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Das Doppelleben von Michael Marcus Thurner

Michael, nächtens tauchst du als PERRY RHODAN-Autor ins 6. Jahrtausend ein, doch am Tag kann man dich jetzt gegen Bezahlung mieten. Neben Schreibcamps mit Co-Referenten, die schon einige Profi-Autoren hervorgebracht haben, ist dein neuestes Steckenpferd das »Lektorat«.

Beginnen wir aber mit den Schreibcamps – wann ist das nächste und wer ist diesmal dein Co-Referent.

Das nächste Schreibcamp findet bereits Ende April in Wiener Neustadt/Ö statt (29. April – 4. Mai), Star-Referent ist bereits zum zweiten Mal der Spiegel-Bestseller-Autor Andreas Gruber.  

Wie muss ich mir die Schreibcamps vorstellen? Wie laufen sie ab?

Sie sind stressig, nervenzerrüttend und machen dennoch viel Spaß. Sofern ich den Aussagen meiner bisherigen Teilnehmer trauen darf.

Zu Beginn steht die Analyse der eingereichten Texte. Jeder Teilnehmer musste eine mehrseitige Leseprobe einreichen, die wir gründlich und in der großen Runde durcharbeiten. Gründlich bedeutet: Mehr als drei bis vier Texte können an einem Arbeitstag nicht begutachtet werden.

An den Tagen darauf gibt es meist Übungen, um die Schreibsinne der Autoren zu schärfen und mit ihnen an jenen Problemzonen zu arbeiten, die Andreas und mir im Reader besonders aufgefallen sind. Sprich: Kein Schreibcamp ist wie das andere, es werden immer andere Schwerpunkte gesetzt.

Welches Thema gibt es diesmal? 

Keines im Speziellen. Allerdings ist dieses Frühjahrs-Schreibcamp für erfahrene Autoren ausgeschrieben. Da geht es viel mehr ins Detail als bei unerfahrenen Autoren, einige Kenntnisse setzen wir daher voraus. Und Andreas wird vermutlich viel über seine Erfahrungen mit Verlagen, mit der Expo-Arbeit etc. reden. Unsere »Schüler« werden also mit dem konfrontiert, was sie bei der Suche nach einem Agenten oder einem Verlag erwartet. 

Hat jedes Schreibcamp ein anderes Thema?

Eigentlich ja. Es gab bereits Schwerpunkte zu den Themen Action, Dialoge, Perspektive, Handlungsaufbau etc. Man glaubt gar nicht, wie vielfältig die Arbeit als Autor eigentlich ist. Vielleicht trifft es der Vergleich mit einem Sportler, der unendlich viele Dinge beachten muss, um seine maximale Leistung innerhalb kurzer Zeit zu erbringen. Darauf trainiert er jahrelang hin. Schreiben als Beruf bedeutet enorm viel Geduld, Ausdauer und Training.

Sind beim nächsten noch Plätze frei?

Für Schnellentschlossene – ja. Ein Mail an scrapid@gmx.at reicht. Auf meiner Homepage www.mmthurner.at kann man sich vorab über die Schreibcamps informieren.

Welcher Co-Referenten wäre dein absoluter Wunschtraum?

Neil Gaiman wär nicht schlecht … Stephen King würde ich auch nehmen.

Du hast ja einige Dark-Fantasy-Bücher veröffentlicht. Was tut sich auf diesem Sektor bei dir?

Leider nicht viel. Dark Fantasy ist halt eine Nische innerhalb einer Nische. Aus kaufmännischer Sicht bedeutet es für jeden Verlag ein Risiko, mich mit meinen eher düsteren Themen mit einem Vertrag auszustatten.

Ich hätte früher mal die Gelegenheit gehabt, Liebesromane mit Vampiren und  High Fantasy über Helden mit hehrem Ansinnen zu schreiben. Das ist alles legitim und ich will das keinesfalls schlecht reden – aber ich hab halt persönlich einen anderen Zugang zur Fantasy. Das fällt mir leider auf den Kopf.

Welche Projekte hast du von RHODAN noch außer Schreibcamps und Lektorat?

Viele. Manche von ihnen sind reine Spintisierereien, manche werden auch mal was, im Kleinen wie im Großen. Routinearbeiten machen mich unruhig, ich suche die Abwechslung. Ich hoffe, heuer oder nächstes Jahr im Bereich Selfpublishing eine Erzählung anbieten zu können, die mir persönlich sehr am Herzen liegt.

Kommen wir zum Lektorat – wie ist dieses dritte Standbein entstanden?

