thurner-e-book-epub

Und hier zum Buch:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9783404209422/perry-rhodan-schwarze-saat-von-michael-marcus-thurner-kartoniertes-buch

 

Fragen an Michael Marcus Thurner zu Band 3016

In Band 3016 von Michael Marcus Thurner trifft Perry Rhodan auf seinen alten Weggefährten Icho Tolot. Michael erzählt im Interview,  von einem der typischen RHODAN-Problemen und wie eines der tiefgreifendsten Problemen der Jetzt-Zeit in seinen Roman eingeflossen ist.

 

Nachdem in den Heften 3013-3015 Perry Rhodan seinen ältesten Kumpel Reginald Bull wieder vertraut hat, säst du zu Beginn erneut Zweifel. Übertreibt ihr da nicht etwas?

Nun, ich denke, diese Zweifel sind durchaus berechtigt. Ich mag dieses Spiel mit den Unsicherheiten.

Bully gesteht, dass er auf Perry wütend war, weil er sich vor 500 Jahren im Stich gelassen fühlte.
Äh … Perry ist ja ausgezogen, um den Weltenbrand zu beenden und Bully musste doch annehmen, dass Perry samt der Besatzung der RAS TSCHUBAI bei dieser Rettungsmission gestorben ist. Wie kann er da denken, dass Perry ihn im Stich gelassen hat?

Antwort 1:  Man kann sich sehr wohl im Stich gelassen fühlen, bloß, weil jemand nicht da ist. Das mag ungerecht sein und ein rein subjektives Gefühl – aber so ist es nun mal.

Antwort 2:  Was weiß Bully denn eigentlich noch? Sind seine Erinnerungen real? Weißt Du nach 30 Jahren, aus welchem Grund Du Dich dazumals mit Deiner großen Liebe zerstritten hattest, kannst Du diesen Erinnerungen denn auch trauen?
In der heutigen Medienlandschaft wird mehr denn je bewiesen, was die Realität wert ist: nämlich gar nix. Objektive Informationen werden von Spin-Doktoren so umgedeutet, wie sie gerade gebraucht werden.
Wir befinden uns im Perryversum in einer Zeit, in der Daten sowie Nachrichten galaxisweit und nachhaltig zerstört wurden. Was sind da die Erinnerungen eines Menschen denn noch wert?

In 3014 erfahren wir, dass Perry schnarcht, in 3016 beschwert sich Bully, dass Perry wie immer unpünktlich ist. Wird das der Zyklus der großen Enthüllungen?

Grad diese kleinen Dinge machen eine Persönlichkeit interessant. Ein idealisierter Rhodan, völlig frei von Makel, der wäre schrecklich langweilig.

Ich war erstaunt, dass Bully Schnupfen hat. Schnupfenviren müssten für seinen ZAC doch kein Problem sein?

Da hast du offenbar was falsch verstanden. Bully ist wegen des Wiedersehens von Perry, Tolot und ihm gerührt und hat feuchte Augen sowie eine rinnende Nase. Um das in seiner brummeligen Art nicht zugeben zu müssen, redet er sich auf einen Schnupfen aus. Jeder der drei Beteiligten weiß natürlich, dass eine Erkrankung unmöglich ist.

In seiner Parlamentsrede verspricht Perry, dass alle Terraner eines Tages wieder auf ihren Heimatplaneten zurückkehren werden.
Bis auf die Unsterblichen ist keiner der Lebenden auf Terra geboren. Zusätzlich gibt es diese sechsdimensionale Strahlung, die mehr oder weniger verhindert, dass man an Terra überhaupt denkt. Wie groß ist das Interesse dieser »Terraner« auf einen ihnen fremden Planeten »zurückzukehren«?

Ich denke mir, dass dieses Interesse von allen Entscheidungsträgern auf Rudyn hochgehalten wird. Ich möchte nicht von Hurra-Patriotismus sprechen, aber die Erinnerung auf die Ur-Heimat wird sicherlich hochgehalten werden.


Michael Marcus Thurner am Austria Con 2016
Copyright. Martin Steiner

Zitat Icho Tolot. »Manche von uns sind der Meinung, dass es ein Segen für die Milchstraße wäre, wenn wir ausstürben.«
Seit du damals Ronald Tekener ermordest hast, bin ich bei deinen Romanen immer vorsichtig, ob auch alle meine Lieblingsfiguren überleben. Das ist jetzt nicht euer ernst, dass ihr vielleicht die Haluter austilgt.

