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Fünfzehn Fragen an Liza Grimm zu Band 3012

Liza Grimm liefert mit Band 3012 »Totenschiff« ihren ersten Gastroman für PERRY RHODAN ab. Im Interview verrät sie Roman Schleifer unter anderen, ob sie heldenhaft ist und wie sie an den Band herangegangen ist.



Jennifer, Band 3012 »Das Totenschiff« ist dein erster Beitrag zur PERRY RHODAN-Serie. Wie groß war dein Respekt bei dieser unglaublichen Anzahl an Heften? Wie bist du an die Aufgabe herangegangen?

Mein Respekt war unglaublich groß. Für PERRY RHODAN schreiben zu dürfen, fühlte sich an wie ein Ritterschlag. Als Klaus mich damals fragte, habe ich ihn sehr ungläubig angeschaut. Irgendwie fühlte es sich sehr unwirklich an – und das tut es immer noch! Aber um ehrlich zu sein ging ich sehr unbedarft an die Aufgabe heran. Das Exposé lag ja vor.

Wie war es für dich nach einem Fremdexpo zu schreiben?

Neu und sehr nervenaufreibend. In meiner Naivität habe ich es mir sehr leicht vorgestellt, denn ich dachte, dass ja alles schon angelegt ist und ich nur ausformulieren müsste. Aber die Charaktere exakt nach Vorgabe handeln zu lassen, war für mich eine große Herausforderung, denn es bedeutete, dass ich ihre Motivation an die Geschichte anpassen musste. Normalerweise formt bei meinen anderen Projekten die Geschichte die Charaktere. Hier war es umgekehrt – und die Geschichte war schon vorgegeben.

Hand aufs Herz: Wie viele RHODAN-Romane hast du im Vorfeld gelesen?

Knapp unter 10, wenn ich ehrlich bin (aber es war ein ganz dicker Silberband dabei!). Da ich als Lektorin arbeite, ist private Lesezeit bei mir sehr knapp – oder besser gesagt: eigentlich nicht vorhanden.

Wie hast du dich vorbereitet? Hast du viel in der Serienhistorie recherchiert?

Nachdem ich das Exposé bekommen habe, waren die Figuren für mich der Knackpunkt. Ich hatte vorab darum gebeten, einen Handlungsstrang ohne Perry Rhodan zu bekommen, denn an ihn hätte ich mich niemals herangewagt. Band 3012 kann auch eigenständig gelesen werden: er erzählt die tragische Geschichte eines Geschwisterpaares. Aber dadurch, dass der Roman sich fast ausschließlich um Odin und Diva drehte, waren sie für mich essentiell. Ich habe sehr viel über Vorgeschichten und Motivationen von Kopfgeldjägern in anderen Büchern, aber auch in Videospielen und Filmen recherchiert.

Bei der Recherche zur Serie selbst war Perrypedia mein bester Freund! Aber ich habe auch die Rezensionen und Leseeindrücke im Forum zu Band 3000 – 3005 (glaube ich…Ich bin mir nicht mehr sicher, wie viele damals erschienen waren) gelesen. Für PERRY RHODAN zu schreiben bedeutete für mich, einer gigantischen Geschichte mit einer tollen Fangemeinde etwas hinzufügen zu können – aber ich wollte, dass diese Fangemeinde mit meinem Roman zufrieden ist.

Welche Figur hat dich beim Lesen des Expos am meisten angesprochen?

Spontan am meisten angesprochen hat mich tatsächlich Diva. Der Konflikt, immer Nummer 2 zu sein, war im Exposé nicht konkret angelegt, aber als ich den Handlungsrahmen las, war mir klar, dass sie diesen Konflikt von mir bekommen würde.

Was war das schwierigste für dich an diesem Gastroman?

Ich dachte, dass das Exposé recht streng sein würde, was Erzählstruktur und Inhalt angeht, aber dem war nicht so. In meinem Fall bekam ich zwar sehr viele Seiten mit Informationen, aber es blieb mir überlassen, welchen Perspektiventräger ich wähle, welche Dinge ich ausformuliere und welche kurz zusammenfasse. Theoretisch hätte ich also aus der Sicht einer Fraßmatte schreiben können.

Gastromane sind bei PERRY RHODAN auch immer ein Blick von außen – um KNF zu zitieren. Was ist dein Blick auf die PR-Serie?

Bei meiner ersten Berührung fühlte ich mich von der gewaltigen Menge erschlagen. Mittlerweile weiß ich, dass es verschiedene Zyklen und sogar Mini-Serien gibt. Für mich war PERRY RHODAN immer der Inbegriff für deutsche Science Fiction-Literatur.

Diva und Odin sind eigentlich zwei tragische Helden. Freust du dich als Autorin über solche Helden?

Sehr! Ich bin kein Freund von Charakteren, die inhärent böse sind. Für mich brauchen Figuren immer eine nachvollziehbare Hintergrundgeschichte. So eine Geschichte zu schreiben, macht enorm viel Spaß!

Wie bewertest du die moralische Komponente von Divas und Odins Leben? Sie hätten keine Kopfgeldjäger werden müssen, hätten auch ihr Leben opfern können …
Was sagst du zu ihrer Rechtfertigung, dass sie nur Kriminelle beseitigen?

Hätten sie wirklich ihr Leben opfern sollen?
Wenn man bedenkt, wie sie aufgewachsen sind, war Heldentum nie eine wirkliche Option für sie. Sie wurden schon als Kinder der Mutter entrissen und haben keine Gute Nacht-Geschichten über Heldentum erzählt bekommen. Auf ihrem Planeten gab es keine Akte der Nächstenliebe, die sie irgendwie hätten inspirieren können. Natürlich hätten sie so angelegt werden können, dass sie von selbst auf die Idee kommen, sich zu opfern – aber das wäre nach ihrer Kindheit, in der sie nur ums Überleben kämpften, sehr unglaubwürdig gewesen. Sie selbst sehen sich nicht als böse, sondern sind der Meinung, für das Richtige zu kämpfen: sie wollen jenen helfen, die in ähnlichen Situationen stecken, wie sie selbst. Aber vor allem wollen sie überleben.

Am Ende werden sie zu dem, was sie anfangs hassen. Besteht in den  nächsten Bänden noch die Chance auf Läuterung?

Leider kenne ich die Exposés zu den Folgebänden nicht… Aber ich würde nicht sagen, dass sie zu dem werden, was sie hassen. Sie haben eine falsche Entscheidung getroffen. Spannend wird, wie sie mit den Konsequenzen umgehen.

Hast du durch den Gastroman Blut geleckt? Kannst du dir vorstellen, regelmäßig für RHODAN zu schreiben?

Wenn es die Zeit erlaubt würde ich das wahnsinnig gerne. Die Zusammenarbeit mit dem Team war toll und ich bin sehr stolz auf das Ergebnis. Jetzt hoffe ich nur, dass die LeserInnen ebenfalls zufrieden mit mir sind.

Eine Autorin, nämlich du, hat mal gesagt: »Jeder von uns kann heldenhaft sein und das ist doch eigentlich das, woran uns Geschichten immer wieder erinnern.«
Wann warst du zuletzt heldenhaft und in welchem Bereich?

Ich finde es wirklich witzig, dass dieses Zitat nun auch irgendwie zu meinem PERRY-Roman passt. Als würde Heldentum sich durch all meine Geschichten ziehen. Vielleicht hätte man die Geschichte von Odin und Diva auch so erzählen können, dass sie nicht als tragische Helden erscheinen… Aber dann hätte man dieses Projekt wohl nicht mir geben dürfen.
Die Frage ist, wie man »heldenhaft« definiert. Für mich ist Heldentum ein Akt der Selbstlosigkeit, den man selbst nicht einmal wirklich mitbekommt… deshalb hoffe ich einfach, dass ich meinen Freunden und meiner Familie gegenüber regelmäßig heldenhaft bin.

Wann ist ein Buch für dich ein gutes Buch? 

Wenn es etwas beim Lesen bewegt. Und damit meine ich nicht unbedingt große philosophische Erkenntnisse oder lebensverändernde Botschaften. Stunden voller Staunen und Lesefreude reichen, um ein Buch zu einem guten Buch zu machen. Wenn ich es weglege und mir denke: dabei habe ich etwas gefühlt.


