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Sechs Fragen an Uschi Zietsch zu ihrem Roman 3018

In Bande 3018 von Uschi Zietsch zieht Perry Rhodan und sein Team weiter über einen Planeten, der der Erde ähnelt. Im Interview verrät sie, ob Perry Rhodan schimpft und was sie von den Entführern Terras und Lunas hält.

 

Perry Rhodan hat zum ersten Mal den Verdacht, dass eine andere Macht als die Cairaner die Erde und Luna entführt haben könnten. Angenommen er hat recht – wieso ist diese Macht bislang nicht in Erscheinung getreten?

Woher willst du denn wissen, dass sie das nicht ist? Sie hat sich uns nicht persönlich vorgestellt, aber ich bin sicher, hier und da gibt es schon Hinweise darauf, dass noch mehr hinter alldem stecken muss. Dass es da jemanden gibt, der die Fäden zieht. Das wissen wir eigentlich schon seit 3015, Raptus Terrae, denn für das Verschwinden von Terra und Luna sind die Cairaner meiner Ansicht nach nicht verantwortlich. Das passt nicht zu ihrem Verhalten. Sonst hätten sie auf Iya wahrscheinlich auch keine Forschungsstationen (wenn man was absichtlich tauscht, kennt man das Eingetauschte normalerweise), und nachdem sie ja in 3017 etwas über ihre Motivation preisgegeben haben – sie haben Unterdrückung erlebt und jetzt das Sendungsbewusstsein, das Missionarssyndrom entwickelt, dass sich das woanders nicht wiederholt -, würde der durch sie durchgeführte Raptus keinen richtigen Sinn ergeben. Da steckt meiner Meinung nach jemand dahinter und es ist irgendeine gewaltige Schweinerei im Gange.
 

Das Muster der Desinformation in der Milchstraße wiederholt sich auf Iya. Bei Terra kann ich das noch nachvollziehen. Es soll aus dem Gedächtnis der Völker gelöscht werden. Welchen Sinn hat es bei Iya?

Nun, Iya wird ja nicht geheimgehalten, sondern lediglich abgeriegelt, damit die Ayees in ihrer Entwicklung nicht gestört werden. Und das Gebiet des Clausum ist ziemlich groß, also muss es da schon etwas Besonderes geben, das man – entweder die Cairaner, oder, vielleicht ohne ihr Wissen, dass sie benutzt werden, jemand anderer – schützen, verstecken … vielleicht sogar erst herstellen will? Letztendlich interessieren sich ja nur noch die Unsterblichen für dieses Gebiet, alle anderen Terraner kennen das ursprüngliche Solsystem seit Generationen nicht mehr – plus der gezielten Mystifizierung. Es handelt sich hierbei also nicht um eine bewusste Desinformation, sondern lediglich darum, zu verdeutlichen: »hier wir, du nix.« Und Bull möchte gern wissen, warum das so ist.

Perry denkt über sich selbst, dass er mit seinem Kontrollzwang aufhören sollte und daran, dass  Bull die Liga 500 Jahre lang ohne ihn geschupft hat. Glaubst du, denkt Rhodan nur er weiß, was wirklich das richtige ist?

Er hofft, das Richtige zu tun und weiß, dass er dabei auch schon mal übers Ziel hinausschießt. Eben dadurch, dass er ein extremes Verantwortungsbewusstsein hat und alles und jeden beschützen will. Sein Gefüge dürfte ordentlich ins Wanken geraten sein, weil er so viel Zeit verloren hat und das Projekt von San derzeit auf Eis gelegt ist. Es ist nach dem Weltenbrand alles auf Anfang gestellt worden, nur für ihn eben 500 verlorene Jahre später. Perry verfolgt sein Ziel, ohne jemals aufzugeben, aber er ist dabei nicht nur stur oder mit Tunnelblick versehen, sondern durchaus selbstkritisch und anpassungsfähig, wenn sich die äußeren Umstände ändern.


