PR-Atlantis Halbzeitinterview mit Expokraten Ben Calvin Hary

Ben Calvin Hary verrät im Interview mit Roman Schleifer, wovon er bei der Umsetzung der PR-Miniserie am meisten überrascht war und wie es in Hälfte zwei weitergeht.

Ben, die Halbzeit von PR-Atlantis ist erreicht – sind alle Romane schon geschrieben?

Die Bände 11 und 12 sind noch in der Mache – wir haben also noch genügend Möglichkeiten, alles zu versauen. (lacht)

(lacht mit) Und wie geht’s dir mit 12?

Wir kommen ganz gut miteinander klar. Sie ist ein artiges Kind und weiß, wie sie sich zu verhalten hat, dass der Papa am Ende stolz auf sie ist.

Wenn du an den Anfang des Projekts zurückschaust … was war die größte Herausforderung und wodurch hast du sie gemeistert?

Ich bin da ja recht unverkrampft und offenherzig rangegangen. Dass ich eine Geschichte erzählen kann, wusste ich, auch dass ich ein Team leiten kann, und welches die Punkte sind, an denen ich mich emporscheitern würde, das habe ich einfach auf mich zukommen lassen.

Ich habe dann relativ früh festgestellt, dass Perfektionismus und Kontrollzwang in meiner neuen Position zwar gute Voraussetzungen sind, wenn es um Konzeption und Planung geht, dass das aber durchaus hinderlich sein kann, wenn man die Arbeit der Kollegen bewertet.
Ich neige unbewusst dazu, in Manuskripten anderer die Lektorenrolle einzunehmen – zumal ich halt weiß, welche emotionalen »Beats« für die Geschichte wichtig sind. Das ist gar nicht mal schlecht für das Endprodukt, aber es zehrt an meinen Kräften – zumal ich auch nicht unfehlbar bin und es durchaus auch schon vorkam, dass ich Kollegen Anschlussfehler in ihre Texte redigiert habe. Das ist selten, ich kenne meine Expos in der Regel ganz gut, aber nicht immer funktioniert das eigene Gedächtnis fehlerfrei. Vor allem bei so etwas komplexem wie einer Miniserie.

Den inneren Kontrollfreak in den Griff zu kriegen und vor allem, nicht päpstlicher als der Papst zu sein und andere nicht an den eigenen strengen Maßstäben scheitern zu lassen – das ist ein innerer Kampf. Aber den fechte ich nicht erst seit »Atlantis« aus.
Ich bin ja ein romantischer Verfechter des Meyers-Briggs-Tests, auch, wenn ich selbstverständlich weiß, dass der MBTI wissenschaftlich hoffnungslos überholt ist und dass in den Ergebnissen fast immer der Barnum-Effekt eine Rolle spielt. Aber manchmal muss ich mich halt selbst freundlich daran erinnern, dass das »J« in »INFJ« tatsächlich für »Judging« steht und dass C. G. Jung nicht in allem vollkommen falsch lag.

Wovon warst du am meisten überrascht?

Tatsächlich davon, wie offenherzig die Leser unsere Geschichte aufgenommen haben und wie gut sie augenscheinlich in ihren Köpfen funktioniert – auch und insbesondere bei Aspekten, bei denen ich mir unsicher war. Ich war beispielsweise gar nicht so sicher, ob und wie der ganze Plot um Atlans Verschwinden funktioniert und wie die Leser Caysey aufnehmen würden. Das hat alles überraschend gut geklappt. Anscheinend vertrauen die Fans mir und meinem Geschichtenerzähler-Instinkt größtenteils, und die Selbstbestätigung tut ganz gut. Das selbe gilt natürlich, wenn sie auf die »Fallen« und falschen Fährten hereinfallen, die ich im Plot ausgestreut habe. Auch das mach Spaß, den Lesern beim Spekulieren und Rätselraten zuzuschauen.

Inhaltlich hatten die Leser einige Cliffhanger zu verdauen. Wird das in der zweite Hälfte so weitergehen?

Ich les’ das aus deinen Fragen ziemlich oft raus – kann es sein, dass das ein Thema ist, in das du dich ein wenig verrennst? Außer in deinen Interviews ist das jetzt noch nirgends auch nur thematisiert worden und ich würde es hassen, wenn Leute durch solche Fragen anfangen könnten, zu glauben, dass das ein Thema sei, über das man sich Gedanken zu machen hätte. *grinst*

Ernsthaft, Spaß beiseite – bislang hat sich noch niemand negativ darüber geäußert, ich wü

sste also nicht, dass die Leser damit ein Problem hätten. Ich denke, das Einzige, was wir verkehrt machen könnten, wäre, eine als abgeschlossen beworbene Miniserie mit einem Cliffhanger zu beenden – so, guter Sprech: »Wenn du wissen willst, wie’s weitergeht, musst du nächstes Jahr PERRY RHODAN-Irgendwas abonnieren.« Dann, glaube ich inzwischen, würde man uns ernsthaft auf die Barrikaden steigen.

