Zehn Fragen an Susan Schwartz und Christian Montillon zu ihrem Band 3093

Susan Schwartz und Christian Montillon verraten im Interview mit Roman Schleifer, wie sie zu den Lesererwartungen stehen und wieso 3093 aus Sicht von Anzu erzählt wird. 

3093 führt einige Handlungsstränge zusammen bzw. beendet sie. Wie herausfordernd ist das im Vergleich zu einem normalen Roman?

Uschi: An sich ist es genauso herausfordernd wie jeder 99er und ein, zwei Bände davor. In dem Fall war es aber noch ein wenig aufwendiger, da wir zu zweit so einen Roman verfasst haben, wo sich die Handlungsebenen ineinander verflechten und nicht jeder seine eigene Ebene hatte. Das gab also nochmal ein paar Mails dazu, aber ansonsten waren wir inzwischen schon so eingespielt und »drin« im Thema, dass es eigentlich sehr flott ging.

Christian: Ein wenig herrschte ein Feeling wie in einem Zyklusabschlussroman. Allerdings ist es mir persönlich jetzt nicht soooo schwergefallen – das war in der Exposévorbereitung schon kniffliger.  🙂
Will sagen: Es war schon herausfordernder, aber da ich wusste, worauf es hinausläuft, war für mich vor allem die Herausforderung, die Charaktere (in meinem Fall vor allem Anzu) stimmig fortzuführen.

Der Roman wird stellenweise aus der Sicht von Anzu erzählt. Was ist einfacher zu handhaben: Rhodan als Hauptfigur oder eine neue Figur?

Uschi: Immer die neue Figur. Das ist praktisch die Perspektive des Lesers, das Innenleben ist näher am Leser dran, die Gedanken können besser dargestellt werden. Der Charakter entwickelt sich erst.

Christian: Es kommt drauf an, was die Geschichte verlangt. Ich geh mal ein wenig zurück: 3090. Ich wollte den Roman aus Sicht von Rhodan schreiben. Hat nicht funktioniert, ich hab mich lange herumgequält und es versucht.
Also kam ich auf eine großartige Idee: »Schreib aus der Perspektive von Donn Yaradua!« Hab ich versucht. Hat nicht funktioniert. Hab mich lange herumgequält. Dann dachte ich: »Erfinde einfach eine neue Figur im Team, die im Expo gar nicht auftaucht und erzählt aus ihrer Perspektive, das gibt einen frischen Blickwinkel.«
Und alles lief bestens. Die Geschichte hat sich vor mir entfaltet, und ich hab noch während des Schreibens von 3090 beschlossen, alle meine Teile des Viererblocks aus Anzus Sicht zu schreiben, und zwar ausschließlich. Was manchmal auch herausfordernd war, aber für mich selbst sehr gut funktioniert hat.

Perry Rhodan kehrt in die Milchstraße zurück – wie können sich seine Freunde sicher sein, dass er nicht wie Atlan ein Klon ist?
Wird noch geklärt, wieso Gry das Leuchtfeuer war?

Christian: Seine Freunde werden es herausfinden, wie sie es bei Atlan auch herausgefunden haben. Lasst Taten sprechen und schaut mal, was der Perry so tut, der da auftaucht …

Gry: Es ist ihre Entwicklung in den letzten Bänden, ihre spezielle Einzigartigkeit, die nun auch darin gipfelte, dass sie als Leuchtfeuer wahrgenommen worden ist. Es gab ja auch eine kleine Szenerie, in der sie erzählt, wie das so war. Ich finde schon, dass das eine logische Entwicklung war, dass sie – und nur sie – sich in dieser Rolle fand.

ES hat mittels Langzeitplan erneut seine Finger drinnen. Da fällt mir ein, Atlan hat ja auch ein Schiff von ES bei der Bleisphäre gesehen – lesen wir davon im Finale?
Und die Schläferin mit den Visionen … hätte sie deiner Meinung nach Potenzial für den nächsten Zyklus?

Christian: Das Schiff von ES bei der Bleisphäre … über das Finale dieses Zyklus sag ich aus naheliegenden Gründen nichts. Das musste lesen.  🙂
Aber dass über dieses Schiff von ES das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, ja, das geb ich gerne zu.

Und was unsere Schläferin mit den Visionen angeht: Ja, hätte sie, meiner Meinung nach.  🙂

Mit den Ankerstroms und mit Anzu Gotjian habt ihr wieder drei Mutanten mehr. Dürfen wir uns im nächsten Zyklus auf ein neues Mutantenkorps freuen?

Christian:
Nichtspoilernder Monti: »Nein!«

Spoilerfreudiger Monti: »Doch!«

Verwirrter Monti: »Oh!«

Schläferin mit Visionen: »Wer da jetzt lügt oder die Wahrheit sagt, wird die Zukunft weisen.«

Iwa/Iwáns Hintergrund ist im »Mythos«-Zyklus im Dunklen geblieben. Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 »total geil« und »1» ein »naja« ist: Wie werden wir seine/ihre Hintergrundstory bewerten?

