Fünfzehn Fragen an Michelle Stern zu ihrem Band 3070

Michelle Stern verrät im Interview mit Roman Schleifer, ob sie Gucky aus der Serie schreiben würde und wie das Buch »Grundformen der Angst« in die RHODAN-Romane einfließt.



Michelle, du schreibst einen Doppelroman. Was ist einfacher: ein Einzel- oder ein Doppelroman?

Das ist für mich ganz verschieden. Wenn die Romane wirklich eng zusammenhängen, kann ein Doppelroman einfacher sein. Oft bedeutet ein Doppelroman jedoch zwei eher verschiedene Handlungen. Dann kommt der Zeitfaktor dazu. Da kann es leichter sein, Zeit zu haben für einen Roman. Der nächste Roman hat ja dann eben nur eine Woche Zeit, man (oder frau) muss sich also entsprechend die Zeit vorher einteilen.

Und wie ist es zu dem Doppelroman gekommen?

In diesem Fall hat der Autor, der den Roman eigentlich schreiben wollte, ihn aus Zeitgründen zurückgegeben. Soweit ich weiß, betreut dieser Autor unter anderem SOL II. Ich hatte keinen Kontakt mit Kai Hirdt, aber ich nehme an, er hatte entsprechend genug zu tun und wollte lieber ein wenig Luft haben, sich darauf zu konzentrieren.

Die Asaran werden von den Cairanern unterstützt und zeitgleich haben sie einen losen Kooperationsvertrag mit der Lemurischen Allianz. 
Wie passt das zusammen? 

Frag mich mal nach Politik :-).
Das Gefüge ist wohl insgesamt recht fragil. Es gab ja keinen offenen Krieg zwischen Cairanern und der Lemurischen Allianz.

Die Kristallprinzessin sagt mit »Rekh-Zayna« eine der übelsten Beleidigungen, die sie kennt. In der Perrypedia habe ich nichts gefunden – bitte übersetze für uns. 

Ich würde darunter einen im Empfinden von Mitgefühl extrem eingeschränkten Arkoniden oder eben Tomopaten verstehen, um es höflich auszudrücken. Da es arkonidisch ist, könnte es einen Hauch von Ehrlosigkeit enthalten, ebenso wie das Wort an sich schon tiefe Verachtung ausdrückt.

Zitat: »Gib acht, dass dein Vertrauen deinem kleinen Freund nicht zu viel aufbürdet. Auch er ist nicht unverwundbar oder unfehlbar. Opfere ihn nicht für …«
Da Gucky gemeint ist und Band 3072 »Der Ilt muss sterben« heißt und es verschiedene Aussagen von PR-Autoren gibt, die das Schlimmste befürchten lassen: Falls Gucky in Band 3072 stirbt, könnte das das Ende der Serie sein, weil tausende Leser wutentbrannt den Kauf der Hefte einstellen?

Warten wir einfach Band 3072 ab.

Könntest du es übers Herz bringen und die Autorin sein, die Gucky aus der Serie schreibt?

Kommt darauf an. Und nein, ich will mich nicht darüber auslassen, worauf.

Du schreibst aus der Innensicht eines Tomopaten. Wie denkt man sich in ein Wesen mit dieser lebensverachtenden Einstellung hinein? Wie tief steckst du dann in diesen Vorstellungen und Lebenseinstellungen drinnen?

Es gibt ein Buch, das wohl auch Rainer Schorm und oder Rüdiger Schäfer ganz gern mögen – ich las letztens ein NEO-Expo und eine Charakterbeschreibung, die nahezu eins zu eins daraus geschöpft hat – und dieses Buch ist da durchaus hilfreich. Der Titel lautet »Grundformen der Angst«.
Es wirbt mit dem Slogan: »Wenn jeder jedes vom anderen wüsste …« Ich führe mal sinngemäß weiter: … dann könnten wir eben besser verstehen und eventuell auch verzeihen, wo es etwas zu verzeihen gibt. Jedenfalls ist der Name Programm und hier wird sehr schön geschildert, wie ein sogenannter schizoider Charakter mit einer hohen Eigendrehung funktioniert und was seine Hauptangst ist. Charakteristisch ist Gefühlskälte. Du erschießt jemanden und behauptest, der Grund sei, es war eben Montag. Das ist schizoide. Für mich sind genau das die Tomopaten.

Gucky wirft Atlan vor, es zu lieben, im Zentrum des Geschehens zu stehen. Stimmst du dem Ilt zu?

Nicht unbedingt. Ich denke Gucky neckt seine Freunde auch gern, fordert sie heraus und ja, Atlan ist es sicher gewohnt, im Rampenlicht zu stehen. Inwiefern er eine Hassliebe dazu haben mag, sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall ist Atlan niemand, der sich aus der Verantwortung stiehlt.

Manche Figurennamen haben persönliche Bezüge. Wie ist es mit Jothan Ondroski und Mauran Fassler? 

Diese Namen standen genau so im Expo. Das müsstest du die Exposéautoren fragen, ob es da persönliche Bezüge gibt.

Zitat Atlan: »Im Ernstfall wird Gucky zuerst Jasmyne und mich aus der Gefahrenzone bringen.«
Da war ich irritiert. Der Arkonidenprinz bringt sich doch zuletzt und nicht vor seinen Leuten in Sicherheit …

Das stand auch so im Exposé, und ist dem geschuldet, dass Atlan ja ein Ziel von Attacken ist. Die Cairaner wollen ihn in die Hände bekommen und er wollte die Nerven aller beruhigen, die ihn zuerst in Sicherheit sehen wollten. 