Im Prinzip war es der Hinweis eines guten Freundes, der mich fragte, warum ich das nicht auch anbiete. Die Analyse von eingereichten Schreibproben bei meinen Schreibcamps gehe ja in eine sehr ähnliche Richtung. Dieser gute Freund hatte recht.

Wie ist der Ablauf?

Ich finde mich grad in die professionellen Abläufe ein und muss feststellen, dass auch hier die individuelle Betreuung ganz, ganz wichtig ist. Schablonenhafte Bearbeitung von Texten ist nicht das, was ich als Vision vor Augen habe. Ich muss wissen, wie mein »Kunde« tickt, was er braucht, was er mit seinem Manuskript vor hat.

Ich mache auf Wunsch ein Probelektorat über einige Seiten und sage ihm, was er von mir erwarten kann und wie mein preislicher Gestaltungsspielraum ist. Mag sein, dass es darum geht, ein bereits fertiges Buch durchzuarbeiten. Oder darum, ein Plotgutachten abzuliefern. Oder darum eine 50seitige Leseprobe so intensiv zu überarbeiten, dass der Kunde daraus seine Lehren ziehen und sie auf den Rest des Manuskripts übertragen kann. Oder darum, die Problemzonen in einem Text zu lokalisieren und mit meinem Gegenüber nach Lösungen zu suchen …

Wie gesagt: Ich möchte jedermann das geben, was er braucht. 

Gibt es bei deinem Lektorat Genrebegrenzungen?

Nein, die sehe ich eigentlich nicht. Ich hab mich selbst schon in so ziemlich jedem Genre herumgetrieben. Und bei den Schreibcamps gibt’s sowieso alles.

Mir fällt grad auf, dass ich es noch nie mit einem Western-Autor zu tun hatte. Darüber würde ich mich mal freuen!

Wer ist deine Zielgruppe?

Jedermann zwischen 18 und 108. Schreiben ist doch so was Schönes und im Leben von so vielen Leuten unendlich wichtig. Das klingt so fürchterlich abgedroschen, ich weiß – aber ich hab nun mal Spaß dran, in die Universen anderer Menschen vorzudringen. 

Ich drück die die Daumen, dass du mit der Arbeit nicht nachkommst.

Seufz, danke. So ist es eh jetzt schon. 

Fünf Fragen (und eine Zusatzfrage) an PR-Autor Michael MArcus thurner

Auch diese Woche stellt sich PR-Autor Michael Marcus Thurner den Fragen von Roman Schleifer. Dieses Mal zu Band 3003.

Michael, dein Band 3003 ist so lang geworden, dass die LKS, der Glossar und die Rißzeichnung gestrichen werden musste. Für jene Fans, die die RZ vermissen: Erklär ihnen doch, was Osmund Solemani mit derTransregressiven Spannungsregel meint.

Das würde ich Dir ja gerne beantworten, aber Solemani hat es nicht geschafft, mir das autorengerecht zu erklären.

Was die Länge des Romans betrifft: meine Schuld. Ich hab es einfach nicht geschafft, die Handlung ausreichend zu verknappen. 

In deinem Band hat Perry Rhodan Angst davor, dass sich Bully und er entfremdet haben können. Dazu passt Hartmut Kaspers Aussage von München, dass PERRY RHODAN eine Geschichte über fünf Freunde ist. Jede dieser fünf Figuren hat seine bestimmte Rolle, aber manchmal können sich diese Rollen verschieben. Was kommt da auf Bully und Perry zu?

Ich bin ja schon ein bisschen weiter als die Leser mit dem, was ich weiß. Ich beschäftige mich grad mit diesem Thema. Jedenfalls mag ich das Spannungsfeld Bully/Rhodan sehr. Der Zeitsprung über 500 Jahre wirft da einige interessante Fragen auf. Das sind gar nicht so sehr Dinge, die die Expokraten vorgeben. Aber wie ist das, wenn einer der  beiden auf einmal fünfhundert Jahre mehr Erfahrung angesammelt hat? Wie groß ist da der Wissensvorsprung? Was hat Bully dazugelernt? Ist er jetzt der Reifere im Vergleich zu Perry – oder machen die paar Jahrhunderte angesichts der ungeheuren Lebensspanne der beiden eh nix mehr aus?

Es gibt auch noch Nebenaspekte, die nicht unmittelbar mit dem Verhältnis Perry/Bully zu tun haben, die ich aber auch für sehr interessant (und wichtig) halte: Wie klingt das Interkosmo für Perry in dieser neuen Zeit? – Sprachen entwickeln sich ja nun mal weiter. Wie ist das mit der Architektur? Mit der Weiterentwicklung von Haushaltsgeräten und Hauspositroniken? Sind Bedienungselemente in Raumschiffen  noch an derselben Stelle wie vor fünfhundert Jahren? – Der Vergleich hinkt ein wenig, aber versetz mal einen Menschen des Jahres 1519 in die Jetztzeit und unterhalte Dich mit ihm. Ihr werdet euch völlig fremd sein.