Dein aktuelles Buch ist » Die Helden von Midgard«, ein Fantasy-Roman bei Knaur. Warum muss man es gelesen haben?
Ich beschäftige mich in dem Roman mit der Frage, wann ein Held ein Held ist. Wer also Helden mag und nordischen Göttern nicht abgeneigt ist, könnte viel Freude mit meinem Buch haben.

Was sind deine nächsten Projekte? 
Aktuell überarbeite ich ein Romanprojekt und arbeite das Exposé für ein anderes aus. Ich hoffe, dass 2020 zwei Bücher von mir auf den Markt kommen – aber das steht noch nicht fest, deshalb nehme ich alle gedrückten Daumen, die ich kriegen kann!

Danke für deine Zeit.

Homepage von Liza Grimm alias Jennifer Jäger samt Leseprobe von »Die Götter von Asgard« : http://jennifer-jaeger.com/

Liza Grimm auf Facebook: https://www.facebook.com/LizaGrimm/

Fünf Fragen an Verena Themsen zu Band 3011

Mit Band 3011 entführt uns Verena Themsen in das »Habitat der Träume«. Im Interview will Roman Schleifer unter anderem von ihr wissen, wofür sie kämpft und ob 3013 ein Schlüsselroman wird.

Verena, das Perryversum zeichnet sich bei 3011 Heften durch eine enorme Datenfülle aus. Wie behältst du als Physikerin vom Dienst und Datenrechercherin den Überblick?

Durch ein brauchbares Gedächtnis, eine Unmenge gut sortierter Dateien und neuerdings ein Confluence-Wiki, das aber noch im Aufbau begriffen ist. Das ist etwas anderes als eine Wikipedia, mehr auf Zusammenarbeit an Texten und saubere Dokumentenablage ausgelegt und nicht so sehr ein Lexikon.

Bis jetzt gab es im Bereich Technik in diesem Zyklus schon ein paar interessante Neuerungen. Gibt uns einen Ausblick – was dürfen wir noch erwarten?

Nicht so viel, wie man nach 500 Jahren vielleicht denken würde. Es gab eben den einen oder anderen Hemmschuh auf dem Weg; Posizid und Datenflut sind dawohl der wichtigste Aspekt, aber auch ständige Unruhen und Umwälzungen tragen nicht zu einem guten Klima für die Forschung bei.

Du koordinierst auch die Risszeichner – der Zyklus ist noch jung, was kommt in Punkte Schiffen auf uns zu?

Risszeichnungen sind ja nicht nur Schiffe, auch wenn sie meist den Großteil der Objekte ausmachen. Wir haben aber zum Beispiel auch das Habitat Gongolis als Risszeichnung, um das es in PR 3011 ja geht. Aber natürlich wird es auch weiter Schiffe geben, und natürlich auch die bereits angekündigte THORA – die braucht allerdings noch ein wenig Zeit.

Konzentrierst du dich bei deiner Hintergrundarbeit eher auf Kosmologie oder auf Raumschiffstechnik?

Ich konzentriere mich auf alles, was benötigt wird.

Zum Roman selbst. Ich darf zitieren: »Jeder Kampf muss einem Ziel dienen, einem Vorankommen: entweder dem persönlichen, das ist das niederste Ziel. Oder dem des eigenen Khasurn, der eigenen Familie, das ist das nächsthöhere Ziel. Das allerhöchste Ziel aber ist, seine Kämpfe zugunsten des Vorankommens jener Gemeinschaft zu wählen, ohne die weder die Person noch die Familie Bedeutung hätte: des eigenen Volkes, dessen Kultur und Werten.«
Wofür würdest du privat kämpfen?

Für die Anerkennung des Wertes von Diversität und Heterogenität. Und ich würde nicht nur, ich tue.

Tenga und Yaradua erinnern mich in deinem Roman an Lemy Danger und Melbar Kasom. Was können wir in dieser Hinsicht in den weiteren Romanen erwarten? Apropos Tenga: Der Siganese ergrünt in deinem Roman. Ich überlege gerade, wie das geht, wo er doch eine grüne Hautfarbe hat …

Er wird dunkler grün. Wir haben mit zartrosa auch einen Rotton als Grundfarbe der Haut, der intensiviert wird, wenn wir erröten. Der Begriff ist allerdings ohnehin nicht auf meinem Mist gewachsen, er ist so alt wie die Siganesen in der Serie.

Im Kampf verwendet ein Naat eine Axt, die wieder zu ihm zurückkommt. War das eine Anspielung auf THOR?

Nicht, dass ich wüsste. Es ist einfach praktisch, wenn eine Waffe zurückkehrt. Darum mag ich Bumerangs, und auch Mjöllnir.

In deinem Band 3011 ist es endlich so weit: Perry trifft auf Bully. In 3012 schwenkt die Handlung von ihnen weg, um 3013 zu ihnen zurück zu kehren. Wird 3013 durch das Treffen von Bully und Perry zum ersten Schlüsselroman des Zyklus?

Kommt darauf an, was man unter einem Schlüsselroman versteht. PR 3013 ist ein Roman, der einiges an Wissen vermittelt, weil Rhodan zum ersten Mal jemanden hat, dem er offen Fragen zu stellen wagt. Aber das tun die Folgeromane ebenfalls.

Was müsste deiner Meinung nach passieren, dass Perry seinem ältesten Kumpel die Freundschaft aufkündigt?

Schätze, er müsste aus echter Überzeugung zum Massenmörder werden. Was nicht passieren wird.

Verena, danke für deine Zeit.

Corona Magazine 04/2019

Aus dem Inhalt der im kostenlosen Download erhältlichen Ausgabe 4/2019 (die Website hat auch das PDF):
• Top-Thema: Escape Games – auf dem Weg zum Holodeck?
• Interviews mit Rüdiger Schäfer (PERRY RHODAN NEO) und Damon Whitehead

• Kolumne zur PERRY RHODAN Erstauflage von Alexandra Trinley
• Comic-Kolumne von Uwe Anton: Verbrecher sind ein abergläubiges, feiges Pack: Batman – 80 Jahre und 25 Milliarden Dollar

• George R. R. Martin vor „Game of Thrones“, von Hermann Ritter • Games on- & offline sowie VR, u.a. von Bernd Perplies

• Kurzgeschichte des Monats, diesmal von Regina Schleheck
• Alle News rund um Star Trek: Rezensionen, Kolumne, News, Schauspielerportrait
• Kinorezensionen: Captain Marvel, Avengers: Endgame u. v. m.
• Neu auf DVD, Blu-ray & Netflix sowie Perlen der Filmgeschichte
• Neues & Rezensionen aus dem Bereich Literatur
• Subspace Link — Neues aus dem All
• Phantastisches Fandom — Projekte von Fans für Fans & Cons
… und vieles mehr!

Das Corona Magazine ist ein traditionsreiches und nicht-kommerzielles Projekt, das seit 1997 die Freunde von Science-Fiction, Phantastik und guter Unterhaltung mit Informationen und Hintergründen, Analysen und Kommentaren versorgt. Bis zu unserer Jubiläumsausgabe 300 im Mai 2014 veröffentlichten wir das Corona Magazine in Form eines E-Mail-Anhangs im HTML-Format, seit dem Wechsel zum Verlag in Farbe und Bunt publizieren wir im zeitgemäßen E-Book-Gewand. Zur Lektüre ist nun folglich ein E-Book-kompatibles Anzeigegerät (Amazon Kindle, Tolino, iPhone/iPad, Android Smartphone/Tablet), bzw. eine entsprechende Software auf dem heimischen Computer (z. B. Calibre) erforderlich.

Neun Fragen an Susan Schwartz

In Band 3010 führt Susan Schwartz aka Uschi Zietsch den Leser durch Perry Rhodans Augen durch die Station Gongolis. Im Interview verrät sie unter anderem was passieren müsste, dass Perry Rhodan seinen ältesten Kumpel tötet und wie Clark Darlton  Leserreaktionen zum Zyklusbeginn kommentiert hat.

Uschi, in Band 3008 hattest du Atlan als Haupthelden, in Band 3010 Rhodan. Wenn du die Wahl hättest – bei wem würdest du eher dahinschmelzen (unter der Annahme, dass du solo wärst)?

