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»Perry, Uschi und ein paar Morde« von Leo Fegerl

Pater Martin seufzte, als der kleine blaue Dacia Sandero vor dem Pfarrhaus zum Stehen kam. Eigentlich wollte er für heute Schluss machen und zum Wirtshaus am Marktplatz aufbrechen.
Aber nun … warum unbedingt der Bürgermeister? Dieses stundenlange Geschwafel? Wenn es wenigstens eine spannende Beichte sein würde. Aber dieser Mann, mit seinem Faible für Krimis und Scifi-Bücher, hatte kein Leben.
Aber gut, Pater Martin war der Geistliche in diesem Dorf, also hatte er Pflichten.
Er verließ seinen Platz am Fenster und machte sich auf den Weg zur Eingangstür.
Vor dem Griff hielt er kurz inne und atmete langsam tief ein und aus. Dann zwang er seine Mundwinkel in die Höhe und öffnete die Tür.
»Tom! Was verschlägt Sie zu mir? Ich hoffe, es ist alles rechtens in der Gemeinde?«
»Herr Pfarrer! Wie kann alles bestens sein, wenn fünf Menschen aus unserer Gemeinde verstorben sind?«
Gutes Argument, dachte Martin. Sein Lächeln verschwand.
»Tragisch, tragisch all diese Unfälle. Mögen ihre Seelen in Frieden ruhen. Amen.«
»Amen, Herr Pfarrer.«
»Wollen wir in mein Arbeitszimmer gehen?«
Tom Lackner nickte.
»Bitte nach Ihnen«, forderte der Pater den Bürgermeister auf und ließ den etwas dicklichen Mann im dunklen, zerknitterten Anzug an sich vorbei.
Die Männer nahmen Platz, und Martin schenkte ihnen beiden Schnaps ein.

»Was macht Ihr Hobby?«, fragte er nach einigen Augenblicken der Stille. »Die Zukunftsromane?«
»PERRY RHODAN-Hefte!«
»Ja diese. Haben Sie schon alle gesammelt?«
Tom schüttelte den Kopf.
Wieder trat Stille ein.
Martin nahm einen Schluck.
»Also, was liegt Ihnen am Herzen?«
»Ich fühle mich verantwortlich für den Tod derer, die letzte und diese Woche verstorben sind.«
Martin runzelte die Stirn. »Jetzt übertreiben Sie aber!«
»Nein, nein, ich meine es ernst.«
»Es waren Unfälle!«
»Nein, keineswegs. Es waren Morde.«
Der Pfarrer genehmigte sich noch einen Schluck, während er überlegte. Kam nun wieder so eine fantastische Geschichte? Der Bürgermeister war überall bekannt dafür, Kurzgeschichten schreiben zu wollen und damit berühmt zu werden. Aber bisher war nichts daraus geworden. Und so beglückte er alle Dorfbewohner mit den Ideen seiner nächsten schriftlichen Werke.
Er beschloss, ihn direkt darauf anzusprechen.

»Gut«, meinte Martin, »gehen wir mal davon aus, Sie haben Schuld am Tod dieser Menschen. Beginnen wir mit Hans. Sein Auto ist mit Tempo weit über 130 km/h von der Straße abgekommen.«
Tom grinste. »Bienen!«
Martin runzelte verwirrt die Stirn. »Wie, Bienen?«
»Hans war allergisch gegen Bienenstiche und hatte panische Angst vor diesen Dingern«, erzählte Tom, als sei damit alles gesagt.
»Ich verstehe immer noch nicht.«
»Ich wusste, dass Hans sehr gerne eine Sonnenbrille beim Autofahren trug. Also platzierte ich drei Bienen im Brillenetui. Ich hatte die Hoffnung, dass diese ihn töten würden.
Es kam sogar besser als ich es mir erhoffte. Anscheinend öffnete er das Etui auf der Autobahn. Und verriss vor Schreck den Wagen.«
»Hmm, gute Argumente. Wie war es mit Stefan?«

»Das war einfach! Ich habe über die Gemeinde den Auftrag gegeben, das Dach des Bierkrug-Museums zu restaurieren. Davor hatte ich am Dachboden die Verschalung entfernt und die Verschraubungen der Pfosten, auf denen die Ziegel eingehängt waren, stark gelockert. Verschalung wieder rauf, und man merkte nichts. Und da wir hier im Dorf nur einen Dachdecker haben … Den Rest kann man erraten.
Und bevor Sie den nächsten Unfall ansprechen, Herr Pfarrer: Ich habe beide ganz einfach runter gestoßen.«
»Wen?«
»Joseph und seine Frau Maria. Sie erzählten ja schon Tage vorher, dass sie den Bauernsturz besteigen wollten.«
»Lassen Sie mich raten. Sie haben ihnen oben aufgelauert und nachgeholfen, dass sie schneller unten ankamen?«
Tom lachte erfreut auf. »Ja, stimmt, Herr Pfarrer. Waren Sie vielleicht auch dort?«
Martin brauchte noch ein Gläschen Schnaps.

