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OLYMP 5: »Die Prospektorin« – Im Gespräch mit Michael Marcus Thurner

 

Cover OLYMP 5 »Die Prospektorin«
Cover OLYMP 5 »Die Prospektorin«

Ein Teil von PERRY RHODAN-Olymp spielt in Wien und in München … und zwar in Form des Con-Openers für den Garching-Con 2018, der vom 1. bis 3. Juni 2018 im Kulturzentrum München-Trudering stattfinden wird. Der Wiener Graphiker Raimund Peter hat einen Teaser auf der Website der Veranstalter veröffentlicht.

Da Band 5 noch dazu von einem Wiener geschrieben wurde, war es nur logisch, das betreffende Interview vor Ort zu machen, wofür sich der dritte Wiener im Bunde, Roman Schleifer gern zur Verfügung stellte.

(Erstveröffentlichung des Interviews auf Geisterspiegel.de)

Roman Schleifer: Michael, du schreibst mit »Die Prospektorin« Band 5 der PERRY RHODAN-Miniserie OLYMP. Was ist in den vier Bänden davor geschehen?

Michael Marcus Thurner: Uschi Zietsch als Gestalterin der Miniserie hat mit Band 1 »Mysterium« die Schauplätze festgeklopft, die darauffolgenden Autoren haben die Einzelgeschichten weitererzählt. Es geht um Geschehnisse auf der Welt Shoraz, auf der geheimnisvolle Reliquien gefunden wurden, und um Olymp, zu dessen Staatengebilde Shoraz gehört.
Als Autor von Band 5 kümmere ich mich um die Fortsetzung der Handlungsstränge im Palast Olymps und auf den Straßen der Hauptstadt Olymps, also Trade City. Ferner begleite ich Perry Rhodan, der in vorhergehenden Bänden auf einem Gefängnisplaneten ganz schön in die Bredouille geraten ist und der versucht, sich zu befreien. Auch Sichu Dorksteiger war in den vorhergehenden Bänden als Wissenschaftlerin und als tatkräftige Frau gefordert. Ihren Weg und den Guckys verfolge ich ebenfalls.

Roman Schleifer: Dennis Mathiak, Autor von OLYMP Band 2 »Die Museumswelt«, sagte im Geisterspiegel-Interview, dass sich OLYMP auf politische Intrigen, Forschungen und die Schicksale der Charaktere konzentriert.
Welche dieser drei Dinge dürfen wir für deinen Band erwarten? Worauf liegt der Schwerpunkt von Band 5?

Michel Marcus Thurner: Dennis hat das sehr schön zusammengefasst. Bei mir geht’s so ähnlich weiter. Wobei ich persönlich den Schwerpunkt meiner Erzählung auf die Begegnung von Sichu Dorksteiger mit einer gewissen Tefroderin lege. Diese Konfrontation hat mir richtig gut gefallen. Leider hatte ich nicht ausreichend Raum, um sie ausführlicher zu gestalten. Aber das mit dem Platz, das ist so eine alte Krankheit von mir, seufz.

Roman Schleifer: Erzähl uns doch mehr von dieser Prospektorin …

Michael Marcus Thurner: Die Prospektorin ist eine Dame, die blutjung und blauäugig ihre ersten Erfahrungen mit der Selbständigkeit macht. Sie macht dabei einen sensationellen Fund – und droht letztlich zu scheitern.
Ich weiß, das sind bloß Allgemeinplätze. Aber du erwartest hoffentlich nicht wirklich, dass ich den Inhalt meines Romans verrate?

Roman Schleifer: Doch. Hilft mir aber nichts. Hast du diese Prospektorin selbst erschaffen oder war sie Vorgabe?

Michael Marcus Thurner: Die Prospektorin beruht zwar auf einem Datenblatt Uschis, aber die eigentliche Charakterisierung hab ich selbst übernommen. Dabei lass ich’s einfach fließen. Ich entwickle während der Schreibarbeit ein gewisses Bild von einer Figur. Sie sollte möglichst vielschichtig sein und gern auch einander widersprechende Charakterzüge haben. Ich »unterhalte« mich gedanklich mit ihr und warte mal ab, was sie zu sagen hat.
Manchmal erscheint mir dann eine Figur zu schablonenhaft, zu einfach gestrickt. Dann bekommt sie den einen oder anderen Makel verpasst.
Das ist ja ohnedies ein wichtiger Bestandteil der Schreibarbeit: Lege deinen Figuren möglichst viele Hindernisse in den Weg. Diese Regel lässt sich auch auf die Charakterzeichnung anwenden. Mach es deinen Helden schwer, auch mit sich selbst.