Christian: Das weiß ich nicht.

Ich erzählt mal kurz etwas zu dem Roman 3093, bei dem mir das gerade sehr stark aufgefallen ist. Ich habe gelesen, was im Verlagsforum dazu gesagt wird, und ich habe gelesen, was auf Facebook (in den mir zugänglichen Quellen) dazu gesagt wird. Ein bunter Strauß von Meinungen, und eine sehr unterschiedliche Gewichtung/Beurteilung der Geschichte; und würde man nur im Forum oder nur auf Facebook lesen, kämen auch zwei völlig unterschiedliche Meinungsbilder heraus. Das »Leser-Wir« gibt es nicht. Es würde auf dieser fiktiven Wertung sicher 1er-Wertungen geben, auch 10er-Wertungen. So wie es auch der Fall wäre, wenn wir morgen eine Rhodan-Geschichte auf dem Niveau von »Krieg und Frieden« veröffentlichen würden. Oder auf dem Niveau von »Unternehmen Stardust«. Oder auf dem Niveau von »NATHAN«.

Ähnliches gilt für die Zain-Konstrukte. Da Annba eher zu den schweigsameren Figuren des Zyklus gehört hat, bleibt bei mir die Spannung aufrecht. Ich lechze aber nach mehr. Werden die Zain-Konstrukte im nächsten Zyklus thematisiert und darf ich mich darüber freuen, dass ihr den Vorhang ein wenig lüftet?

Christian: Der Vorhangstoff raschelt schon.

Zitat: »Wir haben in der Heimatgalaxis der Cairaner, Ancaisin, die Superintelligenz VECU aus dem Abyssalen Verlies befreit, aber Synn Phertosh, Advokat der Kandidatin Phaatom, wollte die Völker Ancaisins auf uns hetzen und unseren Raumer samt Inhalt in Milliarden Teile zerschießen. Im Prinzip alles wie immer, selbst 270 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt.«

Wer von euch hat sich da selbst auf die Schaufel genommen?

Uschi: Ich.

Wie geht ihr mit dem Spannungsfeld um, dass manche RHODAN-Leser immer unzufrieden sind und Neues fordern, während andere »mehr vom selben« wollen?

Christian: Siehe oben – beides geht eben nicht. Manche Leser vereinen auch beide Stimmungen in sich: »Ich will, dass alles beim Alten bleibt, aber endlich mal neu wird!« Damit will ich mich nicht lustig machen – das sind Gefühle, die ich durchaus nachvollziehen kann. Was nichts daran ändert, dass das nicht geht. Oder … doch, es geht, auf einer literarischen Ebene.
Lass mich einen Schritt zurücktreten.
»Der Perry Rhodan in NEO ist nicht der Perry Rhodan, den ich kenne!«
»Star Trek Discovery ist nicht mehr Star Trek!«
»Daniel Craig ist nicht mehr mein James Bond!«
»Daniel Craig ist nicht mehr James Bond!«

Ich könnte weitermachen. Ich erspare es mir. Man kann diese Sätze interpretieren. Oder es lassen und sich fragen, was der Montillon damit nun sagen will.

(Persönliche Anmerkung: Ich habe mit 12 begonnen, RHODAN zu lesen. Damals war es neu und aufregend, ich habe seitenweise Leserbriefe geschrieben, habe mitspekuliert, mich mit den Figuren gefreut und gelacht und mich geärgert, wenn ich einen Logikfehler entdeckt habe. Und ich fand es spannend.
Nun, ein paar Wochen … hüstel … Monate … hüstel okay, Jahrzehnte später lache ich mit den Figuren auch noch mit, aber nicht mehr über alles und ich ärgere mich über Logikfehler, aber nicht mehr so wie damals, als ich noch wütende Leserbriefe geschrieben habe. Und aufgeregt bin ich zum Zyklusbeginn auch nicht mehr, sondern gespannt, wohin mich das Expoteam und die Autoren diesmal entführen. Manches fasziniert mich nicht mehr wie damals mit 12, wäre ja auch seltsam, wenn das mit all der Lebenserfahrung auch so wäre. Anderes jedoch find ich genauso Klasse wie damals mit 12. Und ich finde einen Vergleich zu früher auch sinnlos. Früher ist nämlich vorbei. Und wenn mir die aktuelle Handlung nicht gefällt, kann ich ja jederzeit das Heft kaufen und archivieren und in der Perrypedia die Handlung nachlesen. Und wenn es mich wieder interessiert, dann lese ich wieder mit.)

Am 18. Januar 2021 wird es einen Live-Videochat mit dir und Hartmut zu Band 3100 und dem »Chaotarchen«-Zyklus geben. Wie nervös bist du vor dieser Weltpremiere?

