»Xenia« von Christina Hacker

Eine PERRY RHODAN NEO-Story

Die Akustiksimulation des Kirchturmnachbaus schlug Zwölf. Vom plötzlichen Geräusch aufgeschreckt, flatterte ein Schwarm Tauben in den kalten Nachthimmel. Die vom Mond beschienenen Sandsteinfiguren auf dem Giebel des Museums warfen groteske Silhouetten auf das Pflaster.
Zian Mun-Tian überquerte geräuschlos die Straße. In seiner dunklen Kleidung tauchte er in den Schatten des Museumsgebäudes und verschmolz mit ihm. Sein Camouflage-Anzug würde ihn vor den Augen der Wärter schützen, den Kameras der Positronik konnte er nur mittels eines Tricks entgehen. Er aktivierte den Störsender in seiner linken Brusttasche, wartete ein paar Atemzüge und huschte flink an der Mauer des historischen Gebäudes dahin.
Es war eines der wenigen Häuser, die bei der Invasion der Sitarakh unversehrt geblieben waren. Der Großteil der Stadt war fünfundvierzig Jahre zuvor dem Erdboden gleich gemacht worden, genau drei Jahre nach Zians Geburt. Er erinnerte sich undeutlich an die Zerstörung, an die Gewalt, die rauchenden Trümmer und die vielen Toten. Er sah seine Eltern und die Schwester in den braunen Pfützen liegen, die der Niederschlag der chaotischen Atmosphäre auf den Straßen hinterlassen hatte. Die Bilder der Flut würden ihn nie wieder loslassen.
Atemlos blieb er mit dem Rücken am Türstock des Seiteneingangs stehen. Der Geruch von antikem Holz verriet das Alter der Pforte. Er versuchte sich, zu beruhigen, denn jeder seiner Atemzüge hinterließ verräterische Wolken in der eisigen Luft. Das konnte der beste Anzug nicht tarnen.
Zian sah kurz auf.
Im Springbrunnen auf dem Museumsvorplatz, im Sommer eine Touristenattraktion, war das Wasser abgestellt. Nun im Frühjahr wirkte er in seiner Starre tot und trostlos. Über ihm kehrten die Tauben schwirrend in den Kirchturmnachbau zurück.
Es wurde Zeit, seinen Racheplan in die Tat umzusetzen. Am sechzigsten Jahrestag des Mondflugs wollte er ein Zeichen zu setzen. Eines für all die Menschen, deren Zukunft von den Taten Perry Rhodans ausgelöscht wurde.
Zian vergewisserte er sich, dass sich niemand auf dem Vorplatz aufhielt, dann widmete er sich der Portalpositronik. Sacht presste er die rechte Hand gegen die Sensorfläche. Seine präparierten Handschuhe trugen die Handflächensignatur eines Museumsangestellten, welche er aus den Datenbanken des zentralen Melderegisters gestohlen hatte.
Eine merkliche Verzögerung verriet, dass die Positronik mit der Erkennung Schwierigkeiten hatte. Bange Sekunden verstrichen, dann wechselte die Kontrollleuchte auf Grün und die Türmechanik löste sich mit einem Knacken. Er gab der Tür einen leichten Stoß und quetschte sich ins Innere.
Der Gestank von Geschichte schlug ihm entgegen. Ein Mief, der dem alten Gemäuer und den jahrhundertealten Artefakten entströmte. Zian Mun-Tian würgte. Ihm waren Orte wie dieser zuwider. Nirgendwo war er dem Verfall näher als hier. Er gehörte jener Generation Menschen an, die die Erde nach dem Exodus durch die Memeter neu besiedelt hatten. Alles Alte hinter sich lassend, hatte er sich als Waise unter widrigsten Umständen ein Leben aufbauen müssen. Aber die Neue Welt hielt nicht für jeden Ruhm und Reichtum bereit. Zian strebte danach, selbst wenn das manchmal hieß, seinen Körper an andere zu verkaufen. Etwas wofür er sich gleichzeitig schämte und stolz war. Das moderne Terra war auf seinem Rücken errichtet worden. Dennoch zählte er heute für die meisten zum kriminellen Abschaum. Nicht einmal beim Variable Genome Project hatten sie ihn haben wollen.