 Perry Rhodan vertraut Zemina Paath. Mit welchem Schimpfwort würde er sich belegen, falls sich herausstellt, dass sie doch eine von den Bösen ist?

Ich bitte dich. So etwas benutzt Perry doch nicht. Abgesehen davon wäre er nicht wütend, sondern zutiefst enttäuscht, sein Vertrauen abgestraft zu bekommen. Man muss dabei aber auch beachten, dass er ja nicht vorbehaltlos vertraut. Die Thesan steht unter Beobachtung und darf sich nicht frei bewegen.
 

Die Cairaner bauen auf Iya Diamanten ab, die sie den Ayees schenken. Wieso kommen sich die Ayee nicht verarscht vor, wenn ihnen etwas von ihrem eigenen Planeten geschenkt wird?

Ich weiß jetzt nicht, ob das im gedruckten Heft drin ist, aber jedenfalls wäre der Abbau, vor allem in dieser Menge, für sie zu aufwendig und zu teuer. Das wurde an irgendeiner Stelle ausgesagt. Die Diamanten sind für sie eine Art Bezahlung dafür, dass sie die Anwesenheit der Cairaner dulden. -Wobei sie sich natürlich im klaren darüber sind, dass sie das nicht verhindern könnten, diese Geschenke sind deshalb ein kleiner Ausgleich.

Ich darf zitieren: »Mit der Bahn! Immer pünktlich und zuverlässig und immer voll besetzt.«
War das eine Anspielung?

Neiiiiin. Niiiiiemals. Wie kommst du nur darauf? * unschuldig guck *

Uschi, danke für deine Zeit.

 

 



Neun Fragen an Susan Schwartz zu Band 3017

In Band 3017 gelangt Perry Rhodan endlich ins Solsystem. Susan Schwartz erzählt im Interview, wieso die Cairaner die THORA samt Bull mit ihrer Flotte nicht einfach festsetzen und wieso Perry Rhodan ein Chaosbringer ist.

Uschi, seit Band 3015 wissen wir, dass die Zweifel an der Existenz von Terra durch eine Strahlung entsteht, die aus dem Solsystem kommt. Wieso wirkt diese sechsdimensionale Strahlung nicht auf die Besatzung der RAS TSCHUBAI?

Wahrscheinlich wirkt sie, aber nicht sofort. Das wird nicht wie bei einem Lichtschalter funktionieren, der angeschaltet wird und dann ist es sofort hell. Es wird ein schleichender Vorgang sein. Das ist kein Thema meines Romans gewesen, deswegen kann ich dazu nicht mehr sagen.


Und wieso hat die THORA diese Strahlung im Solsystem nicht angemessen?

Hat sie vielleicht sogar, aber auch das war nicht Thema meines Romans.


Die Cairaner machen Jagd auf Unsterbliche, vermutlich auch wegen ihrer Vitalenergie. Wieso rotten sich die Cairaner nicht zusammen, als sie die THORA vor dem Solsystem orten und nehmen Bull gefangen? Genügend Raumschiffe wären vor Ort.

Das schon, aber wenn sie einen offenen Konflikt mit der LFG wollten, hätten sie den schon lange, bzw. ab Zeitpunkt der Invasion, haben können. Bei früheren Gelegenheiten haben sie ja auch nichts gegen Bull unternommen. Es macht zu diesem Zeitpunkt keinen guten Eindruck auf das gesamte »Friedensgefüge« der Galaxis, auch außerhalb des LFG-Bereichs, wenn das Flaggschiff der LFG aufgebracht und der Resident verhaftet wird.
Weswegen denn?
Womit wollen die Cairaner sich vor der Öffentlichkeit rechtfertigen?
Natürlich »müssen« sie das nicht, aber sie müssen mit Unzufriedenheit, Fragen, Widerstand rechnen. Sobald das beginnt, beginnt auch der Kontrollverlust.
Vermutlich haben sie mit Bull etwas ganz anderes vor, erkennen ihn als Staatschef an und wollen auf politische Weise mit ihm verhandeln und ihn ruhigstellen.