Christian: Ach, das ist ja erst nächstes Jahr. Bis dahin wird die Welt sich weitergedreht haben.

Erste Details des Beginns des »Chaotarchen«-Zyklus sind bereits von KNF veröffentlicht. Es geht also nach Andromeda, das ja bekanntlich abgeschottet ist. Wie geht ihr damit um, dass beim Schauplatz Andromeda viele Leser vermutlich automatisch den Vergleich zum »MdI«-Zyklus bemühen werden?

Christian: Ja, dieser Vergleich wird kommen. Wir sind gewappnet. Natürlich schreiben wir keinen MdI-Reloaded – das wäre auch Unsinn. Weil es erstens nicht klappen kann und zweitens … naja, nicht klappen kann. Und wir das auch gar nicht wollen. Der »MdI«-Zyklus war damals großartig und weichenstellend, überhaupt keine Frage. Heute würde er so nicht mehr funktionieren, wie er damals erzählt worden ist. Sagte ich schon, dass die Welt sich weitergedreht hat? (Nicht falsch verstehen: Die Essenz des »MdI«-Zyklus ist immer noch großartig. Wer mir aus dieser Antwort nun Bashing-der-alten-Gründungsautoren vorwirft, dem möge gesagt sein: Dreh mir bitte nicht das Wort im Mund herum.) Auch KHS und CD und wie sie alle hießen würden heute den »MdI«-Zyklus anders schreiben, als sie es damals getan haben. Und die Kollegen und ich würden ihn damals anders geschrieben haben, als wir es heute tun würden. Sehr konjunktivisch, das alles.

Uschi, Christoph, danke für eure Zeit.

Hier geht’s zum ebook, zur Lese- und Hörprobe:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9783845360935/perry-rhodan-3093-nathan-von-christian-montillon-susan-schwartz-e-book-epub

Hier zum Heft:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9999900005776/perry-rhodan-3093-nathan-von-christian-montillon-susan-schwartz-heft

Hier zur Handlungszusammenfassung in der Perrypedia:
https://www.perrypedia.de/wiki/NATHAN_(Roman)

Hier zur Diskussion im Galaktischen Forum:
https://forum.perry-rhodan.net/viewtopic.php?f=4&t=12533

5 Gedanken zu „Zehn Fragen an Susan Schwartz und Christian Montillon zu ihrem Band 3093“

  1. Diese Anmerkung———–(Persönliche Anmerkung: Ich habe mit 12 begonnen, RHODAN zu lesen. Damals war es neu und aufregend, ich habe seitenweise Leserbriefe geschrieben, habe mitspekuliert, mich mit den Figuren gefreut und gelacht und mich geärgert, wenn ich einen Logikfehler entdeckt habe. Und ich fand es spannend.
    Nun, ein paar Wochen … hüstel … Monate …hüstel, okay, Jahrzehnte später lache ich mit den Figuren auch noch mit, aber nicht mehr über alles und ich ärgere mich über Logikfehler, aber nicht mehr so wie damals, als ich noch wütende Leserbriefe geschrieben habe. Und aufgeregt bin ich zum Zyklusbeginn auch nicht mehr, sondern gespannt, wohin mich das Expoteam und die Autoren diesmal entführen. Manches fasziniert mich nicht mehr wie damals mit 12, wäre ja auch seltsam, wenn das mit all der Lebenserfahrung auch so wäre. Anderes jedoch find ich genauso Klasse wie damals mit 12. Und ich finde einen Vergleich zu früher auch sinnlos. Früher ist nämlich vorbei. Und wenn mir die aktuelle Handlung nicht gefällt, kann ich ja jederzeit das Heft kaufen und archivieren und in der Perrypedia die Handlung nachlesen. Und wenn es mich wieder interessiert, dann lese ich wieder mit.)—————-,

    Unterschreibe ich sofort. Ich lese die Serie seit 71 und mag sie(meist) immer noch. Ich finde diese Interviews sehr gelungen. Danke dafür.

  2. Jetzt muss ich es auch mal loswerden: Danke für die tolle Idee und die aufwendige Umsetzung, jede Woche, 100 Wochen lang, ein Interview mit den AutorInnen zu führen. Besonders amüsant fand ich deine vielen Versuche, Roman, den AutorInnen Spoiler zu entlocken und deren Varianten, dies abzublocken. Und man kriegt ein wenig vom Spirit mit, der der den Expo- und Schreibprozess trägt.

  3. Danke, Hermann fürs Danke.
    Freut mich, dass dir die Interviewserie gefallen hat.
    Ja, es war/ist aufwändig. Ich habe das zeitlich auch ein wenig unterschätzt. Aber aufgegeben wird bekanntlich nur ein Brief.
    Danke an dieser Stelle auch an alle Autoren, die uns ihre Zeit und Antworten geschenkt haben.

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