Atlan natürlich. Der ist viel lockerer als Perry und kann besser einen draufmachen. (Ich nehme an, du redest nur von einer Affäre – denn als Lebenspartner will ich beide nicht.) Und er hat natürlich die viel interessanteren Anekdoten und Geschichten auf Lager und kann sich tolle romantische Abenteuer ausdenken. Eine Stippvisite in die Jenzeitigen Lande zum Beispiel, um einem alten Kumpel hallo zu sagen und dich ihm vorzustellen. 😉

Perry denkt in deinem Band (wie in den Vorbänden) über Bully chaotarchische Prägung des ZACs nach, befürchtet eine Beeinflussung und verwirft den Gedanken wieder. Wird Perry langsam paranoid?

Nein, das ist schließlich ein nicht zu unterschätzender Faktor. Bully kann sich in den vergangenen 500 Jahren komplett zum bösen Diktator gewandelt haben. Perry weiß überhaupt nicht, wem er begegnet – und diese Unsicherheit ist schlimmer, als wenn er zum ersten Mal mit einem Fremden zusammentreffen würde. Immerhin ist Bully sein ältester und am meisten nahestehender Freund. Ich hätte auch gehörig Manschetten vor dieser Wiederbegegnung.
Man könnte Perry vielleicht vorwerfen, dass er Bull gegenüber misstrauischer ist als gegenüber Zemina Paath – aber in diesem Fall hat er auch mehr Anlass dazu. Bei Paath greift die Unschuldsvermutung, bei Bull hingegen weiß er, über welche herausragenden Fähigkeiten sein Freund verfügt, die zum Guten wie zum Bösen enorme Wirkung haben können.

Angenommen, der chaotarische ZAC wirkt sich negativ aus – was müsste passieren, dass Perry seinen ältesten Kumpel tötet?

Ein zweiter Weltenbrand und absolut überhaupt kein anderer Ausweg und keinerlei Wahl mehr an einem Punkt, wo nur noch einer von beiden überleben kann (oder keiner).
 

In Band 3008 war der Tod eines Einsatzmitglieds vom Expo-Team vorgegeben. In Band 3010 stirbt nun einer der Bösen. War auch das vorgegeben? Und dürfen wir in diesem Zyklus in jedem deiner Hefte mit mindestens einen Toten rechnen?

Zu deiner letzten Frage: Jep. Gibt weiterhin Tote. 😉
Zu 3010: Ja, das war so nach Expo geplant. Die Figur, die es trifft, war allerdings frei gestaltbar. Ich hätte die Figur eventuell nicht umgebracht, aber die damit verbundenen Gemeinheiten haben sich so schön angeboten, da konnte ich nicht widerstehen. Es ist ja kein Zwang, ich hab im vergangenen Zyklus einen Terraner mal nicht wie vorgesehen umgebracht, weil er mir leid getan hat. Und ich ihn für die Schlussszene gebraucht habe, damit ich keine unnötige zusätzliche Figur als Stichwortgeber einführen musste.

Rhodan denkt in deinem Band an Murphys Law (»Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen.«) und stimmt dem zu. Eigentlich dürfte er dann nicht mal mit der STARDUST auf dem Mond gelandet sein ..

Ja, das ist natürlich anhand seiner weit über 3000 Jahre Erfahrung eine ordentliche Portion Selbstironie. Er kann sich ja vorstellen, dass wieder alles schiefgehen wird, weil es meistens so kommt, es interessiert ihn aber nicht – denn wenn er nur wegen dieser Befürchtung klein beigäbe, wäre er in der Tat gar nicht erst zum Mond geflogen.
Er war damals »Risikopilot« und genau das ist es, was ihn innerlich antreibt und ihm gefällt – das Risiko. Es ist neben seinem übergroßen Verantwortungsbewusstsein sein grundlegender Charakterzug, sich unüberwindlich scheinenden Widrigkeiten und Konflikten zu stellen und sie zu bewältigen. Obwohl er sich so spröde und verantwortungsbewusst gibt – was verständlich ist bei der Aufgabe, die er hat – ist er im Grunde seines Herzens immer noch ein Abenteurer und voller Neugier, das Unbekannte zu ergründen, und begeisterungsfähig.

Perry denkt in 3010 »Die Menschen schienen immer wieder dieselbe Lektionen lernen zu müssen.«
Was ist die Lektion, die Rhodan in 3500 Jahren gelernt hat?

Diese Lektion wird erst dann abgeschlossen und gelernt sein, wenn er die Kaffeemaschine abschaltet, das Licht löscht und die Tür zum Universum für immer hinter sich schließt.
Bis dahin befindet er sich fortwährend im Lernprozess der Lektion. Er bewältigt lediglich winzige Teilschritte, in denen er erkennen muss, dass nichts so ist wie es scheint und dass er sich selbst – seinen positiven Grundsätzen – treu bleiben muss.
 

Tenga fragt sich, wie oft Perry durch seine Fähigkeit des Sofortumschaltens schon in kritische Situationen geraten war. Was war deiner Meinung nach die kosmopolitisch schlimmste Situation, in der sich Perry hineinmanövriert hat?

So etwas wie der Weltenbrand, für den er – ob gewollt, bewusst oder nicht, spielt keine Rolle – die Mitverantwortung trägt, ist meiner Ansicht nach kaum noch zu toppen. Aber wer weiß!

Ragnu möchte seiner Frau einen angemessenen Lebensstil bieten. Was denkst du, erwartet im 6. Jahrtausend die durchschnittliche Frau von einem  Männern?

Ich glaube nicht, dass es angesichts der vielen Völker und vielen unterschiedlichen Lebensweisen so etwas wie einen Durchschnitt gibt, und vor allem gibt es ja das für uns typische Rollenverhalten, dass der Mann der Familienversorger ist, nicht mehr. Zuletzt hatte sich auf Terra niemand Sorgen um sein Auskommen machen müssen, es gab eine Grundsicherung, mit der es sich angenehm leben ließ, und den Rest musste man sich eben erarbeiten. Ragnu hat einfach immer nur illusorisch gelebt. Obwohl seine Frau gearbeitet hat, war er der Ansicht, sie mit Wohlstand und Geschenken überhäufen zu müssen, um sie halten zu können, weil er sich für viel zu unzulänglich hielt. Auf Gongolis gibt es so etwas wie eine Grundsicherung nicht, da muss man arbeiten für sein Auskommen, und wer das nicht schafft, wird rausgeschmissen oder landet in den düsteren Gegenden. Es ist zwar wohl nicht schwer, einen gewissen Standard zu erreichen und zu halten, denn es gibt viele Arbeitsplätze, die eigentlich von Positroniken oder Robotern übernommen werden könnten. Aber dann gäbe es auf der Station nur einige wenige Privilegierte, und das ist ja nicht das Ziel des Habitats.

Der Zyklus ist jetzt zehn Hefte alt … ein paar Lesern geht es im Galaktischen Forum zu langsam. Was entgegnest du ihnen?

Ich glaube, das ist immer bei einem neuen Zyklusstart der Fall. Bei dem stets kosmischen Finale eines Zyklus, in dem sich entwicklungstechnisch gesehen die Ereignisse immer überschlagen und ordentlich »aufgeräumt« werden muss, fällt man als Leser mit einem neuen Zyklusstart, der bei 0 beginnt, immer erst mal ernüchtert zu Boden.
Weil das neue Geheimnis sich aufbauen muss und nicht sofort wieder enthüllt wird, dabei haben wir in den ersten zehn Bänden schon jede Menge Verstrickungen und Fäden.
Manche Leser wollen, dass es genauso temperamentvoll weitergeht wie es aufgehört hat, aber es geht eben auf einem anderen Niveau weiter.
In all den 27 Jahren habe ich es eigentlich nie erlebt, dass von manchen nicht der »schlechteste Zyklus aller Zeiten« befürchtet wurde.
Und auch davor war es so, das hat mir sogar Walter Ernsting/Clark Darlton schon erzählt: »Wirst sehen, wenn es jetzt wieder losgeht, wird es der schlechteste Zyklus aller Zeiten sein. Das ist immer so. Damit müssen wir leben.«
Es ist ja nicht so, dass früher immer alles eitel Wonne war, es gab lediglich kein Internet, in dem man sich öffentlich austauschen konnte. Früher gab es nur wütende Leserbriefe und Drohungen an den Verlag. Die Fanzines hatten relativ betrachtet zu Internetforen und Social Medias eine winzige Reichweite, vor allem auch gemessen an den damaligen Heft-Auflagen. Und genauso wie damals ist es nicht der Großteil der Leser, die sich überhaupt zum Kundtun einer Meinung aufraffen, sondern es sind verhältnismäßig nur einige wenige.
Die Kollegen damals haben dasselbe gesagt, wie ich es heute sage: erst mal abwarten.

