Dunkelwelten-Trilogie Band 1 »Schwarze Saat« – Das Interview mit Michael Marcus Thurner

Michael Marcus Thurner stellt sich den Fragen von Roman Schleifer. Unter anderem verrät er, welches Ziel er bei dem Roman verfolgt hat und warum Homer G. Adams im Buch vorkommt.

Michael, das Konzept zur Dunkelwelten-Trilogie stammt von Robert Corvus, wurde von dir gemeinsam mit ihm überarbeitet, bevor Klaus N. Frick wiederum bei Teilbereichen Änderungen eingefordert hat. Jetzt kenne ich dich eher als Freigeist. Wie froh bist du dennoch über Korrekturen vonseiten der Reaktion?

Bei diesem Projekt war viel »work in progress« mit dabei, ich habe bei den einzelnen Handlungssträngen immer wieder die Stoßrichtung geändert. Da war ich schon froh, dass Klaus – vor allem in der ersten Hälfte des Manuskripts – korrigierend eingegriffen hat.

Wie viel Freiraum hattest du bei Band 1 »Schwarze Saat« dann wirklich?

Viel.

Du hast drei Monate an dem Band gearbeitet. Wie behält man da die Übersicht?

Puha. Es war halt zum Ende hin viel Arbeit, um die Handlungsfäden zusammenzuführen.

»Schwarze Saat« verwebt wirtschaftliche Verhandlungen, ethnische Konflikte und einen alten Mythos mit einander. Mitten darin Perry Rhodan, der um sein Leben und das seiner Gefährten kämpft und das Geheimnis des Mythos auflösen will. Gehört der Bezug zur Vergangenheit zu einem guten RHODAN-Roman? Ist er unabdingbar?

Nein, natürlich nicht.
Mein großes Ziel war, zwei Völkern jenen Raum zu geben, den sie meiner Meinung nach verdienen und den sie in der Erstauflage nicht so richtig bekommen haben. In den Heftromanen spricht das strikt genormte Format gegen ausführliche Charakterisierungen.

Du hast Homer G. Adams als einer der Helden gewählt, eine Figur, die eigentlich nur im Cantaro-Zyklus als Chef der WIDDER temporär im Mittelpunkt stand. War er als Figur vorgegeben oder hast du ihn ausgewählt? Was war der Grund, dass du ihn ausgewählt hast?

Adams war meine Idee. Du sprichst es eh an: Ich wollte diese Figur wieder mal in Erinnerung rufen. Dass er in Andreas Eschbachs Roman »Perry Rhodan – das größte Abenteuer« ebenfalls eine Rolle spielen würde, wusste ich übrigens nicht.

Denkst du, dass man auf Adams als Figur in der EA verzichten könnte, da Er ja ohnehin fast nie vorkommt? (Gut, in der Erstauflage hält er auf Terra derzeit die Stellung, wo immer es auch sein mag, aber eigentlich Kam er in der Vergangenheit noch seltener als Julian vor?)

Für mich ist Adams eine völlig unterschätzte Figur, die noch lange nicht auserzählt ist. Deshalb hätte ich sie gerne weiter in der Handlung. So klein Adams‘ Rolle auch sein mag – irgendwann wird sich wieder ein Autor seiner annehmen und mehr über ihn verraten.

Adams sagt zu Perry, dass er zwar ein unverbesserlicher Optimist, aber kein Messias ist. Wieso glaubt Adams, dass Perry sich als Messias sieht?

Ach, das war ja bloß im Rahmen einer Unterhaltung unter uralten Freunden dahingesagt, wenn ich mich recht erinnere. Ich würde nicht allzu viel drauf geben, was da einer zum anderen spricht.

 

MMT am Austria Con 2016 copyright Martin Steiner

Es gibt eine Szene, die durch den Anstich beim Oktoberfest inspiriert worden sein könnte, in der Perry Rhodan nicht gut wegkommt. Gib’s zu, es hat dir eine diebische Freude bereitet, Rhodan bei einer »alltäglichen« Situation scheitern zu lassen.

Es ist doch so: Perry ist eine erhöhte Figur, mit der man sich schwer identifizieren kann. Rhodan hat meist das große Ganze im Auge. Da hilft es, ihm durch die eine oder andere Schwäche ein wenig mehr Bodenhaftung zu geben. Das macht ihn greifbarer, geerdeter, sympathischer.

Wie ernst nimmt sich deiner Meinung nach Perry Rhodan selbst?

In seiner Rolle als der Vertreter der Menschheit nimmt er sich total ernst. Der private Rhodan ist ein ganz anderer Mensch.

Denkst du, könnte RHODAN mehr Humor vertragen?