Er knipste die Leuchte am Handgelenk an. Ein holzgetäfelter Korridor tat sich vor ihm auf. Schwarze und weiße Marmorfliesen zeichneten ein Rautenmuster auf den Boden. Am Ende des Flurs erkannte er die Stufen der Holztreppe, die ins nächste Stockwerk führte.
Vorsichtig, aber mit Eile, schlich er durch den Gang. Der Plan des Museums war in seinem Gedächtnis gespeichert, ebenso wie die Standorte der Überwachungskameras und Alarmsensoren. Wenige Türen trennten ihn vom Ziel – eine unscheinbare Vitrine im Trakt für Militärgeschichte. Bis er das Objekt seiner Begierde aufgespürt hatte, waren Wochen vergangen. Anschließend hatte er tagelang das Museum observiert. Heute würde er das Artefakt endlich in seinen Besitz bringen und dann …
Zian bezwang die aufsteigende Euphorie, in dem er die Hände zu Fäusten ballte. Noch ist es nicht so weit. Die Zeit seiner Rache würde kommen. Er würde derjenige sein, der die Menschheit in die kosmische Bedeutungslosigkeit zurückführt und damit in Sicherheit. Perry Rhodan musste sterben, denn so lange er lebte, würde er das Solsystem immer wieder Invasoren und interstellaren Feinden zum Fraß vorwerfen.
Zian bog nach rechts in einen zirka fünfzig Quadratmeter großen Raum und stand unmittelbar vor dem anvisierten Schaukasten in dessen Mitte. Ein kurzer Impuls seines Mikrostrahlers genügte, und das Schirmfeld um die Vitrine brach in einer Zehntelsekunde zusammen. Hastig klebte er einen Chip auf den Schirmfeldsensor. Er würde der Positronik simulieren, dass das Feld weiterhin intakt ist. Sein Einbruchswerkzeug verhalf ihm, das einfache Schloss zu öffnen.
Die Sicherheitsvorkehrungen des Museums waren fahrlässig schlecht. Allein die Anwesenheit von menschlichen Wärtern machte das deutlich. Ein Bataillon von KAROS hätte das Gebäude und seinen Inhalt viel effektiver schützen können. Es ärgerte ihn, dass er bei seinem Einbruch kaum auf Widerstand traf.
Er griff nach dem Ausstellungsstück, wog es für Augenblicke in seiner Hand. Tränen stiegen ihm in die Augen. Das Objekt hatte einst Bai Jun gehört. Der General der chinesischen Armee war von Zians Eltern als Held verehrt worden. Wie er hatten sie uigurische Wurzeln. Anfangs schätzte auch Zian ihn, bis er begriff: Bai Juns Überlaufen auf Perry Rhodans Seite setzte erst die Kette von Ereignissen in Gang, durch die später Abertausende unschuldige Menschen den Tod fanden. Bai Jun hätte dem ein Ende setzen können, wenn er Rhodan damals beseitigt hätte. Leider war es nicht so gekommen. Daher würde er – Zian Mun-Tian – diese Aufgabe übernehmen.
Kurzzeitig überwältigte ihn das Gefühl von Macht, bis ihn näherkommende Schritte in die Wirklichkeit zurückholten. Hastig stopfte er den Gegenstand in einen Rucksack und nahm eine Pappschachtel aus der Vitrine. Der Karton war alt, zerbröselte in seinem festen Griff. Ein kleines Objekt aus Messing fiel aus der Schachtel und schlug scheppernd auf den Steinboden.
Zian hielt inne, kauerte sich hinter die Vitrine und desaktivierte seine Leuchte.
Die Schritte wurden lauter. Ein Lichtkegel tanzte durch den Korridor und leuchtet in den Raum hinein. Stück für Stück tastete sich das Licht vor, entriss den Raum der Dunkelheit, nur um ihn Augenblicke später wieder zurückzugeben.
Die Sekunden zogen sich. Zian wagte nicht, zu atmen. Solange der Wärter nicht hereinkam und hinter die Vitrine trat, war er sicher. Das hoffte er. Sein ganzes Vertrauen setzte er in den Störsender in seiner Brusttasche, der nicht nur die Signale der Kameras und Sensoren täuschte, sondern ebenfalls die Ausrüstung des Museumswärters.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erlosch der Lichtkegel und die Schritte verklangen im Flur.