Sechs Fragen an Leo Lukas zu seinem Band 3009

Leo Lukas steigt mit Band 3009 »Clan der Saboteure« in die Handlung ein und führt Atlan, Gucky und ein paar Terraner durch die Posbiwelt Culsu. Im Interview verrät er unter anderem, wie das Schreibcamp von Michael Marcus Thurner den Roman beeinflusst hat und was die Leser nach Band 3015 »Raptus Terrae« sagen werden.

Leo, du hast mir am PERRY RHODAN-Stammtisch Wien einmal gesagt, du schreibst solange PERRY RHODAN-Romane, solange du in jedem Expo etwas für dich Interessantes findest. Was war für dich in Band 3009 interessant?

Das war diesmal recht einfach, keine große Sache, sondern etwas für (sehr wenige) Insider. Letzten Oktober habe ich den Teilnehmern von Michael M. Thurners Schreibcamp die Aufgabe gestellt, eine Kurzgeschichte zu verfassen, in der folgende drei Aussagen vorkommen:
»Rattenberg schrumpft.«
»Das Läuterwasser schmeckt grauenvoll.«
»Montagne hat den Kapitän getötet.«
Hinterher habe ich versprochen, die drei Sätze in einen meiner nächsten Perry-Romane einzuarbeiten. E voilá … Die schräge Posbi-Gesellschaft von Culsu eignete sich dafür natürlich ganz vorzüglich.

Und was in Band 3015?

Darüber reden wir in sechs Wochen …

Jetzt könnte das Expo für Band 3009 auch gewesen sein: Atlan parkt die RT auf Culsu, die Techniker klären, welche Schäden mit welchen Mitteln behoben werden, und währenddessen decken Atlan und Gucky eine Verschwörung auf, die sich der Autor selbst ausdenken möge. Wie geht man als Autor an so etwas heran?

Die Fragmentminorität stand im Expo, neben einigen weiteren Ideen, die ich gerne verwendet habe. Ein bisschen gestresst hat mich, dass ich schon einige Posbi-Romane geschrieben hatte und mich nicht wiederholen wollte. Für die technischen Unterredungen hat mir übrigens, auf meine Bitte hin, unsere Chefwissenschaftlerin Verena Themsen zusätzliches Material geliefert, wofür ich ihr sehr, sehr dankbar bin. Auch wenn das manche Leser wahrscheinlich überspringen werden – ich wollte, da die Reparatur der RAS TSCHUBAI ja das Hauptthema war, innerhalb der (Hyper-) Physik des Perryversums so seriös wie möglich agieren. Überhaupt denke ich, dass der Band die Leserschaft ziemlich spalten wird. Schon die ersten Reaktionen im Forum reichen von »bester bisheriger Roman des Zyklus’« bis »völlig unnötig«.

Du bist ein leidenschaftlicher Rollen- und Sammelkartenspieler. Die eine Posbi-Fraktion in Band 3009 spielt ebenfalls ein Spiel – welches Spiel diente als Vorlage und was war der Grund?

Haha, das Spiel gibt es noch nicht in fertiger Form. Ich bastle seit einigen Jahren dran herum und hoffe, es in nächster Zeit bis zur Testspielreife zu bringen.

Zur Handlung: Derzeit erleben wir Einzelabenteuer, und weder Perry noch die Leser wissen, was wirklich passiert ist und vor allem, wer dahinter steckt. Dein Band 3015 heißt »Raptus Terrae«. Was werden die Leser nach der Lektüre deines Bandes sagen?

»Oho! So war das also.« – Im Ernst, darin werden etliche Fragen beantwortet, und zwar auf, wie ich finde, durchaus befriedigende Weise. Aber selbstverständlich nicht alle, wir sind schließlich immer noch in der Anfangsphase des Zyklus’.

Du bist ja auch abseits von RHODAN schriftstellerisch aktiv, dein letztes Werk war »Das große Leo Lukas Lesebuch mit Noten« – erzähl uns von dem Inhalt. Warum muss man dieses Buch gelesen haben?

Als PR-Fan: Weil darin eine Kurzgeschichte mit Perry Rhodan und Gucky erstmals abgedruckt ist, die es bisher nur als Hörbuch gegeben hat (»Robotermusik«; im Buch findet sich auch ein link zu eigens dafür komponierter, nun ja: Robotermusik). Ansonsten bietet das »Lesebuch«, das anlässlich meines 60. Geburtstags erschienen ist, einen sehr breiten Querschnitt durch mein unbescheidenes Schaffen der letzten vier Jahrzehnte. Man kann es übrigens auch über die PR-Homepage bestellen, oder direkt beim Ueberreuter-Verlag.

https://perry-rhodan.net/aktuelles/news/ein-lesebuch-f%C3%BCr-leo-lukas

https://www.ueberreuter-sachbuch.at/shop/das-grosse-leo-lukas-lesebuch/

http://www.knowme.at/htms_neu/leo/leo_m.htm

 

 

Sechs Fragen an Susan Schwartz und vier Zusatzfragen

Mit Band 3008 »Stadt der Letztgedanken« steigt Susan Schwartz in die Handlung ein. Unter anderem verrät sie uns, was ihr letzter Gedanke sein soll und ob Atlan Perry die Frau ausspannen könnte.

Uschi, in deinem Roman 3008 tauchst du intensiv in die Lebenseinstellung des Letztgedankens des Volks der Vanth ein. In weiten Strecken erzählst du ihre Geschichte. Was reizt dich mehr: Durchgehende Action oder Lebensgeschichten eines ganzes Volkes?

Ich habe zwar schon einiges mit Tempo gemacht – zuletzt »Die beiden Rhodans« -, aber bei der Erstauflage reizen mich wegen des gigantischen Überbaus schon sehr die ganzen Hintergründe, warum wer was tut. Geheimnisse, Rätsel, Entdeckungen, vor allem des Fremden … das ist einfach so ein Riesenkosmos, und da gibt’s immer noch was herauszufinden. Das ist für mich in dem Fall spannender, es sei denn, eine der Hauptfiguren muss sich allein irgendwo durchschlagen, das macht auch viel Spaß. Allgemeine Kämpfe interessieren mich nicht so sehr. Lieber murkse ich jemanden auf fiese Weise ab. Und ein Volk zum ersten Mal darzustellen ist immer schön.
Bei NEO hingegen ist es mehr Abenteuer, wie die »Ilias« eine (Selbst)Findungsreise, da geht natürlich mehr Action ab.
Ach was, ich mag die Abwechslung. 🙂

In der Philosophie des Letztgedankens soll man mit dem letzten Gedanken auf ewig eins mit dem Kosmos sein. Wie soll dein letzter Gedanke sein, um mit dem Kosmos eins zu werden?

»Ich bitte um vollständige Auflösung.«
Was die Vanth da treiben, ist für mich der pure Horror. Ich möchte bitte tot im Sinne von * tilt * sein. System down, Festplatte gelöscht, keine Redundanz vorhanden. Atomisiert und dadurch mit dem Kosmos verbunden. Das ist schön!

Atlan, der alte Sarkast, macht Sichu gegenüber eine anzügliche Bemerkung. Was müsste passieren, dass er Perry doch die Freundin ausspannt (obwohl er es ja gedanklich verneint)?

Ach, ist das dringeblieben? Da schau her! So sehr Atlan Frauen mag, das ist für ihn ein absolutes Tabu. Insofern kann ich mir kein Geschehnis vorstellen, dass es ausgerechnet dazu kommen könnte. Dazu respektiert er beide viel zu sehr. Vor allem aus Sichus Warte käme das nicht infrage, die würde ihm als erstes den Bart an der Kehle abrasieren. Atlan ist auch nicht ihr Typ. Was ihn betrifft, ist er natürlich charmant, denn Sichu ist für ihn eine faszinierende Frau, und das möchte er (und darf er auch) durchaus mal zum Ausdruck bringen, wenn es eine Steilvorlage wie hier gibt. Sowas lässt er nicht ungenutzt verstreichen. In erster Linie aber hat er versucht, die angespannte Lage aufzulockern und Sichus Gedanken abzulenken.