Bull hatte 400 Jahre Zeit von den Cairanern den Einflug ins Solsystem zu fordern. Wieso braucht er dazu ausgerechnet die »Drohung«, dass Rhodan ihm seinen Job abspenstig machen möchte? Ist ihm in den letzten 400 Jahren nichts gescheites eingefallen?

Offenbar nichts, mit dem er Erfolg hatte. Aber die Drohung mit Perry ist ja nicht aus der Luft gegriffen, sondern sehr akut. Er hat ein mächtiges Schiff und Bull hat deutlich gemacht, dass Perry als alter Staatsmann in der Lage ist, die Massen zu begeistern und auf seine Seite zu ziehen – ob nun die Vergangenheit ausgelöscht ist oder nicht. Er kann Zwietracht und Zweifel säen und das Gleichgewicht empfindlich stören. Der cairanische Frieden ist durch Perry eindeutig in Gefahr.
Diese Argumente ziehen sehr wohl – wohingegen in den vorherigen 400 Jahren Bull nur auf sich als Drohung verweisen konnte, und seine unsterblichen Gefährten. Da ihm aber nicht am Krieg gelegen war, wie auch den anderen Unsterblichen, herrscht ein Patt, sodass er auf den Goodwill der Cairaner angewiesen war, die ohne nachvollziehbare Gründe den Teufel getan haben, seinen Wunsch zu erfüllen. Durch Perrys Rückkehr haben sich die Verhältnisse aber extrem verschoben und Bulls Seite hat eindeutig an Gewicht gewonnen.

Im Prinzip wirft Bully seinem Kumpel Perry vor, dass er mit seinem Auftauchen und seinen zukünftigen Handlungen einen Trümmerhaufen hinterlassen kann. Perry, der Chaosbringer?

Ja klar. Das ist doch eine superspannende Konstellation: Perry kommt nach Hause und will weitermachen wie bisher, und selbst sein bester Freund sagt zu ihm, dass die Dinge inzwischen anders laufen. Das ist ein Riesenkonflikt, der letztendlich sogar diese Freundschaft zerstören könnte. Vielleicht nicht auf Dauer, aber für eine Weile. Denn Perry kann und wird das nicht einsehen und alles unternehmen, dass wieder alles wie früher wird – ohne die Friedensdiktatur einer außergalaktischen Spezies.
Perry wird zudem niemals akzeptieren, dass die Erde nicht mehr da ist und per Fremdbeeinflussung als Mythos dargestellt wird. Er wird die Lüge aufdecken und er wird Terra zurückholen. Das kann nicht auf sanftem und friedlichem Wege geschehen, da er dazu die Cairaner in ihre Schranken weisen muss. Das haben sie bereits erkannt und ihn zur persona non grata, wenn nicht zum Feind, deklariert. Chaos wird die Folge sein.
 

Bull wirkt entschlossen, seine Bemühungen auch gegen Perrys Ansichten durchzuboxen – nötigenfalls auch mit dem Bruch der Freundschaft?

So wie ich ihn kenne, ja. Er wird die Interessen der LFG, wenn nicht der Galaxis, über die Freundschaft stellen. Genau wie Perry auch geht ihm der Frieden und die Freiheit über alles, aber er hat durch die 500 Jahre eine andere Perspektive als sein Freund.

Gibt uns einen Appetithappen auf Band 3018 »Welt der fünf Augen«.

Die KYNAYASH hatte keinerlei Chance auszuweichen. Die Gondel des verunglückten Luftschiffes donnerte mit voller Wucht in sie hinein, und diesmal barst die Glaskuppel, wurde in tausende Teile zersprengt, während unterschiedlich große Metallteile durch das Deck flogen und in die Kommandobrücke einschlugen.