 Atlan zitiert die Thesan, die ausgesagt hat, dass die Cairaner den Posizid ausgelöst haben. Anfangs war Atlan ihr gegenüber skeptisch. Was war der Auslöser, dass sich das gewandelt hat? 

Ich denke, Atlan ist der Thesan gegenüber nach wie vor skeptisch. Den Cairanern gegenüber jedoch erst recht. Dazu kommt, dass es mir als Autorin wirklich schwerfällt, mir jede Bemerkung und jede Wendung in Atlans Gedanken aus den Romanen zu merken. Was er also genau zuletzt in Bezug auf Paath und die Cairaner gedacht hat und wie stark sein Misstrauen ausgeprägt war. Da verlasse ich mich einfach auf das Exposé und hoffe, dass die Angaben dort stimmen. Und das war eben eine solche Exposévorgabe.

Zitat Atlan: »Jeder, der ihn hat (Anm: einen ZAC), bereut es irgendwann, aber ich will nicht undankbar erscheinen.«
Was bereut Atlan an seinem 20.000 Jahre währenden Leben?

Ich denke, dass es Atlan manchmal schon schwer fällt gerade in Bezug auf Beziehungen. Manchmal hat er sich ja eben auch enger gebunden, um diesen Beziehungen gerecht zu werden, und damit klar zu kommen, dass er das eben manchmal gar nicht kann, das ist auch für ihn eine Herausforderung.
Man lernt jemanden kennen und lieben – und muss ihn quasi aus der Sicht eines extrem Langlebigen bald wieder gehen lassen. Sicher gibt es Momente, die ewig währen und man kann vieles in einer Art Anfängergeist immer wieder neu erleben. Dennoch muss es nicht einfach sein. Ich jedenfalls stelle mir diese Art von Quasi-Unsterblichkeit während alle anderen um einen herum sterben, ohne dass man das verhindern kann, nicht immer als Geschenk vor.

Wie groß wäre die Versuchung, wenn du einen ZAC angeboten bekommen würdest? 

Ziemlich groß. Ich würde mir einbilden, dass ich ihn ja jederzeit ablegen und mein Ende selbst bestimmen könnte. Ob das dann wirklich so einfach wäre … Hm. Dazu gehört sehr viel Willenskraft, die Atlan ja bereits in den Jenzeitigen Landen bewiesen hat. Ob ich sie hätte? 

 Wenn du dich für die Unsterblichkeit bewerben würdest, welche Begründung würdest du mitliefern?

Um eine Sache oder besser ein Gebiet ausführlich lernen/ergründen zu können, in aller Ruhe, um dann mein Wissen weiterzugeben.

Im Galaktischen Forum wird moniert, dass die Kampfkraft von Robotern und Lebewesen immer wieder anders geschildert wird. In deinem Band heißt es an einer Stelle, dass Tomopaten sogar Halutern gefährlich werden können, an anderer Stelle hätte der Tomopat den Kampf mit einer Epsalerin nicht mehr lange durchgehalten.
Braucht es ein internes Datenblatt, wer wem überlegen ist? 

Ich denke, das hängt eben auch von der Situation ab und den Waffen und Mitteln die eingesetzt werden. Ein gerade frisch paralysierter Oxtorner wird anders kämpfen als einer im Vollbesitz seiner Kräfte. Tatsächlich hätte ich allerdings schon eine ganz konkrete Beschreibung, wie nun so ein Tomopat mit seinen Armen so gefährlich sein kann, hilfreich gefunden. Ein Haluter hat ja nun mal eine sehr große Masse und wenn er strukturverhärtet, dürfte es auch einem Tomopatenarm schwerfallen, da durchzukommen.
Dann gibt es SERUNS und Schutzschirme. Der Tomopat und die Epsalerin sind ja nicht »nackt« gegeneinander angetreten.
Ich persönlich finde es nicht so hilfreich, zu wissen, wer wem überlegen ist, wenn ich nicht weiß, warum. Ich würde gern wissen, wie genau es funktioniert. Nur das sprengt eben auch den Rahmen.
Es gibt bei PERRY RHODAN schon unglaublich lange Exposés und Datenblätter. Wenn ich dann wieder ein Exposé vor mir habe, das quasi ein Drittel Roman ist, fände ich den Ruf nach noch mehr Daten nicht hilfreich. Wie du dir denken kannst, übertreibe ich ein wenig, das ist typisch für’s Schreiben ;-).
Ich hoffe, das war hilfreich.

Michelle, danke für deine Zeit.

Hier geht’s zum E-Book, zur Lese- und Hörprobe:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9783845360706/perry-rhodan-3070-die-physik-des-friedens-von-michelle-stern-e-book-epub

Hier geht’s zum Heft:
https://perry-rhodan.net/shop/item/9999900005547/perry-rhodan-3070-die-physik-des-friedens-von-michelle-stern-heft

Hier zur Handlungszusammenfassung in der Perrypedia:
https://www.perrypedia.de/wiki/Die_Physik_des_Friedens

Hier zur Diskussion im Galaktischen Forum:
https://forum.perry-rhodan.net/viewtopic.php?f=4&t=12180

PS: PERRY RHODAN ONLINE WOCHE – 13. bis 19. Juli 2020

Ein Gedanke zu „Fünfzehn Fragen an Michelle Stern zu ihrem Band 3070“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.