Es gibt bekannterweise die fünf Säulenheiligen in der Serie: Perry Rhodan, Reginald Bull, Gucky, Icho Tolot, Atlan. Denen darf nix geschehen.
Sagt die Redaktion. Ich bin anderer Meinung. 

Zitat Perry Rhodan. »Wo immer ich hinkomme, sterben Wesen.«
Ich finde das Wort »Wesen« sehr unpersönlich. Braucht er bei all den Toten diesen Abstand, um nicht in Schuldgefühlen zu ertränken?

Nein, das ist eines dieser typischen PERRY-Probleme beim Schreiben. Das mit den Begrifflichkeiten ist manchmal recht kompliziert. Sag ich »Terraner« oder »Menschen«, ist es falsch bzw. einschränkend. Sag ich »Geschöpfe«, klingt es total abgehoben. Ich bin mit »Wesen« auch nicht zufrieden, aber es trifft den Kern der Sache wohl noch am besten.

Thosen Musay, der tragische Held der Story ist auf der Suche nach der Ahnenhaube, einer Art Wikipedia auf Familienbasis. Wäre das etwas für dich? Würdest du gern wissen, was deine Vorfahren gedacht haben?

Es wäre natürlich interessant. Ich beschäftige mich grad ein bißl mit Genealogie. Da kommt eine Sammlung von alten Informationen zusammen (die vermutlich nicht ganz korrekt ist). Sie zeichnet ein bestimmtes Bild von der Vergangenheit, sagt aber nix über die Menschen selbst aus, die früher gelebt haben.

Eben dieser Musay ist sich während des ganzen Romans unsicher, was Realität ist und was nicht. Wenn man sich auf der Welt so umsieht, geht es dir da manchmal auch so?

Ich hab es weiter oben eh schon gesagt: Es ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit und wird uns in Zukunft in noch viel tiefgreifender Form beschäftigen, als es heute schon der Fall ist. Die Manipulationen von Nachrichten sind erschreckend weitreichend und sorgen für Unsicherheiten in bisher ungekanntem Ausmaß. Unsichere Menschen sind offen für alle möglichen »alternative facts«. Weil die Wahrheit manchmal einfach nur langweilig ist und wir lieber eine gute, spannende Geschichte schätzen, die uns von Verschwörungstheoretikern, Predigern, Politikern etc. frei Haus geliefert wird. 

Am Ende taucht ein neuer Bösewicht auf, den ich noch nicht zuordnen kann. Wann erfahren wir mehr von ihm? Und gehört er zu einer neuen, dem Leser bislang noch unbekannten Macht?

Du meinst Saessbekker? – Nun, lass Dich überrraschen. 

In Band 3004 stammte ein witziger Dialog vom Lektor. Was hat der Lektor diesmal hinein lektoriert? 

Ich lese mir die lektorierten Romane nur dann durch, wenn die Zeit dazu da ist. In letzter Zeit war das eher selten der Fall. Ich weiß es also nicht. 

In deinem Blog hast du Hintergrundgedanken zum Roman, unter anderem auch zum Titelbild von Dirk Schulz, das du als große Kunst bezeichnet hast. Wann wäre für dich einer deiner Romane große Kunst?

Darüber zerbreche ich mir wirklich nicht den Kopf. Ich kann die Werke anderer Künstler beurteilen und sagen, was mir gefällt und was mich besonders anspricht. Aber das, was ich selbst schreib, das sollen andere Leute beurteilen und einschätzen

Danke für deine Zeit.

Homepage Michael Marcus Thurner: http://www.mmthurner.at/

 

 

 

 

Das Doppelleben von Michael Marcus Thurner

Michael, nächtens tauchst du als PERRY RHODAN-Autor ins 6. Jahrtausend ein, doch am Tag kann man dich jetzt gegen Bezahlung mieten. Neben Schreibcamps mit Co-Referenten, die schon einige Profi-Autoren hervorgebracht haben, ist dein neuestes Steckenpferd das »Lektorat«.

Beginnen wir aber mit den Schreibcamps – wann ist das nächste und wer ist diesmal dein Co-Referent.

Das nächste Schreibcamp findet bereits Ende April in Wiener Neustadt/Ö statt (29. April – 4. Mai), Star-Referent ist bereits zum zweiten Mal der Spiegel-Bestseller-Autor Andreas Gruber.  