Hartmut als auch Monti haben gesagt, der Zyklus könnte anders ausgehen, als die Leser es vermuten oder erwarten. Wird die Erde vielleicht gar nicht gefunden?

Wer weiß? Ich jedenfalls nicht. Ich halte alles für möglich.

Du beschreibst die Fauna und Flora der Erde ausführlich – im Laufe deiner 27 Jahre, die du für PR schreibst, welches wissenschaftliche Thema hat dich in den Heften am meisten fasziniert?

Stets das Leben von Fremdvölkern auf Fremdwelten. Ganz ausführlich durfte ich die Aarus beschreiben (ich weiß, ich überstrapaziere das, aber auch die Herreach waren nicht so ausführlich), das war toll.

Danke für deine Zeit.

Uschis Homepage: https://www.uschizietsch.de/

Neun Fragen an Susan Schwartz

In Band 3010 führt Susan Schwartz aka Uschi Zietsch den Leser durch Perry Rhodans Augen durch die Station Gongolis. Im Interview verrät sie unter anderem was passieren müsste, dass Perry Rhodan seinen ältesten Kumpel tötet und wie Clark Darlton  Leserreaktionen zum Zyklusbeginn kommentiert hat.

Uschi, in Band 3008 hattest du Atlan als Haupthelden, in Band 3010 Rhodan. Wenn du die Wahl hättest – bei wem würdest du eher dahinschmelzen (unter der Annahme, dass du solo wärst)?

Atlan natürlich. Der ist viel lockerer als Perry und kann besser einen draufmachen. (Ich nehme an, du redest nur von einer Affäre – denn als Lebenspartner will ich beide nicht.) Und er hat natürlich die viel interessanteren Anekdoten und Geschichten auf Lager und kann sich tolle romantische Abenteuer ausdenken. Eine Stippvisite in die Jenzeitigen Lande zum Beispiel, um einem alten Kumpel hallo zu sagen und dich ihm vorzustellen. 😉

Perry denkt in deinem Band (wie in den Vorbänden) über Bully chaotarchische Prägung des ZACs nach, befürchtet eine Beeinflussung und verwirft den Gedanken wieder. Wird Perry langsam paranoid?

Nein, das ist schließlich ein nicht zu unterschätzender Faktor. Bully kann sich in den vergangenen 500 Jahren komplett zum bösen Diktator gewandelt haben. Perry weiß überhaupt nicht, wem er begegnet – und diese Unsicherheit ist schlimmer, als wenn er zum ersten Mal mit einem Fremden zusammentreffen würde. Immerhin ist Bully sein ältester und am meisten nahestehender Freund. Ich hätte auch gehörig Manschetten vor dieser Wiederbegegnung.
Man könnte Perry vielleicht vorwerfen, dass er Bull gegenüber misstrauischer ist als gegenüber Zemina Paath – aber in diesem Fall hat er auch mehr Anlass dazu. Bei Paath greift die Unschuldsvermutung, bei Bull hingegen weiß er, über welche herausragenden Fähigkeiten sein Freund verfügt, die zum Guten wie zum Bösen enorme Wirkung haben können.

Angenommen, der chaotarische ZAC wirkt sich negativ aus – was müsste passieren, dass Perry seinen ältesten Kumpel tötet?

Ein zweiter Weltenbrand und absolut überhaupt kein anderer Ausweg und keinerlei Wahl mehr an einem Punkt, wo nur noch einer von beiden überleben kann (oder keiner).
 

In Band 3008 war der Tod eines Einsatzmitglieds vom Expo-Team vorgegeben. In Band 3010 stirbt nun einer der Bösen. War auch das vorgegeben? Und dürfen wir in diesem Zyklus in jedem deiner Hefte mit mindestens einen Toten rechnen?