Zian atmete durch. Er wartete, bis sich der Mann weit genug entfernt hatte, am besten ins darüberliegende Stockwerk. Angestrengt lauschte er den Geräuschen des nächtlichen Museums. Das alte Gemäuer war voller Holz. Es lebte. Jeder Türrahmen, jedes Fenster nahm statische Spannungen auf und gab sie mit einem Knacken weiter. Es dauerte lange, bis er das Knirschen der Balken über sich hörte, die die Schritte des Wärters verursachten. Der Mann drehte nun im Obergeschoss seine Runde.
Langsam erhob er sich, tastete mit dem Strahl seiner Leuchte über den Boden und fand schließlich das Objekt, das aus der Schachtel gefallen war. Er bückte sich und hob es auf.
Im gleichen Augenblick knisterte es. Die Beleuchtung im Raum sprang von null auf volle Stufe. Geblendet kniff Zian die Augen zusammen. Was zur Hölle? Jeden Moment erwartete er, den Alarm zu hören, aber es blieb still.
Stattdessen fragte ein dünnes Stimmchen: »Warum willst du mir etwas wegnehmen?«
Zian fuhr herum.
Auf halben Weg zwischen ihm und dem Korridor stand ein Mädchen.
Sie war etwa fünf oder sechs Jahre alt, hatte die blauschwarzen Haare zu zwei Zöpfen geflochten und trug ein lindgrünes Kleidchen mit Rüschen an Ärmeln und Saum.
Einen Augenblick lang stieg das Bild seiner Schwester aus seinen Erinnerungen hervor. Zian konnte sich nur schwach an sie erinnern. Sie war drei Jahre älter als er gewesen und zusammen mit den Eltern bei dem Überfall der Sitarakh gestorben. Dennoch weckte der Anblick des Kindes vor ihm eine längst vergessene Assoziation.
Die Kleine sah zu ihm auf. In ihren Augenwinkeln glänzte es feucht und in ihrem rechten Arm, den sie gegen die Brust drückte, steckte ein Plüschhaluter. »Warum tust du das?«, fragte sie.
Er barg den Gegenstand, den er vom Boden aufgehoben hatte in seiner Faust und umfasste seinen Rucksack fester. Niemals würde er zurückgeben, was er aus der Vitrine genommen hatte, schon gar nicht diesem Kind, dass ihn so anklagend anschaute. »Was willst du hier? Wer bist du überhaupt?«
»Ich bin Xenia und ich passe hier auf, damit niemand etwas wegnimmt.«
Zian lachte. »Du!« Sich von einem kleinen Mädchen aufhalten zu lassen, der Gedanke war absurd. Der Museumswärter hielt sich immer noch im oberen Stockwerk auf, Zeit genug für Zian, sich aus dem Staub zu machen. Drei oder vier Schritte, und er wäre an der Tür. Er zögerte.
»Was willst du eigentlich mit dem alten Zeug? Es hat keinen Wert für dich?«, sagte die Kleine.
»Woher willst du das beurteilen?«
»Ich weiß es.« Sie wickelte einen ihrer Zöpfe um den Finger.
»Nichts weißt du.« Zian wurde wütend. Warum ließ er sich überhaupt auf diese Diskussion ein? Das Kind stellte kein Hindernis für ihn dar. Er brauchte es nur beiseitezuschieben und schon war er draußen. Er trat einen Schritt zur Seite, um an der Kleinen vorbei zukommen.
Sie folgte seiner Bewegung und stellte sich ihm in den Weg.
Zian schreckte zurück. »Lass mich durch!«
Sie schüttelte so heftig den Kopf, dass die Zöpfe herumwirbelten. »Erst wenn du es wieder hinlegst.«
»Einen Teufel werde ich tun.« Zian versuchte es auf der anderen Seite, umrundete die Vitrine und eilte zur Tür. Auch dieses Mal war das Mädchen schneller und blockierte den Weg zum Ausgang. Irgendwie hatte er Skrupel das Kind einfach zu überrennen.
»Da!« Um sie abzulenken, warf Zian ihr das Messingobjekt zu, das er vom Boden aufgehoben hatte.