Roman Schleifer: Die in Band 1 »Mysterium« auf Shoraz gefundenen Archive und Museen längst untergegangener Völker der Galaxis schreit geradezu nach weiteren Entdeckungen und damit Stories oder gar Minizyklen. Dürfen wir eine Fortsetzung erwarten?

Michael Marcus Thurner: Da kann ich guten Gewissens sagen: Ich habe keine Ahnung. Fortsetzungen hängen von vielen Faktoren ab. Von den Verkaufserfolgen, von freien Kapazitäten in der PERRY RHODANRedaktion und bei den Autoren, von der Qualität einer Idee …

Roman Schleifer: Die bisherigen PR-Miniserien wurden von Marc A. Herren, Uwe Anton und Uschi Zietsch verfasst. Du hast seinerzeit für die ATLAN-Serie die Exposés geschrieben. Reizt es dich, eine eigene PR-Miniserie zu kreieren?

Michael Marcus Thurner: Ich hab ein-, zweimal Ideen angeboten, aber es hat nicht geklappt. Exposéarbeit erfordert technische Sauberkeit, die ich nur eingeschränkt liefern kann. Also, ich könnte es, aber es fällt mir schwer. Ich bin meiner Meinung nach dann am besten, wenn ich selbst und mit möglichst wenigen Vorgaben schreiben kann.

Roman Schleifer: Zurück zu OLYMP: Warum sollte man diese Miniserie gelesen haben?

Michael Marcus Thurner: Sie ist anders als alles, was wir bei PERRY RHODAN bislang auf den Markt gebracht haben. Mir gefällt die Serie ganz besonders wegen der vielen parallelen Handlungsstränge, wegen der tollen Charakterstudien, wegen eines wunderbaren Bösewichts, einer sehr tragischen Figur und starken Frauen. Außerdem steht eine der interessantesten Welten des Perryversums im Fokus, nämlich Olymp.

Roman Schleifer: Wirst du einen zweiten Band für OLYMP schreiben und welcher wird das sein?

Michael Marcus Thurner: Ja, werde ich. Ich bitte aber um Verständnis, dass ich nicht der Redaktion vorgreifen möchte und deswegen nicht verrate, welche Nummer es sein wird.

Roman Schleifer: Michael, danke für deine Zeit und weiterhin viel Spaß mit PERRY RHODANOlymp. Gibst du uns eine Leseprobe zur Einstimmung?

Michael Marcus Thurner: Roman, danke für die Fragen. Hier die Leseprobe:

Er rappelte sich auf und schüttelte benommen den Kopf. Mahé Elesa hatte ihm einen Kinnhaken verpasst, wie er ihn schon seit Jahren nicht mehr bekommen hatte.

Und das bloß, weil er ihr auf den Kopf zugesagt hatte, dass sie vor fünfzig Jahren die Entdeckerin der Ruinen von Shoraz gewesen war.

Perry Rhodan sah sich nach Ypheris Bogyr um. Er war nirgends zu sehen, war offenbar Elesa gefolgt.

Das an- und abschwellende Tönen eines Alarms machte es ihm nicht leichter, einen klaren Gedanken zu fassen. Er taumelte aus ihrem Versteck und wählte den Weg nach links. Er glaubte, während der kurzen Lärmpausen Fußgetrappel zu hören. Das von zwei Menschen, die davonrannten.

Rhodan trabte los. Langsam erst, dann allmählich schneller. Die sattsam bekannten Gänge ihres Gefängnisses entlang, Wege mit stahlgrauen Wandverschalungen und schwachem Licht, das nur trübe Schatten warf.

Rhodan wusste, dass überall Überwachungsdrohnen und Bewegungsmelder hingen. Sie waren oftmals zu klein, um sie mit bloßem Auge wahrzunehmen. Doch sie waren da – und sie lösten Alarm aus, sobald sich ein Gefangener zu schnell bewegte.

»Bleibt stehen, verdammt noch mal!«, rief er, als er glaubte, einen Blick auf Bogyr erhascht zu haben. »Wir müssen reden!«

Hier der Link zur längeren Leseprobe.