Zu deiner letzten Frage: Jep. Gibt weiterhin Tote. 😉
Zu 3010: Ja, das war so nach Expo geplant. Die Figur, die es trifft, war allerdings frei gestaltbar. Ich hätte die Figur eventuell nicht umgebracht, aber die damit verbundenen Gemeinheiten haben sich so schön angeboten, da konnte ich nicht widerstehen. Es ist ja kein Zwang, ich hab im vergangenen Zyklus einen Terraner mal nicht wie vorgesehen umgebracht, weil er mir leid getan hat. Und ich ihn für die Schlussszene gebraucht habe, damit ich keine unnötige zusätzliche Figur als Stichwortgeber einführen musste.

Rhodan denkt in deinem Band an Murphys Law (»Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen.«) und stimmt dem zu. Eigentlich dürfte er dann nicht mal mit der STARDUST auf dem Mond gelandet sein ..

Ja, das ist natürlich anhand seiner weit über 3000 Jahre Erfahrung eine ordentliche Portion Selbstironie. Er kann sich ja vorstellen, dass wieder alles schiefgehen wird, weil es meistens so kommt, es interessiert ihn aber nicht – denn wenn er nur wegen dieser Befürchtung klein beigäbe, wäre er in der Tat gar nicht erst zum Mond geflogen.
Er war damals »Risikopilot« und genau das ist es, was ihn innerlich antreibt und ihm gefällt – das Risiko. Es ist neben seinem übergroßen Verantwortungsbewusstsein sein grundlegender Charakterzug, sich unüberwindlich scheinenden Widrigkeiten und Konflikten zu stellen und sie zu bewältigen. Obwohl er sich so spröde und verantwortungsbewusst gibt – was verständlich ist bei der Aufgabe, die er hat – ist er im Grunde seines Herzens immer noch ein Abenteurer und voller Neugier, das Unbekannte zu ergründen, und begeisterungsfähig.

Perry denkt in 3010 »Die Menschen schienen immer wieder dieselbe Lektionen lernen zu müssen.«
Was ist die Lektion, die Rhodan in 3500 Jahren gelernt hat?

Diese Lektion wird erst dann abgeschlossen und gelernt sein, wenn er die Kaffeemaschine abschaltet, das Licht löscht und die Tür zum Universum für immer hinter sich schließt.
Bis dahin befindet er sich fortwährend im Lernprozess der Lektion. Er bewältigt lediglich winzige Teilschritte, in denen er erkennen muss, dass nichts so ist wie es scheint und dass er sich selbst – seinen positiven Grundsätzen – treu bleiben muss.
 

Tenga fragt sich, wie oft Perry durch seine Fähigkeit des Sofortumschaltens schon in kritische Situationen geraten war. Was war deiner Meinung nach die kosmopolitisch schlimmste Situation, in der sich Perry hineinmanövriert hat?

So etwas wie der Weltenbrand, für den er – ob gewollt, bewusst oder nicht, spielt keine Rolle – die Mitverantwortung trägt, ist meiner Ansicht nach kaum noch zu toppen. Aber wer weiß!

Ragnu möchte seiner Frau einen angemessenen Lebensstil bieten. Was denkst du, erwartet im 6. Jahrtausend die durchschnittliche Frau von einem  Männern?

Ich glaube nicht, dass es angesichts der vielen Völker und vielen unterschiedlichen Lebensweisen so etwas wie einen Durchschnitt gibt, und vor allem gibt es ja das für uns typische Rollenverhalten, dass der Mann der Familienversorger ist, nicht mehr. Zuletzt hatte sich auf Terra niemand Sorgen um sein Auskommen machen müssen, es gab eine Grundsicherung, mit der es sich angenehm leben ließ, und den Rest musste man sich eben erarbeiten. Ragnu hat einfach immer nur illusorisch gelebt. Obwohl seine Frau gearbeitet hat, war er der Ansicht, sie mit Wohlstand und Geschenken überhäufen zu müssen, um sie halten zu können, weil er sich für viel zu unzulänglich hielt. Auf Gongolis gibt es so etwas wie eine Grundsicherung nicht, da muss man arbeiten für sein Auskommen, und wer das nicht schafft, wird rausgeschmissen oder landet in den düsteren Gegenden. Es ist zwar wohl nicht schwer, einen gewissen Standard zu erreichen und zu halten, denn es gibt viele Arbeitsplätze, die eigentlich von Positroniken oder Robotern übernommen werden könnten. Aber dann gäbe es auf der Station nur einige wenige Privilegierte, und das ist ja nicht das Ziel des Habitats.

