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»Perry Rhodan, mein Leben und zurück« von Thomas Seidel

Mein Name ist Thomas, ich bin 1972 geboren, also elf Jahre nach dem am 8. September 1961 erschienenen ersten PERRY RHODAN-Band »Unternehmen ›Stardust‹«, und somit etwa ein Jahr nach dem fiktiven Start der STARDUST zum Mond am 19. Juli 1971, »Projekt Mondschuss«. Leider war ich damals, in den 1970ern, natürlich noch ein Kind, ohne Kenntnis von all dem – im Gegensatz zu heute, 2021, dem 60. Jubiläum von PERRY RHODAN. Doch ein angekokeltes PERRY RHODAN-Buch sollte mein gesamtes Leben verändern.
Als ich die beiden aktuellen Ausgaben der Erstauflage von PERRY RHODAN in Händen hielt, wurde mir durch Perrys Geist auf dem Cover der 5000. Publikation, Band Nr. 3134 »Unternehmen Sternenstaub«, bewusst, dass hier die Vergangenheit von 60 Jahren zu mir spricht und im Grunde sogar darüber hinaus. Noch deutlicher wurde mir dies durch den Sonderband zu 60 Jahren PERRY RHODAN, der den kompletten Band Nr. 1 »Unternehmen ›Stardust‹« beinhaltet und sich auf eine magische Weise die beiden Cover miteinander verbinden. Genau wie Bully in dieser Geburtstagsausgabe verlor auch ich mich in Gedanken – ein Flashback meines Lebens, seit meiner frühen Kindheit. Mit einem Schlag wurde mir bewusst, wie prägnant PERRY RHODAN im Grunde mein ganzes Leben bis heute nicht nur begleitet, sondern viel mehr auch beeinflusst hat.

Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie ich mit vier oder fünf Jahren, also etwa im Jahr ’76 oder ’77, aus meinem Kinderzimmer schlich, da ich zu später Stunde, in der Nacht, komische Geräusche aus dem Wohnzimmer vernommen hatte. Neugierig wie ich war, näherte ich mich der Wohnzimmertür, die einen winzigen Spalt aufstand, erhellt durch das wechselnde bläuliche Geflimmer des Fernsehgeräts. Dieser helle Schlitz war für mich wie ein Magnet, wie das helle, anziehende Licht für Motten in der Nacht, die mich in diesem dunklen Zimmer ebenso umgab. Ich kam näher und näher, konnte gerade so den Bildschirm des Fernsehers erahnen. Doch die Bilder in meinem Kopf, in Anbetracht der Geräusche des Films und der Laute, welche die agierenden Personen von sich gaben, vermochten in meinem Kopfkino weitaus schrecklicher zu sein, als das, was ich zu vermuten glaubte. Dann endlich, das Bild des Fernsehers. Eine riesige fremde Gestalt, mit abnormen Augen und einer Art großem, offenem Gehirn, lief vor einem gigantischen Kugelraumer auf einer fremden Welt auf eine Frau und zwei Männer zu … Es sah für mich so echt und wirklich aus, dass ich Angst und Panik bekam. Weg! Schnell weg!, war mein einziger Gedanke. Als könne das Monster aus dem Fernseher herauskommen oder plötzlich gar irgendwo in dem dunklen Zimmer sein, in dem ich mich gerade befand. Wie eine Fledermaus scannte mein inneres Auge genau die Umgebung, welche sich, wie ein Radarbild bei Tag, in mein Bewusstsein geprägt hatte und ich flitzte zurück in mein Bett, unter die schützende Decke. Es war die längste Nacht, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnern kann. Mein Bett stand vor einem Fenster, genau auf der dunklen, abgewandten Seite unseres Hauses, an den Wald angrenzend. Es gab keine Rollläden, nur die nahezu antiken Klappläden dieses altehrwürdigen Sandstein-Gebäudes in unserem kleinen Dörfchen mitten im Pfälzer Wald namens Frankenstein, welche im leichten Wind unheimlich knarrten. Ich war außerstande, diese zu schließen. Noch Jahre später verfolgte mich diese Nacht.

