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»Die Wette« von Peter Wächtler

Diesmal gewinne ich!, dachte Bully entschlossen. Ein einziges Mal wenigstens muss die Riesenmaus auch verlieren!
Zum Glück hatte er seine Gedanken – mehr zufällig als beabsichtigt – abgeschirmt, denn in diesem Moment erschien Gucky aus dem Nichts.
»Na?«, fragte der Mausbiber abschätzig. »Bereit für die Niederlage? Ich glaube, es wäre deine sechzigste.«
»Na warte, diesmal nicht, diesmal gewinnst du nicht, ob es die sechzigste oder die sechshundertste Wette ist!«, brauste Bully auf.
Seine Wetten mit dem Mausbiber waren legendär. Mit Schrecken erinnerte er sich an den Schnurrbart, den er sich wachsen lassen musste, und viele andere Vorkommnisse ihrer langen gemeinsamen Vergangenheit. Wenn es nach Bully ging, war es höchste Zeit für eine Revanche.
Gucky kicherte. »Na wir werden sehen!«, gab er sich siegesgewiss.
»Oh ja, du wirst sehen und verlieren!«, schnappte Bully.
»Reg dich ab und komm, es ist alles vorbereitet«, winkte Gucky ab, nahm Bullys Hand und teleportierte.

Sie materialisierten in einer parkähnlichen Grünanlage. Bully kam sie vage bekannt vor, aber es kümmerte ihn nicht, wo der Wettkampf stattfinden sollte. Er war vorbereitet. Er war sich absolut sicher, diesmal gewinnen zu können, und dann würde die verflixte Weltraumratte schon sehen.
Innerlich musste er dann doch schmunzeln, dann überprüfte er noch einmal seine Abschirmung. Wenn Gucky jetzt seine Gedanken lesen könnte, müsste Bully wieder einmal buchstäblich nach den Sternen greifen. Nach wie vor war die erste Reaktion des Ilts auf seiner Meinung nach freche Gedanken, den Betreffenden telekinetisch fliegen zu lassen.

Die Zeugen standen bereit. Perry, Ras, Fellmer, ein paar andere Weggenossen aus alter Zeit und einige aktuelle Gefährten schauten interessiert. Wie immer bei solchen Gelegenheiten wurde Bully schwer ums Herz. Es fiel Unsterblichen schwer, neue Freunde zu finden, denn man wusste ja von vornherein, dass man sie verlieren würde.
Der wehmütige Moment verging schnell, denn es warteten große Dinge. Oder eher kleine, wie Bully sich an die Wette erinnerte.
»Da staunst du, was?«, schrillte der Mausbiber und breitete die Ärmchen aus.
Perry räusperte sich und trat zu seinem ältesten Freund. »Bist du dir sicher, dass du das tun willst? Du kennst ihn doch!«
Was Bully nicht hörte, waren Perrys Gedanken: … und ich kenne dich und was du kannst … mir ist jetzt schon schlecht.
»Ja, ich kenne ihn. Und wie ich ihn kenne, gewinnt er diesmal nicht!«
»Nun gut. Dann mögen die Spiele wohl beginnen«, schloss Perry und trat zur Seite.

Gucky stand immer noch in Positur. Offensichtlich wartete der Kleine auf eine Reaktion, und die wollte ihm Bully nicht ersparen. »Worüber sollte ich staunen? Zwei wie Tische geformte Servoroboter, zwei Stühle, mehr ist dir nicht eingefallen?«
Gucky hatte sich mehr erwartet, Enttäuschung zeichnete sich in seinen Zügen ab. »Du bist Teleporter und Telekinet, es ist dir ein Leichtes, all das selbst in die wildeste Wildnis zu transportieren. Ich weiß, was du leisten kannst!«, fügte Bully deshalb ein wenig versöhnlicher hinzu. »Aber jetzt lass uns loslegen, wir haben unser Publikum lange genug warten lassen.«
»Wie du willst, dann lass uns anfangen«, stimmte der Mausbiber zu. So nahmen sie Platz und die Servobots brachten sich in Position.
»Die Bedingungen sind bekannt: Wer von uns die meisten gefrorenen Himbeeren essen kann, gewinnt diese Wette!«, stellte Gucky noch einmal fest, und dann ging es auch schon los. Die Servoroboter gaben eine gefrorene Himbeere nach der anderen frei, und Bully und Gucky aßen sie.
Die Roboter zählten mit, die Zuschauer nach einer Weile nicht mehr, das Ganze wurde recht schnell langweilig.
Die Himbeeren waren schnell verdrückt und so recht wollte keine Spannung aufkommen. Erst als Gucky rülpsen musste und Bully einen tiefen Atemzug nahm, wurden die Zuschauer aufmerksam. Allmählich zeigten die Wettbewerber doch erste Schwächen. Aufgeben kam jedoch nicht in Frage, und so steckten sie sich weiter eine Himbeere nach der anderen in den Mund.
Gucky lief ein kleines Rinnsal Himbeersaft aus dem Mundwinkel und er stöhnte leise. Bullys Kinn war ebenfalls mit Himbeersaft verschmiert, doch noch schien er Reserven zu haben.
Weiter ging es, Himbeere um Himbeere wurde verspeist. Keiner wollte aufgeben, bis Gucky schließlich doch die Augen verdrehte, und sich telekinetisch vom Tisch abhob.
»Ich kann nicht mehr, es tut mir ehrlich leid, aber ich kann nicht mehr«, stöhnte er. Bully hielt die nächste Himbeere hoch, fixierte sie kurz, lächelte und stecke sie sich in den Mund. Er kaute, schluckte und sein Grinsen wurde noch breiter. Der Zähler seines Robots zeigte genau eine mehr an als Guckys.
Und dann nahm er sich noch eine und noch eine, breit grinsend und sich den Bauch streichelnd.

»Ist ja gut, du hast gewonnen«, stöhnte der Mausbiber. Die sonst blitzblanken Augen waren halb geschlossen. »Irgendwann musst du mir sagen, wie du das gemacht hast.«
»Du gibst dich geschlagen? Dieser Wettbewerb war mir ein Vergnügen«, antwortete Bully und nahm sich tatsächlich noch eine Himbeere.
»Du kennst unsere Wette, nächste Woche zu meinem Geburtstag bäckst du mir Kuchen. Und weil es nach alter Rechnung das Jahr 3600 ist, werden es 60 Kuchen sein. Vergiss das nicht: 60!«
»Ja, ja, ist ja gut, du sollst deine 60 Kuchen haben. »Was hast du nur für eine Fixierung auf diese 60?«
»Es sind dann 60 mal 60 Jahre nach der alten Zeitrechnung, ich finde das einfach ein schönes Jubiläum. Vor allem, weil wir jetzt NGZ schreiben und es bis zu solch einem Jubiläum sehr lange dauern wird.«
Gucky winkte ab, ihm waren Zahlen egal. Dann öffnete er die Augen doch wieder. »Wir haben aber noch nicht darüber gesprochen, welche Kuchen du haben willst«, fragte er versöhnlich. »Himbeertorte?«
»Ach was, es gibt nur eine Sorte, Kleiner«, gab Bully zurück. Er grinste.
»Und welche?«
»Ich will 60 hausgemachte Karottenkuchen!«

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