Der Zyklus ist jetzt zehn Hefte alt … ein paar Lesern geht es im Galaktischen Forum zu langsam. Was entgegnest du ihnen?

Ich glaube, das ist immer bei einem neuen Zyklusstart der Fall. Bei dem stets kosmischen Finale eines Zyklus, in dem sich entwicklungstechnisch gesehen die Ereignisse immer überschlagen und ordentlich »aufgeräumt« werden muss, fällt man als Leser mit einem neuen Zyklusstart, der bei 0 beginnt, immer erst mal ernüchtert zu Boden.
Weil das neue Geheimnis sich aufbauen muss und nicht sofort wieder enthüllt wird, dabei haben wir in den ersten zehn Bänden schon jede Menge Verstrickungen und Fäden.
Manche Leser wollen, dass es genauso temperamentvoll weitergeht wie es aufgehört hat, aber es geht eben auf einem anderen Niveau weiter.
In all den 27 Jahren habe ich es eigentlich nie erlebt, dass von manchen nicht der »schlechteste Zyklus aller Zeiten« befürchtet wurde.
Und auch davor war es so, das hat mir sogar Walter Ernsting/Clark Darlton schon erzählt: »Wirst sehen, wenn es jetzt wieder losgeht, wird es der schlechteste Zyklus aller Zeiten sein. Das ist immer so. Damit müssen wir leben.«
Es ist ja nicht so, dass früher immer alles eitel Wonne war, es gab lediglich kein Internet, in dem man sich öffentlich austauschen konnte. Früher gab es nur wütende Leserbriefe und Drohungen an den Verlag. Die Fanzines hatten relativ betrachtet zu Internetforen und Social Medias eine winzige Reichweite, vor allem auch gemessen an den damaligen Heft-Auflagen. Und genauso wie damals ist es nicht der Großteil der Leser, die sich überhaupt zum Kundtun einer Meinung aufraffen, sondern es sind verhältnismäßig nur einige wenige.
Die Kollegen damals haben dasselbe gesagt, wie ich es heute sage: erst mal abwarten.

Sechs Fragen an Susan Schwartz und vier Zusatzfragen

Mit Band 3008 »Stadt der Letztgedanken« steigt Susan Schwartz in die Handlung ein. Unter anderem verrät sie uns, was ihr letzter Gedanke sein soll und ob Atlan Perry die Frau ausspannen könnte.

Uschi, in deinem Roman 3008 tauchst du intensiv in die Lebenseinstellung des Letztgedankens des Volks der Vanth ein. In weiten Strecken erzählst du ihre Geschichte. Was reizt dich mehr: Durchgehende Action oder Lebensgeschichten eines ganzes Volkes?

Ich habe zwar schon einiges mit Tempo gemacht – zuletzt »Die beiden Rhodans« -, aber bei der Erstauflage reizen mich wegen des gigantischen Überbaus schon sehr die ganzen Hintergründe, warum wer was tut. Geheimnisse, Rätsel, Entdeckungen, vor allem des Fremden … das ist einfach so ein Riesenkosmos, und da gibt’s immer noch was herauszufinden. Das ist für mich in dem Fall spannender, es sei denn, eine der Hauptfiguren muss sich allein irgendwo durchschlagen, das macht auch viel Spaß. Allgemeine Kämpfe interessieren mich nicht so sehr. Lieber murkse ich jemanden auf fiese Weise ab. Und ein Volk zum ersten Mal darzustellen ist immer schön.
Bei NEO hingegen ist es mehr Abenteuer, wie die »Ilias« eine (Selbst)Findungsreise, da geht natürlich mehr Action ab.
Ach was, ich mag die Abwechslung. 🙂

In der Philosophie des Letztgedankens soll man mit dem letzten Gedanken auf ewig eins mit dem Kosmos sein. Wie soll dein letzter Gedanke sein, um mit dem Kosmos eins zu werden?