Die Serie PERRY RHODAN ist da leider ein wenig statisch. Veränderungen dieser Art können gar nicht richtig in die Serie einfließen, sonst hätten wir mit fast jedem Zyklus einen Erklärungsnotstand, was sich wieder alles weiterentwickelt hat. Aber ich halte es für wichtig, zumindest mal darüber nachzudenken und es beiläufig in den Romanen zu erwähnen. 

Ich glaube, ich habe noch nie so oft »Bauchgefühl« im Zusammenhang mit Perry Rhodan in einem Roman gelesen. Wie stark beeinflusst Perry Rhodan das Bauchgefühl im Vergleich zu seiner Erfahrung?

Rhodan besitzt natürlich immens viel Erfahrung. Dennoch ist ihm die Milchstraße ziemlich fremd geworden. Die oben angesprochenen Veränderungen, die stattgefunden haben müssen, erschweren es ihm natürlich, seine Erfahrungswerte einzusetzen. Die gefangenen Terraner in PERRY RHODAN 3003 leben darüber hinaus in einer Art Sektenumgebung. Ich glaube nicht, dass er sich da viel auf seine Erfahrungen verlassen kann. 

Ich gebe zu, dass ich dieses Bauchgefühl sehr oft im 3003er-Roman eingesetzt habe und damit womöglich nicht immer richtig gelegen bin. Das ist halt meine Interpretation von Perrys Verhalten. 

Bei dem Dialog Gag »Ich bin Pau.« – »Ich bin der Duke. Recht so?« habe ich laut aufgelacht. Wie war das bei dir, als du es geschrieben hat?

Ganz ehrlich? – Das war nicht ich, das war der Lektor. 

In 3003 reflektieren die Figuren über die Unsterblichkeit. Du wirst in vier Jahren sechzig. Wie gehst du mit dem altern um?

Ich bin übrigens froh drüber, daß es keine Zellaktivatoren gibt. Sie würden das Leben auf eine gewisse Weise entwerten. 

Es ist eigentlich so, wie ich’s befürchtet habe: Der Fünfziger war für mich überhaupt kein Problem, aber der Sechziger bringt mich ganz schön ins Grübeln. Das ist schon verdammt nah am offiziellen Pensions- bzw. Rentenalter dran. Ich spür das Alter auch allmählich in den Knochen. Mehr als vierzig Jahre Sport/Fußball einerseits und nicht immer der gesündeste Lebenswandel  andererseits hinterlassen einige Spuren. Ich werd mich damit arrangieren müssen, dass mir manche Dinge nimmer so locker von der Hand gehen wie früher. So wie jeder Mensch halt. Aber es ist halt nicht leicht.

Eine Zusatzfrage habe ich noch: Deine Kurzgeschichte zu den Dunklen Jahrhunderten »Die Leben des Blaise O’Donnell« handelt von einem der Figuren von Band 3003. Was erwartet den Leser dort? Wie ergänzt es den 3003er?

Ich hab mich riesig gefreut, als ich das Exposé von Christoph Dittert bekommen habe. Es erlaubte mir, eine der Figuren näher zu charakterisieren, die in Band 3003 ja eigentlich eine Hauptrolle spielte. Ich musste sie aus Platzgründen im Hintergrund halten, seufz.  Ich durfte also ein wenig darüber schreiben, was mit den Wesen geschah, die von den Gemeni im 2900er-Zyklus mit Zellaktivatoren bedacht worden waren.
Was macht die Unsterblichkeit aus einem Menschen? Führt sie zu Tristesse, zu Monotonie, zu einem langen Leben voller Abenteuer – oder der Ängste?
Würde jemand, der weiß, dass er nun eine doppelte oder gar dreifache Lebensfrist hat, sich zu Hause einsperren, so dass ihm nur ja kein körperlicher Schaden zugefügt werden kann?
Würde er langfristiger planen oder sind wir Menschen, genetisch bedingt, gar nicht dazu in der Lage?
Ich hatte im Kurzroman »Die Leben des Blaise O’Donnell« die Gelegenheit, drei Unsterbliche zu beschreiben. Jeder von ihnen hatte einen geringfügig anderen Zugang zu diesem Thema. Das Individuelle wollte ich in meinem Text ein wenig herausstreichen. Auch deswegen, weil bei den uns bekannten Unsterblichen eine ziemliche Einigkeit herrscht.
Perry Rhodan, Bully & Co. sehen die moralische Verpflichtung, ihr Wissen und ihre Tatkraft uneigennützig der Menschheit zur Verfügung zu stellen. Sie sind nun mal Heldenfiguren. Aber ich denke, dass in der Realität Egoismus und Individuailität eine wesentlich prominentere Rolle spielen würden – und das wollte ich in dem Kurzroman ein bissl herausarbeiten.