Bleiben wir bei Atlan: Er denkt, dass er Perry vermutlich wieder aus der Bredouille holen muss. Wie denkst du, sieht Atlan den Terraner? Ist Perry für ihn wie der kleine Bruder?

Egal, wie alt beide werden, Atlan wird immer der Ältere mit der größeren Erfahrung sein. Zudem ist er sehr privilegiert aufgewachsen und wurde schon von Kindesbeinen an darauf trainiert, ein Herrscher zu werden. Er war an unglaublichen Orten, hat unglaubliche Dinge gesehen. Er sieht Perry selbstverständlich auf Augenhöhe und bewundert vieles an ihm, doch emotional sieht er sich bei einschneidenden Ereignissen – wie den Zeitverlust von 500 Jahren – vermutlich ein bisschen wie ein großer Bruder. Vor allem, da beide sehr unterschiedlich an undurchschaubare Situationen herangehen – als Beispiel die Auseinandersetzung in Band 3000 wegen Zemina Path. Atlan macht sich Sorgen, dass Perry zu sorglos ist, und tritt als »Gewissen« auf.

Als Atlan sich entscheiden muss, ob der Gucky oder den anderen Kameraden (zB Sichu) hilft, entscheidet er sich für Gucky. Angenommen Sichu wäre gestorben, weil er Gucky gerettet hat – wie würde er das Perry gegenüber rechtfertigen?

Sichu hat eine strenge militärische Ausbildung durchlaufen, sie ist eine Führungspersönlichkeit mit einer Menge Erfahrung und Kampfkraft. Einen Aufpasser braucht sie nicht, und in dem Fall war sie ja nicht in unmittelbarer Gefahr. Atlan vertraut ihr bedingungslos, dass sie das Richtige tun wird, wohingegen Gucky in tatsächlicher Gefahr war und nicht mehr in der Lage, Entscheidungen zu treffen oder sich zu verteidigen. Konsequenterweise ist Atlan zu Gucky geeilt, weil er am nächsten und deshalb am schnellsten vor Ort war, und Sichu wiederum sollte darauf achten, dass dem letzten Teammitglied nicht dasselbe zustößt wie den beiden Kollegen.
Die Rechtfertigung ist, die Wahl nach bestem Ermessen getroffen zu haben – und das innerhalb einer Sekunde, länger hat man nicht. (Wenn überhaupt.) Das weiß Perry, sollte es zu einer Tragödie kommen, und wenn Atlan korrekt gehandelt hat, wird es keinen Vorwurf geben. Den macht unser arkonidischer Freund sich schon selbst. Abgesehen davon haben beide ja schon so viele Partnerinnen und Kinder, Schutzbefohlene und Freunde verloren, die haben einen ganz anderen Blickwinkel als wir.

Michelle hat in ihrem Interview erzählt, dass du die von ihr erfundene Figur Marli Wilkar in Band 3008 gleich mal umbringen wolltest. Was war der Grund für diese Mordabsichten?

Der Grund war, dass ich laut Expo ein Teammitglied abmurksen sollte (und es diesmal auch durchgezogen habe), und damit der Leser mehr mitleidet und eine Beziehung hat, wollte ich eine Figur aus Michelles Roman übernehmen, am besten eine sympathische. Sie hatte das erste Kapitel geschickt und da kam Marli vor, die spontan für mich ideale Kandidatin für einen tragischen Tod. Ich fragte bei Michelle an, ob es ihr recht wäre, und sie teilte mir mit, dass Marli ihre Figur wäre und dass sie sie gern noch eine Weile behalten würde. Da nahm ich natürlich sofort Abstand von meiner Idee und habe in meinem Roman einen Redshirt erfunden, der das Zeitliche segnet.

 Im Vorjahr hast du die Miniserie OLYMP betreut, die bei Neu- als auch bei Altlesern gut angekommen. Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Die Mischung, denke ich. Vertrautes, Geheimnisvolles und Abenteuer.

Welche Ideen hast du für eine zweite Staffel?

Also, Roman, meinst du wirklich, die würde ich so öffentlich verraten? 😉
Es wäre allerdings noch genug Stoff da, um im selben Jahr weiterzumachen. Das Kaiserpaar ist zwar da, aber es muss ja nicht jeder damit einverstanden sein. Und da gibt es Schatten der Vergangenheit bei beiden …  einfach mal so dahinfantasiert.

Für alle, die es noch lesen könnten: Warum muss man die Miniserie gelesen haben?

Um mich reich zu machen, natürlich! 😉
Als eBook bekommt man es ja auch noch im günstigen Paket. Es ist ideal für den Urlaub – eine abgeschlossene Miniserie am Stück, die das Perryversum beinhaltet und Lust macht auf mehr.

https://perry-rhodan.net/shop/item/9783845352640/perry-rhodan-olymp-paket-1-12-von-perry-rhodan-e-book-epub

Du bist ja auch außerhalb von PR umtriebig. Verrate uns deine nächsten Projekte.

Aktuell ist von mir Band 1 von »Das Reich Albalon« erschienen, High Fantasy auf unserer Welt, die einige britische Mythen beinhaltet. Band 2 folgt im Juni, die Bände 3 und 4 (Abschluss) sind für 2020/21 geplant.

https://www.fabylon.de/produkt/zietsch-uschi-das-reich-albalon-1-der-bund-der-fiandur-2/

https://www.fabylon.de/produkt/zietsch-uschi-das-reich-albalon-2-das-herz-des-koenigs/


Zum Sommer hin erscheint außerdem ein Frauen-Road-Trip in Irland von mir, »Irish Hearts«. Ja, da merkt man, wofür mein Herz schlägt, gell? 🙂

Homepage von Uschi Zietsch: https://www.uschizietsch.de/

Homepage ihres Verlags, Fabylon: https://www.fabylon.de/

Fünf Fragen an Michelle Stern

Band 3007 »Zeuge der Jahrhunderte« stammt von Michelle Stern. Sie verrät uns im Interview, was Willi Voltz mit dem Roman zu tun hat.

Michelle, mit Heft 3007 klinkt sich Atlan ins Geschehen ein. Wie schwer ist es als Frau, in den Arkonidenprinz zu schlüpfen? (Stichwort: Macho und Frauenheld)

Man könnte Atlan als Macho und Frauenheld bezeichnen, man – oder frau – kann es jedoch auch anders sehen. Atlan liebt Frauen. Was ich sollte ich dagegen haben? Ich hätte nichts dagegen, wenn er auch Männer lieben würde, aber nun gut.
Mich da hinein zu versetzen, fällt mir nicht sonderlich schwer, es ist gerade das, was mir unter anderem an meinem Beruf Freude macht. Da ich selbst in meinem Leben viel Kampfkunst gemacht habe, ist Dagor eine Schnittstelle für mich. Wie es sich anfühlt, adelig zu sein, darüber mag ich wenig wissen – dafür habe ich eine lebhafte Phantasie.

Marli Wilkar war für mich eine erfrischend neue Figur. Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob sie Expo-Vorgabe war oder du sie erschaffen hast, aber sagen wir mal, du hast sie erschaffen. Für sie ist Altan die persönliche Nummer 2. Ich dachte schon: »Oha, da könnte etwas entstehen.«
Was ist der Grund, dass du das im Roman nicht näher ausführst? Und warum interessiert sich Atlan nicht für sie?

Marli Willka ist eben keine vorgegebene Figur, sondern ganz und gar meine Erfindung. Es wird sich vermutlich niemand im Team die Mühe machen, sie weiter in die Romane einzubringen, vor allem, da es ja nicht von den Exposéautoren vorgegeben ist. Meine Kollegin Susan Schwartz wollte Marli sofort bei der nächsten Gelegenheit umbringen, damit Marli gleich einen sauberen Abschluss hat. Ich habe Susan gebeten, das erst mal zu lassen. Interessante Nebenfiguren muss man ja nicht jedes Mal gleich wieder endgültig aus der Handlung nehmen.
Eine Idee dazu war, dass Voltz öfter Figuren eingebracht hat, die sozusagen sein »alter Ego« waren. Das habe ich nun auch mit Marli gemacht, deren Namensbuchstaben sich aus Buchstaben von Voltz’ Namen zusammensetzen, wenn auch nicht alle darin verbaut sind. Laut dem Internet heißt er mit zweitem Vornamen Karl.
Pylonenfußball mit Ringen war mehrere Jahre mein Lieblingsspiel zum Abwärmen nach dem Kampftraining – wobei wir dabei manchmal derart zeitlich überzogen haben, dass es gar kein Abwärmen mehr war, sondern richtig anstrengend und eher Muskeln aufgebaut hat.
Ganz davon abgesehen fand ich es auch einmal interessant, dass jemand nicht Atlans Typ ist. Aber wer weiß. Was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht bekomme ich irgendwann eine zweite Chance für Marli und Atlan.