Ankündigung Convention »Raum & Zeit Continuum IV.2«

Veranstalter: Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V.
Location: Jugendzentrum Mühle, Braunschweig
Datum: 13. – 15. April 2018
Öffnungszeiten: Fr. 17 – 22 Uhr, Sa. 10 – 22 Uhr, So. 10 – 15 Uhr

»Raum & Zeit Continuum IV.2« Flyer Vorderseite

Zum vierten Mal findet der Traditions-Convention »Raum & Zeit Continuum IV« des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e.V. in Braunschweig statt, die phantastische Veranstaltung des Jahres in der Region. Das Motto lautet diesmal »Ökologische Aspekte in der Science-Fiction«, ergänzend werden auch Vorträge und Lesungen zu weiteren Bereichen der Phantastik geboten.

»Raum & Zeit Continuum IV.2« Flyer Rückseite

Der Freitagabend wird von dem Verein Kreativregion e.V. gestaltet. In 4 Impulsreferaten zum Thema Buchmarkt informieren ab 19 Uhr ausgewählte Referenten über das täglich Brot von Autoren, E-Books und Selfpublishing.

Zum Thema des Cons gibt es zahlreiche Programmpunkte. Neben dem bekannten Autor Andreas Brandhorst, der unter anderem über die Terranauten-Serie berichten wird, gibt der SF-Experte Harun Raffael einen Abriss über »Umweltangepasste bei PERRY RHODAN«.

Auch wissenschaftliche Aspekte werden behandelt. So berichtet Matthias Pätzold über die Möglichkeiten der Besiedelung des Mars, und Ingo von Borstel von den Sternenfreunden in Hondelage geht über die Grenzen unseres Sonnensystems hinaus und beschäftigt sich mit bewohnbaren Planeten in anderen Sonnensystemen.

Zur Diskussion am Samstagabend wird neben Matthias Pätzold und Andreas Brandhorst auch Dr. Elke Flake von Bündnis 90/Die Grünen erwartet.

Einen ganz besonderen Programmpunkt gestalten die Braunschweiger Filmproduzenten Carsten und Marc Fehse: Sie berichten über den Film Sky Sharks u.a. mit Michaela Schaffrath.

Natürlich wird auch die größte SF-Serie der Welt, Perry Rhodan, im Programm vertreten sein. Der Autor Rüdiger Schäfer wird den Zuhörern einen Einblick in den aktuellen Stand des Spin-offs Perry Rhodan NEO geben. Aber auch die klassische Serie wird natürlich Thema sein.

Die Lektorin Corinna Rindlisbacher und der Autor Uwe Lammers informieren über das Thema »Selfpublishing«. Außerdem gibt es noch einen Einblick in die »Science-Fiction des Marvel-Universums« durch den Science-Fiction-Experten Ralf Boldt.

Zahlreiche Lesungen von regionalen und angereisten Autoren können an beiden Tagen besucht werden. Unter anderem mit dabei sind die Autoren der Schreibgruppe Wolfsburg-Braunschweig (WOBBS) Nele Sickel, Laura Kier, Nicole Kudelka, Stephanie Lammers und Stefan Lammers, ferner Arne Rosenow, Angelika Herzog (unter dem Pseudonym Jott Fuchs Autorin der vierbändigen „Elektron-Saga“), Uwe Lammers, Andreas Brandhorst und Angelika Rützel.

Neben den Vorträgen und Lesungen bietet der RZC IV eine Bildergalerie phantastischer Künstler, ein Quiz, sowie eine Versteigerung und die Möglichkeit zum geselligen Beisammensein und Gesprächen mit den Veranstaltern und Autoren. Autoren- und Clubtische bieten eine breite Auswahl an phantastischen Fanprodukten. Perry Rhodan-Tradingcardspieler geben die Möglichkeit zum Kennenlernen des Spiels, und auch für das leibliche Wohl wird gesorgt werden.

Der Eintritt sowohl für den 11hoch11-Event der KreativRegion wie für den Convention »Raum & Zeit Continuum IV.2« ist kostenfrei. Jeder Interessierte ist herzlich willkommen.

Änderungen einzelner Programmpunkte vorbehalten.

Aktuelles und Informationen zur Anmeldung gibt es unter www.SF-Con.de.