Wie muss ich mir die Schreibcamps vorstellen? Wie laufen sie ab?

Sie sind stressig, nervenzerrüttend und machen dennoch viel Spaß. Sofern ich den Aussagen meiner bisherigen Teilnehmer trauen darf.

Zu Beginn steht die Analyse der eingereichten Texte. Jeder Teilnehmer musste eine mehrseitige Leseprobe einreichen, die wir gründlich und in der großen Runde durcharbeiten. Gründlich bedeutet: Mehr als drei bis vier Texte können an einem Arbeitstag nicht begutachtet werden.

An den Tagen darauf gibt es meist Übungen, um die Schreibsinne der Autoren zu schärfen und mit ihnen an jenen Problemzonen zu arbeiten, die Andreas und mir im Reader besonders aufgefallen sind. Sprich: Kein Schreibcamp ist wie das andere, es werden immer andere Schwerpunkte gesetzt.

Welches Thema gibt es diesmal? 

Keines im Speziellen. Allerdings ist dieses Frühjahrs-Schreibcamp für erfahrene Autoren ausgeschrieben. Da geht es viel mehr ins Detail als bei unerfahrenen Autoren, einige Kenntnisse setzen wir daher voraus. Und Andreas wird vermutlich viel über seine Erfahrungen mit Verlagen, mit der Expo-Arbeit etc. reden. Unsere »Schüler« werden also mit dem konfrontiert, was sie bei der Suche nach einem Agenten oder einem Verlag erwartet. 

Hat jedes Schreibcamp ein anderes Thema?

Eigentlich ja. Es gab bereits Schwerpunkte zu den Themen Action, Dialoge, Perspektive, Handlungsaufbau etc. Man glaubt gar nicht, wie vielfältig die Arbeit als Autor eigentlich ist. Vielleicht trifft es der Vergleich mit einem Sportler, der unendlich viele Dinge beachten muss, um seine maximale Leistung innerhalb kurzer Zeit zu erbringen. Darauf trainiert er jahrelang hin. Schreiben als Beruf bedeutet enorm viel Geduld, Ausdauer und Training.

Sind beim nächsten noch Plätze frei?

Für Schnellentschlossene – ja. Ein Mail an scrapid@gmx.at reicht. Auf meiner Homepage www.mmthurner.at kann man sich vorab über die Schreibcamps informieren.

Welcher Co-Referenten wäre dein absoluter Wunschtraum?

Neil Gaiman wär nicht schlecht … Stephen King würde ich auch nehmen.

Du hast ja einige Dark-Fantasy-Bücher veröffentlicht. Was tut sich auf diesem Sektor bei dir?

Leider nicht viel. Dark Fantasy ist halt eine Nische innerhalb einer Nische. Aus kaufmännischer Sicht bedeutet es für jeden Verlag ein Risiko, mich mit meinen eher düsteren Themen mit einem Vertrag auszustatten.

Ich hätte früher mal die Gelegenheit gehabt, Liebesromane mit Vampiren und  High Fantasy über Helden mit hehrem Ansinnen zu schreiben. Das ist alles legitim und ich will das keinesfalls schlecht reden – aber ich hab halt persönlich einen anderen Zugang zur Fantasy. Das fällt mir leider auf den Kopf.

Welche Projekte hast du von RHODAN noch außer Schreibcamps und Lektorat?

Viele. Manche von ihnen sind reine Spintisierereien, manche werden auch mal was, im Kleinen wie im Großen. Routinearbeiten machen mich unruhig, ich suche die Abwechslung. Ich hoffe, heuer oder nächstes Jahr im Bereich Selfpublishing eine Erzählung anbieten zu können, die mir persönlich sehr am Herzen liegt.

Kommen wir zum Lektorat – wie ist dieses dritte Standbein entstanden?

Im Prinzip war es der Hinweis eines guten Freundes, der mich fragte, warum ich das nicht auch anbiete. Die Analyse von eingereichten Schreibproben bei meinen Schreibcamps gehe ja in eine sehr ähnliche Richtung. Dieser gute Freund hatte recht.

Wie ist der Ablauf?

Ich finde mich grad in die professionellen Abläufe ein und muss feststellen, dass auch hier die individuelle Betreuung ganz, ganz wichtig ist. Schablonenhafte Bearbeitung von Texten ist nicht das, was ich als Vision vor Augen habe. Ich muss wissen, wie mein »Kunde« tickt, was er braucht, was er mit seinem Manuskript vor hat.