Einige Zeit später suchte ich ein Spielzeug. Es handelte sich um einen Spielzeug-Fernseher, in den hinten kleine Kästchen aufgesteckt werden konnten, um von vorn kurze Filmchen anschauen zu können. Dabei fiel mir eines dieser Filmkästchen hinter das Bücherregal meines Vaters. Der Versuch, dahinter zu fassen, blieb jedoch ohne Erfolg. Schließlich nahm ich ein abgebrochenes Lineal und schob das kleine Kästchen hervor. Doch halt! – Was war denn das? Ein Taschenbuch, seitlich, an der unteren Ecke, über alle Seiten hinweg, etwa zu einem Viertel der Länge verkohlt. Zum Glück hatte ich es gefunden!, so dachte ich. Irgendetwas hatte es wohl fast zum Brennen gebracht, hinter dem Schrank. Das hätte sicherlich das ganze Haus anzünden können! Ich betrachtete die Vorderseite, darauf war fast genau so ein schreckliches und gruseliges Wesen zu sehen wie in diesem Film in jener Nacht. Leider konnte ich zu dieser Zeit noch nicht lesen. Nur der witzige Schriftzug mit diesen comic-ähnlichen, fast tanzenden Buchstaben in diesem speziellen Blau, blieb mir lebhaft in Erinnerung. Es war der PERRY RHODAN-Planetenroman Nr. 22 »Der Geisteragent aus dem All«.
Natürlich zeigte ich meinem Vater am nächsten Morgen meinen erschreckenden Fund, was es für mich, in mehrerer Hinsicht, auch tatsächlich gewesen ist.
Auf diesem Weg erfuhr ich von meinem Papa, dass er bereits 1963, auf seinem damaligen Gymnasium »Am Rittersberg« in Kaiserslautern, eine Art Lesezirkel gegründet hatte für eine Raketenheft-Groschenroman-Serie namens PERRY RHODAN … So seine Worte.
Im Grunde war dies mein allererster Kontakt mit PERRY RHODAN. Doch leider sollte mein Leben zunächst einen ganz anderen Weg beschreiten.

Zu Weihnachten bastelte mir meine Mutter einen eigenen riesigen Adventskalender, mit an herabhängenden Bändern geknoteten Leinensäckchen, befestigt an dem von der Decke hängenden Adventskranz. An den Samstagen gab es jeweils ein etwas größeres Säckchen, unter anderem mit Hörspielkassetten von PERRY RHODAN. Natürlich hatte ich, wie viele andere zu dieser Zeit auch, bereits ältere Science-Fiction-Filme und -Serien aus den 1930er- bis zu den 1960er-Jahren gesehen.
Es folgte die Zeit der ersten und zweiten Klasse und ich bekam von meinem Vater seine ersten PERRY RHODAN-Heftchen geschenkt. Doch merkwürdigerweise las ich weder meine Kinderbücher noch PERRY RHODAN oder Comics. Ich schaute mir immer nur gerne die Bilder und Cover an! – So stellte sich heraus, dass ich Legastheniker bin. Vielleicht war dies auch der Grund, weshalb ich auf der einen Seite viel mehr all die Hörspiele liebte und auf der anderen Seite sehr großes Interesse an Zeichentrickfilmen und Fernsehserien hatte, anstatt wie mein Vater seit 1961 PERRY RHODAN zu lesen?!

In den Cornflakes-Packungen waren damals Schablonen von beliebten Zeichentrick-Figuren, um diese in verschiedenen Posen malen zu können. Meine Mutti malte mir die Figuren mit den Schablonen nach. Diese sahen fast wie die echten und für mich sehr lebendig aus, doch etwas fehlte. Enttäuscht sagte ich meiner Mutter, dass sich diese aber auch bewegen sollen wie im Film! Daraufhin zeigte mir mein Vater eines Abends, was ein Daumenkino ist und wie es funktioniert bzw. wie diese selbst gemacht werden können. Bild für Bild, etwas immer leicht so zu verändern, dass es hintereinander beim schnellen Ansehen wie eine Bewegung wirkt. Also legte ich los und kritzelte so ziemlich alle Malblöcke voll, die ich nur finden konnte. Die Bildchen sahen noch sehr nach den alten ersten 2D-Graphiken der ursprünglichen Atari Spielkonsole aus, doch ich war zufrieden.
Etwa in dieser Zeit nahm ich, aus Neugierde wie es funktioniert, auch den Spielzeugfernseher auseinander und stellte fest, dass in diesen kleinen Filmkästchen zum Aufstecken Super-8-Schmalfilm-Material enthalten ist. Ganz deutlich konnte ich die aneinandergereihten winzigen Bildchen auf dem transparenten Filmstreifen erkennen, fast wie bei meinen selbstgemalten Daumenkinos. Aufgrund meines Interesses bezüglich dessen, wie »Film« funktioniert, bekam ich im selben Jahr, zu Weihnachten, meinen ersten Super-8-Filmprojektor. Dazu eine komplette 120-m-Filmrolle eines stark gekürzten Science-Fiction-Films: »Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall«. In dieser speziellen, etwa 20minütigen Schnittfassung war der Film um Längen besser als das verkitschte Original in voller Spielfilmlänge.