Sie fing es geschickt mit der linken Hand auf.
Die Schnelligkeit und Präzision, die in dieser Bewegung lag, irritierten Zian. Das ist kein Kind, das ist … »Was bist du?«
»Ich bin Xenia und ich passe auf, dass niemand etwas aus dem Museum stielt. Auch du nicht.«
»Du bist kein Mensch.« Es klang mehr wie eine Frage als wie eine Feststellung.
Sie hielt die Messinghülse gegen das Licht. »Was willst du eigentlich, mit dem alten Kram?«
»Ich will …« Er stockte. Was gingen dem Mädchen seine Motive an?
»Du willst es doch nicht etwa benutzen?« Die Augen der Kleinen weiteten sich. Die Empörung in ihrer Stimme war tadelnd.
»Das ist meine Sache«, erwiderte Zian.
»Hat es mit der Sechzig-Jahrfeier zu tun?«
Er runzelte die Stirn. Jetzt wird es unheimlich. Er hatte niemandem von seinen Plänen erzählt. Woher wusste sie, dass er das Ausstellungsstück bei den Feierlichkeiten benutzen wollte? Im Normalfall wäre er längst davongelaufen. Irgendetwas an den Aussagen des Kindes weckte sein Interesse.
»Wer bist du und was willst du von mir?«
»Ich bin Xenia …«
»… und du passt auf, das keiner etwas stielt. Ich weiß«, unterbrach Zian sie. »Bist du ein Roboter?«
Sie neigte den Kopf und blinzelte. »Nein!«
»Dann vielleicht eine außerirdische Lebensform, die menschliche Gestalt annehmen kann und die man hier als Museumswärter engagiert hat?«
Sie drückte den Plüschhaluter fester an ihre Brust. »Nein, ich bin Xenia«
»Kannst du Gedanken lesen?«
Sie schwieg.
Zian wartete. Ist das ein Ja oder ein Nein? Nervös blickte er zur Tür. Der Wärter hätte sein Gespräch mit Xenia längst bemerken müssen. Wo blieb er?
»Sie wird nicht funktionieren«, sagte das Mädchen.
Zian horchte auf. »Woher willst du das wissen?«
Sie machte eine umfassende Geste. »Weil jedes Objekt unschädlich gemacht wird, bevor es hier ausgestellt werden kann.«
»Dann repariere ich es«, entgegnete er trotzig, obwohl er wusste, dass er das höchstwahrscheinlich nicht konnte. Aber er kannte genug Leute, die die Fähigkeiten dazu hatten. Es würde seinen Plan verzögern, nicht verhindern.
»Selbst wenn es dir gelingt. Jeder wird wissen, was du damit vorhast, Zian Mun-Tian.«
Er erschrak. Sie kannte seinen Namen. Was weiß sie noch?
»Wen auch immer du damit schaden möchtest, es wird dir nicht das geben, wonach du dich sehnst«, fuhr sie fort.
Zian trat einen Schritt zurück. Die Situation wurde mit jeder Minute beklemmender.
»Niemand wird dir böse sein, wenn du die Waffe in die Vitrine zurücklegst. Du bekommst von mir sogar ein Geschenk.« Unvermittelt hielt sie ihm den Plüschhaluter entgegen.
Wut und Anspannung waren Irritation gewichen. Zians Willen bröckelte, die Verbissenheit verwandelte sich in Unsicherheit. Was, wenn die Waffe tatsächlich nicht funktionstüchtig war und er sie nicht reparieren konnte? War etwas dran an ihren Worten? Würde ihn der Tod Perry Rhodans durch die Waffe, die einst dem chinesischen General Bai Jun gehört hatte, keinen Frieden bringen?
»Dein Leben wird dadurch nicht besser werden. Was auch immer du verloren hast, wirst du damit nicht zurückerhalten«, sagte das Kind mit der Weisheit einer alten Frau.
Zian schluckte. Die Kleine hielt ihm weiterhin den Plüschhaluter hin. Die Geste rührte ihn. Hatte seine Schwester nicht ebenfalls einen gehabt? Der Funken einer Erinnerung gleißte in seinem Kopf. Die große Schwester, die den kleinen Bruder tröstete, weil er hingefallen war.