»Ich bitte um vollständige Auflösung.«
Was die Vanth da treiben, ist für mich der pure Horror. Ich möchte bitte tot im Sinne von * tilt * sein. System down, Festplatte gelöscht, keine Redundanz vorhanden. Atomisiert und dadurch mit dem Kosmos verbunden. Das ist schön!

Atlan, der alte Sarkast, macht Sichu gegenüber eine anzügliche Bemerkung. Was müsste passieren, dass er Perry doch die Freundin ausspannt (obwohl er es ja gedanklich verneint)?

Ach, ist das dringeblieben? Da schau her! So sehr Atlan Frauen mag, das ist für ihn ein absolutes Tabu. Insofern kann ich mir kein Geschehnis vorstellen, dass es ausgerechnet dazu kommen könnte. Dazu respektiert er beide viel zu sehr. Vor allem aus Sichus Warte käme das nicht infrage, die würde ihm als erstes den Bart an der Kehle abrasieren. Atlan ist auch nicht ihr Typ. Was ihn betrifft, ist er natürlich charmant, denn Sichu ist für ihn eine faszinierende Frau, und das möchte er (und darf er auch) durchaus mal zum Ausdruck bringen, wenn es eine Steilvorlage wie hier gibt. Sowas lässt er nicht ungenutzt verstreichen. In erster Linie aber hat er versucht, die angespannte Lage aufzulockern und Sichus Gedanken abzulenken.

Bleiben wir bei Atlan: Er denkt, dass er Perry vermutlich wieder aus der Bredouille holen muss. Wie denkst du, sieht Atlan den Terraner? Ist Perry für ihn wie der kleine Bruder?

Egal, wie alt beide werden, Atlan wird immer der Ältere mit der größeren Erfahrung sein. Zudem ist er sehr privilegiert aufgewachsen und wurde schon von Kindesbeinen an darauf trainiert, ein Herrscher zu werden. Er war an unglaublichen Orten, hat unglaubliche Dinge gesehen. Er sieht Perry selbstverständlich auf Augenhöhe und bewundert vieles an ihm, doch emotional sieht er sich bei einschneidenden Ereignissen – wie den Zeitverlust von 500 Jahren – vermutlich ein bisschen wie ein großer Bruder. Vor allem, da beide sehr unterschiedlich an undurchschaubare Situationen herangehen – als Beispiel die Auseinandersetzung in Band 3000 wegen Zemina Path. Atlan macht sich Sorgen, dass Perry zu sorglos ist, und tritt als »Gewissen« auf.

Als Atlan sich entscheiden muss, ob der Gucky oder den anderen Kameraden (zB Sichu) hilft, entscheidet er sich für Gucky. Angenommen Sichu wäre gestorben, weil er Gucky gerettet hat – wie würde er das Perry gegenüber rechtfertigen?