Die Jahre 1978 und ’79 waren ausschlaggebend für den Rest meines Lebens. An Ostern bekam ich mein allererstes PERRY RHODAN-Comic »Unser Mann im All«, welches mir mein Vater schenkte. Sofort konnte ich anhand der tanzenden, blauen Schrift zuordnen, dass es sich um dieselbe handelte, wie damals auf dem angesengten Buch. Ich war begeistert! Endlich konnte ich noch mehr erfahren über diese geheimnisvolle Welt hinter den wundervollen und spannend anmutenden Heftcovern von Papas Sammlung. Vor allem konnte ich bereits etwas lesen: »Peeeerriii Rhoooodaaan«!
Doch leider führte mich mein Interesse an der Filmwelt zu dieser Zeit weg von den Hörspielen und Comics und somit weg vom Lesen und von den Büchern und vor allem noch weiter weg von PERRY RHODAN!

Zu meinem siebten Geburtstag bekam ich dann von meinem Papa meine erste Super-8-Filmkamera. Der erste selbstgedrehte Zeichentrickfilm von mir war jedoch tatsächlich eine Raumschlacht mit Kugelraumern, welchen ich gemeinsam mit meinem Cousin Jonas gemalt hatte. Wir stellten diesen Film in Schablonen-Lege-Technik her, denn Computer, digitale und Animations-Programme gab es damals noch nicht.
Doch all diese fremden Wesen und Welten, aber auch gerade wie die Filme aus dieser Zeit mit zum Teil gigantischen Raumschiffen gedreht und gemacht wurden, ließ in mir den Keim wachsen, dass es doch möglich sein müsste, auch PERRY RHODAN zu verfilmen!? Daher fasste ich den Entschluss, wenn ich groß bin, zum Film zu gehen, um diesen Traum zu verwirklichen. Von diesem Tage an wollte ich Regisseur werden!

Mein Cousin und bester Freund Jonas las und liest, seit damals bis heute, immer noch PERRY RHODAN. Zunächst hörten wir gemeinsam die Hörspiele, welche er auch besaß. Sein Vater las ihm auch regelmäßig aus den aktuellen Heften vor, von denen er mir immer ganz aufgeregt und gespannt berichtete. In dieser Zeit nahmen wir unser erstes, selbst gemachtes Hörspiel von »Mission Stardust« auf Kassette auf. Er war Perry Rhodan und ich sollte Bully geben. Jonas versuchte, mich immer wieder für PERRY RHODAN zu begeistern und bastelte mit mir aus Styropor-Kugeln, Zahnstochern und Gips die ersten Kugelraumer-Modelle. Zu dieser Zeit war ich bereits sehr begeistert von den Zeichnungen und Bildern der PERRY RHODAN-Hefte, vor allem von den Risszeichnungen. Als wir schließlich in die höhere Schule gingen, kam nicht allzu lange vorher gerade die 5. Auflage heraus. Mit der fing nun auch Jonas an, selbst wöchentlich PERRY RHODAN zu lesen. Ich weiß noch genau, dass er mir einen Jubiläumsband gezeigt hatte. Ich glaube, es dürfte der Band 1000 gewesen sein, wenn ich mich nicht irre. Täglich auf dem Weg zur Schule fragte ich ihn über die aktuellen Inhalte der Hefte, die er gerade gelesen hatte, aus. Schließlich lieh er mir damals seinen Silberband 1, mit diesem tollen 3D-Bild auf dem Cover, das bis heute das einzige Buch ist, welches ich mehrmals gelesen habe und das, zu meiner Schande, bis heute noch immer in meinem Besitz ist (sorry, Jonas).