Michael, danke für die Antworten und deine Zeit.

Fünf Fragen an PR-Autor Michael Marcus Thurner

Die Interviewserie »Fünf Fragen an … « geht weiter mit Michael Marcus Thurner, dem Autor von Band 3002.

Michael, die PR-Serie hat Band 3000 erreicht – was bedeutet dieses Jubiläum für dich?

Viel Ehrfurcht vor den altvorderen Autorenkollegen und ein klein wenig Stolz, dass ich am Gesamtkunstwerk PERRY RHODAN mitarbeiten darf. 

Du hast seinerzeit Ronald Tekener gekillt – in Band 3002 hat sich der Siganese Sholotow Affatenga daran erinnert, dass er die vorgebliche Wiedererweckung Ronalds Tekeners auf Lepso untersucht hat.
Auf einer Skala von Null bis Zehn – wie diebisch freust du dich über den Hoffnungsschimmer der Leser?

Ein Hoffnungsschimmer?
Oje, das wollte ich nicht. Wirklich nicht. 🙂 

Ich lass das jetzt mal so stehen. Pralinen mit allen möglichen Geschmacksrichtungen sind in deinem Roman sehr präsent – wie hast du dafür recherchiert? Und welche wäre deine Lieblingspraline? Und welche hätte Perry Rhodan Tenga aufs Grab legen sollen?

In dem Fall war keine Recherche notwendig. Und da ich Tenga recht gut kenne, weiß ich, dass er entsetzt wäre, würde ihm jemand eine Praline aufs Grab legen. Was für eine Verschwendung!

Auf deiner Homepage (http://www.mmthurner.at) gibt es einen Bericht über deine Arbeit an Band 3002. Du schreibst, dass du dir Ladhonen ganz anders visualisiert hast, als er letztendlich auf dem Titelbild gelandet ist. Wie hast du dir Ladhonen vorgestellt?

Ich hatte kein deutliches Bild von den Ladhonen vor Augen, sondern bloß eine Art Gefühl für sie.  Und das stimmt halt nicht mit der Ladhonen-Interpretation von Arndt Drechsler überein. Das ist auch völlig normal. Arndt sieht nicht, was ich sehe – und umgekehrt.

Wie geht es in Band 3003 – Triumvirat der Ewigen weiter? Was dürfen wir erwarten?

Ernsthaft? Das soll ich Dir jetzt verraten? 
3002/3003 bilden ja keinen Doppelband im klassischen Sinne. Anders gesagt: Ich durfte zwei Einzelromane hintereinander schreiben. Also geht es in 3003 an einem ganz anderen Schauplatz mit einer ganz anderen Dramaturgie weiter. Es geht in dieser frühen Phase des Zyklus ja auch darum, die Milchstraße neu zu »erklären«. Stammleser und Neuleser sollen das Perryversum, seine geänderten Bedingungen, seine neuen Figuren fühlen und begreifen. Und natürlich geht es darum, die Handlung ein kleines Stückchen weiter zu bringen. Also wird man ein wenig mehr über Zemina Paath erfahren. 

Michael, danke für deine Zeit.

(Rezension) Michael Marcus Thurner – Leccores Wandlungen (PR 2872)

Der Gestaltwandler Attilar Leccore, ein Koda Aratier, kann wie andere Lebewesen aussehen. Und mehr als das: Er schlüpft in verschiedene Körperformen und Identitäten, denn er nimmt mit der Verwandlung auch Charakter und Gedächtnis des Nachgeahmten an. In diesem Roman erkundet er die Tiuphorische Zivilisation und die Machtspiele der Tefroder.

Attilars stetig wachsende Schwierigkeiten, in der Rolle Reste seiner Identität als Wahlterraner zu bewahren, also sein Ringen um das eigene Ich einerseits und sein Drang, in anderen aufzugehen, andererseits ist das eigentlich tragende Anliegen des Romans. Seine Identitätssuche verschärft sich mit jeder neuen Identität, mit jedem Wechsel zwischen den Identitäten, die Leccore annimmt, um die Milchstraße zu retten. Jedenfalls solange er sich an diese Absicht erinnert.

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