Aus redaktioneller Sicht ganz gewiss nicht. Humor kann schrecklich schiefgehen. Ein einziger schlechter Witz (man denke an den Ennox-Scherz) kann einen ganzen Roman zerstören. Aus Sicht des Autors freu ich mich natürlich, wenn ich da und dort ein Scherzchen einstreuen kann. Wenn’s nicht passt, bekomm ich eh von Rastatt eine auf den Deckel.

Du konntest dich bei den Anuupi austoben, da in der Erstauflage nicht allzu viele Details über sie beschrieben wurde. Dieser Freiraum gefällt dir besser als ein enges Korsett. Was steckt dahinter?

Warum ich meinen Freiraum brauche? – Ich tu mir halt beim Schreiben leichter, wenn ich möglichst viel selbst erfinden kann. Ich mag offene schriftstellerische Räume, die ich dann anfüllen kann. Kollegen im Team brauchen mehr Sicherheit und Richtlinien. Menschen und Autoren sind nun mal unterschiedlich.

Du schilderst den Dialog zwischen zwei Onryonen, bei dem sie an den Terranern kein gutes Haar lassen, sie als Mördergesindel bezeichnen und rassistische Kommentar über die Terraner von sich geben. Überhaupt beschäftigt sich der Roman mit dem Thema Migration, ein Thema, das in Der Realität seit ein paar Jahren präsent ist. Hast du es mit dem Buch zu verarbeiten versucht?

»Verarbeiten« wäre zu viel gesagt. Hier hab ich bloß mal den Blickwinkel verändert. Und ich habe die eine oder andere sanfte Kritik untergebracht, die halt meine Meinung widerspiegelt.

Rhodan ist in deinem Band über genetische Optimierung entsetzt. In Band 2 von Robert Corvus »Schwarze Frucht« wird er dafür von einer Figur als Reaktionär beschimpft, der den Fortschritt aufhalten will. Hemmt Rhodan durch die Moralvorstellungen aus dem 20. Jahrhundert den Fortschritt? Hat er sich moralisch nach 3500 Jahren nicht weiterentwickelt? Und wie ist deine Meinung zum Thema genetische Optimierung?

Sie wird kommen. In Formen, die wir uns jetzt noch nicht so richtig vorstellen können. Der Mensch verschiebt stets seine Grenzen, so weit es die jeweiligen Möglichkeiten erlauben. Und »Optimierung« ist sowieso ein großes Thema unserer Zeit. Wenn ich bloß an all diese Zombies denke, die sich die ärgsten Schönheitsoperationen angedeihen lassen …
Ich bin zu alt, um das Zeitalter der genetischen Verbesserung noch mitzuerleben. Und da bin ich froh drüber. Ich wollte in dieser Welt nicht mehr leben. Was das fiktive Perryversum betrifft: Da bin ich voll auf Rhodans Seite.

Robert Corvus hat eine Leserunde zu seinem Roman gemacht. Was war der Grund, dass du keine gemacht hast?

Ich ziehe mich ein Stück weit aus dem Online-Leben zurück. Es schadet mir enorm.

Die Rezensionen sind überwiegend positiv. Googelst du nach ihnen? Wie sehr freust du ich über positive Reaktionen?

Ja, ich bekomme mit, dass der Roman gefällt. Kritische Stimmen sind natürlich auch wichtig für mich. Sie helfen mir, die Bodenhaftung zu wahren.

Ein Leser im GalFor hat über Band 1 geschrieben, dass Rhodan wie eine Art Indiana Jones agiert. Wie siehst du das? Ist Perry eine Art Indiana Jones in Band 1?

Finde ich nicht. Seine Situation zwingt ihn zum aktiven Handeln. Das ist ja eine von Rhodans Stärken: in den unterschiedlichsten Situationen bestehen zu können.

Was trägt den Roman? Die ausführliche Schilderung der Welt oder die Figuren?

In diesem Roman kann man das Eine nicht vom Anderen trennen, finde ich.

Eine Anspielung des Fans des Fußballklubs »Rapid Wien« auf den Stadtrivalen »Austria Wien« habe ich entdeckt. »Der Onyrone roch sonderbar, nach einer Mischung aus Pferdedung und Veilchen.« (Anmerkung: Austria Wien hat als Klubfarbe violett und daher werden die Spieler auch nach der Blume »Veilchen« genannt). Welche Anspielungen verstecken sich noch?

Du, ich weiß es wirklich nicht. Das mit den Austrianern hab ich schon längst wieder vergessen gehabt. Ich arbeite ja nicht auf irgendeinen Schmäh oder einen gesellschaftskritischen Satz hin. Das passiert fließend während der Schreibarbeit.

Michael, danke für deine Zeit.

Hintergrundinfo gibt es auf:
https://mmthurner.wordpress.com/2019/05/12/ein-paar-worte-zu-dunkelwelten-schwarze-saat/

Homepage des Autors: http://mmthurner.wordpress.com

Hier gehts zum ebook:
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