OLYMP 4: Eine Lebenserfahrung von dreitausend Jahren – Im Gespräch mit Dietmar Schmidt

Den vierten Band der von Susan Schwartz konzipierten PERRY RHODAN-Miniserie OLYMP, »Im Netz von Adarem«, schrieb Dietmar Schmidt, der dem Geisterspiegel bereits zu Band 5 von PERRY RHODAN-Terminus ein Interview gab und sich am Interview mit dem Lektor Dieter Schmid über Band 10 beteiligte. Bei OLYMP geht es mit den turbulenten Ereignissen auf der Handelswelt Olymp und der Museumswelt Shoraz weiter. Kampfschiffe der Tefroder riegeln beide Planeten ab, und noch immer steht die geheimnisvolle Shoziden-Box im Mittelpunkt. Und Perry Rhodan.

(Erstveröffentlichung des Interviews auf Geisterspiegel.de)

Alexandra Trinley: Dietmar, in diesem Roman gestaltest du die am schwierigsten zu handhabende Figur der Serie: Perry Rhodan. Wie siehst du ihn, wie gingst du damit um?

Dietmar Schmidt: Das war wirklich eine Herausforderung. Perry Rhodan besitzt eine derart gewaltige Erfahrung, dass man sich kaum eine Situation vorstellen kann, die er nicht so ähnlich schon einmal erlebt hat. Oft wird bemängelt, dass er sich zu passiv verhalte, »weichgespült« sei. Ich fände es aber unpassend, wenn der Rhodan des Jahres 1550 NGZ noch der gleiche Mensch wäre wie beim Sprung ins Wegasystem. Jemand mit einer Lebenserfahrung aus über dreitausend Jahren wird eher kein Draufgänger mehr sein. Der moderne Rhodan sammelt möglichst viele Informationen, ehe er eine Lage beurteilt und tätig wird. Sein bedachtsames Vorgehen verleiht ihm in meinen Augen größere Glaubwürdigkeit.

In »Im Netz von Adarem« übernehme ich ihn allerdings in einem Zustand der psychischen Zermürbung. Er weiß nicht, wo er weshalb wie lange schon festgehalten wurde. Man betäubte ihn mehrfach mit einem Narkosegas, gegen das der Zellaktivatorchip nicht recht zu wirken scheint. Ich finde, unter solchen Ausnahmebedingungen kann auch der alte Rhodan mal wieder hervortreten.

Alexandra Trinley: Darüber hinaus hast du einen neuen Protagonisten eingeführt.

Dietmar Schmidt: Eine neue Protagonistin, um genau zu sein. Ihren ersten Auftritt hat sie am Ende von Band 3, und in meinem Roman hat sie Raum, sich ein wenig zu entfalten. Rhodan begreift sehr schnell, dass die Dame mehr Geheimnisse besitzt, als ihm lieb sein kann.

Alexandra Trinley: Hast du sie entwickelt?

Dietmar Schmidt: Nein, die Figur war vorgegeben, und ich weiß über ihren Hintergrund nicht viel mehr, als im Roman steht. Ich durfte aber ein paar Aspekte selbst ausarbeiten. Sie ist insofern besonders, als sie Ressourcen besitzt, über die sie als Insassin eines Gefängnisses nicht verfügen dürfte. Ich kann im Roman einige dieser Mittel schildern. Weil die neue Figur über sich aber nur preisgibt, was sie preisgeben muss, ist es sehr gut möglich, dass sie auch in den folgenden Bänden mit ein paar Überraschungen aufwarten kann.

Alexandra Trinley: Gibt es einen neuen Handlungsort?

Dietmar Schmidt: Der Handlungsort ist nicht mehr ganz neu. In Band 3 bekam Rhodan allerdings nur einen einzigen Raum davon zu Gesicht, und darin gibt es nicht einmal viel zu sehen. Ich lasse ihn einiges über die Welt erfahren, auf die er verschleppt wurde, und habe sie mit einer Figur bevölkert, die sich sehr im Hintergrund hält.

In den darauffolgenden Bänden wird Rhodan noch ganz anderen Aspekten des Planeten begegnen, auf dem man ihn gefangen hält.

Alexandra Trinley: Vielen Dank für die Auskünfte. Gibst du uns eine Textprobe?

Dietmar Schmidt: Aber gern. Wie wäre es hiermit:

Das Stahlrohr pfiff herab, aber die Frau mit dem auffälligen Ohrschmuck trat einen Schritt zur Seite, fuhr herum und hebelte den Angreifer mit seinem eigenen Schwung, der ins Leere ging, zu Boden.