Marli nascht Cashew-Schokodrops. Hast du welche genascht, als du den Roman geschrieben hast? Welche Marke?

Wenn es so etwas zu kaufen gibt, sag mir bitte, wo. Oder sag es mir besser nicht. Sonst will ich es sofort haben. Ich  habe mich eher an Cashew-Nüsse gehalten.

Marli sieht sich als Kanonenfutter, als jemand, den die Unsterblichen opfern würden, um ihr Ziel zu erreichen. Wärst du an Bord der RAS TSCHUBAI, wie würdest du die Handlungen von Perry und Atlan bewerten?

Ich würde es nicht so sehen, dass sie mich opfern wollen, wohl aber, dass ich in erhöhter Gefahr bin. Wo Atlan und Perry unterwegs sind, brennt wortwörtlich die Milchstraße. Es ist ja nicht umsonst ein Fluch, jemanden zu sagen: »Ich wünsche Dir interessante Zeiten«. Mit Atlan und Co hat man diese Zeiten. Will man sie wirklich haben? Ich setzte mich lieber mit einem PERRY-Heft auf’s Sofa als auf WHEELER zu versuchen, verrückte Posbis zu bändigen.

Hat Robert Corvus deinen Roman lektoriert und all die Gemeinheiten über Gucky (Zitat: »Dieses arrogantes, in sich selbst verliebtes Übel, das sich jede nur erdenkliche Frechheit herausnahm, weil es zufälligerweise mächtige Paragaben hatte«) hineingeschrieben?

Nein, ich habe mir einfach überlegt, was würde Robert Corvus schreiben, dass dann stark rezensiert und und auf eine öffentlichkeitstaugliche Weise überarbeitet. Okay, Scherz beiseite. Mir hat es auch einmal Spaß gemacht, einen Charakter zu beschreiben, der Gucky eben nicht mag. Gucky polarisiert Leser. Die meisten lieben ihn und ein paar hassen ihn. Für Marli ist Gucky eben ein rotes Tuch, wie für so manchen Leser – und Robert Corvus. 

 

Fünf Fragen an STELLARIS-Redakteur Olaf Brill

Olaf, in deiner STELLARIS 68 erfahren wir, dass die STELLARIS die 500 Jahre überstanden hat. Blieb sie vom Posizid verschont?

Das erfahren wir in der nächsten STELLARIS-Story, die in acht Wochen erscheinen wird!

Der Frachtraumer wurde von dir ins Jahr 2045 NGZ gehievt, die Besatzung bis auf einen jedoch nicht. Welche schillernden Charaktere kommen auf uns zu?

Einige haben wir in der aktuellen Story ja bereits kennengelernt: Es sind Einwohner des Planeten Myra, die nun mit der STELLARIS auf große Reise gehen. Die Myraner sind ein Volk, das von Lemurern abstammt, im Laufe der Geschichte auf vortechnologischen Stand zurückgefallen ist und sich vor historisch wiederum relativ kurzer Zeit mit Nachfahren der STELLARIS-Besatzung vermischt hat. Myra befindet sich allerdings auf einem Entwicklungsstand noch vor dem planetaren Raumfahrtzeitalter. Nur einige wenige Vertreter des Planeten brechen nun mit der STELLARIS ins Weltall auf. Also braucht unser Raumschiff natürlich noch eine professionelle Besatzung, die wir in den nächsten Storys kennenlernen werden. Und ja, ich hoffe, es sind ein paar schillernde Charaktere dabei.

In der STELLARIS-Gruppe auf Facebook postet STELLARIS-Autor Gerhard Huber Live-Leseberichte zu den Stories – wie ist es für dich als Autor, wenn du ihm quasi über die Schulter schaust?

Das ist einfach wunderbar! Der Autor erfährt dabei, ob es ihm gelungen ist, die Gedanken des Lesers in die Richtung zu lenken, die er geplant hat. Also, ob erfolgreich bestimmte Erwartungshaltungen und Spannungsmomente aufgebaut werden konnten, und ob der Leser bei deren Auflösung dann befriedigt oder enttäuscht ist. Und er erfährt natürlich, ob wenigstens einem Leser die Story gefallen hat oder nicht. Das ist ein wichtiges Feedback, und mir macht es jedenfalls großen Spaß, Gerhard bei seinen Live-Lesungen über die Schulter zu schauen. Ich versuche, wenn ich kann, immer „live“ dabei zu sein.

Du bist seit Februar 2017 Redakteur der STELLARIS-Serie – was muss ein STELLARIS-Expo haben, damit du dem Autor sagen kannst: Okay, schreib mal und dann sehen wir weiter?

Gute Frage! Weiß gar nicht, ob man die mit einem „Rezept“ beantworten kann. Aber ich versuch’s mal: Der Autor muss natürlich eine Idee haben, die eine richtig gute Science-Fiction-Handlung ermöglicht. Dann muss er „menschliche“ Figuren einbringen, deren Schicksal uns interessiert. „Menschlich“ in Anführungszeichen, denn das können bei uns natürlich auch Außerirdische oder Roboter sein. Und schließlich sollte die Geschichte so gestaltet sein, dass beim Lesen oben erwähnte Erwartungshaltungen aufgebaut werden: Der Leser soll mitfiebern, Spekulationen, Wünsche und Ängste über den Fortgang der Handlung aufbauen … und dann sehen, was der Autor draus gemacht hat!

Es gibt einen harten Kern an STELLARIS-Autoren – wann ist die nächste Gelegenheit ein paar von ihnen auf einem Con zu treffen?

Das stimmt. Ich bin ganz froh über diese nicht kleine Gruppe von Schriftstellern, die sich schon bei der STELLARIS bewährt und auch Lust haben, weitere Storys zu schreiben. Da habe ich ein paar Leute, auf die ich mich jederzeit verlassen kann. Und das ist durchaus manchmal nötig. Es kommt zum Beispiel gelegentlich vor, dass eine eigentlich vorgesehene Story aus diesem oder jenem Grund ausfällt und ich Ersatz brauche. Dann hat meist einer der Stammautoren schon eine Geschichte zur Hand, die wir in wenigen Tagen in Zusammenarbeit von Autor und Redakteur zur Veröffentlichung fertigstellen können. Diese Autoren kann man als nächstes auf den PERRY RHODAN-Tagen Osnabrück im Mai auf einem STELLARIS-Panel treffen. Wird ein recht vollbesetztes Podium! Ich freu mich schon drauf, denn ich werde natürlich am Rande mit jedem dieser Autoren über seine nächste Story sprechen. Und wir wollen ja hoffen, dass dabei sehr viele schöne, bunte, anregende und mitreißende Geschichten herauskommen!

Bislang haben folgende STELLARIS-Autoren für Osnabrück zugesagt:

Olaf Brill

Dieter Bohn

Dietmar Schmidt

Gerhard Huber

Roman Schleifer

Infos zum Con: http://prtag.prfz.de/home.html
oder
https://www.facebook.com/PRTOsna/

Mythos Erde – PERRY RHODAN Band 3000

es ist eine unglaubliche Zahl für die PERRY RHODAN-Serie: Im Februar 2019 wird der Roman mit der Bandnummer 3000 veröffentlicht. Damit ist die Science-Fiction-Serie, die 1961 gestartet worden ist, eines der erfolgreichsten Unterhaltungsprodukte aus Deutschland. Jede Woche wird ein neuer Roman veröffentlicht, dazu kommt eine Vielzahl an Büchern, Hörspielen, Comics und anderen Publikationen. Zum Jubiläum gibt’s eine komplett neue »Ära« in der fernen Zukunft …

Als im September 1961 der erste PERRY RHODAN-Roman erschien, glaubte niemand an den großen Erfolg: Man ging davon aus, dass rund 30 Romane mit den Abenteuern des Weltraumhelden zu verkaufen seien.