Insgesamt glaube ich halt, dass unsere Leser schlau und erfahren genug sind, um zu wissen, dass wir quasi einen geschlossenen Roman mit zwölf Einzelkapiteln schreiben und keine zwölf lose zusammenhängenden Einzelgeschichten – und dass der Cliffhanger eben ganz organisch aus dieser Art des Storytelling resultiert. Da steckt ja nicht mal Absicht dahinter, ich plotte wohl nach dramaturgischen Gesichtspunkten, aber ich habe kein Lehrbuch neben mir liegen wie andere Kollegen. Da steckt sehr viel mehr Instinkt dahinter, als du vielleicht denkst. Wenn der Bauch mir sagt: »So und so muss das Ende sein« – und da geht es ausschließlich drum, wie das emotional bei mir resoniert, irgendwelche Regeln sind mir da völlig Wumpe – dann wird das auch der Schluss. Und wie die Leserreaktion zeigt, scheine ich damit zumindest meistens richtig zu liegen.

Zuerst hieß es, Atlan ist tot, denn stellten wir fest, er arbeitet mit den Maahks zusammen und mit Ende von 6 betritt ein kosmisches Wesen die Bühne. Welche Steigerung erwartet die Leser?

Es wird in der zweiten Hälfte noch recht kosmisch, aber wir werden trotzdem erzähltechnisch auf dem Boden bleiben. Das ist es ja, was viele Leser an der Serie so schätzen: Es sind einfache, in einem Satz verstehbare und nachvollziehbare Geschichten, die in sich eine Gesamthandlung bilden. Aber es wäre nicht PERRY RHODAN, wenn der kosmologische Hintergrund bei uns einfach gar keine Rolle spielen würde. Inzwischen wissen wir ja, dass das mit dem Talagon ziemliche Dimensionen hat – größere, als man zunächst vielleicht dachte. Und dass die Hohen Mächte da in irgendeiner Form eine Rolle spielen. Welche das ist, bleibt abzuwarten

Die Story dreht sich ja darum, die Öffnung des Talagons zu verhindern – anderenfalls stirbt das Leben in einem Teil der Milchstraße und die Terraner werden nie existiert haben. Jetzt weiß der erfahrene RHODAN-Leser, dass dieses Szenario nicht kommen kann. Mit welchem Kniff hältst du bis Band 12 die Spannung aufrecht, bevor das Talagon entsorgt wird?

Ich sage einfach, wir greifen gegen Ende wirklich tief in die Hard-SF-Kiste – sprich, das Finale wird ein Fest für Leser, die sich eher zu dem Science-Teil in der Science Fiction hingezogen fühlen – alles aber natürlich vor dem Hintergrund dessen, wie unsere Figuren darauf reagieren und was diese Phänomene mit unseren Protagonisten machen, weil das einfach die Art von Geschichte ist, die wir erzählen. Aber der Schluss, da verrate ich nicht zu viel, wird ziemlich Banane, und er wird trotzdem genau das erzählen, was logisch und pragmatisch passieren muss. Das, was der Leser – vielleicht nicht erwartet, aber das, was er will. Trotzdem, die Idee, wie wir das am Ende alles auflösen, ist ziemlich verwegen und ich bin ein bisschen stolz auf meine Chuzpe, dem Chefredakteur diesen Twist vorzuschlagen. Und noch überraschter davon, dass er diese Wahnsinnsidee abgenickt hat. Ich bin gespannt, wie der Leser darauf reagieren wird, wenn er erkennt, worauf das alles hinausläuft.

Nachdem alle Autoren in den Interviews die Zusammenarbeit mit dir gelobt haben … was kannst du über die Zusammenarbeit mit den Autoren berichten?

Ach, die wollen doch alle nur nett sein. (lacht)

Ich muss sagen, dass ich es schön fand, wie bereitwillig sich alle auf meine doch sehr individuelle Weise eingelassen haben, ein Team zu leiten und wie gut das offenbar bei allen ankam. Mir war es wichtig, dass ich nicht einfach nur Schreibaufträge verteile und nach mir die Sintflut. Ich wollte, dass wir einander als Kollegen begreifen, die sich auch untereinander stets austauschen, dass da viel kommuniziert wird und Probleme lösungsorientiert angegangen werden. Fingerzeigen gibt’s bei uns nicht, und wenn das einer macht, kriegt er’s von mir auf die Mütze. Ein Patzer, der einem von uns unterläuft, unterläuft uns allen, insbesondere mir – ich bin letztlich derjenige, der eine Info nicht richtig kommuniziert oder den Informationsfluss nicht ordentlich koordiniert hat, oder dem ein Anschlussfehler nicht aufgefallen ist.