So ähnlich wie beim Dagor, dachte Perry Rhodan. Diese Frau muss herumgekommen sein … Es wurde zunehmend deutlicher, dass sie alles andere als eine gewöhnliche Gefangene war.

Der Angreifer fuhr sich wütend durch seinen Vollbart und rappelte sich wieder auf. Aber Rhodan bezweifelte nicht, dass ihre Befreierin ihm mehr als gewachsen war. Rhodan blickte sich prüfend um. Seine Augen hatten sich etwas an die Dunkelheit gewöhnt, und er bemerkte, dass Ypheris Bogyr sich neben ihn stellte. Aus dem Halbdunkel des Korridors kamen zwei weitere Schläger.

Ein Jülziish mit unbedecktem, blauem Brustpelz ließ den Tellerkopf leicht hin und her pendeln, während er mit den langen Armen eine dicke Zweimeterstange aus Plastik umherwirbelte. Ein Mensch, angesichts seiner samtbraunen Haut möglicherweise Tefroder oder Akone, hob drohend einen Knüppel. Die Waffe war offenbar aus einer gepolsterten Armlehne gefertigt und mit einem Griff versehen. Als der Mann den Knüppel schwang, erkannte Rhodan an der Bewegung, dass das Polster zudem innen beschwert war.

»Auf den Boden mit euch!«, rief der Jülziish mit schriller Stimme.

Bogyr reagierte zumindest wie ein TLD-Agent. Er griff den Jülziish an, tauchte unter der zustoßenden Stange weg und brachte ihn mit einer Beinschere zu Fall.

Der Tefroder mit dem Totschläger machte einen Schritt auf Rhodan zu und schwang seine Waffe. Rhodan hätte sich am liebsten aus dem Kampf herausgehalten. Er war schon oft in ähnlicher Lage gewesen, als Gefangener in einer unbekannten Umgebung, aber kaum je hatte er weniger über seine Situation gewusst als diesmal.

Als sein Gegner sich eine Blöße gab, brach Rhodans Frustration sich Bahn: die Wut über die Freiheitsberaubung, die entwürdigende Unterbringung in der kahlen Zelle, ohne Wasser, ohne Essen, ohne Waschgelegenheit, die Verhöre zu Dingen, von denen er nichts wusste, die Drogen …

Er wich zur Seite aus. Eine Dagorbewegung brachte ihn in günstige Position. Der Solarplexus des Manns lag offen vor ihm. Ein kraftvoller Hieb, und der Angreifer ächzte, ließ den Totschläger fallen, sackte zu Boden und blieb leise keuchend liegen.

Mit einem Tritt beförderte Rhodan den Knüppel aus der Reichweite seines Gegners in den Gang. Ein Hieb gegen die Schläfe sandte den Angreifer ins Reich der Träume. In Dagorhaltung wandte er sich Bogyrs Widersacher zu.

Der jüngere Mann benötigte seine Hilfe jedoch nicht. Rhodan hatte nicht beobachtet, wie Bogyr den Jülziish besiegt hatte. Aber als Rhodan hinsah, lag das Tellerkopfwesen bereits am Boden. Bogyr bückte sich, hob die Stange auf, wog sie in der Hand, nickte zufrieden und behielt sie.

Der Kampf hatte keine fünf Sekunden gedauert. Rhodan blieb aktionsbereit, Bogyr fasste den Stab mit beiden Händen, und gemeinsam sahen sie nach ihrer Befreierin mit dem Ohrenschmuck.

Die schlanke, fast zierliche Frau hatte nicht nur den Kerl mit dem Stahlrohr zu Boden geschickt, sondern obendrein einen zweiten Angreifer niedergeschlagen, der sie mit einer nagelbesetzten Keule bedroht hatte.

»Ihr könnt Ebaryn ausrichten, dass ich ihm das übel nehme«, sagte sie zu dem Mann, der sie von hinten hatte niederschlagen wollen.

Er saß an der Korridorwand und hielt sich das Gesicht. Zwischen seinen Fingern quoll Blut hervor, er atmete pfeifend. Rhodan vermutete, dass seine Nase gebrochen war.

»Oh, sag mir das doch selbst, Mahé«, drang eine Stimme von der Decke.

Hier der Link zur Leseprobe:

https://perry-rhodan.net/sites/default/files/leseproben/pro0418_leseprobe.pdf