Er griff in den Rucksack und zog den Revolver hervor. Die kurzläufige schwarze Waffe lag unangenehm schwer in seiner Hand. Sie gab einen starken metallenen Geruch ab, der ihn augenblicklich anwiderte. Er sah zu der Kleinen.
Sie nickte ihm aufmunternd zu.
Wie von einer fremden Macht gesteuert, legte Zian sie in die Vitrine zurück. Ebenso die Schachtel mit der Munition. Die Pappschachtel war an mehreren Stellen gebrochen. Die Patronen aus Messing quollen heraus. Vorsichtig schob er sie an den Platz, an dem sie gelegen hatte.
»Danke!«, sagte das Kind und kam näher.
Zian wich zurück und umrundetet die Vitrine. Das Mädchen war unheimlich. Alles, was in den vergangenen Minuten passiert war, war unheimlich. Er verspürte Furcht, wollte fliehen, raus aus diesem Albtraum.
»Dein Geschenk. Du hast dein Geschenk vergessen.« Sie hielt ihm den Plüschhaluter hin.
Zian nahm die Arme hoch, als wolle er sich ihr ergeben. »Du kannst ihn behalten. Ich brauche ihn nicht.«
Sie drückte ihn wieder an sich. »Du kannst jetzt gehen. Ich werde niemandem verraten, dass du da warst.«
Das glaubte Zian zwar nicht, dennoch wollte er hier weg. Was immer Xenia war, ein Androide oder eine perfekte holografische Simulation, er hatte Angst vor ihr. So viel Angst, dass er all seine Pläne über den Haufen warf. In ein paar Stunden würde er sich dafür einen Narren schelten und Selbstvorwürfe machen. In diesem Augenblick war ihm das egal.
Mit gebührendem Abstand ging er an der Kleinen vorbei zur Tür.
»Leb wohl, Zian. Ich hoffe, wir sehen uns nicht wieder«, rief sie ihm hinterher.
»Das hoffe ich auch«, murmelte er, als er durch den unbeleuchteten Korridor zum Ausgang rannte.
Draußen vor dem Museum hielt er kurz inne und sah hinauf in den mondhellen Himmel. Der sechzigste Jahrestag der Mondlandung würde ohne Zian Mun-Tian stattfinden. Sein großartiger Plan hatte sich in Luft aufgelöst. Hatte er tatsächlich geglaubt, er könne mit einer historischen Waffe ein Attentat auf Perry Rhodan verüben? Die Idee kam ihm mit einem Mal völlig absurd vor.
Er schüttelte sich, als könne er sich so von den Erlebnissen der letzten Minuten und der Erinnerung an seine kleine Schwester befreien. Im Augenblick war er nicht in der Lage einen Gedanken an Rache zu verschwenden. Die Begegnung mit dem seltsamen Kind hatte ihn aus der Bahn geworfen. Womöglich hatte sie damit recht, dass eine Gewalttat nichts an seinem Leben ändern würde. Der Gedanke nistete sich in seinem Kopf ein und bohrte sich tiefer.
Zian betrachtete die Schatten der Sandsteinfiguren auf dem Pflaster. Sie bewegten sich, schienen nach ihm zu greifen. Er sah über die Schulter und fröstelte. Das finstere Gebäude ragte wie eine Mauer aus Schwärze vor ihm auf, die auf ihn einzustürzen drohte. Nie wieder würde er einen Schritt in die Nähe des Museums setzen. Er rannte los, so schnell und so weit weg, wie es ihm möglich war.

Zwei Tage später – Zian Mun-Tian war auf dem Weg zum Mars, um für einen Job in Bradbury Central vorzusprechen – brachte »Terra News« einen Bericht über das Museum. Das neue Sicherheitssystem XENIA hatte seine Feuerprobe bestanden. Das KI-basierte System war von Psychologen und Sozialwissenschaftlern erdacht worden und arbeitete mit holographischen Projektionen, Prallfeldern und Psychopharmaka. Es zielte auf Abschreckung und mentale Einflussnahme potentieller Straftäter. Sechzig Jahre nach der Mondlandung von Perry Rhodan und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen sollte es den Kampf gegen die Kriminalität auf Terra für immer verändern.

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