Doch das erste Heft mit dem Titel »Unternehmen Stardust«, in dem der amerikanische Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond landet und dort auf Außerirdische trifft, verkaufte sich unglaublich gut. Der Erfolg hielt an, alle Folgeausgaben wurden den Verkäufern geradezu aus den Händen gerissen.

Mittlerweile sind fast 60 Jahre vergangen, und die PERRY RHODAN-Serie ist nach wie vor erfolgreich. Die wöchentlichen Romane bilden die Grundlage für die fantastische Geschichte der Menschheit bis in die ferne Zukunft. Längst erscheinen die Geschichten nicht mehr nur als Heftroman, sondern parallel dazu in Form von E-Books und Hörbüchern.

Darüber hinaus gibt es Taschenbücher und gebundene Ausgaben, Hörspiele, Hörbücher und Comics. Hinzu kommen Auslandsausgaben in Japan und Brasilien, Frankreich und Tschechien, den Niederlanden und – als E-Books – im englischen Sprachraum.

Der numerische Erfolg verblüfft. Zu den 3000 Serienromanen kommen schließlich mehrere hundert Bände in den sogenannten Nebenserien hinzu, die im selben Universum spielen. Damit kommt man auf weit mehr als 4000 Romane. »Damit ist die Serie, die von einem Autorenteam verfasst wird, schon lange der größte Roman-Kosmos der Welt«, versichert Katrin Weil vom PERRY RHODAN-Marketing.

Das inhaltliche Konzept der Serie umschreibt Klaus N. Frick, der Chefredakteur der Serie, folgendermaßen: »Perry Rhodan setzt sich für die Interessen der Menschen ein, trifft auf bizarre Außerirdische und seltsame Roboter, auf uralte Wesen aus fernen Galaxien und Geheimnisse aus der Vergangenheit.«

Mit dem dreitausendsten Band, der unter dem Titel »Mythos Erde« am 15. Februar 2019 in den Handel kommt, startet die Serie noch einmal richtig durch. Der Roman wurde von Wim Vandemaan und Christian Montillon verfasst, den beiden Autoren, von denen die Serie seit mehreren Jahren gesteuert wird. Sie erzählen von Perry Rhodan, der nach einer langen Reise in die Heimat zurückkommt und die Milchstraße kaum wieder erkennt …

»Mit diesem Roman zeigen wir den Lesern der Serie ein neues Bild der bekannten Milchstraße«, erläutert Klaus N. Frick. »Wer sich bisher nicht für PERRY RHODAN interessiert hat, kann nun auf einfache Weise in eine faszinierende Science-Fiction-Welt eintauchen.«

Weitere Informationen zum Jubiläumsband finden Sie außerdem unter www.band3000.de

Interview mit Andreas Eschbach zu seinem neuen Buch »NSA« und zum 2019 erscheinenden RHODAN-Buch

Am 28. September erscheint das neue Buch von Bestseller-Autor Andreas Eschbach mit dem Titel »NSA«.
Wer nun an die amerikanische Überwachungsbehörde denkt, irrt.
Andreas Eschbachs Roman spielt in einer Alternativwelt, in der Komputer und das Weltnetz (aka Internet) bereits Anfang des 20. Jahrhunderts präsent sind. Zusätzlich verbreitet sich auch das tragbare Telephon und bildet mit den Gemeinschaftsmedien (aka soziale Medien) ein wesentliches Hilfsmittel für den Aufstieg der NSDAP in Deutschland.

Was wäre also, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und sozialen Medien – und damit die totale Überwachung?
Und wie reagieren die Menschen innerhalb dieses Systems?

Ein paar Tage vor Erstveröffentlichung von »NSA« stellt sich der sympathische Deutsche mit Wohnort Bretagne einigen Fragen zu der Handlung des Buches.

Roman Schleifer: Andreas, wie ist es zur Idee zu dem Buch gekommen?

Andreas Eschbach: Als ich mal juxhalber „National Security Agency“ ins Deutsche übersetzt habe. Bei den Worten „Nationales Sicherheit-Amt“ hatte ich sofort eine Behörde in der Weimarer Republik vor dem inneren Auge, die in einem kolossalen Gebäude residiert, in Büros voller schwerer, dunkler Eichenmöbel. Von da aus war’s dann nicht mehr weit zu einer Art Nazi-Steampunk-Variante mit Computern … nein, Komputern in Holzgehäusen, mit Bakelit-Tastaturen, Anschlüssen aus massivem Messing und stoffumwickelten Kabeln.

Roman: Jetzt hättest du das Buch auch in der Gegenwart spielen lassen können. Wieso hast du dich für das Dritte Reich entschieden?

Andreas: Nun, es geht, wie man sich denken kann, um Überwachung. Und dazu haben wir uns in der Gegenwart eine ziemlich relaxte Haltung angewöhnt: »Die überwachen mich? Na, sollen sie doch; ich hab nichts zu verbergen.« Das ist so ungefähr die allgemeine Einstellung, an der auch die dramatischen Enthüllungen eines Edward Snowden nichts haben ändern können. Wenn man darüber diskutiert, scheint das Schlimmste, was einem passieren kann, zu sein, dass man Werbung ausgesetzt wird, die genau auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist.

Aber das ist eben nicht das Schlimmstmögliche. Das Schlimmstmögliche wäre, wenn unsere gesamte heutige Informationstechnologie wieder in die Hände einer Regierung fiele, die ähnlich diktatorisch drauf ist wie die Nazis es damals waren. Dann könnte und würde nämlich alles, was du je, und sei es vor Jahren, irgendwo gepostet, geschrieben oder bestellt hast, gegen dich verwendet werden – die Daten verschwinden ja nicht.

Und anstatt mir jetzt irgendwelche neuen Nazis in der nahen Zukunft auszudenken, habe ich die Originale genommen und ihnen Komputer und das Weltnetz angedichtet.

Roman:  Ja, so etwas spart dem Autor Zeit. J
Heldin des Romans ist Helene, die gegen das Regime und ihren Vorgesetzten kämpft. Erzähl uns über sie und ihre Beweggründe.

Andreas: Anfangs tut sie das noch nicht, sondern ist eine brave Mitläuferin, die das System so nimmt, wie es eben ist. Die Anfänge des Dritten Reichs erlebt sie als Gymnasiastin, muss wie alle dem Bund Deutscher Mädel beitreten, und weil sie sich in Haushaltslehre zu ungeschickt anstellt und keine Lust hat, Krankenpflege zu lernen, wählt sie das einzige noch verbleibende Schulfach für Mädchen, nämlich das Programmieren …

Roman: Und Programmieren ist in deinem Buch ja Frauensache. Wie bist du denn auf diese Idee gekommen?

Andreas: Das war tatsächlich die ursprüngliche Arbeitsteilung, was Informationsverarbeitung anbelangt. In meinem Roman postuliere ich ja, dass Mitte des 19. Jahrhunderts Charles Babbage mit seinem Vorhaben, eine programmierbare mechanische Rechenmaschine zu bauen, die »Analytical Engine« nämlich, Erfolg gehabt hat, was den Lauf der Wissenschaftsgeschichte natürlich grundlegend beeinflusst. Und Babbages Partnerin in diesem Unternehmen war bekanntlich die Mathematikerin Ada Lovelace, die sich während des Baus schon Gedanken gemacht hat, wie man eine solche Maschine programmieren würde, und im Prinzip hat sie die meisten der heute üblichen Prinzipien – Verzweigungen, Bedingungen, Schleifen, Rekursionen und so weiter – schon vorweggenommen. Es ist also durchaus vorstellbar, dass sich die Ansicht, dass »Programme zu stricken« Frauensache ist, durchgesetzt hätte.

Roman: Und wie bist du auf die Figur Eugen Lettke gekommen? Das ist ja mal ein richtiger Kotzbrocken.

Andreas: Da habe ich eine Vorstellung ausgelebt, die mich nicht loslässt, seit es üblich geworden ist, alles Mögliche in die »Cloud« hochzuladen. Tatsächlich ist eine »Cloud« ja immer ein Rechner, der einfach jemand anderem gehört. Und da liegen dann deine Daten, dein Tagebuch vielleicht, deine privaten Fotos … Diese Dienste behaupten zwar, dass alles verschlüsselt und gesichert und so weiter ist, aber woher wissen wir denn, dass das stimmt? Was, wenn die »Cloud« von einem Admin betreut wird, der das Passwort kennt und sich nächtens die Zeit damit vertreibt, durch dein Privatleben zu schnüffeln?