Sichu hat eine strenge militärische Ausbildung durchlaufen, sie ist eine Führungspersönlichkeit mit einer Menge Erfahrung und Kampfkraft. Einen Aufpasser braucht sie nicht, und in dem Fall war sie ja nicht in unmittelbarer Gefahr. Atlan vertraut ihr bedingungslos, dass sie das Richtige tun wird, wohingegen Gucky in tatsächlicher Gefahr war und nicht mehr in der Lage, Entscheidungen zu treffen oder sich zu verteidigen. Konsequenterweise ist Atlan zu Gucky geeilt, weil er am nächsten und deshalb am schnellsten vor Ort war, und Sichu wiederum sollte darauf achten, dass dem letzten Teammitglied nicht dasselbe zustößt wie den beiden Kollegen.
Die Rechtfertigung ist, die Wahl nach bestem Ermessen getroffen zu haben – und das innerhalb einer Sekunde, länger hat man nicht. (Wenn überhaupt.) Das weiß Perry, sollte es zu einer Tragödie kommen, und wenn Atlan korrekt gehandelt hat, wird es keinen Vorwurf geben. Den macht unser arkonidischer Freund sich schon selbst. Abgesehen davon haben beide ja schon so viele Partnerinnen und Kinder, Schutzbefohlene und Freunde verloren, die haben einen ganz anderen Blickwinkel als wir.

Michelle hat in ihrem Interview erzählt, dass du die von ihr erfundene Figur Marli Wilkar in Band 3008 gleich mal umbringen wolltest. Was war der Grund für diese Mordabsichten?

Der Grund war, dass ich laut Expo ein Teammitglied abmurksen sollte (und es diesmal auch durchgezogen habe), und damit der Leser mehr mitleidet und eine Beziehung hat, wollte ich eine Figur aus Michelles Roman übernehmen, am besten eine sympathische. Sie hatte das erste Kapitel geschickt und da kam Marli vor, die spontan für mich ideale Kandidatin für einen tragischen Tod. Ich fragte bei Michelle an, ob es ihr recht wäre, und sie teilte mir mit, dass Marli ihre Figur wäre und dass sie sie gern noch eine Weile behalten würde. Da nahm ich natürlich sofort Abstand von meiner Idee und habe in meinem Roman einen Redshirt erfunden, der das Zeitliche segnet.

 Im Vorjahr hast du die Miniserie OLYMP betreut, die bei Neu- als auch bei Altlesern gut angekommen. Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Die Mischung, denke ich. Vertrautes, Geheimnisvolles und Abenteuer.

Welche Ideen hast du für eine zweite Staffel?

Also, Roman, meinst du wirklich, die würde ich so öffentlich verraten? 😉
Es wäre allerdings noch genug Stoff da, um im selben Jahr weiterzumachen. Das Kaiserpaar ist zwar da, aber es muss ja nicht jeder damit einverstanden sein. Und da gibt es Schatten der Vergangenheit bei beiden …  einfach mal so dahinfantasiert.

Für alle, die es noch lesen könnten: Warum muss man die Miniserie gelesen haben?

Um mich reich zu machen, natürlich! 😉
Als eBook bekommt man es ja auch noch im günstigen Paket. Es ist ideal für den Urlaub – eine abgeschlossene Miniserie am Stück, die das Perryversum beinhaltet und Lust macht auf mehr.

https://perry-rhodan.net/shop/item/9783845352640/perry-rhodan-olymp-paket-1-12-von-perry-rhodan-e-book-epub

Du bist ja auch außerhalb von PR umtriebig. Verrate uns deine nächsten Projekte.

Aktuell ist von mir Band 1 von »Das Reich Albalon« erschienen, High Fantasy auf unserer Welt, die einige britische Mythen beinhaltet. Band 2 folgt im Juni, die Bände 3 und 4 (Abschluss) sind für 2020/21 geplant.

https://www.fabylon.de/produkt/zietsch-uschi-das-reich-albalon-1-der-bund-der-fiandur-2/

https://www.fabylon.de/produkt/zietsch-uschi-das-reich-albalon-2-das-herz-des-koenigs/


Zum Sommer hin erscheint außerdem ein Frauen-Road-Trip in Irland von mir, »Irish Hearts«. Ja, da merkt man, wofür mein Herz schlägt, gell? 🙂

Homepage von Uschi Zietsch: https://www.uschizietsch.de/

Homepage ihres Verlags, Fabylon: https://www.fabylon.de/