Das hat was damit zu tun, dass ich im Kern ein recht konfliktscheuer Mensch bin und ich darum dazu neige, Probleme sofort anzusprechen und aus der Welt zu schaffen, sobald sie sich zeigen und lange bevor da irgendetwas eskalieren oder vereitern kann. Für passiv aggressive Spitzen, destruktives Gejammer und Mimimi habe ich eine ausgesprochen geringe Toleranz, das weiß jeder, der mal in »den Apps« mit mir diskutiert hat. Aber man sagt mir nach, ich könnte toxischen Bullshit mit meinem jungenhaften Charme relativ zügig neutralisieren und würde andere anspornen, es ebenso zu tun.

Ich weiß nicht, ab das so über mich stimmt, aber ich denke halt, es ist wichtig, Sorgen und Nöte der anderen ernst zu nehmen und – das ist das entscheidende! – immer einen pragmatischen Lösungsvorschlag beizusteuern. Immer einen Grund zu finden, zu loben, selbst, wenn etwas gerade nicht so ideal lief. Aber dann auch vorwurfsfrei drauf hinzuweisen, wo etwas schieflief. Den Kollegen gleichzeitig das Gefühl zu geben, dass immer ein Raum zum angstfreien Scheitern da ist und dass eine Niederlage nur bedeutet, Möglichkeiten zu haben, etwas noch besser zu machen. Und jedem einzelnen gegenüber loyal zu sein und ihn oder sie vor Angriffen – intern wie extern – in Schutz zu nehmen. Ich mache das noch nicht mal bewusst, das ist einfach mein normaler Umgang mit Menschen.

Das ist übrigens auch mit ein Grund, warum ich häufiger mit dem Burnout liebäugele. An der Stelle übrigens meinen herzlichsten Dank an Olaf Brill, der in diesen vergangenen Monaten – und auch davor schon! – mein Mülleimer war, bei dem ich auch mal Dampf ablassen und meine Emotionen abkühlen durfte. Denn auch dazu ermutige ich meine Kollegen. Auch, wenn das im ersten Moment wie ein Widerspruch klingen mag: Lästern gehört zu einem funktionierenden Team. Die Ventilfunktion ist wichtig, man darf sich da halt nicht reinsteigern und muss den oder diejenige dann halt auch konfrontieren. Und das muss dann natürlich zeitnah passieren.

Wenn gelästert wird ,bedeutet dass, dass eine Aussprache nötig ist. Hat man das im Gespräch mit anderen vorher mal rationalisiert, kann man demjenigen gelassen und ohne unterdrückte Wut entgegentreten und etwas klären, was vielleicht schwelt. Aber wenn meine Autoren sich nicht sicher dabei fühlen, im Zweierchat auch mal über mich zu lästern, in dem Wissen, dass das für mich völlig Okay und überhaupt nichts Schlimmes ist, dann habe ich als Teamchef versagt. Das ist dann das verkehrte Arbeitsklima für diese Arbeitsweise.

Puh, da habe ich mich jetzt in ein kleines Referat gesteigert, haha.
Kurzversion: Das Team muss ein »Safe Space« sein. Und der Wegweiser muss auch bei strengem Feedback immer Richtung Lösung zeigen: Da ist eine Idee, so schaffen wir das, hier ist noch Luft nach oben. Anders kann ich dieses Team nicht führen, das würde meinem Wesen widersprechen. Und ja: Das funktioniert nur, wenn sich niemand verweigert und auf einem Konflikt besteht – also quasi entscheidet, Teil des Problems zu sein, statt an seiner Klärung mitzuarbeiten. Zum Glück haben wir so jemanden nicht in unserem Team. Jeder weiß, dass Ego einem Produkt immer und ohne Ausnahme schadet, und unser Produkt, unser Baby, ist die Miniserie. Gerade du, Roman, habe ich festgestellt, bist darin sehr gut, das ist eins deiner Talente und dafür wurdest du von anderen im Team auch schon explizit gelobt. Die Toxizität ist bei uns auf einem Minimum, und dafür bin ich allen Mitstreitern dankbar.

Danke für deine Zeit (und natürlich auch für die Blumen)

Es war mir ein inneres Blumenpflücken.

PERRY RHODAN-Miniserie Atlantis auf der PR-Homepage
https://perry-rhodan.net/produkte/miniserien/atlantis

PR-Atlantis Infos in der Perrypedia
https://www.perrypedia.de/wiki/Atlantis_(Serie)

Autorenseite auf der PR-Homepage
https://www.perrypedia.de/wiki/Ben_Calvin_Hary

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