Ich mache auf Wunsch ein Probelektorat über einige Seiten und sage ihm, was er von mir erwarten kann und wie mein preislicher Gestaltungsspielraum ist. Mag sein, dass es darum geht, ein bereits fertiges Buch durchzuarbeiten. Oder darum, ein Plotgutachten abzuliefern. Oder darum eine 50seitige Leseprobe so intensiv zu überarbeiten, dass der Kunde daraus seine Lehren ziehen und sie auf den Rest des Manuskripts übertragen kann. Oder darum, die Problemzonen in einem Text zu lokalisieren und mit meinem Gegenüber nach Lösungen zu suchen …

Wie gesagt: Ich möchte jedermann das geben, was er braucht. 

Gibt es bei deinem Lektorat Genrebegrenzungen?

Nein, die sehe ich eigentlich nicht. Ich hab mich selbst schon in so ziemlich jedem Genre herumgetrieben. Und bei den Schreibcamps gibt’s sowieso alles.

Mir fällt grad auf, dass ich es noch nie mit einem Western-Autor zu tun hatte. Darüber würde ich mich mal freuen!

Wer ist deine Zielgruppe?

Jedermann zwischen 18 und 108. Schreiben ist doch so was Schönes und im Leben von so vielen Leuten unendlich wichtig. Das klingt so fürchterlich abgedroschen, ich weiß – aber ich hab nun mal Spaß dran, in die Universen anderer Menschen vorzudringen. 

Ich drück die die Daumen, dass du mit der Arbeit nicht nachkommst.

Seufz, danke. So ist es eh jetzt schon. 

Fünf Fragen (und eine Zusatzfrage) an PR-Autor Michael MArcus thurner

Auch diese Woche stellt sich PR-Autor Michael Marcus Thurner den Fragen von Roman Schleifer. Dieses Mal zu Band 3003.

Michael, dein Band 3003 ist so lang geworden, dass die LKS, der Glossar und die Rißzeichnung gestrichen werden musste. Für jene Fans, die die RZ vermissen: Erklär ihnen doch, was Osmund Solemani mit derTransregressiven Spannungsregel meint.

Das würde ich Dir ja gerne beantworten, aber Solemani hat es nicht geschafft, mir das autorengerecht zu erklären.

Was die Länge des Romans betrifft: meine Schuld. Ich hab es einfach nicht geschafft, die Handlung ausreichend zu verknappen. 

In deinem Band hat Perry Rhodan Angst davor, dass sich Bully und er entfremdet haben können. Dazu passt Hartmut Kaspers Aussage von München, dass PERRY RHODAN eine Geschichte über fünf Freunde ist. Jede dieser fünf Figuren hat seine bestimmte Rolle, aber manchmal können sich diese Rollen verschieben. Was kommt da auf Bully und Perry zu?

Ich bin ja schon ein bisschen weiter als die Leser mit dem, was ich weiß. Ich beschäftige mich grad mit diesem Thema. Jedenfalls mag ich das Spannungsfeld Bully/Rhodan sehr. Der Zeitsprung über 500 Jahre wirft da einige interessante Fragen auf. Das sind gar nicht so sehr Dinge, die die Expokraten vorgeben. Aber wie ist das, wenn einer der  beiden auf einmal fünfhundert Jahre mehr Erfahrung angesammelt hat? Wie groß ist da der Wissensvorsprung? Was hat Bully dazugelernt? Ist er jetzt der Reifere im Vergleich zu Perry – oder machen die paar Jahrhunderte angesichts der ungeheuren Lebensspanne der beiden eh nix mehr aus?

Es gibt auch noch Nebenaspekte, die nicht unmittelbar mit dem Verhältnis Perry/Bully zu tun haben, die ich aber auch für sehr interessant (und wichtig) halte: Wie klingt das Interkosmo für Perry in dieser neuen Zeit? – Sprachen entwickeln sich ja nun mal weiter. Wie ist das mit der Architektur? Mit der Weiterentwicklung von Haushaltsgeräten und Hauspositroniken? Sind Bedienungselemente in Raumschiffen  noch an derselben Stelle wie vor fünfhundert Jahren? – Der Vergleich hinkt ein wenig, aber versetz mal einen Menschen des Jahres 1519 in die Jetztzeit und unterhalte Dich mit ihm. Ihr werdet euch völlig fremd sein.