Roman: Du, ich bin gleich wieder bei dir, ich muss mal kurz ein paar Daten löschen …

Wie hast du für dieses Buch recherchiert? Du lässt zum Beispiel das Tagebuch der Anne Frank gleich zu Beginn in den Roman einfließen.

Andreas: Ich hab mich einfach in meine Zeitmaschine gesetzt und … Nein, Quatsch, ich hab mich durch schätzungsweise zwei Meter Bücher übers Dritte Reich gelesen. An Material mangelt es ja nicht. Und der Computerkenner wird erraten, was sich hinter der »Strukturierten Abfrage-Sprache« verbirgt …

Roman: Wie reizvoll war es, bei dem Buch die Geschichte neu zu schreiben?

Andreas: Einerseits sehr reizvoll, weil ich mir ja immer überlegen musste, wie sich eine Änderung, die ich anbringe, mit der übrigen Welt und Geschichte vertragen würde – andererseits war es aber auch sehr bedrückend, sich in diese Zeit hineinzudenken.

Roman: Manchmal beschleicht mich bei deinen Büchern das Gefühl, dass du Kritik an der Gegenwart äußerst. Stimmt der Eindruck?

Andreas: So? Beschleicht dich dieses Gefühl? Warm, ganz warm!

Roman: Möchtest du mit deinen Romanen (z.B. »Ausgebrannt, »Herr aller Dinge«) die Leser ins Denken über zukünftige Entwicklungen bringen?

Andreas: Sagen wir lieber: Indem ich diese Romane schreibe, denke ich selber über bestimmte Dinge nach, und dadurch, dass ein Roman eine gewisse Geschlossenheit verlangt, bin ich gezwungen, tief in die jeweilige Thematik einzudringen und sie mir auf irgendeine Weise klar zu machen. Der fertige Roman ist dann gewissermaßen eine Einladung an die Leser, mir auf diesen Überlegungen zu folgen, und mein Eindruck ist, dass das viele gern tun.

Roman: Das kann ich für mich bestätigen. Zurück zur Überwachung durch die NSA. Wie stehst du als ehemaliger Programmierer zu den vielen Möglichkeiten der Überwachung?

Andreas: Als jemand, der schon »Big Data« gemacht hat, noch ehe es den Begriff gab, sehe ich unglücklicherweise noch viel mehr Möglichkeiten der Überwachung und Kontrolle, als ich sie in diesem Buch hätte unterbringen können. Man könnte Albträume kriegen.

Roman: Sollten wir uns dagegen wehren?

Andreas: Ja, aber nicht, wie es manche versuchen, auf technische Weise – durch Verschlüsselungssoftware, Onion-Routing und dergleichen –, denn im Ernstfall nützt einem das auch nichts. Wenn eine, sagen wir, »böse Regierung« die Daten übernimmt, dann macht dich eben die Tatsache, dass du solche Maßnahmen verwendest, verdächtig – oder auch nur, dass von dir keine Daten existieren! Wenn, dann muss die Gegenwehr auf gesellschaftlicher Basis erfolgen, oder einfach gesagt: Wir müssen als Gesellschaft aufhören, derartige Überwachung zu akzeptieren.

Roman: Du veröffentlichst jedes Jahr ein neues Buch – wie wählst du die Themen aus?

Andreas: Ich wähle eigentlich nicht Themen aus, sondern Ideen. Immer, wenn’s darum geht, was ich als Nächstes schreibe, schwanke ich zwischen einem halben Dutzend Ideen und nerve meine Frau mit ewigen Diskussionen, ob diese oder jene Idee die bessere ist … bis irgendwann, auf magische Weise, Klarheit eintritt und die Arbeit losgehen kann.

Roman: Für »NSA« begibst du dich auf Lesereise. Wo können wir dich live erleben?

Andreas: Am 4.10. in Hamburg, am 5.10. in Hannover, am 8.10. in Ulm und am 9.10. in Erfurt. Danach geht’s nach Frankfurt auf die Buchmesse.

Roman: Wie ist dein Verhältnis zu den Lesern?

Andreas: Ganz gut, würde ich sagen. Sie legen immer alle zusammen, damit ich ihnen das nächste Buch schreiben kann – was könnte sich ein Autor Besseres wünschen?

Roman: Sozusagen Crowdfunding 😉
Im Internet gibt es auch Leserunden, die du begleitest. Erzielst du jene Wirkung bei den Lesern, die du beabsichtigt hast? Gibt es Szenen, an denen die Leser anders reagieren, als es deine Absicht war?

Andreas: Es geht mir beim Schreiben eigentlich nicht darum, eine bestimmte Wirkung zu erzielen, sondern darum, der Grundidee des Romans gerecht zu werden. Man könnte sagen, das, was ich schreibe, muss zuallererst mal auf mich wirken, und zwar richtig. Idealerweise wirkt der Text dann auf andere genauso – aber im wahren Leben kommt es natürlich immer mal zu Abweichungen. Aber im Großen und Ganzen waren bisher alle, die den Roman gelesen haben, begeistert.

Roman: Kommen wir zu PERRY RHODAN und deinem RHODAN-Buch, das im Frühjahr 2019 im Verlag Fischer TOR erscheint. Mach uns neugierig drauf. Worum geht’s?

Andreas: Um das größte Abenteuer, das die Menschheit je unternommen hat. Und bei dem Perry Rhodan natürlich eine wichtige Rolle spielt, klar.

Roman: Na, so eine Überraschung: Perry Rhodan spielt mit. Welcher andere Unsterbliche noch?

Andreas: Homer G. Adams spielt auch eine nicht unwesentliche Rolle.

Roman: Und sicher gibst du Perry Rhodan auch einen oder mehrere Begleiter mit. Verrätst du uns etwas über sie?

Andreas: Hmm … lieber nicht. Das könnte den Spaß verderben.

Roman: Macht nichts, ich bin humorlos. 😉 Wird der RHODAN-Roman in die Handlung rund um Band 3000 eingebettet sein?

Andreas: Nein, aber er dockt durchaus an die Heftserie an, nur eben an einer anderen Stelle.

Roman: Ist der Roman auch etwas für Leser, die bislang von RHODAN nur den Namen kennen?

Andreas: Absolut. Ich hoffe sehr, dass auch meine Mutter ihn lesen wird.

Roman: Deine Mutter? Okay, bitte schreibe mir dann, wie es ihr gefallen hat.  😉
In einem Interview hast du gesagt, dass das Schreiben eines RHODAN-Heftromanes für dich eine Erholung ist. Wie war das bei dem Buch?

Andreas: Nun, es war aufregend, aber Erholung war es eher nicht. Immerhin habe ich bei diesem Roman erstmals die Schallgrenze von 1000 Manuskriptseiten durchbrochen – 1040 waren es zum Schluss. Das sind quasi 10 Heftromane auf einmal.

Roman: Wie eng hast du mit dem Expo-Team zusammengearbeitet?

Andreas: Das lief relativ locker. Ich habe ihnen vorher gesagt, was ich vorhabe; sie waren mit allem einverstanden, haben sogar noch ein paar Ideen beigesteuert, und dann haben sie mich machen lassen.

Roman: Zurück zu »NSA«. Hast du eine Lieblingsstelle?

Andreas: Ach, weißt du … meine Romane bestehen nur aus Lieblingsstellen. Alles andere streiche ich von vornherein weg! (Lacht)

Roman:  Guter schriftstellerischer Ansatz. J Warum sollte man dieses Buch gelesen haben?

Andreas: Weil man die Welt danach mit anderen Augen sehen wird. Es ist die »rote Pille«.

Roman: Also bei mir hat die rote Pille gewirkt. »NSA« ist ein Pflichtbuch. Wie bei all deinen Büchern konnte ich es nicht aus der Hand legen und habe mir eine Nacht um die Ohren geschlagen.

Andreas: Das ist immer das Ziel.

Roman: Hat hervorragend funktioniert. Welchem Thema widmest du dich in deinem nächsten Buch?

Andreas: Oh, wenn ich das schon wüsste, wär ich froh …!

Roman: Andreas, danke für deine Zeit.

Andreas: Ich danke für das Interview.

Roman: Wer es nicht mehr erwarten kann, empfehle ich die Leseprobe auf der Homepage von Andreas Eschbach:

http://www.andreaseschbach.de/werke/romane/nsa/lp_nsa/lp_nsa.html