»Fehlt nur noch Biannca, die Kellnerin!«
»Richtig. Ich hatte früh morgens die Abluft verstopft. Ein bisschen an den Fässern im Weinkeller gebastelt. Und als das Kohlenstoffdioxid-Warngerät endlich anschlug, habe ich den Stecker gezogen. Dann, als Biannca am Nachmittag, bevor die Kneipe aufmachte, noch Wein holen wollte, sperrte ich einfach von außen ab. Dauerte einige Zeit, bis es ruhiger wurde. Das anhaltende Schreien und Schlagen gegen die Tür nervte extrem. Fast befürchtete ich, mein Plan wäre schiefgegangen.«
»Und die Polizei wurde nicht argwöhnisch? Immerhin waren die Abluft verstopft und die Kellertür versperrt.«
»Alle Beweise hab ich natürlich rechtzeitig verschwinden lassen.«
Der Pfarrer nickte schmunzelnd. »Gut, für alle Unfälle haben Sie sich etwas Logisches ausgedacht. Aber es fehlt das Wichtigste in dieser Story. Das Motiv!«
»Oh, glauben Sie mir, das gibt es.«

»Nun spannen Sie mich nicht so auf die Folter, Tom. Was war das Motiv?«
»Vor zwei Wochen pokerte ich mit den besagten Personen in unserer Kneipe. Dort erzählte ich davon, dass ich vorhatte, ein kleines Event zu veranstalten. Auch, dass ich eine berühmte Autorin zu uns eingeladen hatte. Uschi Zietsch. Eine der Besten ihres Faches, ich habe all ihre Werke gelesen. Sie kennen sie sicher … Wo war ich stehengeblieben?«
Der Bürgermeister genehmigte sich einen Schluck. Dann fuhr er fort.
»60 Jahre PERRY RHODAN! Die größte Scifi-Serie der Welt. Mit einer Lesung von Uschi Zietsch persönlich! Ich wollte für diese Veranstaltung die Kneipe nutzen. Aber Hans wollte seinen Laden dafür nicht zur Verfügung stellen. An dem Tag sei für eine Hochzeit gebucht.
Ich forderte, dass er das Brautpaar anrufen solle, um die Feier zu stornieren. Die Möglichkeit, 60 Jahre PERRY RHODAN zu ehren, kommt nie wieder. Und ein Star wie Uschi wird auch so schnell nicht mehr in unser Dorf kommen. Sie alle lachten mich aus. Also verließ ich das Lokal und schwor Rache. Immerhin bin ich der Bürgermeister hier. Ich bin der Anführer.«
Martin sah Tom mit großen Augen an.
»Also, Tom, die Morde sind gut erdacht, aber am Motiv müssen Sie auf jeden Fall noch arbeiten. Das glaubt Ihnen niemand. Weil dieses 60 Jahre PERRY, wie heißt der noch? Ah, weiß es wieder. Weil dieses RHODAN-Event nicht stattfindet, mussten alle sterben? Weil eine Autorin vorbeikommt, die niemand kennt, soll eine Hochzeit storniert werden? Ich selbst lese auch viel, aber von dieser Zietsch habe ich noch nie gehört. Also kann sie auch nicht gut sein.«

In der kleinen Gemeinde Hochauf wird seit drei Wochen der Pfarrer, Martin Slenic, vermisst. Nach dem Bekanntwerden der Unfallserie im vorherigen Monat befürchtet man Schlimmes.
Der Bürgermeister, Tom Lackner, stellte klar, dass er alles in seiner Macht Stehende tun werde, den Geistlichen zu finden. Zusätzlich werde er für seine Gemeinde eine Veranstaltung organisieren, zu der er auch einen Überraschungsgast eingeladen hat, um den Bewohnern in dieser schweren Zeit auch Grund zur Freude bieten zu können.

Ein Gedanke zu „»Perry, Uschi und ein paar Morde« von Leo Fegerl“

  1. Danke für diese schöne Geschichte. Lachen ist in dieser Zeit selten. Eine solche Ehrung ist für Perry und Uschi wirklich etwas Besonderes.

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