Die Serie PERRY RHODAN ist da leider ein wenig statisch. Veränderungen dieser Art können gar nicht richtig in die Serie einfließen, sonst hätten wir mit fast jedem Zyklus einen Erklärungsnotstand, was sich wieder alles weiterentwickelt hat. Aber ich halte es für wichtig, zumindest mal darüber nachzudenken und es beiläufig in den Romanen zu erwähnen. 

Ich glaube, ich habe noch nie so oft »Bauchgefühl« im Zusammenhang mit Perry Rhodan in einem Roman gelesen. Wie stark beeinflusst Perry Rhodan das Bauchgefühl im Vergleich zu seiner Erfahrung?

Rhodan besitzt natürlich immens viel Erfahrung. Dennoch ist ihm die Milchstraße ziemlich fremd geworden. Die oben angesprochenen Veränderungen, die stattgefunden haben müssen, erschweren es ihm natürlich, seine Erfahrungswerte einzusetzen. Die gefangenen Terraner in PERRY RHODAN 3003 leben darüber hinaus in einer Art Sektenumgebung. Ich glaube nicht, dass er sich da viel auf seine Erfahrungen verlassen kann. 

Ich gebe zu, dass ich dieses Bauchgefühl sehr oft im 3003er-Roman eingesetzt habe und damit womöglich nicht immer richtig gelegen bin. Das ist halt meine Interpretation von Perrys Verhalten. 

Bei dem Dialog Gag »Ich bin Pau.« – »Ich bin der Duke. Recht so?« habe ich laut aufgelacht. Wie war das bei dir, als du es geschrieben hat?

Ganz ehrlich? – Das war nicht ich, das war der Lektor. 

In 3003 reflektieren die Figuren über die Unsterblichkeit. Du wirst in vier Jahren sechzig. Wie gehst du mit dem altern um?

Ich bin übrigens froh drüber, daß es keine Zellaktivatoren gibt. Sie würden das Leben auf eine gewisse Weise entwerten. 

Es ist eigentlich so, wie ich’s befürchtet habe: Der Fünfziger war für mich überhaupt kein Problem, aber der Sechziger bringt mich ganz schön ins Grübeln. Das ist schon verdammt nah am offiziellen Pensions- bzw. Rentenalter dran. Ich spür das Alter auch allmählich in den Knochen. Mehr als vierzig Jahre Sport/Fußball einerseits und nicht immer der gesündeste Lebenswandel  andererseits hinterlassen einige Spuren. Ich werd mich damit arrangieren müssen, dass mir manche Dinge nimmer so locker von der Hand gehen wie früher. So wie jeder Mensch halt. Aber es ist halt nicht leicht.

Eine Zusatzfrage habe ich noch: Deine Kurzgeschichte zu den Dunklen Jahrhunderten »Die Leben des Blaise O’Donnell« handelt von einem der Figuren von Band 3003. Was erwartet den Leser dort? Wie ergänzt es den 3003er?

Ich hab mich riesig gefreut, als ich das Exposé von Christoph Dittert bekommen habe. Es erlaubte mir, eine der Figuren näher zu charakterisieren, die in Band 3003 ja eigentlich eine Hauptrolle spielte. Ich musste sie aus Platzgründen im Hintergrund halten, seufz.  Ich durfte also ein wenig darüber schreiben, was mit den Wesen geschah, die von den Gemeni im 2900er-Zyklus mit Zellaktivatoren bedacht worden waren.
Was macht die Unsterblichkeit aus einem Menschen? Führt sie zu Tristesse, zu Monotonie, zu einem langen Leben voller Abenteuer – oder der Ängste?
Würde jemand, der weiß, dass er nun eine doppelte oder gar dreifache Lebensfrist hat, sich zu Hause einsperren, so dass ihm nur ja kein körperlicher Schaden zugefügt werden kann?
Würde er langfristiger planen oder sind wir Menschen, genetisch bedingt, gar nicht dazu in der Lage?
Ich hatte im Kurzroman »Die Leben des Blaise O’Donnell« die Gelegenheit, drei Unsterbliche zu beschreiben. Jeder von ihnen hatte einen geringfügig anderen Zugang zu diesem Thema. Das Individuelle wollte ich in meinem Text ein wenig herausstreichen. Auch deswegen, weil bei den uns bekannten Unsterblichen eine ziemliche Einigkeit herrscht.
Perry Rhodan, Bully & Co. sehen die moralische Verpflichtung, ihr Wissen und ihre Tatkraft uneigennützig der Menschheit zur Verfügung zu stellen. Sie sind nun mal Heldenfiguren. Aber ich denke, dass in der Realität Egoismus und Individuailität eine wesentlich prominentere Rolle spielen würden – und das wollte ich in dem Kurzroman ein bissl herausarbeiten.