PERRY RHODAN hat mein Leben stets auf die eine oder andere Weise begleitet. Tatsächlich habe ich, auch zum Teil in diesem Zusammenhang, meinen Abschluss im Bereich der Multimedia-Produktion gemacht. Meine Triebfeder ist nach wie vor die Vision einer filmischen Umsetzung von PERRY RHODAN gewesen. Wie es der Zufall wollte, las ich damals, zum Beginn meiner Ausbildung, einen Artikel von Robert Vogel über eine geplante Filmproduktion von PERRY RHODAN in dem Genremagazine TV-Highlights – mein Traum zerplatzte wie eine Seifenblase. Anfang der 1980er-Jahre, zur Zeit meiner Jugend, war PERRY RHODAN gerade mal 20 Jahre alt gewesen. Doch bald schrieben wir das Jahr 2000 und PERRY RHODAN war bereits doppelt so alt geworden. Dieser Kollaps führte dazu, dass ich fast gänzlich jeden Bezug zu PERRY RHODAN verloren hatte.
Doch war es auch dem Aspekt geschuldet, dass STAR TREK in dieser Zeit sehr populär gewesen ist und ich mich, Anfang der 1990er-Jahre, einem Fanclub in Mannheim angeschlossen hatte. Dies blieb auch für die kommenden 20 Jahre so. Ich verfolgte nur noch interessiert, was das PERRY RHODAN-Filmprojekt anging. Doch plötzlich hörte oder las ich auch davon gar nichts mehr, bis ich im Rahmen einer Medienarbeit, das Erstellen eines Exposés zu einer möglichen PERRY RHODAN-Doku, erfuhr, dass die Filmrechte wieder frei geworden sind. Natürlich beschäftigt mich die Frage, warum bei all den Möglichkeiten, die es seit den 1970er-Jahren gab und gibt, PERRY RHODAN nie verfilmt wurde. Gerade heute gibt es mit all den neuen Medien, wie beispielsweise NETFLIX oder PRIME und all den digitalen Animationen und Effekten, noch weitaus mehr Möglichkeiten, dies realisieren zu können. Doch natürlich bin ich heute deutlich rationaler und weniger ein kindlicher Visionär wie vor 40 Jahren – so kam es, dass ich mit Band 3000 das erste Mal so richtig damit anfing, ins Perryversum einzusteigen. Seitdem sammle ich alles was ich finden kann und höre oder lese täglich die Hörbücher ab Silberband 1 und die der aktuellen EA, inklusive NEO.

Wir sind eine richtige kleine PERRY RHODAN-Familie geworden, seit wir 2015 den noch bestehenden, ehemaligen Lesezirkel meines Vaters übernahmen und daraus später den PERRY RHODAN-Stammtisch Kaiserslautern gegründet haben. Meine Kleine mit fast 10 mag die Hörspiele von Gucky und die alten von Europa, meine Frau ist mehr ein Anhänger von NEO geworden, während ich selbst zwar fast alles von PERRY RHODAN mag, jedoch vorwiegend Leser bzw. Hörer der EA bin.
Heute wird PERRY RHODAN, die größte Science-Fiction-Serie der Welt, 60 Jahre alt und ich werde bald 50 sein. Im Grunde hat PERRY RHODAN in seinem 60-jährigen Bestehen, mehr als zwei Drittel seiner Existenz, über 40 Jahre lang, mein Leben begleitet und zum Positiven beeinflusst.
Es ist dieser Heftromanserie mit den nunmehr über 5000 Publikationen zu verdanken, dass ich heute ein stückweit zu dem Menschen wurde, der ich bin. Meine Familie und ich, gemeinsam mit unserer noch recht kleinen Fan-Gruppe mit überwiegend Neulesern des heutigen PERRY RHODAN-Fantreffen Kaiserslautern, haben uns zum 60. Jubiläum von PERRY RHODAN das Ziel gesetzt, unter dem Motto »Mit Kurs auf 4000« den Generationswechsel zu schaffen, in dem wir junge und neue Leser für PERRY RHODAN begeistern möchten.
Dahingehend sind wir, im Jubiläumsjahr, im September 2021, der PERRY RHODAN-FanZentrale beigetreten.

Als kleines Highlight haben einige von unserem PERRY RHODAN-Fantreffen Kaiserslautern ein witziges Cosplay zum 60. Geburtstag von PERRY RHODAN auf den Cosplay-Tagen im Technik-Museum Speyer gemacht. Es war schön, dass wir von vielen Besuchern trotz unserer noch recht wenig authentischen Darstellung von PERRY RHODAN-Figuren wie Bully, Atlan, eine Arkonidin sowie eine Ferronin und ein Ara als auch ein Gucky erkannt worden sind. Wir wollten die Museumsbesucher auf PERRY RHODAN neugierig machen, denn so manches, was von PERRY RHODAN, der größten Science-Fiction-Serie der Welt, kommt, gibt es schon wesentlich länger als vieles Bekannte der heutigen modernen Science-Fiction.
Letztlich kann ich mir, als Fan der Serie, nun doch ein Stück weit meinen Lebenstraum von und mit PERRY RHODAN erhalten, indem wir vom PERRY RHODAN-Fantreffen Kaiserslautern gemeinsam aktiv sind und uns aus Spaß an der Freude mit Gleichgesinnten treffen und austauschen.

Happy Birthday, PERRY!

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