Michael, danke für die Antworten und deine Zeit.

Fünf Fragen an PR-Autor Michael Marcus Thurner

Die Interviewserie »Fünf Fragen an … « geht weiter mit Michael Marcus Thurner, dem Autor von Band 3002.

 

Michael, die PR-Serie hat Band 3000 erreicht – was bedeutet dieses Jubiläum für dich?

Viel Ehrfurcht vor den altvorderen Autorenkollegen und ein klein wenig Stolz, dass ich am Gesamtkunstwerk PERRY RHODAN mitarbeiten darf. 

Du hast seinerzeit Ronald Tekener gekillt – in Band 3002 hat sich der Siganese Sholotow Affatenga daran erinnert, dass er die vorgebliche Wiedererweckung Ronalds Tekeners auf Lepso untersucht hat.
Auf einer Skala von Null bis Zehn – wie diebisch freust du dich über den Hoffnungsschimmer der Leser?

Ein Hoffnungsschimmer?
Oje, das wollte ich nicht. Wirklich nicht. 🙂 

Ich lass das jetzt mal so stehen. Pralinen mit allen möglichen Geschmacksrichtungen sind in deinem Roman sehr präsent – wie hast du dafür recherchiert? Und welche wäre deine Lieblingspraline? Und welche hätte Perry Rhodan Tenga aufs Grab legen sollen?

In dem Fall war keine Recherche notwendig. Und da ich Tenga recht gut kenne, weiß ich, dass er entsetzt wäre, würde ihm jemand eine Praline aufs Grab legen. Was für eine Verschwendung!

Auf deiner Homepage (http://www.mmthurner.at) gibt es einen Bericht über deine Arbeit an Band 3002. Du schreibst, dass du dir Ladhonen ganz anders visualisiert hast, als er letztendlich auf dem Titelbild gelandet ist. Wie hast du dir Ladhonen vorgestellt?

Ich hatte kein deutliches Bild von den Ladhonen vor Augen, sondern bloß eine Art Gefühl für sie.  Und das stimmt halt nicht mit der Ladhonen-Interpretation von Arndt Drechsler überein. Das ist auch völlig normal. Arndt sieht nicht, was ich sehe – und umgekehrt.

Wie geht es in Band 3003 – Triumvirat der Ewigen weiter? Was dürfen wir erwarten?

Ernsthaft? Das soll ich Dir jetzt verraten? 
3002/3003 bilden ja keinen Doppelband im klassischen Sinne. Anders gesagt: Ich durfte zwei Einzelromane hintereinander schreiben. Also geht es in 3003 an einem ganz anderen Schauplatz mit einer ganz anderen Dramaturgie weiter. Es geht in dieser frühen Phase des Zyklus ja auch darum, die Milchstraße neu zu »erklären«. Stammleser und Neuleser sollen das Perryversum, seine geänderten Bedingungen, seine neuen Figuren fühlen und begreifen. Und natürlich geht es darum, die Handlung ein kleines Stückchen weiter zu bringen. Also wird man ein wenig mehr über Zemina Paath erfahren. 

Michael, danke für deine Zeit.

(Rezension) Michael Marcus Thurner – Leccores Wandlungen (PR 2872)

Der Gestaltwandler Attilar Leccore, ein Koda Aratier, kann wie andere Lebewesen aussehen. Und mehr als das: Er schlüpft in verschiedene Körperformen und Identitäten, denn er nimmt mit der Verwandlung auch Charakter und Gedächtnis des Nachgeahmten an. In diesem Roman erkundet er die Tiuphorische Zivilisation und die Machtspiele der Tefroder.

Attilars stetig wachsende Schwierigkeiten, in der Rolle Reste seiner Identität als Wahlterraner zu bewahren, also sein Ringen um das eigene Ich einerseits und sein Drang, in anderen aufzugehen, andererseits ist das eigentlich tragende Anliegen des Romans. Seine Identitätssuche verschärft sich mit jeder neuen Identität, mit jedem Wechsel zwischen den Identitäten, die Leccore annimmt, um die Milchstraße zu retten. Jedenfalls solange er sich an diese Absicht erinnert.

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